13. Februar 2009

Amazonas - Gefangen in der Hölle des Dschungels


Irgendwo im tiefsten Amazonas treffen in einem kleinem Hotel in einem noch kleineren Dorf der ziemlich machohafte Archäologe Kevin auf Professor Ibanez und seine Tochter, einem Fotografen mit seinen zwei Models sowie einem ehemaligen Soldaten und seiner ziemlich trinkfreudigen Freundin. Kevin bekommt zufällig mit, wie diese Gruppe am nächsten Tag mit dem Flugzeug in eine größere Stadt möchte und seinen Weg dabei über dem sagenumwobenen Tal der Dinosaurier nimmt. Kevin fragt sowohl den Piloten als auch den Professoren ob es in Ordnung wenn er mitfliegt und dabei in eben diesem Tal, welches eigentlich für Touristen verboten ist, abgesetzt wird. Beide stimmen zu, doch der Flug ist mit einigen Turbolenzen versehen. Nach einer Notlandung, bei der eines des Models und der Pilot stirbt, macht sich der Rest der Truppe unter der Führung des Vietnamveterans auf den Weg, einen Ausweg aus dem Dschungel zu finden, immer mit den im Gebiet lebenden, kannibalistisch veranlagten Indios im Rücken. Es beginnt ein Wettlauf um Leben und Tod.

Und hereinspaziert in die wunderbare Welt des im originalen betitelten Nudo e Selvaggio, welcher im englischsprachigen Raum dieser Welt einfach mal so zur Fortsetzung von Umberto Lenzis Kannibalenkracher Cannibal Ferox gemacht wurde. Doch gemein hat er mit diesem harten Vertreter des Subgenres wirklich gar nichts. Aus Vermarktungszwecken hat man diese Schote zu einem "Kannibalenfilm" gemacht, um ihn ein wenig besser an das Videopublikum der damaligen Zeit zu bringen. Dabei kommen hier so gut wie gar keine Carnivoren vor, das Treffen auf die Wilden ist nur eine von vielen Episoden im Film und es gibt noch nicht einmal eine richtige Fresszene. Freunde des harten Kannibalenstoffs werden hier also enttäuscht aus der Wäsche schauen.

Trotzdem bietet Amazonas einen überaus großen Unterhaltungswert, für den sich der Regisseur Michele Massimo Tarantini verantwortlich zeichnet. Bekannt wurde dieser eher durch seine Erotikklamotten wie zum Beispiel dem Erstling der Flotten Teens-Reihe Flotte Teens und heiße Jeans. Nur selten hat er dabei das Genre verlassen und steuerte unter anderem auch noch einige Poliziotti, einen Frauenlager-Film sowie einen Conan-Rip Off bei. Mitte der Achtziger zog es Tarantini, im übrigen ehemaliger Assistenz- bzw. Second Unit-Regisseur von Sergio Martino, also in Dschungel um ein überaus flottes Abenteuer zu inszenieren, das dem Freund italienischer Trasharien vor Freude die Ohren glühen. Tarantini hat einmal kräftig in der Klischeekiste gewühlt und greift von Beginn an in die Vollen, das es eine wahre Pracht ist. Lässige Helden, saufende und keifende Weiber, zünftige Prügeleien, leicht zu habende Schönheiten und schlau dreinblickende Professoren. Schon nach gut einer Viertelstunde schlagen die Herzen der Italo-Schmuddelfanatiker vor Freude in die Höhe und stehen vor ihrem ersten Höhepunkt, wenn es zur Notlandung übergeht.

Denn spätestens wenn der bunt zusammengewürfelte Haufen im Dschungel ankommt, haut Tarantini mächtig auf die Kacke und präsentiert stark überzeichnete Charaktere, die man kaum ernst nehmen, aber gerade auch deswegen wieder gut finden kann. Die Darsteller, allein voran Hauptdarsteller Michael Sopkiw, kommen von ihrem Overacting-Trip gar nicht mehr runter. Erster Höhepunkt ist hier der Sterbeakt des Herren Professoren, der die lächerlichsten Grimassen schneidet, bis er final über den Jordan schippert. Fröhlich geht die Hatz in einem wirklich atemberaubenden Tempo durch den Dschungel. Dieser ist im übrigen nicht wie bei Jess Franco irgendein Stadtwald sondern doch recht authentisch in Brasilien abgefilmt worden. Begleitet werden dabei die Protagonisten durch einen unpassenden, aber auch flotten und angenehm ins Ohr gehenden Synthie-Soundtrack.

Das dabei die Story stark konstruiert und relativ unrealistisch erscheint, dürfte auf der Hand liegen und dürfte den niveauvollen Cineasten eher abschrecken. Tarantini läßt das Tempo straff und lockert dies erst ein wenig gegen Ende des Films, was diesem etwas die bisher wirklich Spaß bringende Inszenierung ein klein wenig verwässern läßt. Dort angelangt, entzückt Amazonas den Zuschauer als exploitativer Abenteurer-Streifen mit kleinen Action-Anleihen, bei dem irgendwo im ganzen Wust auch kurz sowas wie Kannibalen vorbeischauen. Wild geht es zu in Tarantinis Werk, grobschlächtig abgedreht und schön schmuddelig im Nachgeschmack. Wer schon immer mal eine sehr trashige Tour de Force á la Italia sehen wollte, der dürfte mit diesem recht unterhaltsamen Trashfilm bestens unterhalten sein.