11. Juni 2009

Die Rückkehr der Zombies


Was auf den ersten Blick aussieht wie der Weihnachtsmann im Sommerurlaub entpuppt sich als ein naseweisiger, rauschebärtiger Professor der gerne unter der Erde buddelt und dabei in einem Etrusker-Grab ein schier undenkbares Geheimnis entdeckt. Bevor er allerdings weiter dieser ungeheuerlichen Entdeckung auf den Grund gehen kann, steigen schon die ersten Untoten aus dem Grab und überwältigen den Professor. Zur gleichen Zeit treffen einige Pärchen in einem nicht weit vom Grab entfernten Landsitz eines schnöseligen Industriellen ein, um sich dort das Wochenende mit schlendern durch das ansehnliche Anwesen oder der Regulierung des Hormonhaushalts zu vertreiben. Doof nur, das ihnen dabei die immer zahlreicher werdenden Zombies in die Quere kommen, die einen nach dem anderen überwältigen und umbringen, während die Überlebenden in schierer Verzweiflung sich vor den Untoten verbarrikadieren. Diese sind allerdings nicht so dumm, wie die verbleibenden Menschen zuerst glauben.

Die wunderbare (filmische) Welt des 1925 geborenen italienischen Regisseurs Andrea Bianchi läßt sich vor allem mit einem Wort treffend beschreiben: Schund. Selbst unter den größten Hardcore-Fans ist sein Werk und sein Talent polarisierend, gilt er doch für die meisten als talentfreier Billigfilmer der mit Rückkehr der Zombies nur Glück hatte, auf der zur damaligen Zeit grasierenden Zombiewelle gut mitschwimmen zu können. Auch wenn dieser zu seinem bekanntesten Film zählt, so hat der auch immer etwas als Faulpelz geltende Bianchi noch weit mehr zu bieten, auch wenn er in seinen anderen Werken den Zuschauer ebenfalls knietief im Sleaze waten läßt. Mit Die Nacht der blanken Messer hat er einen sehr spannenden Giallo mit einer tollen Atmosphäre geschaffen, der trotz oder auch gerade wegen seines Trashappeals sehr gut unterhalten kann. Als sein bestes Werk gilt Die Rache des Paten, ein unter Genrefans gefeierter Poliziottesco, der zudem einer der härtesten und kompromißlosesten Vertreter dieses Genres darstellt.

Auch bei Die Rückkehr der Zombies geht es mächtig zur Sache, da sich das Drehbuch nicht mit langem Vorgeplänkel aufhält. Die Einführung der Figuren ist kurz, minimalistisch und auf das nötigste Beschränkt so das es keine weiterführende Charakterzeichnung gibt. Stereotypen, austauschbare Figuren bevölkern den Film und werden nur dazu benutzt, um genug Jagdgut und Futter für die eigentlichen Stars des Film - natürlich die Untoten - zu sein. Während selbst ähnliche Low Bugdet-Cash Ins wenigstens im Ansatz versuchen, gewisse typische Figuren innerhalb der Gruppe anzureißen, verzichtete der Drehbuchautor Piero Regnoli gänzlich auf sowas. Einzig und allein eine Dame mit bösen Vorahnungen ist hier zu finden, während der Rest der beliebig zusammengewürfelten Gruppe dazu dient, als Futter für die Zombies herzuhalten. Diese tauchen im gerade mal in vier Wochen abgedrehten Film ebenfalls relativ flott auf und es vergeht kam eine Minute, in denen man nicht mindestens einen lebenden Toten erblicken kann.

