18. März 2009

The Black Cat


Ein kleines, englisches Dorf wird von mysteriösen Todesfällen heimgesucht. Die hiesige Dorfpolizei steht bei ihren Ermittlungen vor einem Rätsel und fordert von daher bei Scotland Yard einen Experten an. Doch auch dieser ist schnell mit seinem Latein am Ende, bis er von einer Fotografin, die er bei einem Fall für Tatortfotos zur Hilfe gezogen hat, eine für sich zuerst recht abenteuerliche Lösung der Sache hört. Die Fotografin erzählt ihm von einem alten, zurückgezogen lebenden Mann, der ein Medium ist und ihr erzählt habe, das eine schwarze Katze die bei ihm aufgetaucht ist, für die Morde verantwortlich ist. Der Experte möchte ihr zuerst nicht glauben, doch seine Zweifel hellen etwas auf, als bei einem der Toten Haare von einer schwarzen Katze gefunden werden.
Die recht populäre Kurzgeschichte "Die schwarze Katze" aus der Feder von Edgar Allan Poe hat in der bisherigen Filmgeschichte schon einige Verfilmungen über sich ergehen lassen müssen. Zuletzt versuchte sich Re-Animator-Regisseur Stuart Gordon innerhalb der TV-Serie Masters of Horror an einer Adaption des Stoffes. Auch aus Italien gab es dabei einen Versuch, Poes Geschichte auf die Leinwand zu bringen. Dabei vergriff sich Lucio Fulci zusammen mit seinem Co-Autoren Biagio Proietti an dem klassischen Stoff. Fulci hatte gerade erst zwei Filme im Horrorgenre gedreht, welche beide allerdings im Fandom mittlerweile einen riesigen Kultstatus errungen haben: Woodoo - Die Schreckensinsel der Zombies sowie Ein Zombie hing am Glockenseil. Nach letzterem entstand der im italienischen betitelte Il gatto nero, der es erst vor wenigen Jahren überhaupt nach Deutschland schaffte.

Hierbei versammelt Fulci sogar ein für Fans wohlklingendes Ensemble um sich. Al Cliver (Aufgrund seiner Frisur und der kleinen Ähnlichkeit von vielen Fans auch Bernd Schuster genannt) spielte in Woodoo schon eine Rolle sowie in einigen anderen Filmen Fulcis, was auch für David Warbeck gilt. Der leider schon verstorbene Neuseeländer, welcher übrigens lange Zeit als James Bond-Nachfolger von Roger Moore gehandelt wurde bis dann (ebenfalls leider) Timothy Dalton die Nachfolge Moores antrat, war auch schon in Ein Zombie hing am Glockenseil mit von der Partie. Komplettiert wird der Reigen illustrer Namen durch Dagmar Lassander, die für Fulci nochmal bei Das Haus an der Friedhofsmauer vor die Kamera trat, Mimsy Farmer und Patrick Magee. Alles in allem also ein Vorfreude weckender Cast, welcher allerdings, wie so vieles an Fulcis Film, enttäuscht.

Durch die Bank weg enttäuschen die Mimen und bleiben mit ihrem Spiel relativ farblos, was vor allem bei Magee als verbittertes Medium sehr schade ist. Der schon sichtlich gealterte Schauspielveteran, welcher zwei Jahre später verstarb, vermag es leider nicht, seinem Charakter einen gewissen kraftvollen Auftritt, welche diese um richtig zu funktionieren schon benötigt, zu verleihen. Schwach und mit auf Sparflamme heruntergedrehtem Einsatz gelingt es ihm zwar, im Zuschauer eine gewisse Antipathie zu erwecken, doch gerade der Grat zwischen dem Gebrechlichen und Durchtriebenheit seiner Figur wird von ihm nicht vollem Einsatz begangen. Hinzu kommt für die deutsche Sprachfassung, das die Synchronisation nicht wirklich gut ist und hier somit ein weiteres Defizit hinzukommt.

Wie auch Magee, so operieren eigentlich auch alle anderen Darsteller. Schwung- und kraftlos wandert man hier durch die Bank weg durch eine Geschichte, die von den beiden Drehbuchautoren mit einigen Elementen bereichert wurden, die so auch nicht wirklich funktionieren wollen. Poes Darstellungen der mysteriösen und boshaften Katze werden leider durch Eingriffe von außen geschmälert, was trotz der Erläuterungen innerhalb der Geschichte zu konstruiert daher kommt. Es nimmt der Geschichte ihren mystischen Reiz und vermag sogar eine gewisse Enttäuschung hervorrufen. Vor allem Kenner der Kurzgeschichte dürften hier mit einigem Stirnrunzeln den Film begleiten.

Dabei gelingt es Fulci jedoch, bei The Black Cat eine durchaus schöne Atmosphäre zu erzeugen und mit einer zugegebenermaßen etwas übertriebenem, aber auch effektiven Prolog den Film schmackhaft zu machen. Größtes Manko sind allerdings die Szenen mit der Katze selbst. Fulci versteht es nur manchmal, das Tier richtig bedrohlich in Szene zu setzen. So schleicht sie mal wie ein gewöhnlicher Stubentiger durchs Bild um dann wieder in einigen schönen Sequenzen als ein furcherregendes Tier dargestellt zu werden. Vor allem die Gegenschnitte auf die stark herangezoomten Augenpaare der Darsteller und die des Tieres wissen durchaus zu gefallen. Überhaupt scheint Fulci, bekannt für das in seinem Oeuvre immer wiederkehrenden Motiv der riesig gefilmten Augenpaare, hier einen Overkill zu betreiben. Im Minutentakt hält und zoomt er immer wieder frontal auf die Augen seiner Protagonisten, daß es für den Fan zu einigen verwunderlichen Momenten kommt.

Vielleicht ein Versuch, nochmal etwas Mysterium zu betreiben, die Spannung hochzuschrauben und so gruselige Szenen zu komponieren. Leider will dies bei The Black Cat nie so richtig geschehen. Viel zu behäbig und schwerfällig geriet die Inszenierung um den vielsehenden Genrekenner hinter dem Ofen hervorzulocken. Da scheint sich Fulci schon fast von seinem mittelprächtig agierenden Cast anzustecken und verfällt in einen belanglosen Inszenierungsstil herab. Das es Fulci besser kann, nervenzehrende Spannungsmomente aufzubauen zeigte er unter anderem mit seinem Woodoo und auch einigen darauffolgenden Werken. Nur hier treten Probleme auf, überhaupt etwas Fahrt in das Konstrukt zu bringen. Auch Fans, die Fulci wegen seiner blutigen Eskapaden lieben, haben hier ein Nachsehen. Bis auf zwei bis drei Szenen blieb der Effektmacher ohne weitere Beschäftigung. Doch selbst hier war man recht verhalten.

Was bleibt ist ein relativ durchschnittlicher Horrorfilm mit einigen unglücklichen Beimengungen in den Stoff, die so nicht wirklich schmecken wollen. Wenigstens bietet man einige schöne Einstellungen, eine recht ansprechende Atmosphäre und einen guten Score von Pino Donaggio, bei dem vor allem das schöne Titelthema heraussticht. Allerdings ist dies sichtlich zu wenig für einen guten Horrorfilm. The Black Cat ist leider ein mauer, schwerfälliger Gruselstreifen der zu Fulcis Durchschnittsware gezählt werden kann. Nicht wirklich gut, aber auch nicht wirklich schlecht.