16. August 2009

Todeskommando Panthersprung


Italien im zweiten Weltkrieg. Irgendwo inmitten des Landes liegt eine von Nazis besetzte Villa in der ein gewisser "Plan K" in einem Safe schlummert. Dieser soll wichtige strategische Aktionen der Nationalsozialisten gegen die amerikanischen Truppen beinhalten. Um sich das Ding mal ein wenig genauer anzuschauen, schicken die US-Truppen einen ihrer besten Männer los: Glenn Hoffmann, ein treffsicherer Baseballer, der sich zusammen mit vier von ihm ausgesuchten Männern mit allesamt besonderen Begabungen, aufmacht, sich in die Villa zu schleichen und den Plan auf Mikrofilm zu bannen. Geholfen wird ihnen dabei von der hübschen Helga Richter, welche sich eher den italienischen Partisanen als den Nazis hinzugezogen fühlt. Doch auch der Feind in Verkörperung des gnadenlosen SS-Offiziers Hans Müller, welcher sich zu Richter hingezogen fühlt und ihr permanent nachstellt, schläft nicht und so wird das Unternehmen der fünf US-Offiziere zu einer gefahrenreichen Aktion.
Eigentlich schreibt man das Jahr 1968 und die unendliche Flut der italienischen Westernepen ebbt langsam ab, aber aus dem US-Kino gibt es schon ein neues Vorbild bzw. neuen Stoff für viele italienische Schnellschüsse der nächsten Jahre: Robert Aldrich schickte sein Dreckiges Dutzend über die Kinoleinwand um ein Himmelfahrtskommando in den Kampf gegen die Nazis zu schicken. Der starreiche Kriegsactioner, heute als Klassiker anerkannt, dürfte das größte direkte Vorbild für den inhaltlich allerdings doch variierenden Todeskommando Panthersprung darstellen. Während in Aldrichs Film ein Dutzend von Mördern, Räubern und Vergewaltigern sich den Nazis stellt um dem normalen Urteil gegen ihre Taten zu entkommen, so ziehen hier todesmutige US-Soldaten freiwillig ohne jeden Zwang in eine Gefahren verheißende Mission. Und ist Das dreckige Dutzend frei von Humor und Ironie, so regieren in diesem italienischen Kriegsreißer immer wieder diese beiden Elemente, die einen - frei jeglicher Skrupel oder Bedenken seitens der Produzenten - trotz des ernsten Hintergrunds und Nazi-Präsenz zu einem mit allerlei Phantasteien angereicherten Filmerlebnis werden.

Verantwortlich zeigt sich dafür Gianfranco Parolini, welcher sich hier hinter seinem amerikanisch klingenden Pseudonym Frank Kramer versteckte. Parolini, der Anfang der 60er mit einigen Pepla, italienischen Monumental- und Sandalenepen, begann, feierte unter diesem Namen auch seine größten Erfolge. Diese waren im Genre des Italowestern zu Hause und hatten mit Lee Van Cleef bzw. Yul Brunner große Namen in den Hauptrollen. Parolini zeichnet sich nämlich für die sehr bekannten Filme um die Figur des Sabata verantwortlich, die in seinen Werken Sabata (1969), Adios Sabata (1971) und Sabata kehrt zurück (ebenfalls 1971) ihre ersten Auftritte hatte und auch noch in einigen anderen Western, die nicht von Parolini inszeniert wurden, auftauchte. Zudem zeichnete er sich für Sartana - Bete um deinen Tod verantwortlich, in dem der gut gekleidete Westerngentleman durch die Wüste reitet. Verkörpert wurde Sartana hier von Gianni Garko, dem ursprünglichen Darsteller der Figur, der in Todeskommando Panthersprung den feschen Glenn Hoffmann mimen darf. Mit seinen markanten Gesichtszügen und seinem charismatischen Auftreten paßt dieser perfekt in die Rolle des US-Soldaten, der heldenhaft mit seinen Kameraden den Abenteuerspielplatz Krieg betritt.

