20. Februar 2010

Tochter des Satans - Dark Angel


Der junge Arzt Max Barris nimmt die sehr geheimnisvoll erscheinende Veronica mitsamt ihrem Hund bei sich zu Haus auf, nachdem sie von einem Auto angefahren wurde und sie in das Krankenhaus, in dem er arbeitet, eingeliefert wurde. Die junge Frau die anscheinend kein zu Hause besitzt, scheint zudem etwas weltfremd zu sein und glaubt an das bekämpfen des Bösen auf der Welt als größtes Gut. Kein Wunder, ist sie doch ein aus der Hölle geflohener Dämon, der schon seit langem von einem Aufenthalt in der "Außenwelt" träumt. Dabei trifft sie auf ihren nächtlichen Touren auch auf so einige schlechte und bösartige Menschen und liest ihnen auf ihre sehr eigene, da grausame Art, die Leviten. Als sie dann auch noch durch die TV-Nachrichten auf den korrupten Bürgermeister der Stadt trifft und sich den Plan faßt, ihn von seiner Schlechtigkeite zu befreien, ruft dies zwei Cops auf den Plan, die in den vorgefallenen Mordfällen ermitteln. Durch ihre sehr eigene Art fällt sie für das Duo schnell in den Kreis der Verdächtigen.

Dabei hat man dann als Zuschauer nach Genuss dieses Films einen sehr zwiegespaltenen Eindruck. Einige gute Ansätze besitzt er zwar, doch leider schafft er es dabei allerdings nie, diese so gut anzuwenden, dass das Filmerlebnis auch wirklich rund und zufriedenstellend ist. Ein Problem, die so mancher Fan mit den Filmen aus dem Hause Full Moon hat. Gegründet wurde das Studio von Genre-Vielfilmer Charles Band im Jahre 1989, nachdem er seine alte Produktionsstätte Empire schließen musste. Trotz solcher Hits wie Re-Animator oder auch der Ghoulies-Reihe musste man das für seine Low Budget Horror- und Sci-Fi-Produktionen bekannte Studio leider Ende der 80er wegen finanzieller Probleme schließen. Band wollte mit Full Moon dort weitermachen, wo er mit Empire aufhörte und der erste vom neuem Studio produzierte Film sollte auch gleich ein voller Erfolg werden. Dieser hörte auf den Namen Puppet Master und war der Start für eine langlebige und äußerst erfolgreiche Reihe aus dem Subgenre des Puppenhorrors. Trotz günstigster Produktionsumstände schaffte man es im Hause Full Moon seinen Werken ein im Rahmen des B-Films durchaus sehr ansprechendes Aussehen zu verleihen. Neben Puppet Master schaffte man es über die Jahre noch andere erfolgreiche Filmreihen zu etablieren, wie etwa die Subspecies-Filme, welche im Vampirgenre zu Hause sind, oder der eher im Science-Fiction-Genre beheimateten Trancers-Reihe. Zu weiteren bekannten Produktionen aus dem Haus Full Moon gehören zu dem der Stuart Gordon-Film Castle Freak (1995), der ebenfalls Spielzeug zum Horror erweckenden Demonic Toys (1992) oder auch der ebenfalls von Stuart Gordon realisierte auf der Geschichte "The Pit And The Pendulum" von Edgar Allan Poe basierenden Meister des Grauens (1991). Nach langen Jahren des fröhlichen Produzierens etlicher Low Budget-Filme aus dem phantastischen Genre, entschloss sich Band 2002 die Full Moon-Studios zu Grabe zu tragen. Nach zwei Jahren kam es allerdings schon wieder zum Comeback von Full Moon.

Nur leider ging schon seit längerer Zeit der Charme, den die früheren Produktionen aus diesem Hause sehr wohl innehatten, leider immer mehr verloren. Die Zeiten ändern sich und der derzeitige sehr kalte und sterile Look so mancher kostengünstigen Filmproduktion kann durch den Mangel an Atmosphäre so manches Filmvergnügen eher zunichte machen. Mit diesem Problem hat auch der 1994 entstandene Tochter des Satans zu tun, bei dem leider immer etwas ein schon sehr billiger Videolook mitschwingt. Wobei man es dann teils doch schafft, ein wenig stimmige Atmosphäre zu vermitteln. Leider kann diese nicht über die ganze Laufzeit geschafft werden. Dabei ist die Eingangssequenz in der Hölle sogar recht nett gemacht und schafft durch Farbgebung und Ausleuchtung ein angenehmes Ambiente. Richtig doller Horrorlook zum Schwelgen ist es natürlich nicht, aber gerade für Full Moon-Verhältnisse wirklich gut umgesetzt. Und auch wenn man hier die Hölle als einen grausamen Ort darstellt, so gefällt der Ansatz, dass alle dortigen Dämonen und Schergen Diener Gottes sind, die seinem Befehl unterstehen und dabei sogar beim allabendlichen Essen ein Tischgebet abhalten und sogar ein Kreuz in ihren Behausungen haben! Man will hier sogar aus gängigen Klischees aussteigen, tischt einige lustige Unglaublichkeiten auf aber schafft es nicht, dem anhängenden Trashappeal eine lustige und unterhaltsame Komponente hinzuzufügen.

