2. Januar 2012

Dead Survivors

Das schöne an Zombies ist ja, dass es - zumindest seit Romeros Night of the Living Dead - keinerlei großen Erklärungen bedarf, woher diese überhaupt kommen. Entweder lässt man den Grund gleich komplett im Dunkeln oder macht nur vage Andeutungen, wieso überhaupt die Toten wieder auferstehen und es auf die Lebenden abgesehen haben. Meist ist dies dann ein Virus oder hin und wieder auch mal eine von Menschenhand hervorgerufene Katastrophe, die eine Verseuchung mit sich bringt. Die Untoten sind halt urplötzlich da und überrennen die Erde. Ein schöner Nebeneffekt beim Auslassen eines großen Erklärungsversuchs ist ja, dass so die Bedrohung der untoten Massen somit noch verstärkt wird. Natürlich gibt es mittlerweile auch das Gegenteil und es wird sehr wohl gezeigt bzw. erklärt, wieso die Toten aus ihren Gräbern steigen. Dieser Umstand bringt aber auch den Nebeneffekt mich sich, dass jeder Amateur mit halbwegs gutem technischen Verständnis in Sachen Ideenfindung keine große Bemühungen aufbringen muss, für seinen Streifen eine ausgefeilte Hintergrundstory auf die Beine zu stellen.

Bei Dead Survivors haben wir diesen Fall. Von Anfang an sind die Zombies aktiv im Geschehen, haben die Erde überrannt und einige Überlebende haben ihre Müh' und Not, sich die dauerhungrigen Untoten vom Hals zu halten. Selbst das gut ausgerüstete Militär musste schon das weiße Fähnlein schwingen und eine versprengte Gruppe Überlebender unter der Führung von Chris Burnside versucht, in seinem Unterschlupf irgendwie über die Runden zu kommen. Doch Konflikte sind selbstverständlich vorprogrammiert und nachdem irgendein neunmalkluger Unsympath einen Streit mit Christ vom Zaun bricht, stürzt dies die Mädels und Herren in eine neue Bedrohung und eine Odyssee durch den umliegenden Landstrich. Zombies entdecken den Unterschlupf und auf der Flucht trifft man zwar auf einen Haufen behämmerter Soldaten, doch diese sind eher ein Fluch als ein Segen. So findet man hier und da auf dem weiteren Weg in die nächst größere Stadt nicht nur weitere Massen an Zombies sondern auch einen schmucken Landsitz im Wald vor, in dem Chris und seine Kumpanen eine kleine Erklärung finden, wieso es zu dieser Katastrophe kommen konnte.

Hat man nun das Glück, nicht nur begeisterter Fan von Genrefilmen, sondern auch Zocker zu sein, so verspürt man an nicht gerade wenigen Stellen von Dead Survivors ein Deja Vu. Nicht nur der Name der Hauptfigur, sondern auch so einige Elemente der Story erinnern an die überaus erfolgreiche Horrorgame-Reihe Resident Evil des Publishers Capcom, welche es auch schon zu vier mehr oder minder erfolgreichen Verfilmungen und somit Kinoeinsätzen brachte. Da waren wohl Fans der Reihe am Werk. Und auch wenn im Film kaum mit genauen Ortsangaben gearbeitet wird, so fällt neben dem aus dem Lovecraft'schen Geschichtenzyklus bekannte Ort Arkham auch einmal ganz konkret der Name Raccoon City, welche eine nicht gerade kleine Rolle in den Spielen als auch den Kinofilmen spielt. Wie in den Games (und natürlich auch den meisten anderen Zombiestreifen) ist hier das Hauptmotiv das Überleben einer kleiner Gruppe in einer unwirtlichen Welt. Survival. Im Film selbst als auch vor der heimischen Glotze.

Laut einem allseits bekannten Sprichwort ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen und gerade wenn es sich um Debütfilme handelt (denen gerade mal ein Kurzfilm voraus ging), können hier und da noch einige Schnitzer vorhanden sein. Perfekte Filme gibt es ohnehin nicht gerade viele. Ecken und Kanten können manche Werke sogar noch interessanter machen. Vorrausgesetzt ist dabei allerdings Talent, welches Dead Survivors doch eher vermissen lässt. Dabei sind sogar hier durchaus einige Ansätze wie man es hätte gut machen können, vorhanden. Doch die verpuffen genauso schnell wie dürftig aussehenden, eingestreuten Computer-Explosionen, die zum Beispiel beim Abschluss des Prologs für genügend Amusement sorgen. Man hat es durch den auf etwas alt getrimmten, sepia-artigen Look des Films es sogar geschafft, ihm ein wenig den so immer wieder störenden kalten Look vieler auf digitalem Material gedrehten Indiestreifen aus Deutschland zu nehmen. Es funktioniert. Anders als die Handlung, welche wohl beim nächtlichen Besuch des Burger Kings nach einer durchzechten Nacht auf einen Fetzen Serviette gekritzelt wurde.