Dabei soll das Wort Abenteuerspielplatz nicht abwertend klingen, beschreibt es doch eher den kompletten Charakter des Filmes treffend mit einem Wort. Besonders kritisch und anspruchsvoll gibt sich der Film seinem Hintergrund nicht gerade, sondern benutzt es eher, um eine markige und actionreiche Geschichte zu erzählen, die wortwörtlich viel "Bums" bietet. Erfreulich ist dabei aber, daß Todeskommando Panthersprung noch weit vor dem berüchtigten Film Ilsa - Die Hündinnen vom Liebeslager 7 entstand. Besagtes Werk ist unter seinem Originaltitel, Ilsa - She Wolf of the SS, in Genrekreisen bekannt und polarisierend, schuf diese filmgewordene Güllegrube doch das ebenso sehr grenzwertige Subgenre der Naziploitation-Filme: Exploitationfilme, deren Handlung in Zeiten des zweiten Weltkriegs angesiedelt waren. Aufgrund seines brisanten Themas schaffte es She Wolf of the SS bis heute niemals nach Deutschland, startete allerdings in schweizern Kinos und später auch auf Video im Land der Eidgenossen. Jedenfalls wurde der Film Vorbild einiger gleichgearteter Werke, in denen Nazis zu sadistischen, blutrünstigen und manchmal auch sexgeilen Degenerierten dargestellt wurden. Auch aus Italien kamen nicht gerade wenige Naziploitationstreifen, die sich gerade in den USA größter Beliebtheit erfreuten und deren Darstellungen ebenfalls starker Tobak war.

Da gibt sich der Streifen von Parolini sehr zahm und zurückhaltend in seiner Darstellung, bietet allerdings ebenfalls eine sehr vereinfachte Figurenzeichnung. Dabei fällt auf, daß man das Werk schon von vorherein wohl auch auf den amerikanischen Markt zugeschnitten hat, immerhin werden die Mannen des US-Militärs beinahe schon als Supermänner in Uniform dargestellt, die den wie immer dummen Nazis einen Schritt voraus sind. Dem stummen und coolen Obermuffti Garko stehen verschiedenste Typen bei, um den mysteriösen Plan K aus dem Safe zu stibitzen. Da wäre ein Sprengstoffexperte, ein Safeknacker, ein bärenstarker Mann wie ein Bär oder auch ein ausgesprochener Artist, der die höchsten Hindernisse mittels einem ausklappbaren und somit tragbaren Miniaturtrampolin (!) überwindet. Doch dies ist nicht das einzigste Gadget, mit dem die Soldaten auftrumpfen können. Hoffmann selbst ist ein exzellenter Pitcher und schaltet mit gezielten Würfen über weite Strecken die Männer der Gegenseite aus. Der Clou dabei ist sein Baseball selbst, der teilbar ist und in dessen Kern eine Stahlkugel ist, die nochmal mehr bums verleiht. Konflikte innerhalb der so unterschiedlichen Truppe sucht man auch vergebens, immerhin hat man sich beim amerikanischen Militär sowieso grenzenlos lieb und ist selbst in angespanntesten Kriegszeiten so gut drauf, das man kurz vor Abzug in die gefährliche Mission mit kessem Grinsen auf den Lippen in der Kaserne eine astreine Stepptanznummer aufführt, bei der gerne auch mal ein Kamerad mitmacht und Fred Astaire beinahe vor Neid erblassen würde!