Diese stellt sich erst spät im Film ein, der bis zu diesem Zeitpunkt als x-fache Direct-to-Video-Produktion ohne größere Ereignisse bzw. Überraschungen auskommt und nach einem doch schon bekannten Schema abläuft. Wenigstens kommt man schnell zur Sache und nach einer kurzen Einführung der verträumten Dämonin Veronica und ihrer Familie, die vor allem durch einen strengen Vater der nichts von den Träumereien von der Außenwelt hält, dargestellt wird. Also macht sich die junge Dame flugs mit ihrem Hund der auf den liebreizenden Namen Höllenreiter sehr schnell auf Richtung Oberwelt. Wie man es sich aus diversen anderen Streifen denken kann, gibt sich die höllische Kreatur, die sehr schnell ihre Hörnchen, den Schwanz und auch die Flügel ausblendet um nicht zu sehr unter dem Menschenvolk aufzufallen, ziemlich fremd und seltsam. So steht sie nach ihrem Aufstieg in die unserige Welt splitterfasernackt im rumänischen Setting herum, welches mühsam vom Film als amerikanische Großstadt verkauft wird. Dank ihres mit so einigen schönen Talenten ausgestatteten Wauwaus bekommt sie aber schnell mal was zum Überziehen und trifft dann alsbald auf Max. Zwar kann man sich hier schon denken, dass es zwischen der gar nicht mal so unattraktiv auftretenden Angela Featherstone und ihrem Partner Daniel Markel knistern könnte, aber auch hier umschifft man etwas das altbekannte Klischee des typischen verliebens, da man ja die meiste Zeit nahe aufeinander hockt.

Aber Spannung möchte so nicht wirklich aufkommen und auch wenn Veronica während den Schichtzeiten von Max die Umwelt erkundet und da so einige böse Buben mal mehr, mal weniger effektiv und blutig bestraft, möchte das noch nicht so sehr hinter dem Ofen hervorlocken. Man gibt sich Mühe, Tochter des Satans nicht allzu billig aussehen zu lassen und ihn zu einem soliden Film werden zu lassen, doch von nervenzerreißendem Horror ist man hier weit entfernt. Auch wenn die Polizei auf den Plan kommt und in den Morfällen ermittelt, möchte sich nicht größeres Interesse am Stoff aufbauen. Als reiner Horrorfilm ist das zu wenig, auch wenn man wohl versucht, eine Gratwanderung zwischen modernem und altmodischem Genrekino hinzubekommen. Der Film gerät allerdings doch ab und an ins Wanken. Erst beim Date zwischen Veronica und Max kann der Film dann mit seinem Trashappeal punkten und bietet so einige unterhaltsame Szenen, die mit zu den Stärksten des gesamten Werks gehören. Wenn schon nicht solide Filmkunst, dann wenigstens unfreiwillige Komik, die allerdings für einen runden Gesamteindruck auch zu wenig ist. Dafür kann dann allerdings Mike Genovese mit gehörigem Overacting punkten, nachdem ihm Veronica ihr Geheimnis anvertraut hat. Man fragt sich aber dann schon, was die Cops in der Geschichte verloren haben, wird ihre Arbeit doch recht halbherzig und die beiden auch eher als komisches Duo dargestellt. Selbst das bestreben Veronicas, den Bürgermeister von seinem sündigen Treiben wird sehr unausgegoren und ideenlos vorangetrieben. Durch einen eigentlich ziemlich grundsoligen Charakter des gezeigten, versickert dann auch wieder das angesprochene Trashfeeling.

Selbst die mimischen Qualitäten geben keinen Grund zum Amüsement, bis auf die angesprochene Szene Genoveses. Man sollte natürlich keine überragenden Leistungen erwarten, doch für Low Budget-Verhältnisse geht das ganze schon in Ordnung und läßt einen daran erinnern, dass man wirklich schon schlimmeres gesehen hat. Wobei die Hauptdarstellerin wohl eher durch ihr Aussehen gecastet wurde, aber auch sie sich ordentlich anstrengt. Über all die Zeit kann man Tochter des Satans dabei nicht mal als Ärgernis ansehen. Es ist ein durchschnittlicher Film, dem es zu sehr an Atmosphäre und ansprechendem Spannungsbogen fehlt, da er in seiner Geschichte etwas zu sehr auf das Zurechtkommen der Protagonistin in der menschlichen Welt eingeht. Ist zwar an und für sich auch nett anzusehen, nur von Schreck- und Schockmomenten ist man hier sehr weit entfernt. Der Film driftet einfach zu schnell wieder in die Belanglosigkeit ab, um auch hargesottene Allesglotzer wirklich zu überzeugen. Selbst für B-Film-Überfreunde dürfte dieses Werk eine teils harte Geduldsprobe sein, da man nur selten auf seine Kosten kommt. Spät kommt man in Fahrt und schafft es dabei nicht, bis zum Ende in der Bahn zu bleiben. Gerade wenn Veronica sich aufmacht, den Bürgermeister aufzusuchen, fällt die Ideenlosigkeit auf, die da schon im Drehbuch klaffte. Da bleibt hinterher nur ein Stirnrunzeln und Schulterzucken übrig, wenn das Finale hier einige große Sprünge macht, nur weil nichts mehr einzufallen schien.

Hinzu kommt, dass man das Ende auch recht cheesy gestaltet hat. Hätte vielleicht anders ausgesehen, wäre aus dem Film eine weitere Reihe aus dem Hause Full Moon geworden, woraufhin der Untertitel The Ascent im Originaltitel hinweisen könnte. Nur wäre da wohl schon genauso schnell die Luft rausgewesen, wie in diesem Streifen. Da ist zu wenig wohlwollendes Horror- und noch weniger Trashfeeling dabei, was das ganze zu einem zufriedenstellenden Endergebnis bringen kann. So kann man mit einem zugedrückten Auge Tochter des Satans in den unteren Durchschnitt einsortieren und dort auch nicht mehr so schnell herholen. Soviel Unterhaltungswert hat der Film, anders als andere Full Moon-Titel, dann leider doch nicht. Aus zuviel Solidität kann man eben auch keinen rundum guten Film machen.