17. Mai 2009

The Killer Must Kill Again

Nach einem Streit mit seiner Frau zieht es Giorgio Mainardi zu seiner angeblichen Geliebten. Auf seinem Weg dorthin beobachtet er einen Mann, wie er die Leiche einer Frau mitsamt eines Autos versenkt. Mainardi hat eine Idee und stellt den Mann noch im gleichen Augenblick. Er unterbreitet ihm ein Angebot, in dem er für 20.000 Dollar Mainardis Frau umbringen soll. Tut er das nicht, so wandert Mainardi mit dem Feuerzeug des Mörders, auf dem die Fingerabdrücke von diesem sind, und einer genauen Täterbeschreibung zur Polizei. Der Mann willigt ein und erledigt seinen Auftrag. Dabei läßt ein unachtsamer Augenblick die Situation eskalieren. Beim Aufräumen des Tatorts, dem Haus der Mainards, wird dem geheimnisvollen Killer dessen Auto mitsamt Leiche der Ehefrau im Kofferraum von dem jungen Pärchen Luca und Laura gestohlen, die sich damit auf dem Weg zum Strand befinden. Während diese nichts ahnend mit der Leiche im Auto auf den Weg machen, verfolgt vom Mörder, muss sich Mainardi urplötzlich mit der Polizei und einem sehr genauen Inspektor herumschlagen, die ein Einbruch mitsamt einer Entführung der Ehefrau vermuten, da Nachbarn den Mörder beim Verfolgen der Autodiebe beobachteten und diesen für einen Dieb hielten. Sowohl für Mainardi als auch für Luca und Laura zieht sich die Schlinge um den Hals immer enger zu.

Die beiden bekanntesten Filme des in Norditalien geborenen Luigi Cozzi sind zwei ziemlich dreiste, aber auch wohl gerade deswegen so unterhaltsame Rip Offs bekannter Blockbuster. Während der 1980 entstandene Astaron - Brut des Schreckens eine netter Schundfilm zwischen Horror und Science-Fiction ist, entstanden im Fahrwasser von Ridley Scotts Alien, so ist Star Crash eine ziemlich dreiste Kopie des Kassenschlagers Star Wars. Doch sollte man Cozzi nicht auf trashige Kopien großer Vorbilder beschränken. Dies zeigt er vor allem mit seinem Debutfilm The Killer Must Kill Again, der innerhalb der großen Giallowelle Mitte der 70er entstand und sich dabei vom Gros des Genres wohltuend abhebt. Zu Verdanken hatte er dieses Projekt übrigens seinem Freund Dario Argento, von vielen als Großmeister des Giallos verehrt, mit dem er auch bei dessen Filmen Vier Fliegen auf grauem Samt und Die Halunken zusammenarbeitete.

Überraschenderweise hat es The Killer Must Kill Again all die Jahre über nie zu einer Veröffentlichung in Deutschland geschafft. Weder im Kino noch während des Videobooms nahm sich ein Verleih dem Werk Cozzis an, so das nur ausgesprochene Liebhaber des Genres den Titel kennen. Schade, muss man hier sagen, denn auch wenn der Film kein wirklich herausragendes Werk ist, so ist er durchaus mehr als nur einen flüchtigen Blick wert. Cozzi bricht nämlich mit der üblichen Whodunit-Handlung, welche gerade zu den Boomzeiten des Giallos in wirklich jedem Vertreter zu finden war und präsentiert einen interessanten Thriller, dem es lediglich in den entscheidenden Momenten an dem letzten Quentchen Spannung fehlt. Anders ausgedrückt: wäre Cozzi ein Koch, so hätte er sein Mahl einfach ein wenig herzhafter würzen müssen. Ansonsten wäre aus einem wohlschmeckenden Snack ein wahres Festessen entstanden.

Dabei schafft er es doch schon mit der Einstiegssequenz, die schon mit interessanten Einstellungen aufwarten kann, den Zuschauer gut auf die folgende Geschichte einzustimmen. Hilfreich dabei war allerdings auch, das die Wahl auf Antoine Saint-John als Mörder gefallen ist. Durh sein markantes Gesicht und geheimnisvollen Auftreten schafft er eine unheimliche Präsenz, die für den Zuschauer zugleich unheimlich als auch faszinierend ist. Unterstützt durch Cozzis handwerklich wirklich gute Umsetzung des Stoffs, erschaudert der Zuschauer innerlich sofort, wenn Saint-John ins Geschehen rückt. Er spielt seinen Charakter wortkarg und verschafft diesem eine eiskalte Präzision. Sowohl was das Ausführen der Morde als auch der Verfolgung des Diebespärchen angeht. Gerade sein Auftritt bei Mainards Frau erhält einen beeindruckenden Nachgeschmack, wie er hier allein durch wenige Worte und seine bloße Gestik und dem Minenspiel hier Spannung erzeugen kann.

