8. April 2009

The Wrestler

Das Review könnte eventuelle, kleine Spoiler enthalten!


Die besten Zeiten von Randy "The Ram" Robinson sind schon lange vorbei. In den 80ern war er ein im ganzen Lande gefeierter Wrestlingstar, heute arbeitet er in einem Supermarkt und tingelt jedes Wochenende zu kleinen Independent-Shows um dort nochmal ein wenig den Ruhm der alten Tage zu spüren. Er klammert sich aber viel zu sehr an die alten Tage und bemerkt nicht den sozialen und körperlichen Verfall. Das Geld wird immer knapper, seine Tochter möchte nichts mehr von ihm wissen und einzig allein die Stripperin Cassidy scheint ein kleiner Strohhalm zu sein, an den er sich klammern kann. Als "The Ram" nach einem Kampf mit einem Herzanfall zusammenbricht, raten ihm die Ärzte davon ab, sich nochmal intensiv seinem geliebten Sport zu widmen. Zu groß sei die Gefahr, das sein Herz das nicht mehr mitmacht. Er versucht langsam im Leben Fuß zu fassen, das Wrestling sein zu lassen und doch würde es ihn nochmal in den Fingern jucken, 20 Jahre nach dem großen Kampf nochmal mit seinem alten Erzrivalen The Ayatollah in den Ring zu steigen.

Das wievielte Comeback Mickey Rourke mit seiner Rolle als gebrochenem Mann hinlegt, ist schon kaum mehr zählbar, so oft ist der Kultmime aus Filmen wie Johnny Handsome oder 9 1/2 Wochen in der Versenkung verschwunden und doch wieder aufgetaucht. Wohl aber ist es sein schauspielerisch beachtlichstes Comeback. Rourke schafft es, das man beim Betrachten des Films nicht mehr den Schauspieler sieht, sondern wirklich diesen in der Vergangenheit lebenden, überaus angegriffenen Mann sieht und ihn durch sein abgewracktes Leben begleitet. Rourke geht vollends in seiner Rolle auf und wurde zurecht dafür für den Oscar nominiert.

Dabei geling es Aronofsky, mit einer rauhen und tristen Bildsprache dem Film eine Authentizität zu schenken, um so den Zuschauer noch näher als ohnehin schon am Geschehen sein zu lassen. Er fängt eine vergängliche, leicht melancholisch angehauchte Atmsosphäre ein, läßt das Licht in Tagesszenen hart erscheinen um somit eine für "The Ram" augenscheinlich feindselige Welt zu erschaffen, mit der er nur in den wenisten Fällen auch wirklich klar kommt. Im Gegensatz sind die Szenen im Stripclub sehr dunkel gehalten und wird zu einer Art Parallelwelt, in der auch der alternde Wrestlingstar erst so wirklich abschalten und sich entspannen kann. Aronofky baut hier trotz aller Dunkelheit warmes Licht und Farben ein um eine zaghafte Bande zwischen seinen beiden Protagonisten anzudeuten.

Doch "The Ram" lebt nur für sein Business, obwohl er schon knapp 20 Jahre auf dem Buckel und etliche Verletzungen davongetragen hat. Narben, ein kaputtes Ohr und zuguterletzt das wohl auch durch den Steroidmissbrauch geschwächte Herz bringen ihn vollends zum Kollabieren. Zu einer Zeit, in der er schon längst in den vergangenen Tagen lebt und denkt. Hier sieht man, das sich der Drehbuchautor Robert D. Siegel sorgfältig mit der Wrestlingszene, insbesondere der Independent-Szene, auseinandergesetzt hat. Die familiäre Stimmung im Locker Room zeigt auch auf, das dies die einzigste Welt für Robinson ist, in der er wirklich aufblühen kann. Das er dafür lebt und es ihm schlicht und ergreifend schwer fällt, die Stiefel für immer an den Nagel zu hängen. Eine Sache, die auch in der realen Szene Wochenende für Wochenende zu sehen ist, da auch hier viele Altstars, die sich zu ihren großen Zeiten keine Gedanken über die Zeit hinterher gemacht haben, sich bei kleineren als keinen Promotions durch die Kämpfe hangeln.

Man merkt hier an dieser Stelle, das der Autor selbst durch jahrelange Beschäftigung mit der Wrestlingwelt einiges an Hintergrundwissen mitbringt und so das Aronofskys Drama auch auf diesem Aspekt gut bewerten kann. Schon einige Wrestler der derzeitigen Profiligen waren von der eindringlichen Darstellung der Szene schwer beeindruckt. Man arbeitete bei der Entstehung des Film eng mit den bei Fans beliebten Wrestlingpromotions Ring of Honor und Combat Zone Wrestling zusammen, so das auch für Smartmarks, den Internetfans des Sports, viele bekannte Kämpfer zu sehen sind. Hinzu kommt, das auch die nur kurz angeschnittenen Kampfszenen wirklich gut inszeniert sind und so noch mehr das Feeling der ab und an sehr nüchternen und trostlosen Szene einfängt.

The Wrestler ist ein runder Film, der die letzte Episode einer gebrochenen Figur in einer für sie mittlerweile schwer zu begreifenden Welt aufzeigt. Und auch wenn Aronofsky es gelingt, eine so dichte Erzählstruktur zu schaffen, die einen vollends in die Welt des Films gleiten läßt, so muss man ihm auch zugestehen, das die Geschichte an und für sich nicht neu ist. Fernab jeder Vernunft läßt er seine Figur, nachdem seine Bemühungen sein Leben in eine andere Richtung zu lenken nicht fruchten, in ihrem Schicksal aufgehen. "The Ram" nähert sich seiner Tochter an um trotzdem wieder Fehler zu machen, die sie ihm all die Jahre vorgeworfen hat. Selbst als sich die ihn erst abweisende Stripperin Cassidy doch noch für ihn öffnet und über ihren Schatten springt, ihre Bedenke zur Seite räumt, ist es schon zu spät. "The Ram" hat sich für seine Welt entschieden und das Ende des Films läßt die Geschichte im Kopf des Zuschauers zu Ende führen ohne eventuell noch in Tragikkitsch abzugleiten.

Es ist ein leiser Film, klassisches Indy-Erzählkino amerikansicher Art, das vor allem von seinen Darstellern Rourke, Tomei und Wood getragen wird und so begeistern kann. Trotzdem möchte der Funke nur bedingt überspringen, zu konventionell ist die Erzählung der Story dann ausgefallen. Dies soll aber einen nicht davon abhalten, The Wrestler als einen richtig großen Film zu titulieren. Das ist er auf alle Fälle mit seinem ganzen spröden Charme, der gescheiterte Figuren bei ihrem Kampf durch die kalte Welt zeigt. Dies ist etwas, das nicht sonderlich neu ist, oft gesehen, aber gut umgesetzt wurde. Gerade das Setting und der Hintergrund der Wrestlingszene, schafft hier neue Akzente, um den Film in die gehobene Klasse zu hieven. Tolles Kino mit wahrlich großer schauspielerischer Kraft.
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