1. April 2010

It' Alive

Die Studentin Leonore Harker erwartet ein Kind von ihrem Freund, dem Architekten Frank Davis. Sie zieht aus dem Wohnheim aus und zu ihrem Freund in sein Haus, das er mit seinem kleinen Bruder, dem im Rollstuhl sitzenden Chris, bewohnt. Obwohl erst im sechsten Monat, setzen urplötzlich die Wehen ein und die werdende Mutter muss entbunden werden, da laut dem Arzt der Fötus unheimlich schnell auf eine ungewöhnliche Größe herangewachsen ist. Frisch auf der Welt, richtet das neugeborene Kind im Kreissaal ein Massaker an den anwesenden Ärzten und Schwestern an. Leonore kann sich an nichts erinnern und die Eltern werden mit ihrem in der Tat sehr ungewöhnlichen Sproß nach Hause entlassen. Während die Polizei Leonore dazu drängt, mit dem Polizeipsychologen wegen der Tat im Krankenhaus zu reden, hat diese mit ihrem Filius Daniel allerhand zu tun. Immerhin ist dieser ungewöhnlich hungrig und nachdem er schon einige Tiere auf dem Gewissen hat, fallen bald auch die ersten Menschen seinem Blutdurst zum Opfer. Dabei ist die junge Mutter immer mehr überfordert, zu ihrem Kind zu stehen und darauf zu achten, dass Frank von all dem nichts mitbekommt.

Wem die Geschichte bekannt vorkommt, dem sei gesagt, dass der 2008 produzierte It's Alive das Remake von Larry Cohens B-Kulthorror Die Wiege des Bösen (1974) ist. Dieser war sogar so erfolgreich, dass ihm zwei Forsetzungen folgten: Die Wiege des Satans (1978) und der späte Nachzügler Die Wiege des des Schreckens (1987). Das Franchise erschien also erfolgreich und namhaft genug, um es den heutigen Gepflogenheiten und Sehgewohnheiten des jungen, zahlungskräftigen Publikums anzupassen. Dabei bezog man Larry Cohen sogar in den Enstehungsprozess des Drehbuchs mit ein. Doch während Cohen in seinen Film so einige kritische Einschläge gegen die Gesellschaft und die Pharmaindustrie einflechtete, so verflacht das Original zu einem nur mäßig unterhaltsamen Horrorvehikel für die heutige Popcorn-Gesellschaft.

Dabei schafft es It's Alive sogar in Rekordzeit, alle aufgebauten, guten Ansätze zunichte zu machen und zu einem sehr bemühten Stück Horrorfilm zu werden. Man hat versucht, die Geschichte im Vergleich zum Original zu variieren, was natürlich löblich ist und auf dem Papier sogar gut klingt, doch das Endergebnis kann sich nicht so recht sehen lassen. Man erinnere sich: in Die Wiege des Bösen gelingt es dem monströsen Säugling, sich aus dem Kreissaal zu befreien, was eine Suche durch die Polizei, begleitet von den Medien, sowie dem Elternpaar auslöst. Hier schafft es Cohen, im weiteren Verlauf der Geschichte durch das Verhalten der Außenwelt auf die Eltern des mörderischen Neugeborenen vor allem eine Art Parabel auf das Verhalten von Menschen gegenüber Eltern eines behinderten, eben andersartigen Kindes zu kreieren. Geschaffen wurde das Kind durch eine Hormonbehandlung in der Schwangerschaft, in der Cohen - der meistens in seinen Werken versucht hat, Gesellschafts- und Sozialkritik unterzubringen - die Verantwortungslosigkeit der Pharmaindustrie anzuprangern. So schuf er einen düsteren, pessimistisch gestimmten Film, der trotz seines Trash-Charakters so einige Qualitäten aufzuweisen hat.

