8. September 2008

Der Teufel mit den 7 Gesichtern

Julie Harrison wird nach einer amüsanten Party, auf der sie den galanten Anwalt Dave Barton kennengelernt hat, auf ihrem Weg zum Wagen verfolgt. Als sie kurz darauf einen Anruf ihrer Zwillingsschwester Mary bekommt, in dem ihr eröffnet wird, daß Mary in einer brenzligen Lage ist die lebensbedrohliche Ausmaße angenommen hat, sucht sie Anwalt Barton auf und schildert ihm ihre Probleme: Mary soll einem Maharadscha einen wertvollen Diamanten zusammen mit ihrem Ex-Mann gestohlen haben und nun sind nicht nur hinter dieser, sondern auch wegen der verwechselnden Ähnlichkeit hinter Julie, einige Gangster her, welche sich den Klunker unter den Nagel reißen wollen. Zusammen mit dem Rennfahrer Tony, den sie durch Barton kennengelernt hat, versucht sie, die Kriminellen loszuwerden.

Regisseur Osvaldo Civirani hat hier einen sehr lockeren Krimi inszeniert, welcher mit einigem Staraufgebot aus dem italienischen Genrekino aufwarten kann. Allen voran das Hauptdarsteller-Duo Hilton und Baker hat es dabei in sich und läßt eigentlich schon gehobenere Genrekost erwarten. Während Hilton vor allem durch einige Italowestern und später dann mit Edwige Fenech ein Traumpaar in Gialli wie Der Killer von Wien bildete, so war Baker zum Anfang ihrer Karriere im James Dean-Streifen Giganten und einigen anderen hochkarätigen Hollywood-zu sehen bis es sie irgendwann nach Italien verschlug und sie dort unter anderem in Genreproduktionen wie Der schöne Körper der Deborah oder Il Corpo mitzuwirken. Hier spielt Baker die vom alten deutschen Videotitel titelgebende Diamantenlady und bringt eine solide Leistung an den Tag. Die Chemie mit ihrem Partner George Hilton stimmt, wobei dieser allerdings immer noch die mimisch beste Leistung im Film an den Tag legt. Das wohlbesonnene Strahlemann-Image steht dem gebürtigen Uruguayaner einfach und so darf er auch hier heftigst seine Filmpartnerin bezirzen. Einen weiteren Pluspunkt bekommt Hilton übrigens in der deutschen Synchronisation, wird er doch Thomas Danneberg gesprochen.

Und trotz eines relativ gemütlichen Erzähltempos macht man hier keine Gefangene und steigt schon relativ zügig in die Handlung ein und verschwendet keine Zeit mit irgendwelchen "lästigen" Erklärungen oder Einführungen der Figuren. Nach und nach kommt in dem mit einigen eleganten Kamerafahrten gesegneten immer ein Stück Story mehr ans Licht um den Zuschauer auch einigermaßen bei Stange zu halten. Dies gelingt Regisseur Civirani recht gut, besitzt Der Teufel mit den 7 Gesichtern keine wirklichen Längen. Lediglich im Wust der Wendungen und Einführungen neuer Figuren kann man schon mal kurz den Überblick verlieren, bevor man die Geschichte wieder in einige geordnete Bahnen lenkt. Diese ist im großen und ganzen nicht allzu verworren, fordert aber schön zum Mitraten auf, auch wenn man sich mit einigen scharfen Vermutungen schon denken kann, wie der Hase läuft.

Relativ unspektakulär und konventionell wird hier eine Krimigeschichte erzählt, welche - wohl Aufgrund der beiden Hauptdarsteller - immer mal wieder fälschlicherweise in das Genre des Giallo eingeordnet wird. Allerdings sind hier keinerlei Giallo-Elemente zu finden, auch wenn der Film einige kleine, stimmige Spannungselemente auszumachen hat. Den größten Teil über wird aber eher eine ruhige Kugel geschoben und erst - nach einigen ganz netten Wendungen - die Katze bzw. die Pointe aus dem Sack gelassen, welcher einen zufrieden im Sessel verweilen läßt, während zur Fin-Einblendung das schöne, von Stelvio Cipriani komponierte, Titelthema nochmal die Ohren schmeichelt. Der Teufel mit den 7 Gesichtern ist wahrlich kein großer Wurf, aber solide Krimikost aus der Blütezeit des italienischen Genrekinos.
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