30. Mai 2011

Beast of the Yellow Night

Joseph Langdon ist ein schlimmer Finger. Geraubt und vergewaltigt hat er und irrt nun kurz nach dem zweiten Weltkrieg irgendwo im südostasiatischen Dschungel umher. Schwer gezeichnet und kurz vorm Abnippeln erscheint dem desertierten US-Soldaten der Leibhaftige persönlich in Gestalt eines ganz leicht verschmitzt aus der Wäsche schauenden, übergewichtigen Ureinwohners. Er bietet ihm einen Deal an: wenn er die Seele Langdons erhält, so bekommt dieser im Gegenzug frische Lebenskraft, Unverwundbarkeit und eine neue Identität obendrauf. Langdon geht darauf ein und merkt aber alsbald, dass er damit dann doch nicht so glücklich ist. Im Körper des schwerreichen Geschäftsmanns Philip Rogers muss er sich mit dessen Ehefrau Julia und den Problemen der Eheleute herumschlagen und bereut es, dass er nicht so einfach den Tod als Ausweg aus seiner missliche Lage wählen kann. Er versucht, die Sache mit Julia auf die Reihe zu bekommen, doch im falschen Moment plagen ihn durch zu große Emotionalität immer Magenschmerzen (!), die ihn zu einem ziemlich behaarten Wüstling mit ordentlich Mordlust mutieren lassen. Da hilft auch kein Rennie mehr. Dafür aber ein alter, blinder Ex-Gangster, der ihm bei seiner Flucht vor dem wütenden Mob, nachdem er einen armen, alten Kerl um die Ecke gebracht hat, Unterschlupf gewährt. Das Drama nimmt somit seinen Lauf.

Beast of the Yellow Night ist eine weitere Unglaublichkeit aus dem filmischen Fundus von Eddie Romero, dem Meister von schrägem US/Philippino-Horrorschlock. Am bekanntesten ist er für seine so genannte Blood Island-Trilogie, welche aus den Filmen Brides of Blood (1968), Mad Doctor of Blood Island (1968) und Beast of Blood (1971) besteht und von denen es (leider) nur letzterer nach Deutschland geschafft und den knuffeligen Titel Drakapa, das Monster mit der Krallenhand verpasst bekommen hat. Zwischen Brides of Blood und Drakapa fand Romero die Zeit, mit seinem Haus und Hof-Darsteller John Ashley noch mal fix das Beast of the Yellow Night abzuliefern. Die beide Kumpels haben das Ding auch zu gleichen Teilen produziert und liefern hier eine wilde Mixtur aus Monsterhorror mit Werwolf-Bezügen, seichtem Ehedrama und der bekannten Story um Mephisto und Co. Was sich zuerst so liest, als könnte dies gar nicht so richtig passen, bekommt Romero dennoch recht ordentlich auf die Reihe. Wobei der Maestro hier allerdings anders als in seiner Trilogie etwas mit angezogener Handbremse arbeitet.

Es kann aber auch sein, dass er da schon längst seine besten Ideen in seiner Trilogie verarbeitet hat und nun kaum noch tolle Einfälle für diesen kleinen Heuler fand. Diese gewisse Ernsthaftigkeit, die man Beast of the Yellow Night durch die Krise zwischen Roger und Julia geschenkt hat, macht den Film leider etwas bräsig. Man wollte wohl weg von offensichtlichen Schauwerten wie Monsteraction, die hier recht wenig vorhanden ist und eher seine Version von innerer Zerrissenheit des Protagonisten zeigen. Roger kämpft mit seiner schweren Bürde, die ihm der Deal mit dem Teufel eingehandelt hat. Romero packt die doppelte Tragikkeule aus, da ja nicht nur der mephistophelische Pakt an den Nerven von Roger zehrt sondern auch noch sein kleines Magenproblem mit den äußerst unschönen und haarigen Nebenwirkungen. Das hat man eben davon, wenn man dem Satan auch schön verspricht, alles zu tun, was dieser von einem verlangt. Nicht, dass gewisse Ernsthaftigkeit im Horrorfilm eine schlechte Sache ist. Mitnichten. Sowas ist gerne gesehen, wenn es denn mit Können umgesetzt ist. Ansatzweise ist das auch bei Romero vorhanden.