Zombiefilme mit Hintersinn, Botschaften und dergleichen sind ja bekannterweise ohnehin nicht häufig anzutreffen und gelten als Ausnahme. Selbst in diesen sind sozialkritische Ansätze mehr oder minder im Hintertreffen um eher solche Dinge wie Atmosphäre, Action oder auch Spannung in den Vordergrund zu stellen. Es funktioniert, bestes Beispiel ist sicherlich Romeros Dawn of the Dead (1977). Nicht zu vergessen, dass auch viele Untotenfilme deren Story nicht großartig in die Tiefe gehen, unterhalten können. Es kommt eben immer auf die Qualität der Machart an. Selbst dann, wenn die Geschichte ein Hauch von Nichts ist. Doch bei Dead Survivors muss man sich wirklich die Frage stellen, ob dessen Macher David Brückner wirklich einen Plan hatte oder nur einen Vorwand brauchte, um seine Vorstellungen von "coolen" Sequenzen zu verwirklichen. Handlung? Eine fortlaufende Geschichte? Ja, die Geschichte des Genrefilms lehrt uns: wenn es um wandelnde Leichen geht, braucht man sowas nur bedingt. Ein Grundgerüst genügt. Nur doof, wenn das Grundgerüst so wackelig ist, dass es öfters mal merklich zusammenbricht.

Einige Überlebende die sich ihren Weg zur nächsten Stadt durch viele Gefahren bahnen. Dies hätte man durchaus spannend gestalten können, doch in tiefster sächsischer Provinz hat sich diese irgendwo im angrenzenden Stadtwald verlaufen. Wenn aus den sichtbar (ost-)deutschen Ortschaften auch noch im Kontext der Story Amerika wird, so kann man sich ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen. Die menschenleere Gebiete machen sogar zum Anfang noch was her, doch bietet Dead Survivors eigentlich typischen Indiehorror, der schon zum Aufkommen in der hiesigen Fanszene kaum wirklich Begeisterung hervorlocken konnte. Außer bei Hardlinern, die auf sowas stehen. Da schlägt man sich durch den bundesdeutschen Forst, leerstehende Gebäude und irgendwelche Hinterhöfe und versucht verkrampft, auf international zu machen. Der Einfluss der großen Hollywood-Vorbilder auf Brückner ist dabei auch das größte Manko von Dead Survivors. Anstelle was eigenes auf die Beine zu stellen, variiert man Handlungsstränge besagter Resident Evil-Serie, spinnt bemüht eigene Ideen hinzu und versucht dann auch noch, einen auf dicke Hose zu machen.

Aber Sachsen ist eben nicht Hollywood. Und aufgesetzte Coolness, wie sie hier im Film wie die Zombies um fast jede Ecke biegt, bringt schnell Missmut beim Zuschauer auf. Das übergroße Posieren von Michael Krug als Chris Burnside (welcher allerdings zur kleinen Rettung eine passende Erscheinung für die Rolle ist) ist ja schon ziemlich anstrengend. Doch noch schlimmer wird das ganze, wenn er als Schmalspur-Actionheld ständig nach irgendwelchen Aktionen bemüht lässige Oneliner über die Lippen bringt. Das wirkt so schrecklich und unecht, dass man irgendwann nur noch genervt ist und dem Protagonisten sogar eine ganze Ladung an hungrigen Zombies an den Hals wünscht. Unsympathisch großkotzig und mächtig daneben, dass wohl selbst das "Spläddakiddie" von umme Ecke nur verstimmt die Miene verzieht. Da wird schnell die Figur des Dean zum heimlichen Helden, der irgendwie verdammt normal und wohl gerade deswegen so sympathisch um die Ecke kommt. Immerhin ist dieser Chris ja auch eine Art Supermann, der es versteht, aus wirklich noch so verzwickten Lage zu kommen.

