4. Mai 2011

Nachts kommt Charlie

Kleine, verschlafene Nester sind im amerikanischen Horrorfilm prädestiniert, vom Schrecken heimgesucht zu werden. So auch in dieser kleinen Low Budget-Produktion, in der des Nächtens in der Kleinstadt Pakoe ein maskierter Killer sein unwesen treibt und mit scharfem Werkzeug seinen Opfern die Rübe vom Hals säbelt. Dies versetzt die Bürger in Angst und Schrecken und vor allem die Eltern junger Teenager, die bevorzugte Zielgruppe des Killers, sind in heller Aufruhr. So auch der örtliche Gerichtsmediziner, welcher sich sehr um das Wohl seiner Tochter Tanya sorgt, als diese eines Abends zu einer Party möchte. Während der Suche nach dem Mörder fällt der Verdacht bald auf den entstellten Gärtner Charlie Puckett. Dieser wird vom ermittelnden Sheriff Carl auch schnell gestellt und verhaftet, doch so einfach ist der Fall dann doch nicht, wie der Polizist bald feststellen muss.

Wobei man als Zuschauer aber auch alsbald feststellen muss, dass titelgebender Charlie allerdings die Spannung und den Grusel bei sich in der Scheune gelassen hat, wenn er zu nachtschlafener Zeit durch die Straßen der Kleinstadt latscht. Nichts gegen Low Budget-Streifen, selbst in dieser Sektion gibt es wirklich durchaus gut gemachte Filme, doch Nachts kommt Charlie sieht man schon sehr schnell an, dass man ihn eiligst und das auch recht lieblos runtergekurbelt hat, um mal schnell die pralle Geldkuh zu melken. Man darf allerdings bezweifeln, dass hier wirklich genug Moneten eingenommen wurden. So ein Slasher bietet sich ja auch an, kostengünstigen Horror zu fabrizieren, ja selbst die großen Vorbilder wie etwa Carpenters Halloween haben ja nicht die Welt gekostet und wurden ein riesiger Erfolg. Doch im Falle von Tom Logans Film ist Hopfen und Malz verloren.

Nicht mal unfreiwillige Komik ist hier ausreichend vorhanden, um wenigstens etwas zu belustigen. Trashappeal ist vorhanden, aber an die psychotronischen und ungemein erheiternden Werke eines Al Adamson oder auch Ted V. Mikels reicht dieses Werk keineswegs heran. Deren Streifen hatten wenigstens noch irgendwie Charme und Flair, bei Nachts kommt Charlie packt einem vor so viel Drögheit das kalte Grausen. Die recht billige Videooptik setzt den Film auf ein ziemlich niedriges Level und man darf die meiste Zeit dabei zuschauen, wie entweder der Killer einigen tumben Teens nachjagt und diese um die Ecke bringt oder der werte Sheriff der Stadt versucht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Dabei reiht man dann bekannte Versatzstücke des Genres nach Schema F aneinander, zitiert ganz lose sogar mal die Vorbilder wie eben Halloween oder sogar mal Hitchcocks Psycho und fabriziert dabei eine ganz neue Form der Langeweile, die man so noch nicht erlebt hat.

Wenn es mit dem Suspense nicht wirklich klappt, hätte man ja bei einem Slasherfilm wenigstens noch die Hoffnung, dass er mit einigen netten Effekten aufwarten kann. Auch in dieser Kategorie herrscht Fehlanzeige. Einige Morde geschehen Offscreen und wenn man dann dem guten Charlie doch mal beim Meucheln zuschauen darf, so passiert das dann doch relativ blutarm. Überraschend ist aber, dass man sich trotz dieser vielen negativen Punkte, mit denen dieser Horrorschmarrn punktet, dem ganzen nicht verwehren kann. Hier kann man dann gerne den alten Spruch bemühen, dass dieses Werk wie ein schlimmer Unfall ist. Auch wenn man eigentlich gar nicht möchte, so muss man doch hinsehen. So viel Einfallslosigkeit, kompakt in 76 Minuten untergebracht, hat man wirklich noch nicht erlebt. Wenn dann dem Buchautoren doch mal eine tolle Idee in die Birne geschossen ist, dann ist diese so wahnwitzig, dass die Twists den Film auch nicht mehr am Leben halten können. Mit Logik und plausiblen Erklärungen nach der Intention des Mörders ist es ja in solchen Filmen eh nicht weit her, aber Nachts kommt Charlie kann mit einer besonders schrägen glänzen. Man hätte lieber nach einem besseren Autoren suchen sollen. Nachts kommt Charlie bleibt so das einzigste Drehbuch von Bruce Carson, der eigentlich Stunt Coordinator ist und in diesem Beruf unter anderem auch am Set von Wes Cravens A Nightmare on Elm Street gearbeitet hat.

Beim Killer selbst, meist im Slashergenre sowieso der eigentliche Star des Films, hat man sich dann ganz grob an Jason aus dem zweiten Teil der Freitag der 13.-Reihe orientiert. Mit Sack über dem Ömme und, wohl um etwas Akzente zu setzen, Taucherbrille sowie einfachen Hillbilly-Klamotten am Leib darf der gute Charlie den Darstellern an den Leib. So richtig bösartig oder sogar bedrohlich kommt der Gute aber beim besten Willen nicht rüber. Das einzigste, was hier wirklich Schrecken verbreitet, sind die Klamotten und die Frisuren der übrigen Schauspielerriege. Diese fangen den grausigen Zeitgeist, der zu Beginn der 90er Jahre herrschte, wirklich hervorragend ein. Alles andere als hervorragend sind dabei allerdings die Leistungen der Mimen. Man gleicht sich dem bescheidenen Gesamteindruck des Films an und liefert entweder übertrieben schlechte oder gar keine Bemühungen ab, sich schauspielerisch hervorzutun. Wen man übrigens doch mal einen Blick auf Nachts kommt Charlie werfen möchte, so solle man bitteschön doch lieber die englische Originalfassung schauen. Die deutsche Synchronisation ist sowas von lieblos und schlecht dahingerotzt, dass es den Film noch um einiges schlechter erscheinen lässt, als er ohnehin schon ist. Wer hier auf seine Kosten kommen möchte, der muss schon wirklich stahlharte Nerven haben und trasherprobt sein und hat selbst dann außerordentlich große Probleme damit, sich wirklich bei so einem Billigststück Horrorfilm zu amüsieren.


Bei Filmundo die VHS und anderen Horrorschlock abgreifen.