10. Februar 2011

Killer Kid

Die Revolution wütet in Mexiko und damit die Rebellen der Regierung auch ordentlich Zunder geben kann, sind Waffenschmuggler eifrig dabei, ihr Diebesgut aus dem Bestand der US-Regierung an die Revolutionäre zu verkaufen. Der Handel an der amerikanisch-mexikanischen Grenze floriert. Einhalt soll diesem der Agent und Captain Morrison gebieten, der als Revolverheld Chamaco sich unter die Rebellen mischen soll. Schnell macht er es sich dabei in der Gruppe um den Führer El Santo gemütlich. Obwohl der Gringo nichts mit der Revolution zu tun hat, ist er nachdem El Santo und seinen Männern gegen die Regierungstruppen um den fiesen Hernandez geholfen hat, gerne bei diesen willkommen. Einzig und allein Vilar, einer der treuesten Gefolgsleute von Santo, traut dem Fremden nicht. Erst recht nicht, als auf der Flucht vor Hernandez Truppen urplötzlich der Wagen mit den Waffen samt Ladung zerstört wird. Es kommt zum Bruch zwischen Vilar und El Santo, was dazu führt, das der immer größenwahnsinniger werdende Vilar seinen einstigen Führer sogar entführt und die Macht an sich reißt. Chamaco, dessen Identität bei Mercedes, der Nichte von Santo, aufgeflogen ist, wird von dieser gebeten, ihren Onkel zu befreien.

Die mexikanische Revolution ist ein gerngesehener Gast im Italowestern. Sergio Leone widmete sich ihr in seinem Film Todesmelodie (1971), Politfilmer Damiano Damiani versah seinen Western Töte Amigo (1967) dabei ebenfalls mit einigen kritischen Untertönen. Aber: dies ist natürlich eher eine Ausnahme. Meist dient diese nur dafür, noch etwas mehr die Geschichten um Rache, Zaster usw. anzuheizen. Imemrhin wird die Zeit der Revolution in dem mittelamerikanischen Land als großer Trubel dargestellt. In diese Kategorie fällt auch der von Leopoldo Savona inszenierte Killer Kid, welcher in hiesigen Gefilden auch noch unter dem Titel Chamaco bekannt ist. Dieser ist einer von insgesamt fünf Western des in Lemora geborenen Regisseurs. Sein Hauptdarsteller war hier der vor allem durch Western bekannt gewordene Antonio Luiz de Teffe bzw. Anthony Steffen. Dieser war dann drei Jahre später auch in Savonas Spiel dein Spiel und töte, Joe mit von der Partie. Hier schlüpft der Sohn eines brasilianischen Botschafters in die Rolle des titelgebenden Killer Kid bzw. Chamaco, einem dienstbeflissenen Agenten der Amerikaner.

Steffen war nun nicht gerade der subtilste und filigranste Darsteller, manche Leute bezeichnen seine mimischen Fähigkeiten sogar als fast versteinert. Großartige Regungen innerhalb des Gesichts konnte man in seinen Filmen tatsächlich eher seltener ausmachen und so gibt er sich auch als Chamaco ziemlich eisern, was das angeht. Was ihm aber an mimischen Talent fehlt, macht er mit einer nicht zu unterschätzenden Präsenz bzw. Ausstrahlung wett. Dieser behilft er sich auch, allerdings liefert er im ganzen gesehen doch eher nur eine ordentliche Leistung ab. Schnell scheint es so, als passe sich Steffen dem ungemein durchschnittlichen Gesamteindruck des Werks an. So richtig mag die Rolle des Agenten, der für seinen Auftrag beinahe alles tut, auch nicht zu ihm passen. Der mit markanten Gesichtszügen gesegnete Steffen ist halt eher doch ein Rauhbein, seine Figur etwas zu glatt dargestellt. Selbst wenn er von Mercedes gebeten wird, ihrem von Vilar schon längst entführten Onkel aus dessen Fängen zu befreien, bleibt er standhaft, was bedeutet, dass es selbst hier keinerlei Schwankungen in seinem Handeln gibt. Ja, er hilft ihr brav, bleibt dabei aber auch eindeutig auf der Seite der US-Regierung. Er ist ein klassischer Held und kein im Italowestern so gern gesehener Antihero.

