2. Dezember 2011

Meister des Grauens

Wir befinden uns im Spanien des Jahres 1492. Die Inquisition sorgt dafür, dass das Land von Hexen und ähnlichem gottlosen Gefolge gereinigt wird. Der Obersaubermacher hört auf den Namen Torquemada und der Großinquisiteur ist dabei sogar so überzeugt von seinem Tun und dem Werkzeug der Folter als Maßnahme um Hexen zu überführen, dass er sich sogar über eindeutige Weisungen des Papstes hinwegsetzt. In sein grauslig-frommes Tun platzt allerdings die herzensgute Maria, die während einer Hexenverbrennung einen kleinen Jungen vor seiner Auspeitschung bewahren möchte. Selbst ihr Ehemann Antonio kann sie nicht davon abhalten. Torquemada bekommt davon natürlich Wind und lässt Maria unter Verdacht, sie sei ebenfalls eine Hexe, in einen Kerker seines Schlosses werfen. Dort durchlebt die hübsche Dame allerlei Absonderlichkeiten und einen Großinquisiteur, der trotz aller Frömmigkeit sehr triebhafte Gelüste für diese entwickelt. Währenddessen versucht ihr Ehemann mit einem tollkühnen Plan, sie aus den Fängen der Inquisition zu befreien.

Das Werk Edgar Allan Poes ist für Filmemacher aus der Genreschublade ein gut bestückter Fundus für Inspiration und Ideen. Nicht gerade selten wurden seine Geschichten für die große Leinwand adaptiert oder zumindest Elemente aus den ja auch nicht gerade immer sehr leicht umzusetzenden Erzählungen aufgenommen und in so manches Schauerwerk eingeflochten. Dem B-Film-Halbgott Rogar Corman verdanken wir sogar mit die besten Verfilmungen von Poe-Geschichten, welche in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden. Und wenn wir schon gerade bei Veteranen des Genrefilms sind, so dürfen wir nicht Charles Band vergessen. Irgendwie wird dieser ja leider immer etwas vergessen, dabei hat dieser mit seinen Studios Empire und nicht zuletzt auch Full Moon so manch launiges und kultiges Werk abgeliefert. Er mag zwar nicht so bedeutend sein wie Corman, aber dennoch haben wir ihm zum Beispiel die Puppetmaster-Reihe oder auch die kultige Lovecraft-Verfilmung Re-Animator (1985) zu verdanken. Zu Beginn der 90er war dann bei Band und den damals noch recht frischen Full Moon-Studios Poe eine literarische Vorlage Poes an der Reihe, als Film umgesetzt zu werden.

Wobei der Allrounder Band (er ist u. a. Autor, Darsteller, Regisseur und Produzent) hier nur als Produzent fungierte, um eine Herzensangelegenheit von Stuart Gordon umzusetzen. Gordon ist ja als Fachmann für Verfilmungen eines anderen für die phantastische Literatur wichtigen Mannes bekannt: H. P. Lovecraft. Der schon angesprochene Re-Animator geht auf das Konto des vom Theater kommenden Regisseurs, aber auch ebenfalls auf Lovecraft basierende Filme wie From Beyond (1986) oder auch Dagon (2001). Meister des Grauens stellt die erste Berührung Gordons mit Stoff von Poe dar und basiert lose auf der Geschichte "Die Grube und das Pendel". Wenn man den Vergleich zieht, was Gordon besser liegt, so kommt man jedenfalls bei diesem Werk zum Schluss, dass es wohl Lovecraft ist. Dabei ist Meister des Grauens nicht mal ein übler Stinker ohne jegliche Qualitäten. Es ist ein für Full Moon-Verhältnisse, da die Qualität derer Machwerke leider teils auch stark schwankend sein kann, ein sogar überaus sorgfältig produzierter bzw. realisierter Film.

