6. August 2009

Django - Kreuze im blutigen Sand


Wie gewonnen, so zerronnen. Kaum hat Django eine immense Menge an Gold beim Pokern von einem mexikanischen Banditen gewonnen, schon stürmen Banditen den Saloon, ballern die gesamten Gäste über den Haufen und ziehen mit dem Gold von dannen. Allerdings hätte einer der bösen Buben noch etwas mehr Zielwasser saufen sollen, denn Django überlebt das Massaker im Saloon und sucht nach einem Hernandez, der den Banditen den Tipp mit dem Gold gegeben hat. Er spürt Hernandez auf und kommt in ein Dorf, das von zwei verfeindeten Gruppen beherrscht wird. Auf der einen Seite Don Pedro, auf der anderen der brutale El Tigre. Um an seinen Gewinn zu kommen, schließt er eine Zweckgemeinschaft mit Pedro um das in Tigres Besitz gewanderte Gold zu kommen. Verkompliziert wird die brenzlige Lage Djangos durch die hübsche Perla, Tochter von Hernandez und dem elternlosen Jungen Manuel, der auch zum Spielball der Gangster wird, um Django unter Druck zu setzen.
Mitte der sechziger erlebte das italienische Kino einen genremäßigen Umbruch, indem man die verschlissenen, verstaubten Sandalen des Monumental- bzw. eben Sandalenfilms in den Schrank verfrachtete und dafür ein uramerikanisches Genre für sich entdeckte: den Western. Angeführt vom großen Sergio Leone und seinem Blueprint Für eine Handvoll Dollar, folgten unzählige weitere "Spaghettiwestern", die dem patriotisch gefärbten, sauberen Westernkino eines John Waynes einige Risse bescherte und düstere und dreckige Wüstensandepen schufen, deren weiterer Höhepunkt Django darstellte. Dabei war der Streifen von Sergio Corbucci in germanischen Gefilden so erfolgreich, daß Verleiher mit dem richtigen Geldriecher die Gunst der Stunde nutzten und unzählige Italowestern mit dem Namen Django versahen, auch wenn sie im Original so gar nichts mit dieser Figur zu tun hatten. Diesem Gebahren fiel auch der Film Cjamango zum Opfer, der in Deutschland unter dem schmissigen Titel Django - Kreuze im blutigen Sand in die Kinos geschickt wurde, um den Fans etwas Geld aus der Tasche zu locken.

Wobei man bei diesem Film zugeben muss, das die deutsche Titelumdichtung gar nicht mal so weit hergeholt ist. Der von Ivan Rassimov dargestellte Protagonist paßt wunderbar in das gängige Bild, das von Django vorherrscht: ein schweigsamer, harter Hund der immer zum richtigen Zeitpunkt zur Stelle ist und trotz aller Raubeinigkeit das Herz am rechten Fleck trägt. Die Figur des Cjamango/Django stellt dabei die erste Hauptrolle des Italieners mit kroatischen Wurzeln dar, für die er zu damaligen Zeiten das Pseudonym Sean Todd wählte, um somit gerade auf dem amerikanischen Markt etwas besser wegzukommen. Hinter der Kamera nahm Edoardo Mulargia platz, der Westernerprobt war und nur in den späteren Tagen seiner Karriere Ausflüge in andere Genres unternahm. Bei den Western war er unter anderem für einen weiteren Pseudodjango, Django - Deine Henker warten schon (ebenfalls mit Rassimov in der Hauptrolle) oder auch El Puro verantwortlich. Zu seinen letzten Filmen zählen die unglaublichen Frauengefängnisfilme Die Liebeshexen vom Rio Cannibale und Das Foltercamp der Liebeshexen sowie das Krimi-/Giallo-Gemisch Inferno unter heißer Sonne.

Mulargias Name ist zwar innerhalb der heutigen Fankreisen ein Begriff, ist allerdings nicht gerade der gefeiertste oder verehrteste Name. Freunde des sleazigen Exploitation mögen seine beiden Frauengefängnisfilme doch gehörte sein Name schon eher immer die zweite Reihe, obwohl er nicht wirklich zu den schlechtesten Vertretern des filmischen Handwerks gehört. Django - Kreuze im blutigen Sand stellt zweifelsohne seinen bekanntesten Film dar und hier hat man sich zwar nicht mit großartigem Ideenreichtum und vollster Inbrunst dargebotener Inszenierung überschlagen, aber trotzdem einen goutierbaren Italowestern abgeliefert der trotz geringem Budgets zu gefallen weiß. Gerade in seiner deutschen Synchronfassung wird der Film gleich noch eine Ecke sympathischer, leiht doch niemand geringerer als Rainer Brandt dem Hauptdarsteller seine Stimme. Der beliebte Zotenreißer, der zum Beispiel auch für die deutsche Übersetzung der Kultserie M*A*S*H verantwortlich war, kann es auch hier nicht lassen und läßt einige markige Sprüche vom Stapel. Diese sind im Vergleich zu anderen Werken nicht in der Überzahl, trotzdem durchbrechen diese den ansonsten ernsten Ton des Films.