Dabei sind diese allerdings auch recht ansehnlich in Szene gesetzt worden. Während gerade einige selbsternannte Filmexperten in Foren sehr abschätzend von "Lehmgesichtern im Schlafrock" schwätzen, darf man trotz des geringen Budgets gerade die Masken der Untoten als sehr gut gelungen ansehen. Diese heben sich vom Gros und Einheitsoutfit einiger anderer Zombies ab und präsentieren sich dabei als ein faszinierendes Unikum, wenn sie mit ihren halbverwesten, mit Maden und Würmern behangenen Gesichtern und den langen Leinengewändern durch die Botanik stapfen. Interessant ist hier auch der Aspekt, das es keineswegs stumpfsinnige Wesen sind, die blindlings irgendwelchen Lebenden nachstellen und mit stumpfer Gewalt agieren. Sie sind durchaus in der Lage, Instrumente zu benutzen um zum Beispiel in den Landsitz einzudringen oder ihren Opfer den Garaus zu machen. Jedoch wird dies nicht konsequent genug umgesetzt so das sie auch in die typische Zombierolle verfallen können und man merkt, das der Autor um alles andere, nur nicht um eine logische Weiterführung seiner Geschichte bemüht ist.

So ist die Die Rückkehr der Zombies einer der exploitativsten Zombieschocker aus Italien, der so manch anderes, matschiges Zombieepos alt aussehen läßt, wenn es darum geht, nur einen Aufmacher für genügend Zombieaction zu bieten. Bianchi kurbelte den Film handwerklich recht solide runter, bietet sogar einige wenige nette Einstellungen und vor allem eine völlig eigenartige, aber auch interessante Atmosphäre, die eine der tragenden Elemente des Films wird. Doch dem Katz und Maus-Spiel zwischen Untotem und Lebenden geht auch schnell die Puste aus und gerade der Mittelteil ergötzt sich in irgendwann ermüdenden Wiederholungen, bevor Bianchi mit einigen Locationwechseln gegen Ende hin doch nochmal die Kurve bekommt. Trotz der zahlreichen und recht hart umgesetzten Effektszenen ist Die Rückkehr der Zombies nicht mit dem nötigem Schmiss gesegnet, das daraus eine vollkommen vergnügliche Trashgülle resultiert. Seine Behäbigkeit in mancher Minute läßt ihn ziemlich schwächeln und selbst der größte Gorebauer dürfte alsbald genug von der blutigen Dauerberieselung haben.

Trotz einer später hinaus latent vorhandenen, bedrohlichen Stimmung blieb die Spannung vorsorglich zu Hause oder hatte gerade etwas anderes zu tun während und auch die mimische Leistung kann man in der Schublade mit der Aufschrift "Jenseits von Gut und Böse" stecken. Entweder war das schauspielerische Können im mit recht unbekannten Namen besetzten Cast erst gar nicht vorhanden oder man kann sich an mit unfreiwilliger Komik glänzendem Overacting ergötzen. Heimlicher Star auch unter den Fans ist hierbei Peter Bark, Darsteller des kleinen Jungen Michael, der durch seine seltsam anmutende Physiognomie sowie der Tatsache, das er zum Zeitpunkt des Drehs schon 25 Jahre alt war (!), eine Faszination aufbauen läßt, der man sich schwer entziehen kann. Die Produzenten hatten den kleinwüchsigen Darsteller gewählt, da ein damaliges Gesetz es ihnen unmöglich machte, echte Kinder für den Dreh eines solchen Filmes zu benutzen. Wirklich wunderlich ist hierbei auch der inzestuöse Untertön in der Beziehung zwischen Bark und seiner Filmmutter Mariangelo Giordano, die nach seiner Zombiewerdung in einem herz- und schmerzhaften Biss in deren Brust gipfelt!

Spätestens hier reift beim Zuschauer die Erkenntnis, das der Film vor allem wunderbar dazu geeignet ist, mit einigem an Alkohol und Gästen eine höchstvergnügliche Partybombe abzugeben. Hier wird Die Rückkehr der Zombies all seine Qualitäten nochmals vollends ausspielen und zu einem wahren Meisterstück des italienischen Exploitationfilms voller unfreiwilliger Komik heranreifen. Doch auch alleine im stillen Kämmerlein vermag diese kleine Trashschote mit ihrem ganz eigenen Charme zu Punkten, auch wenn es im großen und ganzen ein im Durchschnitt anzusiedelnder Schnellschuss aus der damalig so frucht- und für manche wohl auch furchtbaren italienischen Filmindustrie ist.
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