10. Mai 2009

Dying Breed


Die Zoologin Nina möchte mit ihrem Freund Matt einen Ausflug nach Tasmanien unternehmen, um dort Spuren des Tasmanischen Tigers zu untersuchen. Das eigentlich längst als ausgestorben geltende Tier soll hier und da von Touristen oder auch Einheimischen immer mal wieder gesehen werden. Mit der Hilfe von Matts machohaftigem Freund Jack und dessen Freundin Rebecca macht sich das Gespann in die Wildnis der tasmanischen Insel auf. Dort angekommen, treffen sie nicht nur auf seltsam verschlossene Dorfbewohner, sondern auch noch auf die Geschichte des Jack Pieman: einem irischen Sträfling, der im 19. Jahrhundert aus der Gefangenschaft flüchten und im Busch durch das Essen von Menschenfleisch überleben konnte. Die jungen Leute müssen dabei feststellen, das ein Teil der Vergangenheit in diesem abgelegenen Landstrich Tasmaniens immer noch sehr präsent und vor allem sehr hungrig ist.
Während Yeti, Bigfoot und Co. weit im Reich der Legenden beheimatet sind, so ist wenigstens das australische "Pendant" und dessen Existenz historisch belegt. Es handelt sich um den tasmanischen Tiger, auch noch als tasmanischer Wolf bekannt, einem 1936 ausgestorbenen Tier, welches das größte fleischfressende Beuteltier der damaligen Zeit war. Bis in die heutige Zeit gibt es aber immer wieder angebliche Sichtungen der Tiere, allerdings keine eindeutigen Foto- oder Videoaufnahmen. Mittlerweile befassen sich vor allem Forscher der Kryptozoologie mit dem Phänomen des Tieres. Als Aufmacher und Hintergrund nutzen auch die Macher von Dying Breed den Wolf, von dem sogar Videoaufnahmen den Beginn des Films untermalen, der allerdings bis auf die Forschung nach ihm im weiteren Verlauf eine eher untergeordnete Rolle übernimmt.

Viel mehr gibt es hier die australische Variante des beliebten Subgenres des Survivalhorrors, wobei vor einiger Zeit mit Wolf Creek schon einmal einen Beitrag zu dieser Art des Horrorfilms von fünften Kontinent kam. Während sich dieser eher an Terrorfilme wie Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre und Co. orientierte, gibt es hier eher die traditionellere Ausrichtung mit tiefen, einsamen Wäldern und verschlossenen und vor allem feindseligen Backwood-Bewohnern. Also all das, was seit John Boormans Deliverance, im Deutschen bekannt als Beim Sterben ist jeder der erste, immer mal wieder und vor allem mal mehr, mal weniger gut über die Leinwand flimmerte. Dem Survival-Thriller wird dann auch mit einer beiläufigen Bemerkung aus dem Mund des Jacks Tribut gezollt.

Löblicher weise versucht die australische Produktion aber nicht, Boormans Film nachzueifern oder sogar sich als neuer Stern am Himmel des Survival-Horrors darzustellen. Dying Breed ist eine kleine Produktion, mit einigen Feinheiten, die ihn im großen und ganzen zu einem gut goutierbaren Film machen. Da läßt man sich vor allem Zeit, die Figuren dem Zuschauer näher zu bringen und ihnen etwas wie Tiefe zu verleihen, so das für den ungeduldigen Fan von derber Filmkost, der sich so etwas nur um der Effekte willen anschaut, reichlich Zeit vergeht, bis auch er das bekommt was er möchte. Gut die erste Hälfte des Films wird hier also eher der Fokus auf das Zwischenmenschliche innerhalb der Gruppe und einen weiteren Grund für Nina, wieso sie sich auf diese Reise begibt, gelegt. Dies funktioniert trotz altbekannter Charakterkonstellation richtig gut und verleiht dem Film einen sehr ruhigen Erzählfluß, der auch durch seine sehr trübe und triste Bildgestaltung, schnell Atmosphäre aufkommen läßt.

Spätestens mit dem Eintreffen in den tiefen Wäldern Tasmaniens werden dann auch erste Spuren gelegt, das so einiges im ziemlich runtergekommenen Dorf im Argen ist. Auch hier läßt sich die Regisseurin Jody Dwyer Zeit um den Spannungsverlauf anzukurbeln. Dies funktioniert in gewissen Maße sogar sehr gut, doch leider schafft sie es nicht, das der Film den Zuschauer vollends packen kann. Dabei liegt es nicht mal daran, das Dying Breed in Sachen Innovation nicht gerade punkten kann und sich eher auf eine altbekannte Rezeptur verläßt. Nur hier und da hat man sich getraut, einige kleine andere Ideen einzubauen. Etwas mehr Mut zu Frische hätte dem Film mit Sicherheit noch mehr gut getan. Trotzdem treibt Dwyer die Handlung gut voran und kann in so mancher Szene einige nette Akzente setzen.

So wird der Zuschauer immer wieder mit der Frage konfrontiert, ob die Dorfbewohner wirklich alle gemeingefährliche Hinterwäldler sind oder nur zum Teil eine Gefahr für Nina und ihre Gruppe darstellen. Dwyer läßt die Frage sehr gut im Raum stehen und beantwortet sie erst zum Ende ganz genau. Dieses ist allerdings auch ein gewisser Schwachpunkt des Films, der zwar wohlwollende Unterhaltung bietet, allerdings nicht wirklich mit Höhepunkten und wirklich starken Momenten punkten kann. Das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i hat es nicht so wirklich in die Produktion geschafft und das Finale erscheint dem Zuschauer ungewöhnlich lasch und uninspiriert, was schnell zu einigen enttäuschten Gesichtern führen könnte. Wobei man hier noch eine kleine Überraschung übrig hat, die im ersten Moment etwas irritiert aber so weitaus realistischer bzw. logischer daherkommt als so manch andere Schlussmomente in ähnlichen Genreproduktionen.

Hier wird zwar wohl auch auf eine etwaige Fortsetzung bei kommerziellen Erfolg der Produktion spekuliert, was allerdings in keinster Weise schlimm ist. Dying Breed schafft es, den Zuschauer durch eine kurzweilige Hatz durch den tasmanischen Busch einzuladen und präsentiert geradlinigen Survivalhorror, der mit etwas mehr Mut in der Regieführung noch einen Tick besser hätte werden können. Dennoch besticht er als gut unterhaltender Horrorfilm aus dem Land der Känguruhs und Koalabären, der zudem mit einigen garstigen Effekten aufwarten kann, diese allerdings nicht allzu sehr in den Fokus der Produktion legt. So ist er zwar nicht der größte Hit, aber doch mal einen Blick wert. Es wird gute Unterhaltung geboten, die lediglich durch einige kleine Spannungshänger und eventuell auch durch eine zu starke Überzeichnung des Jack getrübt wird. Ansonsten geht das Werk vollends in Ordnung.
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