Aber gut, dafür hat man ja Ferndando Sancho. Wenn irgendwo am Set eines Westerns ein schmieriger, verschlagener Mexikaner gebraucht wurde: der rundliche Spanier war stets zur Stelle. Keine Überraschung also, dass genau er die Rolle des Vilars sprichwörtlich ausfüllt. Er stiehlt auch Steffen die Schau und ist der heimliche Star von Killer Kid. Es ist einfach schön anzuschauen, wie aus dem einfach gestrickten Gefolgsmann des El Santo ein immer mehr größenwahnsinniger und machtbesessener Gewalttäter wird, der Chamaco zudem keinen Meter weit traut. Allerdings der Abtritt für eine für den Film doch recht wichtige Rolle doch eher bescheiden. Da hätte etwas mehr pomp gutgetan. Allerdings kann es auch sein, dass Savona auch immer darauf achten musste, dass er sich nicht in seiner komplexen Story verzettelt. Es geht um Waffen, Geld und Machtspielchen und dabei läßt sich Savona nicht lumpen, zusammen mit Co-Autor Sergio Garrone ordentlich aufs Gas zu drücken.Dabei schlittert das Duo mit ihrer Geschichte fast ein wenig aus der Kurve und schlingert hin und her. An manchen Stellen ist das Handlungsgeflecht etwas zu wirr und man verheddert sich darin, den Unterhaltungscharakter des Werks noch mit hintersinnigen Aussagen etwas aufzuwerten. Doch dies mag nicht wirklich gelingen, auch wenn man zum Beispiel zu Beginn den Film den Revolutionären der damaligen Zeit widmet.

Ein großes Politikum wird der Film zu keinster Zeit, auch wenn er sich redlich bemüht. Das ist für den Stoff ein wenig zu dick aufgetragen, auch wenn es Savona gelingt, hier und da einige wirkungsvolle Szenen zu inszenieren. Die intensivste hat allerdings in der alten deutschen Fassung gefehlt. Hier landet der Tross von Santo und seinen Mannen zu einem Dorf, welches von den Regierungstruppen dem Erdboden gleich gemacht wurde. Die Häuser sind niedergebrannt und überall sieht man die hingerichteten Bewohner. Eine sehr düstere Szene, in der es zu einer Diskussion zwischen Vilar und Santo kommt, wie man überhaupt eine Revolution durchzuführen hat. Der gewaltbereite Vilar gehört da eher zur groben Hauruck-Fraktion, wobei Santo ein noch eher gemäßigter Aufständischer ist. Aber so richtig harmonisch wirkt sowas trotzdem nicht mit dem actionlastigen Hauptteil von Killer Kid. Wenigstens hat man sich bemüht, das ganze gut aussehen zu lassen. Auch wenn er nicht beständig durch ausgezeichnete oder außergewöhnliche Schnitt- oder Kameratechnik glänzt: der Revolutionswestern kommt ins keinster Weise wie eine schnöde Low Budget-Produktion daher. Savonas Film ist gut in Szene gesetzt, bietet hier und da mal einige nette Einstellungen und ist auch ansonsten handwerklich wirklich gut umgesetzt.

Nur die Feinarbeit hätte noch etwas genauer ausfallen können. Es tut dem Film einfach nicht gut, dass man Steffens wahre Rolle im Revolutionschaos preis gibt. Dies hätten Savona und Garrone etwas mehr oder auch länger im Dunkeln lassen sollen um noch etwas mehr Spannung in das Werk zu bringen. So hätte man auch der Geschichte etwas von ihren holprigen Sprünge in der Handlung nehmen können. Trotzdem kann Killer Kid eine gewisse Kurzweiligkeit mit sich bringen und zudem auch einigermaßen gut unterhalten. Ein richtiger Kracher ist er nicht, die Revolution hat schon schönere Kinder - auch im Italowestern - gezeugt, aber es macht doch noch genug Laune, Steffen, Sancho und Co. um die gestohlenene Waffen streiten zu sehen. Knappe überdurchschnittlich unterhaltende Westernkost mit handwerklich ausgereifter Inszenierung: so kann man Chamaco noch am besten beschreiben.


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