12. Juli 2009

Witchboard - Die Hexenfalle


Auf der Party des Pärchens Jim und Linda kommt es nicht nur zu einem Streit zwischen den ehemals besten Freunden Jim und Brandon, sondern auch noch zu einem unheimlichen Zwischenfall, nachdem Jim den anwesenden Gästen ein Ouija-Board, mit dem man Kontakt zu Geistern herstellen kann, vorgeführt hat. Der von ihm beigerufene Geist David, ein im Alter von 10 Jahren gestorbener Junge, scheint einen Groll gegen den skeptischen Jim zu hegen und verläßt die Sitzung so schnell, wie er gekommen ist. Doch dann fangen die mysteriösen Begebenheiten erst an. Linda benutzt das Brett, welches Brandon bei ihr vergessen hat, immer öfters um mit David zu kommunizieren und scheint langsam aber sicher von diesem besessen zu werden. Obwohl Jims Meinung weiterhin skeptisch bleibt, hat auch er einige seltsame Begebenheiten erlebt und geht auf Brandons Warnung bezüglich des Geistes und Lindas Besessenheit ein. Erst recht, als die ersten mysteriösen Todesfälle einsetzen.

Der im Jahre 1955 auf Hawaii geborene Regisseur gab mit diesem kleinen, aber durchaus gelungenen Okkult-Horrorschinken sein Filmdebut und sollte sich im Laufe seiner Karriere zu einem soliden Handwerker im undurchsichtigen Wust der B-Film-Hölle entwickeln. Besitzt schon Witchboard, welcher zwei Fortsetzungen (eine davon nochmals von Tenney inszeniert) mit sich zog, im Horrorfandom einen gewissen Bekanntheitsgrad, schuf er mit seinem zweiten Werk gleich einen kleinen Kultfilm. Der Dämonenstreifen Night of the Demons sollte ebenfalls Auftakt einer insgesamt dreiteiligen Reihe werden, besticht durch seine liebevollen Effekte und einer tollen 80er Jahre-Atmosphäre und in diesem Jahre wurde davon ein Remake gedreht. Er ist vor allem ein sorgfältiger Handwerker der sich Zeit läßt was man auch seiner Filmographie anmerkt, besitzt diese trotz der gut 20 Jahre im Geschäft doch gerade mal dreizehn Einträge, wenn es rein um die Regiearbeit geht. Erst vor kurzem wurde einer seiner jüngeren Filme - die ziemlich garstige Low Budget-Splatterkomödie Brain Dead (nicht zu verwechseln mit Peter Jacksons Kultkunstblutschleuder gleichen Namens aber mit unterschiedlicher Schreibweise) - in deutschen Gefilden auf DVD veröffentlicht. Tenneys bisher letzter Film ist übrigens ein Familienfilm über Amerikas Yetiversion Bigfoot.

Kommt man aber wieder auf seine Anfänge im Genre zurück, so muss man Tenney vor allem attestieren, das er ein sehr bequemlicher Mensch zu sein scheint und so auch seine Filme erzählt. Zeit und Geduld sollte man für das Erzähltempo seines Filmes mitbringen, läßt er die Sache doch wirklich recht langsam angehen und führt erst einmal ein klein wenig seine Figuren ein, auch wenn dazwischen schon der erste kleine übernatürliche Einschub stattfindet. Trotz aller erster, leichter ins mysteriöse rückende Vorkommnisse in der Handlung bleibt Tenney aber auch dabei, die Konflikte der Charaktere untereinander zu beobachten. Von Ausarbeiten möchte man nicht sprechen, da der Film als ein eines Genreprodukt natürlich nur an der Oberfläche bleibt, aber gerade die aufgeriebene, streitgenährte Stimmung zwischen Jim und Brandon bleibt in den ersten Momenten von Witchboard ein zentrales Handlungselement.