Gordon gelingt hier ein atmosphärisch dichter Film, den man dank der Detailliertheit bei den Kulissen und Requisiten für Full Moon-Maßstäbe sogar schon beinahe opulent nennen kann. Trotz seines weiter durchschimmernden B-Film-Charakters. Es krankt hier aber einfach nur daran, dass man bei der Geschichte selbst, nie so richtig wusste, wohin man diese steuern mag. Meister des Grauens schwebt unentschlossen zwischen Drama und Horror, bietet allerdings von allem deutlich zu wenig, um stärken in einem der beiden Gebiete ausspielen zu können. Dies führt trotz vorherrschender, höherklassiger Qualität zu einigen Längen, die man nicht so recht auszubügeln vermag. Man fühlt sich an die alten Hexenfilm-Klopfer wie zum Beispiel dem deutschen Mark of the Devil (1970) erinnert. Doch man geht an die Thematik bei weitem nicht so ausschweifend heran wie dieser oder andere, ähnlich gelagerte Filme.

Bis auf einige wenige Szenen hält sich Meister des Grauens zurück, womit die wenigen, gezeigten Grausamkeiten noch mehr Wirkung erzielen. Wer also ein Feuerwerk an Grausamkeiten und Folterungen erwartet, wird hier eher enttäuscht. Durch die Unentschlossenheit bei der Ausrichtung des Films, verpufft an manchen Stellen allerdings der Old School-Grusel, den man hier erwirken wollte. Es mag sich einfach keine richtige Spannung einstellen. Auf der anderen Seite verpuffen die dramatischen Anflüge durch einige wohl Alibimäßig hinzugefügte, übernatürliche Phantastereien. Hier punktet der Film aber durch die Darstellung von Lance Henriksen, welcher der Figur des Torquemada (der übrigens auch real existierte) unheimlich viel Leben einhaucht. Ohne großes Overacting, sondern sogar sehr akzentuiert gibt er hier einen beinahe schon religiös fanatischen Mann, der durch die Verlockung einer Frau mit sich selbst und seinen Prinzipien hadert. Diese Töne, die man hier bei Meister des Grauens anschlägt, sind ziemlich ungewöhnlich für Full Moon-Streifen. Es steht dem Film aber, Henriksen trägt diesen durch seine Leistung sogar zu einem gewissen Teil, kann selbst aber auch nicht über den langatmigen Gesamteindruck retten.

Dafür stehen ihm zwar in den Nebenrollen einige ebenfalls gute Darsteller wie Herbert West himself, Jeffrey Combs, der für einige Minuten zu erblickende Oliver Reed oder auch Mark Margolis zur Seite, aber auf der anderen Seite der Hauptdarsteller regiert der Durchschnitt. Sowohl Rona de Ricci als Maria als auch deren Filmehemann Jonathan Fuller liefern zwar okaye Leistungen ab, doch gerade de Ricci verblasst in den Szenen neben Henriksen total. Hier wäre eine erfahrenere Darstellerin wohl die bessere Wahl gewesen. Der Film bietet zwar einige nette Schauwerte, schafft es allerdings nicht, zu fesseln. Selbst der Aspekt, die Poe'sche Originalgeschichte mit der Zeit der Inquisition zu verbinden, der erst ungewöhnlich, dann aber als gute Wahl erscheint, kann hier nichts mehr herausreißen. Sogar dann, wenn Gordon andere bekannte Elemente aus dem Oeuvre des Herrn wie dem lebendig begraben sein, auspackt.

Auch wenn Meister des Grauens mit einem sehr gut aufgelegten Hauptdarsteller aufwarten kann und hier und da einige nette Szenen bietet, so ist die Inszenierung insgesamt etwas zu kraftlos. Diese Hin- und Hergerissenheit zwischen Drama und Horror lähmt das ganze. Gordon und sein Stammautor Dennis Paoli hätten sich vorher besser entscheiden sollen, welchen Weg sie einschlagen. So verpufft so manch guter Ansatz im Wust der Mittelmäßigkeit, obwohl wir es hier mit einer richtig guten Full Moon-Produktion zu tun haben. Eventuell ist es auch die hier nicht ganz passend zu scheinende ironische Art und Weise, wie Gordon sich dem Konstrukt seiner Geschichte nähert. Schwarzer Humor funktioniert wunderbar mit der abgehobenen Fantasterei eines Lovecrafts, doch bei Poe scheint dies hier und da ein Griff in die Toilettenschüssel zu sein. Mal funktioniert es zwar, jedoch nicht immer. Man verschenkt viel bei Meister des Grauens und im Endeffekt geht das ganze zwar noch in Ordnung, aber man verbleibt als Zuschauer auch noch etwas unbefriedigt zurück. Da wäre eben noch mehr drin gewesen, als einem hier geboten wird.