8. September 2008

Wrong Turn 2: Dead End

Die tiefsten Wälder Virginias sind der Schauplatz einer atemberaubenden, neuen Reality-Show, welche sechs bunt zusammengewürfelte Kandidaten in das Szenario einer angeblichen postapokalyptischen Welt wirft. Weniger hochtrabend ausgedrückt sollen sie die Männlein und Weiblein vorstellen, sie seien nach einem Atomkrieg überlebende, während sie zur Belustigung der TV-Zuschauer im Wald rumstolpern. Angeführt von einem ehemaligen Militärausbilder als Moderator versucht man sich in drei jeweils zugelosten zugelosten Zweier-Paaren, im Wald die diversen Spiele zu überleben um 100.000 Dollar einzustreichen. Allerdings sind die Wälder auch die Heimat eines inzestverseuchten Clans voller mißgebildeter Hillbillies, welche am liebsten Menschenfleisch auf ihrer Speisekarte stehen haben. Alsbald wird aus dem Spiel blutiger ernst als die ersten Morde geschehen. Nun heißt es wortwörtlich, zu überleben und den Hinterwäldlern nicht in die Hände zu fallen.

Vier Jahre mussten vergehen, bis das Sequel zum recht launischen Vorgänger das Licht der Welt erblickte. Die Direct to Video-Produktion kann zwar nicht an diesen überdurchschnittlichen Backwood-Schocker heranreichen, versteht es dennoch, den Zuschauer recht gut zu unterhalten. Vor allem scheint man die ganze Zeit während des Drehs und auch schon bei der Realisation des Buches gewußt zu haben, daß die Mittel hier etwas limitierter sind. Also macht mein keine Gefangene und haut schon in einem kurzem Prolog dem Fan schon so einige garstige Goreeffekte um die Ohren. Alles unwichtige wird hier aufs nötigste heruntergefahren, so das auch die Story eigentlich nur ein Mittel zum Zweck ist. Altbekannt ist das ganze was hier in gut 90 Minuten aufgetischt wird, aufgepeppt allerdings mit dem hippen Überbau der Reality-Show. Kaum sind dann wieder einige Minuten vergangen, in denen die unterschiedlichsten Figurentypen etwas eingeführt wurden, findet man sich auch schon in der Hatz durch den finsteren Tann wieder.

Dann geht es rund und es werden kaum einige Verschnaufpausen eingelegt. Geschickt geht Joe Lynch mit dem Tempo um, drosselt es ein wenig um dann wieder wie mit höchstem Vergnügen die Spannungsschraube etwas hochzudrehen. Irgendwelche tiefgehende Charakterzeichnungen bleiben hier selbstverfreilich auf der Strecke, was man aber verschmerzen kann. Immerhin wird ja schon von Anfang an klargemacht, das es sich hier nicht um einen Arthouse-Streifen handelt. Trotzdem bleiben die Figuren nicht blass sondern gewinnen soviel an Konturen, das der Zuschauer mit den Charakteren mitfiebern kann. Wobei nicht die sechs Kandidaten, sondern deren Moderator und Führer der heimliche Star des gesamten Films ist. Dieser wird nämlich von der Punkrock-Legende Henry Rollins mit soviel Inbrunst dargestellt, das es immer wieder ein Vergnügen ist, den Herren auf der Mattscheibe zu sehen und man einfach nur attestieren kann, das er eine verdammt coole Sau ist.

Auf der anderen Seite sind da die Hillbillies, deren Make Up zwar nicht ganz so gut wie im Erstling ist, aber immer noch gut ausgearbeitet wurde. Dafür schlagen die Effekte in eine oldschoolige Kerbe, bei der jeder Gorehound vergnügt im Sessel jauchzt und den überdurchschnittlichen Kunstblutgehalt gerne begrüßt. Hier musste die deutsche Fassung drei Minuten an Federn lassen, welche vom Verleih schon im Vorfeld geschnitten worden sind. Zusammendfassend kann man über Wrong Turn 2 sagen, daß er zwar nicht an den etwas sauberer ausgearbeiteten Vorgänger heranreicht - vor allem da dieser eine immens dichtere und schönere Atmosphäre zu bieten hat - aber dennoch ein vergnüglicher No Brainer ist, der jedem Fan von Backwood-Horrorflicks schmecken dürfte.
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