Erst später läßt Tenney das Grauen von der Leine, bleibt allerdings bei leiseren Tönen und versucht seinen Horrorfilm eher durch Atmosphäre und dezenten Schockeffekten punkten zu lassen anstatt durch grelle und laute Effektegewitter. Dies gelingt dem Amerikaner sogar recht gut, auch wenn die Handlung von Witchboard einem eigentlich guten Grundsetting trotzdem etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Schon als der Film aktuell war, war der Stoff alles andere als innovativ und so sind einige Handlungsabläuft sehr vorhersehbar. Der Kniff besteht in so einem Fall aber darin, ob nun der Regisseur und der Stoff an sich es verstehen, daraus eine gute Sache zu machen. Dies gelingt, vor allem durch die wirklich sehr gut herausgearbeitete Atmosphäre, die für einige kleine Schauer beim Zuschauer sorgt. Hier gibt sich Witchboard angenehm altmodisch, vermengt gängige Genremuster zu einem durchaus unterhaltsamen Ganzen und geizt auch mit den Bluteffekten. Der nach Gore lechzende "Spläddafreund" erlebt hier eine herbe Enttäuschung. Auch wenn Witchboard nicht ganz ohne den roten Saft auskommt, so stehen äußerst effektiv und einfallsreiche Todesszenen nicht im Vordergrund des Geschehens.

Das Script schickt seine Protagonisten auf eine für diese unangenehme Reise durch die Welt des Okkultismus, garniert mit allerlei bösem Schabernack aus der Geisterwelt. Die Figuren sind dabei recht schnell umrissen, werden dabei allerdings solide von ihren Darstellern ausgefüllt. Es besteht für den Zuschauer schnell eine Bindung zu den drei Hauptcharakteren des Films und selbst dem anfänglich sehr unsympathischen Brandon, kann man durch seine leichte Wandlung doch etwas abgewinnen. Ein kleines Highlight ist übrigens die von Kathleen Wilthoite dargestellte, sehr schräg und exzentrisch daherkommende Medium Zarabeth. Einzig die Figur des Polizisten Dewhurst ist schlicht und ergreifend fehl am Platze und scheint herangezogen zu sein, um einige kleine Szenen zur Handlung hinzuzupinnen. Diese hätte Tenney ruhig aus dem Drehbuch streichen lassen können, oder seinen Polizisten etwas anders darstellen können. Dieser entpuppt sich als ein großer Freund der Magie und redet während seinen Ermittlungen nach einem Unfall eher von Siegfried und Roy oder anderem aus der Welt des Hokuspokus, als sich mit seinem Fall zu beschäftigen. Dies ist weder lustig noch schräg noch cool, sondern schlicht und ergreifend peinlich und unpassend.

Wenigstens können dafür die restlichen Darsteller überzeugen, wobei Tawny Kitaen sogar noch ein hübscher Blickfang für das männliche Publikum darstellt. Die 1961 als Julie Kitaen geborene Darstellerin wurde durch ihre Hauptrolle in der 1984 entstandenen Fetischcomic-Verfilmung Gwendoline von Emmanuelle-Schöpfer Just Jaeckin und dem der Teenie-Komödie Bachelor Party mit einem jungen Tom Hanks bekannt und glänzte durch ihr wildes Privatleben, das Tief in der damaligen Hair Metal-Szene verwurzelt war und in einer Beziehung zu Whitesnake-Frontmann David Coverdale gipfelte. Vor einigen Jahren fiel die hübsche Rothaarige zudem mit den Nachrichten eines Kokainfundes bei ihr in den amerikanischen Medien auf. Ihr Partner in Witchboard, Todd Allen, glänzt als rauhbeiniger und mit sehr trockenem Humor ausgestattetem Herr, der seine gesunde Skepsis gegenüber der Ouija-Sache erstmal bei Seite legen muss um dann seiner Partnerin in ihren schwersten Stunden beizustehen. Nur leider sind diese, bezogen auf das Finale von Witchboard, ein wenig misslungen.

Das Ende ist im Vergleich zum bisherigen Verlauf des Films sehr banal und umgangssprachlich ausgedrückt reichlich Banane. Es mag nicht wirklich zur Handlung passen und erscheint sogar irgendwie angepappt aus lauter Verzweiflung, ein laues Ende eines ansonsten gut unterhaltenen Films der auch technisch sehr begeistern kann und einige schöne Kamerafahrten bietet. Das Ende ist allerdings ein sehr lauer Abschluß eines soliden und guten Gruselfilms, der sogar ein wenig 80er Jahre Hochglanzschick vermittelt was seinen Look angeht. Seine behende von statten gehende Erzählweise steht ihm zwar nicht direkt im Weg, sie paßt sogar recht gut, doch auch eine im Aufbau recht althergebrachte Geschichte und das angesprochene Ende verwehren ihm ein rundum zufriedenes Endurteil. Seinen kleinen Kult- bzw. Klassikerstatus, den er bei manchen Fans nach gut 20 Jahren aufgebaut hat, trägt er aber zurecht. Witchboard bleibt ein guter Okkulthorrorstreifen und Einstand von Kevin S. Tenney.
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