Dem Gegenüber steht nun die Idee, was wäre, wenn das Kind eben nicht schon aus dem Kreissaal entkommt sondern in das traute Heim der frisch gebackenen Eltern kommt. Die im 74er-Werk in Frage gestellte Unschuldigkeit des neuen Lebens wird hier sogar noch einen Schritt weiter gebracht, indem nun auch an der Unschuld und Unbefangenheit der Eltern gekratzt wird. Die Vertraut- bzw. Geborgenheit steht hier in Gefahr. Dies zeigt der Film auch schon wunderbar durch seine Farbgebung auf. Die Außenaufnahmen erscheinen natürlich und in matten, aber doch noch leuchtenden Farben, während das Heim des jungen Paares ungewöhnlich dunkel erscheint. Egal ob Küche, das Zimmer des gelähmten Bruders oder andere Bereiche des Hauses: dunkle Grautöne gehen nahtlos in bedrohliches Schwarz über und hinter jeder dunklen Ecke könnte die Bedrohung lauern. Dem gegenüber steht das Kinderzimmer. Leuchtendes Gelb erwartet hier einen und ist somit ein klarer Gegenpol gegenüber den restlichen Zimmern. Diese Helligkeit, die Vertrautheit wecken soll, birgt so einige Ironie, ist es doch gerade der Bewohner, der den Schrecken im Film bringt.

Schaut man nun kurz von der Farbgebung des Films und dem an und für sich ansprechenden Look weg, so bleibt ein bemühtes Werk, welches mit neuen Ansätzen die alte Story ins neue Jahrtausend rübertransportieren will. Es bleibt letztendlich schnell konsumierbare Wegwerfware, die man durch einige inhaltliche Defizite nach dem Schauen schnell wieder vergessen kann. Dies fängt schon damit an, dass man in den ersten Minuten nach dem Massaker das im neuen Heim angekommende Baby sieht, es dann allerdings im Verlauf des Films nicht mehr sichtbar für den Zuschauer ist, bis das Finale beginnt. Sehr ärgerlich ist dabei auch, dass sichtbar immer wieder andere Kinder verwendet wurden um ein und dasselbe "Monsterbaby" darzustellen. Lieblos gibt man sich hier und bemüht sich krampfhaft, der (alten Grund-)Story neue Elemente einzuflößen. Doch Regisseur Josef Rusnak scheitert kläglich. Es bleibt vorhersehbar und durchschaubar, zumal wird das ganze sogar schnell unglaubwürdig. Auch wenn Bijou Philipps als Leonore sich alle Mühe gibt, eine verzweifelte zwischen Schrecken bzw. Ekel und Mutterliebe hin- und hergerissene junge Frau darzustellen, gegen das unlogische Drehbuch kann sie auch nicht anstinken.

Der Fokus auf die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist eine Abfolge vom Fehlverhalten des Kindes, welches in seinem Blutdurst immer neue Morde begeht und dem bemühten vertuschen eben dieser. Bei den Tieren mag es noch recht einleuchtend zugehen, doch spätestens wenn der erste Mensch ins Gras beist, bleibt man was Kreativität, Innovation und Logik angeht, auf der Strecke. Zumal hier auch noch für Freunde altmodischen Horrors der Fehler begangen wurde, meistens auf Effekte aus dem Rechner zurückzugreifen. Ein vielleicht geringes Makel, was gegen Ende hin sogar den eher nicht dem im Horrorfandom verwachsenen Zuschauer über aufstößt, wenn dann das Baby vor die Kamera tritt. Und vorher wird It's Alive eine respektlose Demontage des "Mythos" der alten Trilogie, die hier nebenher auf die Frage eingeht, wie das Baby überhaupt so werden kann. Durch eine kleine Rückblende wird das hier abgefrühstückt. Sicherlich sind tiefergehende Anprangerungen was Pharmaindustrie oder eben auch das Verhalten der menschlichen Außenwelt angeht, für das junge Publikum mehr als langweilig. Aber selbst Action sucht man hier vergebens. Ein bis zwei gute Szenen machen zudem eben keinen rundum gelungenen Horrorfilm aus.

Zu Gute halten kann man dem Werk vielleicht noch, dass es zu den wirklich stimmigen Bildern auch eine überaus guten Score zu bieten hat. Alles andere bewegt sich am Abgrund der qualvollen, glattgebügelten B-Massenunterhaltungsware Hollywoods. Böse Zungen könnten hier von einem schnell dahingerotzten Streifen reden, der mit ausgefeiltem Spannungsaufbau und guter Figurenzeichnung nicht viel am Hut hat. Der Konflikt innerhalb der Familie, der durch ein "andersartiges" Baby entstehen könnte, wäre hier eine gute Sache gewesen, einem durchaus interessanten Thema auch noch etwas tiefer zu gestalten. Dies wurde verpaßt. It's Alive ist vor allem einer der Horrorfilme, bei dem einzig und allein das holprig ausgearbeitete Drehbuch und die Geschichte beim Zuschauer Schrecken verbreitet.