Diese wirklich ungeheuerliche Geschichte enstammt dem Ideenreichtum Sergio Garrones, der Drehbücher für verschiedene Italowestern schrieb und auch einige davon gleich selbst inszenierte. Darunter befinden sich zum Beispiel Django und die Bande der Bluthunde oder Django und Sartana, die tödlichen Zwei. Mit SS Experiment Love Camp und SS Camp 5 steuerte Garrone übrigens auch zwei Beiträge zum angesprochenen Naziploitation-Subgenre bei. Parolini schusterte dann mit seinem Freund Renato Izzi ein Drehbuch, welches geradlinig die Geschichte erzählt und vom Römer ebenso solide inszeniert wurde. Wobei die Geschichte als auch die mimischen Leistungen klar hinter dem effektreichen Spektakel stehen. Letztere gehen im großen und ganzen in Ordnung, gerade Garko vermag als cooler und wortkarger Held einige nette Szenen im Film zu haben während seine Kompagnons eher durch Fähigkeiten und Statur auffallen. Einzig Sal Borgese kann mit seinem Spiel für einige Auflockerungen und leichte komödiantische Momente sorgen. Überraschend ist, das der zackig in einer SS-Uniform durch die Kulisse marschierende Klaus Kinski, immerhin schon zur Entstehungszeit des Films eine lebende Schauspiellegende, nicht gerade sehr überzeugend seinen Auftritt über die Bühne bringt. Man kann ihm auch keine völlig schlechte Leistung unterstellen, doch ist Kinski - der in seiner Karriere desöfteren größere als auch klitzekleine Rollen in italienischen Genreproduktionen übernahm - hier ein wenig reserviert und ruft nur das nötigste seines Talentes ab. Die Variation zwischen strammen und hartem Offizier und geilem Stelzbock gelingt ihm dabei aber dennoch recht gut. Objekt seiner Begierde ist Margaret Lee, deren Rolle nie so wirklich den Verdacht entkräften kann, daß ihre Figur nur dazu geschaffen wurde, um in diesem maskulin geprägten Filmvergnügen überhaupt eine Frau einzubringen. Dabei ist sie als Helga Richter nicht nur schön und meistens halbnackt anzusehen, trifft sie trotz ihres Charakters als Überläuferin einige sehr fragwürdige Entscheidungen.

Doch so ist das eben in italienischen Filmen der damaligen Zeit. Egal welches Genre, der Begriff der "Political Correctness" scheint gänzlich unbekannt und schafft gerade deswegen einige auch heute noch sehr tolle Momente. Mit Todeskommando Panthersprung schuf man vor allem einen recht kurzweiligen, stark ironisierten Kriegsreißer, übrzeichnet, comichaft und nur zeitweise mit etwas ernsterem Ton daherkommend. Es geht um die starke Darstellung von ruppigen Prügeleien, coolen US-Helden die bis zu ihrem Tod für die gute Sache kämpfen und einige effektive Explosionen. Dabei wird die Seite der Guten überlegen und die Nazis böse und dumm dargestellt, die trotz einiger kleiner Vorteile am Ende sowieso den kürzeren ziehen werden. Da werden sie im Finale auch schon mal massenweise am Elektrozaun gegrillt. Die italienischen Macher zelebrieren ihr Nazi-Bashing in einer Weise, die man sonst nur einigen amerikanischen Produktionen der patriotischsten Art zutraut.

Dies geschieht flott und schmissig, untermalt von einem aufdringlichen aber auch irgendwie herrlich passenden Soundtrack von Enzio Mancuso, der hier den Namen Vasco Mancuso trägt. Die bekanntesten Filme in seiner Filmografie stellen dabei wohl zwei Andrea Bianchi-Werke dar. Einmal dessen höchst schundiger Malabimba - Komm und mach's mit mir, zum anderen der angenehm trashige Die Rückkehr der Zombies. Hier wechsel er zwischen aufdringlichen Märschen und teils sehr psychedelischem, jazzigen Gedudel rockigerer Art, was zuerst vielleicht etwas irritierend, aber für den poppigen Charakter des Films dann doch sehr passend erscheint. In seiner nie ganz ernsten Überzogenheit stellt Todeskommando Panthersprung, wie erwähnt erst durch den Erfolg eines großen Hollywoodstreifen entstanden, sogar ein kleines Vorbild für den ebenfalls nahe am Dreckigen Dutzend angelehnten, aber auch mit einigen komödiantischen Mitteln angereicherten Stoßtrupp Gold, dar. Zwar erreicht Parolinis Film in beiden Fällen niemals dessen Klasse, bleibt aber trotzdem ein kurzweiliges, mit einigen netten Momenten versehenes Werk knapp über dem Durchschnitt.
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