So kann man Saint-John die beste mimische Leistung anrechnen, wobei die Kollegen auf einem gutklassigen Level anzusiedeln sind. Einzig und allein George Hilton, der sehr oft mit der bezaubernden Edwige Fenech an der Seite in so manchen Gialli in dieser Zeit zu sehen war, bleibt hinter seinem Können zurück. Auch wenn er schon in den anderen Filmen sehr reserviert und aalglatt spielt, so kann man seine Leistung in The Killer Must Kill Again als eher schwach und sichtlich starr bezeichnen. Glücklicherweise bricht er im Finale aus seiner schauspielerischen Lethargie aus und bringt eine dafür angemessene Leistung. Allerdings braucht man dies als nicht weiter tragisch zu bezeichnen, da Hilton nicht allzu oft zu sehen ist. Der Fokus der Geschichte liegt eher auf dem Schicksal von Luca und Laura, im übrigen dargestellt von der hübschen spanischen Schauspielerin Cristina Gálbo, die unter anderem im Giallo What Have They Done To Solange? zu sehen ist, welcher zur damaligen Zeit vom deutschen Verleih unter dem Titel Das Geheimnis der grünen Stecknadel zu einem Edgar Wallace-Streifen umfunktioniert wurde.

Diese ist auch Mittelpunkt in einer Szene, welche durch einen gewagten Gegenschnitt eine sehr herbe Note gewinnt. Während sich ihr Freund Luca bei der Beschaffung von Essen mit einer Anhalterin, welche eine Autopanne hatte, vergnügt, wird sie vom Mörder in aller erdrückender Ruhe vergewaltigt. Trotz des immensen Sleazefaktors, den Cozzis Film hier urplötzlich bekommt, funktioniert die Szene auch als krasser Schocker, was durch eindringliche Pianoklänge untermalt wird. Hier zieht Cozzi die Schraube an und dreht den Exploitation- und den Gewaltfaktor hoch, in typisch italienischer Manier dabei recht locker und doch präzise umgesetzt. Doch auch wenn hier der Film einen etwas rauheren Ton bekommt und auch schon vorher einige tolle Szenen bot, so richtig packen kann der im englischen auch als Dark Is Death's Friend bekannte Film leider nicht. Käme man nochmal auf den Kochvergleich zurück, würde einfach von der Zutat Suspense etwas fehlen.

Die Spannung erzeugt Cozzi vor allem in solchen Szenen, in denen es darum geht, das Laura und ihr Begleiter an den Kofferraum sollen. Der Regisseur spielt hier mit dem Wissen des Zuschauers um den grausigen Inhalt des Autos und bekommt hier einige nette Szenen hin. Auch wenn das Wort nett schon zeugt, das es zu wenig ist um wirkliche und Giallo-gerechte Spannung zu erzeugen, so lebt The Killer Must Kill Again vor allem durch die Genre-unkonforme Handlung. Der Killer ist bekannt und auch die Anzahl der Morde, immerhin wird durch etliche Verstrickungen der Personen untereinander in anderenFilmen so manches Opfer gezählt, kann man an einer Hand abzählen. Cozzi gelingt es in seinem Debut, wenigstens diese etwas Abwechslung versprechende Grundkonstellation bis zum Ende hin unterhaltsam und interessant umzusetzen. Gerade auch die von Anfang an herrschende, dichte Atmosphäre ist hier ein weiterer Pluspunkt.

Der amerikanische Anbieter Mondo Macabro, bei Fans für sein exotisches und abwechslungsreiches Programm bekannt, beschreibt den Film auf dem Cover der DVD mit den Worten "A lost Giallo classic" wirklich gut. Gerade solche kleinen, beinahe schon in Vergessenheit geratenen Filme sind immer mal wieder einen Blick wert. So auch The Killer Must Kill Again, ein mehr als respektables Debüt von Luigi Cozzi, der gute und vor allem durch eine etwas andere Geschichte bei den Fans punkten kann. Wohlwollend gute Giallo-Unterhaltung.