7. März 2009

Watchmen


Die USA Mitte der 80er Jahre: Richard Nixon ist Präsident und das politische Klima zwischen den USA und der UdSSR wird immer eisiger: der kalte Krieg und das atomare Wettrüsten scheint kurz vor der Eskalation zu stehen. Mitten in diesen Wirren wird der Comedian, ein ehemaliger maskierter Verbrechensbekämpfer, welche seit dem sogenannten Keene-Act verboten sind, umgebracht. Die maskierten Vigilanten sollten dabei entweder freiwillig oder unfreiwillig ihre Tätigkeiten aufgeben. Während der Comedian das Angebot annahm, für die Regierung zu arbeiten, hörten der als Night Owl operierende Dan Dreiberg oder Jane Jupiter alias Silk Spectre einfach auf.

Einzig und allein der verbitterte Rorschach zog sich in den Untergrund zurück um weiterhin Verbrechen nach seiner Art zu bekämpfen. Er geht auch dem Mord am Comedian nach und vermutet schnell eine Verschwörung. Er sucht seine alten Kollegen auf um diese zu warnen, doch viele halten seine Vermutungen für abwegig. Als dann jedoch auf den durch Offenlegung seiner Identität zu Geld gekommenen Adrian Veidt, der früher als Ozymandias unterwegs war, auch noch ein Attentat verübt wird und der ehemalige Superschurke Moloch ermordet wird, nehmen Rorschachs Vermutungen Gestalt an. Ist also wirklich jemand hinter den früheren Maskenträger her? Einzig und allein der nach einem Unfall zum Superwesen Dr. Manhattan mutierte Jon Osterman entfernt sich immer mehr von der Menschheit. Dabei wäre er für diese im Kampf gegen einen Atomkrieg für die Menschheit unheimlich wichtig und scheint irgendwo auch ein Teil im Puzzle der Verschwörung zu sein. Das Schicksal nimmt somit seinen grimmigen Lauf...

Der von Kultautor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons geschaffene, mittlerweile zum absoluten Kultwerk avancierte Comic Watchmen galt für lange Zeit unverfilmbar. Als zu komplex und vielschichtig galt der Stoff, den man gut und gerne als Epos bezeichnen kann. Umso mehr war die Fangemeinde gespannt, wie die gerade in den Kinos angelaufene Verfilmung ausfallen wird. Als Regisseur hat man den jungen und somit frischen, in einigen Kreisen aber auch recht umstrittenen Zack Snyder auserkoren, welcher unter anderem für das überraschend gut ausgefallene Dawn of the Dead-Remake und den optisch imposanten 300 verantwortlich zeichnet. Im weiteren Verlauf dieses Reviews wird auf einen ausführlichen Vergleich zwischen der Comic-Vorlage und dem Film abgesehen, da dem Autoren die Vorlage leider nicht bekannt ist. Das Augenmerk liegt also einzig und allein auf dem Film.

Und dieser ist für ein Publikum, welches bisher wohl nur die actiongeladenen Effektschlachten der Marke Spiderman, Iron Man, Hulk, X-Men und Co. gewohnt ist, wohl eine Ecke zu ruhig. Snyder nimmt sich Zeit mit der Einführung seiner Figuren und gibt ihren Lebensläufen angenehm viel Zeit, diese dem Zuschauer näher zu bringen. Schon der Vorspann wird dabei genutzt, die Geschichte der ersten maskierten Verbrechensbekämpfer ab den 40er Jahren in einem schönen comichaften Pulpstil zu erzählen. Zwar ist die Ermordung des Comedians auch schon ein kleiner Vorgeschmack auf die Action im Werk, der auch schon mit einigen furiosen Kamerafahrten und Effektszenen aufwarten kann. Doch dann drosselt Snyder das Tempo und führt uns mit der Figur des Rorschach in das düstere Universum der Watchmen.

Dieses behandelt Superhelden, welche sehr wohl mit einigen menschlichen Schwächen aufwarten und mit diesen zu kämpfen haben. Wobei hier das Wort Superheld beinahe schon übertrieben ist. Bis auf Dr. Manhattan verfügt keiner über angeborene oder im späteren Verlauf des Lebens erhaltene Superkräfte. Die in den engen Anzügen steckenden Leute nutzen ihre austrainierten Talente um die Arbeit der Polizei zu übernehmen. Bestes Beispiel ist hier zum Beispiel Night Owl, welcher mit seinem Outfit oder auch seinem Gefährt, dem Owlship, desöfteren an Batman erinnert. Ebenso Rorschach, welcher einzig und allein auf seine ausgeprägten Talente als Detektiv zurückgreifen kann. Anders als in einigen Comics oder Verfilmungen dieser sind die Helden nicht wirklich als solche zu erkennen, da diese teilweise wirklich dunkle Seiten aufweisen.