Egal ob die versprengte Truppe von Soldaten mit ihrem oberfiesen Colonel, übertrieben chargierend von Stephan König gemimt oder immer wieder neue Bedrohung durch Zombies: Chris schafft sie alle. Egal ob mit Wumme, Machete oder bloßen Fäusten: die Herausforderungen sind auf leichtestem Level für den Kerl. Bei den Kämpfen mit den Untoten, die typischen Kumpels- und Bekannten-Zombies wie man sie schon aus anderen Amateur-/Indiesplatterstreifen Germaniens kennt, wirds dann nochmal so richtig eng spannend im Gesicht des Zuschauers. Plötzlich packt man da auch noch übertriebenes "Martial Arts" aus. Zugegeben: manches kann man sich noch anschauen. Aber auch hier scheint es so, als sei der Choreograph zum Entschluss gekommen, die Fights sollen wie eine Mischung aus Grundkurs asiatische Kampfsportarten und Backyard-Wrestling aussehen. Apropos Wrestling: Chris Burnside erscheint tatsächlich wie John Cena, einer der derzeit größten Stars in der US-Wrestling-Szene. Auch dieser kann sich ja aus jeder noch so große, misslichen Lage mit scheinbar übermenschlichen Kräften befreien. Das übertriebene, maskuline Auftreten des Protagonisten lässt an dies unironischen und konservativ gefärbten Actionarien der 80er Jahre erinnern. Doch selbst diese waren und sind um Längen besser.

Selbst wenn man dann mal versucht, etwas mehr Hintergründe in die Geschichte zu bringen, scheitert dies. Man klaubt sich hier und da was zusammen und wirft es in kleinen Happen dann ein, wenn man meint, dies könnte den Film interessanter gestalten. Allerdings geht dieser ab der Flucht aus dem Unterschlupf gnadenlos unter und versinkt in Stereotypen grauster Indievorzeit. Wenn man eben versucht auf dicke Hose zu machen mit seinem Stoff, sollte man ausgeklügelter an die Dinge heran gehen. Dead Survivors zehrt allerdings schnell an den Nerven mit immer wiederkehrender Schematik im Ablauf. Man latscht durch die Botanik, trifft auf Zombies, killt diese und geht weiter. Hier und da wird das ganze dürftig aufgelockert mit Erklärungen, woher die Untoten stammen. Ein Virus, erforscht von einem großen Pharmaunternehmen, scheint die Erklärung zu sein. An diesem Punkt angelangt, hofft man als Zuschauer, dass die Überlebenden endlich ihr Ziel und der Film somit sein Ende erreicht. Durch die Gegend latschen und Zombies platt machen ist eben doch zu wenig, um wirklich zu unterhalten. Zumal Dead Survivors nicht mal eine ausgesprochene Splattergranate ist um mit einigen Effekten bei Laune zu halten. Auch hier wird nur Altbekanntes geboten.

Schade, dass der Film zu einer einzigen Geduldsprobe verkommt. Zu Beginn ist man noch guter Dinge, wird allerdings ganz schnell auf den Boden der trostlosen Tatsachen zurück geholt. Wer eben zu stark auf dicke Hose macht, fliegt halt auch auf die Fresse. Dieses Schicksal ereilt Dead Survivors und es bleibt zu hoffen, dass die angedeutete (oder besser: angedrohte?) Fortsetzung durch sein offenes Ende doch besser wird. Nichts bleibt wirklich hängen, alles hat man schon mal (besser) gesehen und auch die Darsteller können nicht wirklich mit herausragenden Leistungen glänzen. Tino Dörner (Dean) durch sein sympathisches Wesen, ansonsten sind es aber eben diese bemühten Leistungen jugendlicher "Wir wollen auch ma' in 'nem Film mitmachen"-Darsteller. Das Alter mancher hier vor der Kamera stehenden Persönchen (ein junges Mädel sogar mit Zahnspange) lässt darauf schließen, das die Macher noch ganz schön Grün hinter den Ohren sind. Wenn man noch Wunschzettel schreiben sollte: dieses Jahr zu Weihnachten bitte eine Extraportion Talent aufschreiben! Vielleicht wirds ja dann doch noch was mit den nachfolgenden Werken. Zudem sollte man sich merken, dass fast dauerhafter Einsatz von Mittelklasse-Synthesizer-Orchestral-Scores ebenso nervig sein kann wie eben dieser Hauch von Nichts an Story. Man sollte an Brückners Stelle nochmal etwas Theorie pauken, bevor es wieder zur Praxis übergeht. Denn so hat Dead Survivors das Klassenziel nicht erreicht.
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