18. April 2009

Die Hexe des Grafen Dracula


Der Antiquitätenhändler Robert Manning macht sich auf die Suche nach seinem Bruder Peter, nachdem er von diesem eine Kiste mit neuer Ware und einer beigelegten, eigentümlichen Nachricht erhalten hat. Die Spur führt ihn in die kleine Ortschaft Greymarsh auf das Gut der Familie Morley. Von dort aus soll Peter die Nachricht geschrieben haben, jedoch will ihn weder der Besitzer des Hauses, noch seine bezaubernde Nichte Eve kennen. Während seines Aufenthalts in Greymarsh wird er zudem von schlimmsten Alpträumen geplagt, die von der Hexe Lavinia handeln, welche zu Zeiten der Hexenverbrennungen auf dem Scheiterhaufen landete und eine Vorfahrin der Morleys ist. Bald keimen in Robert Überlegungen auf, das dies nicht nur Träume sind und macht sich mit Eve und dem Hexenkult-Experten Professor Marsh auf, Nachforschungen über Lavinia zu betreiben.
Hereinspaziert in die wunderbare Welt des britischen Horrorfilms, vorangetrieben durch die Kultstudios Hammer und Amicus. Während erstere mit so Filmen wie Dracula von 1958, Frankensteins Fluch von 1957 oder auch Das schwarze Reptil von 1966 sowie unzähligen anderen Filmen herrliche Gothic Horror-Filme schufen und somit bei Fans einen herrlichen Ruf sowie einiges an Kohlen erlangen konnten, war Amicus das erste Studio, welches versuchte ein Stück vom großen Kuchen abzubekommen. Episodenfilme waren die größte Stärke des Studios, welches Klassiker wie Die Todeskarten des Doktor Schreck oder Asylum schuf. Im Jahre 1966 wurde das Studio Tigon British gegründet, welches neben dem Vincent Price-Klassiker Der Hexenjäger unter anderem auch Die Hexe des Grafen Dracula geschaffen hat.

Dieser ist knapp nach dem Stück über den Inquisiteur Matthew Hopkins entstanden und kann nicht nur mit einer, sondern zwei Horrorikonen glänzen. Studioinhaber und -gründer Tony Tenser konnte für den im Original entweder Curse of the Crimson Altar (GB) oder The Crimson Cult (US-Titel) betitelten Streifen niemand geringeren als Boris Karloff und sogar Christopher Lee gewinnen. Für Karloff sollte dies übrigens sein letzter Film darstellen, bevor er leider verstarb. Zusammen mit dem als Dracula bekannten und beliebten Lee, der allerdings recht zurückhaltend und teils auch farblos spielt, sowie dem restlichen und gut aufspielenden Cast schafft es Karloff, gerade in den Anfangsminuten mit herrlichem Overacting bei der Sache, das Publikum durch einen herrlich altmodischen Gruselschocker britischer Gattung zu geleiten.

Neben dem Horroraltstar schafft es der vormals und auch hinterher oft in TV-Produktionen zu sehende Marc Eden beim Zuschauer schnell Sympathien zu schaffen. Der nichts anbrennen lassende, nachforschende Charakter des Robert Mannings paßt perfekt und so schafft er es schnell und gut, seiner Figur Leben einzuhauchen und dem Publikum so eine Identifikationsfigur zu präsentieren. So zieht er in der Ortschaft Greymarsch gemächlich seine Bahnen um das Verschwinden seines Bruders Peter aufzudecken. Wie auch für unzählige Hammer-Produktionen typisch, läßt man sich auch hier mit der Entwicklung der Geschichte Zeit um dann zum Ende hin einige erzähltechnische Haken zu schlagen, die bei Hammer oftmals ein wenig irritierend, keineswegs aber störend für den Filmgenuß und Erzählfluß wirken. Auch hier schafft man es, das Kind in trockene Tücher zu legen. Einzig und allein der etwas offene und eigene Schluß vermag es, einige kleinere Fragenzeichen über dem Kopf des Zuschauers zu hinterlassen, läßt allerdings auch Raum für Interpretationen.

Alleine schon durch eine nach den Credits eingeblendete Texttafel kann man sich nun Fragen, ob alles nur Einbildung war oder doch übersinnliche, aus dem Reich des Todes operierende Kräfte am Werk waren. Die Hexe des Grafen Dracula ist hierbei ein solider Horrorfilm, den man in den heutigen Tagen schon eher als Mystery- oder Gruselstreifen bezeichnen kann. Für das Drehbuch zeichnet sich das Duo Mervyn Haisman und Henry Lincoln aus, welches auch schon an der legendären und langlebigen Sci-Fi-Serie Dr. Who schrieb. Großartige Ausfälle sind beim Film nicht auszumachen, lediglich das man sich eigentlich nach einem wilden Anfang schnell in bekannte und vor allem heutzutage reichlich ausgelatschten Pfade begibt. Man hätte etwas mutiger agieren können und vor allem die reichlich schrägen und wunderbar surrealen Hexenkult-Szenen noch etwas länger gestalten oder, noch besser, häufiger in den Handlungsverlauf einbetten.

Gerade hier versprüht der Film einen unheimlich liebenswerten und verschrobenen Charme und kann zudem mit der Kultdarstellerin Barbara Steele als Lavinia, die ein wirklich tolles Outfit verpaßt bekommen hat, glänzen. Hier hat man ganz klar einen auch schon damals bekannten Namen nur dafür benutzt, um noch einige Leute mehr in die Filmtheater zu bekommen. Schade, gerade daraus und aus dem leicht mitschwappenden Swingin' Sixties-Flair hätte man noch einiges an Potenzial herausschöpfen können. Es ist einfach eine Pracht, Marc Eden durch die anfängliche im Anwesen steigende Party stapfen zu zehen. Diese hält nicht lange, wird nur durch Karloff und Michael Gough als seltsamen Hausbediensteten hochgehalten. Zudem weiß der erfahrene Zuschauer auch schnell, wo der Hase langläuft und kann den weiteren Storyverlauf leicht erahnen.

Nichtsdestrotrotz bleibt Die Hexe des Grafen Dracula eine durch angenehme britische Horroratmosphäre auffallende Produktion, die sich zwar keinen Zacken aus der Krone herausreißt, aber ein überdurchschnittlich guter Grusler bleibt, der gerade heute durch seinen altbackenen Charme bestechen kann. Der Film, der sehr lose auf Motiven der H. P. Lovecraft-Geschichte "Dreams in the Witch House" basiert, vermag es auch durch seine relativ kurze Laufzeit in der keinerlei Längen aufkommen (hätte bei einer längeren Laufzeit allerdings durchaus passieren können) können, passabel zu Unterhalten. Boris Karloff hätte sich als seinen letzten Film auch ein weitaus schlechteres Werk aussuchen können.