Das Heldenuniversum in Watchmen zeigt gebrochene, verbitterte und zynische Menschen, die eiskalt und nur aus reiner Freude Menschen töten, aus purer Langeweile Verbrechen bekämpfen oder auch mal eine Kollegin vergewaltigen. Eine wie ansonsten gewohnte Schwarz/Weiß-Zeichnung, dieser ständige Kampf zwischen gut und böse existiert hier nicht. Hier darf man auch nicht mit einem überbedrohlichen Superschurken wie in anderen Werken rechnen. Ihre größten Feinde sind hier teilweise die Helden selbst. Trotz all ihrer Schwächen versteht es aber Snyder gekonnt, die Protagonisten den Zuschauern näher zu bringen. Als zentrale Figur wurde hier Rorschach gewählt, einem ohnehin schon sehr faszinierenden Charakter, der auch durch diverse Off-Kommentare den ganzen Film über den Zuschauer näher in die Handlung einführt.

So werden auch sehr geschickt eingefügte Rückblenden verwendet, um noch mehr auf den Werdegang der einzelnen Figuren einzugehen. Dazwischen ist kaum Zeit für Action, und trotzdem verspürt man durch den düsteren Grundton von Watchmen eine allzeit vorhandene Spannung. Einigen dürfte diese zu langsam aufgebaut werden, dauert es doch eine gehörige Zeit, bis das gesamte, komplexe Storykonstrukt zum Punkt kommt und auch die Liebhaber zünftiger Actionsequenzen ihren Heißhunger auf eben diese stillen dürfen. Aber Watchmen ist sowieso nur zweitrangig ein Actionfilm. Snyder versteht es aber trotzdem auch hier, geschickt die Waage zwischen Handlungs- und Actionsequenzen zu halten. Die kleineren Einschübe wirken nicht deplatziert sondern sind aufgrund ihrer Intensität - auch hier wird der harte und rauhe Grundton des Filmes beibehalten - ein heftiger Ausbruch. Da werden auch Einschüsse, Kopfschüsse und Knochenbrüche so manches mal in aller Genüßlichkeit, teils sogar in Zeitlupe zelebriert. In einer rauhen und erbarmungslosen Welt muss dies wohl so sein und so gibt es wirklich teils einige wirklich sehr harte Szenen, die die 16er-Freigabe sehr lasch erscheinen lassen. Mag sein, das die Gewalt hier nicht an einem Stück auf den Zuschauer einprasselt sondern sich über den Film hinweg verteilt.

Watchmen ist somit noch viel mehr als ein einfacher Superhero-Movie, keineswegs ein tumber Popcorn-Film, auch wenn er trotzdem auf dieser Ebene funktionieren kann. Neben der Verschwörungsgeschichte um dem Mord am Comedian herrscht hier auch die Bedrohung des damaligen kalten Krieges vor, die Angst vor einem alles vernichtenden Atomkrieg und wirft somit Fragen über das Verhalten des Menschen in all den Jahren auf und zeichnet uns als sich selbst zerstörende Spezies aus. Dieser Konflikt zwischen den UdSSR und den USA, wie auch die Angst der Menschen, der Protagonisten, vor einem Atomkrieg ist ebenfalls ein weiterer großer Storystrang, der vor allem durch die herrlich faszinierende Figur des Dr. Manhattan einige philosophische Fragen über das Verhalten und den Werdegang der Menschheit aufwirft.

Dabei soll Watchmen allerdings auch nicht als ein getarnter Arthouse-Film gewertet werden, der überraschenderweise mit maskierten Leuten in engen Anzügen aufwartet. Hier fehlt es ihm dann doch etwas an Tiefe. Eventuell erreicht der Film dies auf DVD, da Regisseur Zack Snyder für die Auswertung auf dem Medium einen mehr als drei Stunden gehenden Director's Cut angedeutet hat. Dennoch besticht er durch seine größe, läßt einen Spüren das da hinter der Fassade einfach das gewisse etwas mehr ist. Der Gänsehautszenen erzeugen kann, allein auch schon durch einen anfangs erst ungewöhnlich wirkenden, aber dennoch sehr tollen Soundtrack geprägt ist. So kann man sich gar nicht an all den Details im Film satt sehen, versinkt immer mehr in diesem trotz all seiner fantasiereichen Ideen auch irgendwie immer real wirkenden Universum, welches wie der Comic selbst mit der Frage spielt, was wäre, wenn es Superhelden eben in unserer realen Welt existieren würden.

Snyder schuf hier einen komplexen, überlangen Film, der aber niemals auch nur im Ansatz so etwas wie Langeweile aufkommen läßt. Wenn man sich wohlgemerkt darauf einläßt, seine Erwartungen in Sachen Action herunterschraubt und auf die Reise durch die düstere Welt der Watchmen geht. Hier haben wir es wohl nach dem auch noch recht aktuellen The Dark Knight mit einer der besten und wichtigsten Comicverfilmungen der letzten Jahren zu tun. Ein düsteres Epos mit edel komponierten Bildern, die dieses Universum in all seiner Düsternis und Faszination erstklassig einfängt, welcher auch durch die Wahl weniger bekannter, aber gut aufspielender Mimen, noch einen Pluspunkt mehr hinzugewinnt. "Who watches the watchmen?" ist ein zentraler Satz, der als Grafitti sowohl in Comic als auch Film auftaucht. Hoffentlich so viele Zuschauer wie möglich. Der Film hat es mehr als verdient. Ein episches Heldengemälde, welches die gegensätzlichen Punkte Action und Tragik im Kontext einer Comicverfilmung brillant einfängt und einen überaus erhabenen und sehr guten Eindruck hinterläßt.
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