Weiter großartig um den heißen Brei soll an dieser Stelle aber nicht geredet werden. Wobei es allerdings auch gar nicht so viel über Mulargias Werk zu schreiben gibt. Das dieser wie angesprochen nie wirklich von den Fans gefeiert und verehrt wird, liegt vor allem auch daran, das er als Regisseur zwar ein passabler Handwerker war, allerdings trotz seiner Limitiertheiten es nie so richtig auf die Reihe gebracht hat, wirklich großes abzuliefern. So orientiert sich die Geschichte von Kreuze im blutigen Sand stark an den Anfangs erwähnten Für eine Handvoll Dollar und Django und bietet wenig eigenständiges im Handlungsverlauf, ohne das man für einige Minuten mal nicht an die beiden großen Vorbilder erinnert wird, wie die kleine Nebenhandlung um den Waisen Manuel zum Beispiel. Mulargia bzw. die Drehbuchautoren haben hier in der Klassenarbeit ein klein wenig zu sehr vom Nebenmann abgeschrieben, das man hier leider eine Note schlechter bewerten muss, als es nötig wäre.

Mit etwas mehr Mut und Innovation im Gepäck wäre aus diesem durchaus anschaubaren, knapp durch den Durchschnitt geschlitterten Western ein sogar sehr erwähnenswertes Stück Film geworden. Was die sogar schon im Entstehungsjahr altbacken zu nennende Geschichte nicht herholen kann, da sie eben ein wenig zu vorhersehbar und eindimensional wirkt, machen dafür allerdings die Darsteller wieder gut. Ivan Rassimov beherrscht es hier schon sehr gut, mit seinem stechenden Blick in die Kamera zu glotzen und bringt eine gewisse Coolness rüber, das es wie erwähnt in diesem Falle nicht viel ausmacht, daß der Film vom damaligen Verleih in die Django-Ecke gedrängt wurde. Rassimov gibt einen guten Protagonisten ab, der in Livio Lorenzon und dem überdrehten aber passend agierenden Pierro Lulli zwei richtig gute Gegenspieler hat. Eventuell liegt es auch nur an der Vorliebe des Autoren für den Mimen Lulli, doch gerade diesem hätten noch einige Szenen mehr richtig gut getan. So bleibt immer wieder ein kleiner, fader Nachgeschmack nach seinen Auftritten, bei denen man sich noch ein klein wenig mehr gewünscht hat. Die Darsteller harmonieren untereinander und bringen den auch angenehm kurzen Italowestern sicher über die Ziellinie.

Django - Kreuze im blutigen Sand ist vor allem einer dieser Filme, bei dem man gar nicht so richtig die Frage beantworten kann, wieso er es dann doch über all die Jahre geschafft hat, eine treue Fangemeinde um sich zu scharen, die den Film verehren. Eigentlich ist es ein um einige Nummern kleiner ausgefallener Mix zweier Meilensteine des italienischen Westerns, der es aber gerade eben wegen seinem Underdog-Charme schafft, den Zuschauer um den Finger zu wickeln. So mag er trotz der passablen Kunst seines Regisseurs aber mit einigen sehr schönen Einstellungen und einem ebenso netten Soundtrack zu gefallen und ehe man sich versieht steckt man auch schon mitten im Finale, in dem es Mulargia schafft, dem Stoff noch ein klein wenig Tragik zu schenken, die sich ebenfalls versöhnlich auf das Endergebnis auswirkt. Die Kreuze im blutigen Sand sind kein allzu gemütlicher Ort mit rustikaler Ausstrahlung, zu dem man aber trotzdem immer mal wieder gerne zurückkommt. Eben ein Film, der trotz seines im ersten Moment eher dürftig erscheinenden "Okay"-Status trotzdem ein unterhaltsamer, kleiner Streifen mit einigen guten Momenten ist. Diese sind zwar definitiv zu wenig, aber für gute Unterhaltung immer noch ausreichend.