3. März 2009

Ein Loch im Dollar


Nach dem Ende des Bürgerkriegs zwischen Nord- und Südstaaten kehrt der Captain Gary O'Hara aus der Kriegsgefangenschaft zu seiner Frau Judy zurück, nur um dann blitzschnell doch wieder das weite zu Suchen. Nach Westen soll es gehen, um ein neues Leben anzufangen. Doch der Weg dorthin ist steinig. Nur mit einem Dollar in der Tasche macht Gary auch Stop im Wüstenkaff Yellowstone und wird auf seiner Suche nach Arbeit durch seine Südstaatenherkunft von allen Bewohnern angegiftet. Nur der reiche Geschäftsmann McCoy, dem der halbe Ort gehört, hat einen Job für ihn: er soll den Banditen Blackeye, welcher den Ort terrorisiert und McCoy erpreßt, ausschalten. Bei der Konfrontation im Saloon erkennt Gary in Blackeye seinen Bruder, den es nach der Entlassung ebenfalls in den Westen zog. Es kommt zu einem Schusswechsel bei dem Blackeye erschossen und Gary angeschossen wird. Zwar wird er von allen für tot gehalten, doch sein Dollar rettete ihm das Leben und fing die Kugel ab. Bald kommt Gary hinter die skrupellosen Machenschaften von McCoy der auch Gary nur ausnutzte, um seine Ziele zu verwirklichen. Gary nutzt all seine Cleverness, um sich an McCoy langsam aber sicher zu rächen.

Nach Adios Gringo war Ein Loch im Dollar der zweite Western des Mimen Giuliano Gemma, der in beiden noch mit dem Pseudonym Montgomery Wood angekündigt wurde. Es war die Anfangsphase der später so zahlreich produzierten Spaghetti-Western und bevor die Italiener dem Genre ihren eigenen Stempel aufdrückten, versuchten sie lieber, Filme mit stark amerikanischer Prägung zu produzieren. Wie für das Stiefelland üblich, verbarg sich dann fast der Filmstab hinter teilweise sogar recht obskuren (hier z. B. "Harry Horse") aber amerikanisch klingende Pseudonymen. Gemma, der vorher in einigen Sandalenfilmen mitwirkte und sogar eine kleine Rolle im Klassiker Ben Hur inne hatte, war mit seinem Strahlemann-Aussehen wie geschaffen für den kernigen, aber sympathischen Cowboy von nebenan.

Das schöne an Ein Loch im Dollar ist nun, das trotz aller Versuche amerikanisch zu wirken, der Film nicht wirklich seine ursprüngliche Herkunft zu verbergen. Auch hier sieht man schon eine grimmigere und rohere Umsetzung des Stoffs, der für die damaligen Hochglanzwestern mit Vorzeige-Cowboy John Wayne undenkbar gewesen wäre. Dabei gelingt es Regisseur Giorgio Ferroni, welcher bei Wanted nochmal mit Gemma zusammenarbeitete, aus dem an und für sich recht bekannten Stoff ein unterhaltsames Werk zu stricken. Daran ist auch Hauptdarsteller Gemma nicht ganz unschuldig. Schnell findet der Zuschauer in seiner Figur einen großen Sympathieträger, bei dem man auf seinem Weg durch sämtliche Gefahren mitfiebert. Auch wenn er als Gary O'Hara vielleicht noch einige Ecken und Kanten vertragen hätte, so ist die von vielen Fans des Genres kritisierte "Gelacktheit" Gemmas nicht bzw. nur in geringen Maßen vorhanden.

Die Figur des Gary gibt es auch in anderen Produktionen zu Hauf, in denen der Protagonist im Gegensatz zu anderen Charakteren mit einem überdurchschnittlich großem Talent und einer gesegneten Intelligenz gesegnet ist. Doch weder Ferroni noch Gemma lassen dies in allzu unglaubwürdige Gewässer abdriften. Gerade wenn O'Hara von der Rache an seinem Bruder getrieben wird, schlägt die schon angesprochene rohere Inszenierungsart des Stoffes wieder an. Wo der amerikanische Western nur andeutet oder abblendet, so hält auch Ferroni hier schon die Kamera starr auf das Geschehen und läßt dabei schon einige harte Actionszenen entstehen. Zudem gelingt es ihm den Stoff recht spannend umzusetzen, auch wenn man einige Handlungsstränge schon vorhersehen kann. Das dies trotzdem noch unterhaltsam und nicht ermüdend ist, zeugt vom Talent des Regisseurs.

Dieser hat es auch verstanden, das man als Zuschauer den Antagonisten schnell abgeneigt ist. Die über alles ragende Korruption in der jeder erwartete und unerwartete Charakter verstrickt ist, gerade in späteren Italowestern ein gern genommenes Motiv, ist hier von sehr ausgeprägter Natur, so das es gegen Ende hin noch eine kleine, unerwartete Wendung gibt, die Ein Loch im Dollar in Sachen Spannungsmomente zusätzlich noch einmal aufwerten läßt. Dies macht ihn zu einem guten und soliden Western eher gemäßigter Natur, dem man seine Herkunft trotzdem schon an einigen Stellen anmerken kann.