12. Mai 2009

Happy Birthday Jess Franco


Zu seinen Hochzeiten haben die Schauspieler ab und an nie so wirklich gewußt, für welchen Film genau sie eigentlich vor der Kamera stehen, da der umtriebige Regisseur auch schon mal zwei oder sogar drei Filme gleichzeitig gedreht hat. Er ist mittlerweile seit 57 Jahren im Filmgeschäft dabei und wird trotz des fortgeschrittenen Alters wohl so schnell auch nicht aufhören. Jesus Frano Manera, besser bekannt als Jess Franco, wird heute 79 Jahre alt.

Im Jahre 1952 find seine Karriere im Filmgeschäft an. Bis zum Jahre 1957 allerdings nur als Regieassistent und Komponist, erst dann nahm er auch auf einem Regiestuhl platz. Zuerst drehte er nur Kurzfilme, wobei sein Werk Estampas guipuzcoanas número 2: Pío Baroja sogar einen Preis für den besten spanischen Kurzfilm einheimsen konnte. Ab den 60ern startete der gebürtige Madrilene richtig durch. Es folgten internationale Produktionen mit Starbesetzung, die er für u. a. für Produzenten wie Artur Brauner oder Erwin C. Dietrich. So durfte er Regie bei einigen Dr. Fu Man Chu-Filmen mit Christopher Lee führen oder bei Krimis wie Der Teufel kam aus Akasava.

Früh begann er aber auch, sich dem phantastischen Film zuzuwenden, der bei Franco auch einen sehr starken erotischen Einschlag hatte. Mit diesem Werken erarbeitete er sich über die Jahre nicht nur eine treue Fangemeinde, sondern erntete ebenso viele Kritik für seine - gerade später entstandenen Filme - billig runtergekurbelten Machwerke. Doch solche Titel wie Necronomicon - Geträumte Sünden, Vampyros Lesbos oder aber auch dem sehr surrealen und gerade deswegen so interessanten Eine Jungfrau in den Krallen von Zombies werden schon seit Ewigkeiten von den Fans gefeiert. In Sachen Horrorfilmen konnte Franco durch Filme wie Der Hexentöter von Blackmoor, Nachts wenn Dracula erwacht oder Jack The Ripper mit Klaus Kinski in der Hauptrolle als Dirnenmörder, bestechen. Nach seinem Film Frauengefängnis wandte sich der Spanier hauptsächlich dem Erotik- und dem WIP-Genre zu, in denen oftmals seine Lebensgefährtin Lina Romay eine Hauptrolle spielte.

Er drehte unzählige solcher Filme, die teilweise auch sehr nahe am Hardcore-Genre schrammten, bevor er Anfang der 80er auch wieder Horrorfilme drehen sollte. Gerade mit den durch die aus Italien kommende Welle an Kannibalenfilme enstandenen Werke Mondo Cannibale 3 und Jungfrau unter Kannibalen drehte er zwei bei den Fans des Subgenres sehr unbeliebte, da qualitativ sehr niedrig angesiedelte, Werke die in der Videohysterie der damaligen Zeit immerhin beschlagnahmt wurden. Gleiches schaffte er auch mit dem von der deutschen Lisa-Film produzierten Slasher Die Säge des Todes, der durch eine sehr wirre Story und garstigen Effektszenen bestechen kann. Gerade in den späteren Jahren offenbarten sich auch die schwächen des Regisseurs, der meistens nur mit einem guten Budget wirklich ansprechende Filme drehen konnte. Selbst wenn die drei letztgenannten Werke durchaus ihre trashigen Qualitäten haben, so ist Francos stärkste Zeit in den 60ern und 70ern anzusiedeln. Spätestens als er dann bei der Eurocine gelandet ist und solche unsagbar schlechte Streifen wie Oase der Zombies vollbrachte, war der Ruf ruiniert und viele Fans der nächsten Generation sahen und sehen in ihm leider nur einen dilletantischen Vielfilmer, der nichts zu Stande brachte. Wer sich allerdings schon seine früheren Werke angesehen hat, weiß, das dies nicht so richtig ist. Wobei man bemerken muss, das Franco wohl eher ein Händchen für die erotischen Filme hat, da trotz solcher Klassiker wie die bereits angesprochenen Nachts wenn Dracula erwacht oder Jack The Ripper nicht all seine Horrorfilme wirkliche Klasse haben.

Vor allem scheinen diese Leute Franco auch noch nie in einem Interview erlebt zu haben. Der mittlerweile stark in die Jahre gekommene Herr lebt für das Genre und ist teils sehr beschränkter Möglichkeiten was das Budget angeht, immer mit 100 Prozent und Herzblut bei der Sache. Im Jahre 1988 drehte Franco mit Faceless, einem Quasi-Remake des französischen Horrorklassikers Augen ohne Gesicht seinen letzten großen, mit üppigem Budget ausgestatteten Film der neben seinem langjährigen Stammschauspieler Howard Vernon auch mit solch großen Namen wie Telly Savalas, Brigitte Lahaie, Helmut Berger, Anton Diffring, Caroline Munro, Christopher Mitchum oder sogar der Chabrol-Muse Stéphane Audran aufwarten kann. Danach wurde es deutlich ruhiger um Franco, wobei er aber immer wieder jede Gelegenheit nutzte, einen Film zu drehen. Zu seinen bekannteren Spätwerken gehört zum Beispiel Killer Barbys vs. Dracula, in dem sich sogar der Ärzte-Drummer Dirk "Bela B." Felsenheimer die Ehre gibt.

Zudem nahm sich der deutsche Labelchef und Independent-Regisseur Andreas Bethmann seiner an, der mit Passion und Perversion zwei seiner Filme über das Label X - Neues Kontrastprogramm veröffentlichte. Zudem taucht Franco, der Zeit seines Lebens immer wieder kleinere Rollen in seinen Filmen annahm, als Schauspieler (ihm zur Seite stehend übrigens Lina Romay) in den Bethmann-Filmen Rossa Venezia und Angel of Death 2, die ganz in der Tradition des Meisters stehen sollen, auf. Im letzten Jahr entstand mit La cripta de las mujeres malditas Francos vorerst letzter Film. Es gibt wenige Regisseure, die trotz nicht immer so sauberer und sorgfältig entstandener Filme mit einem teils erheblich großen Schmuddelfaktor eine auf der ganzen Welt sehr große Fanbasis über all die Jahre erlangt haben. Franco gehört dazu und wenn es die Gesundheit zuläßt, dürfte La cripta... nicht sein letzter Film gewesen sein. Bis dahin gratulieren wir ihm zu seinem heutigen Geburtstag und wünschen ihm alles Gute.