14. September 2008

Fahrt zur Hölle, ihr Halunken

Die Bevölkerung des kleinen Wüstenkaffs Blackstone ist in Aufruhr. Der eigenbrötliche Brad befindet sich außerhalb der Stadt und man fürchtet, daß er sich an den Einwohnern der Stadt rächt. Vor langer Zeit haben diese nämlich seinen Bruder Johnny gelyncht, da man annahm, er habe die Bank beraubt und die Leute um ihr Geld gebracht. Da dieses Geld immer noch verschwunden ist, sinnt Brad nicht nur auf Rache sondern sucht auch noch nach den Moneten. Dabei verbündet er sich mit dem einarmigen Banditen El Diablo um nicht nur nach und nach die Mörder seines Bruders kaltzumachen, sondern auch um an das Geld zu gelangen.

Kein geringerer als Django-Regisseur Sergio Corbucci zeigt sich für diesen Italowestern verantwortlich, der mit einem auf den ersten Blick etwas ungewöhnlichen Hauptdarsteller aufwarten kann. Für die Rolle des Brad hat man sich nämlich Johnny Hallyday ausgesucht, welcher eigentlich ein in Frankreich sehr bekannter Rock'n'Roll-Sänger und -Songwriter ist. Doch anders als etwa die deutsche Rock'n'Roll-Schmalzlocke Peter Kraus versteht es Hallyday auch zu schauspielern. Man könnte sogar sagen, daß er in der Rolle des einsamen Brad sogar den gesamten Film trägt. Eine coole Sau verkörpert er da, welcher selbst in der ausweglosesten Situation trotzdem noch einen flotten Spruch auf den Lippen hat.

Doch auch der Rest der Schauspielriege darf sich sehen lassen und so versteht es Corbucci mit seinem Ensemble - darunter auch der deutsche Mario Adorf welcher den fiesen Banditenboss El Diablo verkörpert (dabei aber auch durch sein unnachahmliches Spiel einige Sympathien für diesen aufbauen kann - ein interessantes Ränkespiel auf die Beine zu stellen, welches zwei große Leitmotive des Italowesterns, die Suche nach Rache sowie die Suche nach einem unauffindbaren (Geld-)Schatz, schön miteinander kombiniert und dies mit Geschick immer weiter miteinander verstrickt. Und selbst wenn Fahrt zur Hölle, ihr Halunken einen recht ruhigen und gemächlichen Erzählstil besitzt und auch der Spannungsaufbau ebenso langsam von statten geht, kommen keinerlei Längen auf.

Schnell macht man diesen gewissen Reiz aus, den der Film versprüht und durch stimmige Settings und eine leicht grimmige Grundatmosphäre auffällt. Diese geht vor allem durch den Charakter des Protagonisten aus, der nicht nur wie ein vor Rache schreiender Eigenbrötler dargestellt wird, der nur seine Ziele verfolgt. Corbucci versteht es auch, leisere Töne anzustimmen um aus der Figur des Brad bald auch eine gebrochene Figur zu machen. Sinnbildlich hierfür ist sein Zusammenbruch während des Showdowns, der auch als Metapher für dessen Gefühlsleben angesehen werden kann. Brad ist nicht nur blind vom Gefühl der Rache getrieben, sondern durch den Tod seines Bruders am Rand der Verzweiflung, verbittert und resignierend. Die Konfrontation mit den Mördern ist vor allem auch eine Suche nach Erlösung und Ruhe, für den auch Brad einen hohen Preis zahlen soll.

Und trotz aller unterschwelliger Kritik an das Verhalten mancher Menschen, die Corbucci hier unterbringt, so fehlt dem Film das letzte Quäntchen, um vollends zu überzeugen. Ein für Italowestern ungewöhnlich schwacher Soundtrack dürfte hierbei noch am wenigsten ins Gewicht fallen. Die Behäbigkeit des ganzen Films ist eventuell etwas zu viel des Guten, da man nie so ganz gepackt wird und manche Dinge - wie zum Beispiel eine Band von jungen Rumtreibern - doch etwas unpassend erscheinen. Trotzdem ist Fahrt zur Hölle, ihr Halunken ein sehr sehenswerter Italowestern der vorallem durch seine Figurenzeichnung und einer gut aufgebauten Geschichte bestechen kann und vor allem im Wust unter den vielen Italowestern durch einen Hauch von Ungewöhnlichkeit heraussticht, allerdings einige kleinere störende Elemente das Ergebnis leider nicht ganz so rund aussehen lässt. Sollte man aber wie gesagt ignorieren (da dies im Endeffekt doch nicht gröber auffällt) und einen Blick riskieren.
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