Dessen Filme sind meistens recht ordentlich geraten, doch bei Beast of Yellow Night krankt die Story einfach an Hauptdarsteller John Ashley. Bei dem fuhr das Schauspieltalent ohne ihm vorher bescheid zu geben wohl einfach mal in den Urlaub und so zieht dieser mit versteinerter Mine in seinen unhaarigen Momenten durch die Sets und blubbert monoton über seine Probleme mit dem Frauchen und seinen Pakt. Ashley, der wohl gewiss auch ein wenig Frauenschwarm war, gibt sich für diese Rolle einfach zu cool was nicht so richtig passen mag. Dessen monotone Darbietungskunst zieht sämtliche Szenen zwischen ihm und Julia runter. Und das, obwohl seine Kollegin Mary Wilcox ihre Sache doch recht gut hinbekommt. Schnell wird die Langeweile zum Sitznachbaren im Heimkino und die wenigen interessanten Szenen mit dem behaarten John Ashley, können dieses Defizit nicht wirklich ausgleichen. Die Tragik des Stoffs des im Pakt mit dem Teufel feststeckenden und als Monster durch die Nacht schleichende Menschen ist wohl einfach etwas zuviel für Ashley gewesen. Lustig, dass dessen Minenspiel als Monster sogar besser geraten ist.

Beim Monster präsentiert uns Romero dann eine Mischung aus Grinch und dem Animal aus der Muppetshow, dass zum Leidwesen des Zuschauers und des Spaßfaktors des Films für viel zu wenig Action sorgt. Die Schockwirkung hält sich natürlich in Grenzen, dafür ist das ganze dann doch wieder zu unbedarft. Zudem bekommt sicherlich niemand sowas wie Angst vor einer Bestie, die sich wegen Magenschmerzen die meiste Zeit über die Plautze hält. Wenn dann doch mal die Mordlust überwiegt, zieht Romero ordentlich vom Leder und präsentiert einen aufgeschlitzen Bauch oder auch eine recht große Kopfwunde. Hier kommt der Film dann ein wenig aus den Puschen, aber sein betuliches Tempo wird er die ganze Zeit über nicht so recht los, was ihn einfach nur ausbremst. Ordentliche Monster on the loose-Action, wie sie zum Beispiel in Mad Doctor of Blood Island geboten wird, wäre auch hier besser gewesen, bieten diese Szenen doch meist die besten oder wenigstens unterhaltsamsten Momente des gesamten Films. Die einschläfernde Wirkung der Story schafft es ja sogar die unfreiwillige Komik, die immer zusammen mit dem Monster erscheint, nicht wirklich punkten zu lassen.

Meistens hängt Ashley in seiner Monsterkluft bei dem blinden Gangster rum und wartet ab, bis er wieder ein Mensch ist um anschließend mit diesem über sein Schicksal zu plaudern. Beast of the Yellow Night ist eine Spur zu redselig ausgefallen, was sich durch den später übrigens als Erzähler in der Originalfassung der TV-Serie Das A-Team bekannt gewordenen Ashley und dessen Unvermögen stark bemerkbar macht. Das senkt das Vergnügen, welches der Film doch so hier und da entstehen laßt, um so einiges. Mehr als knapp überdurchschnittliche Philippino-Trash-Kost ist hier dann nicht drin. Auch der etwas, durch das plötzlich in Aktion erscheinende Militär, flottere Schlussteil kann das nicht mehr auffangen. Hier kommen dann Geballer, Flammenwerfer und die ein oder andere Prügelei zwischen Soldaten und der im Titel genannten Bestie vor. Beast of the Yellow Night ist rege bemüht, aus sehr unterschiedlichen Versatzstücken ein gutes Gesamtpaket zu basteln, scheitert dabei allerdings auf leidlich amüsante Art und Weise. Das es Romero weitaus besser im Sinne von trashiger und unterhaltsamer kann, beweist er ja in anderen Werken wie eben dem Mad Doctor oder auch Drakapa. Das nächste Mal dann bitte wiedet etwas mehr Action, Herr Romero.