18. August 2013

Er - Stärker als Feuer und Eisen

Kaum schaffte es die von Robert E. Howard geschaffene Figur Conan der Cimmerier mit dem Kinofilm Conan, der Barbar im Jahr 1982 auf die Leinwand, schon hat der Film zusammen mit seinem Hauptdarsteller Arnold Schwarzenegger für einen Trend gesorgt. Damit ist allerdings nicht gemeint, dass ein großer Teil des Publikums plötzlich mit Bodybuilding oder Schwertkampf anfingen, da der Film sie plötzlich so beflügelt hat. Vielmehr sah man dann auf den Leinwänden plötzlich des öfteren fellbeschürzte Muskelmänner durch die Landschaft stapfen um gegen das Böse zu kämpfen. Ein Jahr später machte sich Umberto Lenzi daran, seine Barbarengeschichte auf die Menschen los zu lassen. Anders als seine italienischen Kollegen wie Lucio Fulci, der mit Conquest (1984), seinem Beitrag zur Barbarenwelle, auch noch ordentliche Fantasy-Elemente einspannte, orientierten sich die Schreiber bei Er - Stärker als Feuer und Eisen stark am großen Vorbild aus Hollywood.

Man schlägt sich weder mit Ungeheuern oder mystischen Kulten mit magischen Kräften, sondern eher mit dem niederträchtigen und machthungrigen Vood herum. Dieser kann es kaum abwarten, bis er endlich Anführer des Stammes wird, da sein Vater Aufgrund des Alters abtreten möchte. Doch Papa zweifelt durch die unbeherrschte Art seines Zöglings an diesem, was bei einem Angriff auf eine kleine Gruppe durch einen anderen Stamm von Vood schamlos ausgenutzt wird. Die Jagdbeute wird erfolgreich verteidigt, allerdings nutzt er die Situation aus, um seinen Vater zu erschlagen. Dumm nur, dass er dabei vom muskelbepackten Ela beobachtet und bei der Begräbnis-Zeremonie des Mordes beschuldigt wird. Vood wird vom Stamm ausgestoßen und entdeckt nach dem Ausbruch eines Vulkans eine Sache, die sein Leben verändern wird: Eisen. Fast noch dampfend, entdeckt er das Potenzial der länglichen und noch unförmigen Eisenstange und die wortwörtliche Durchschlagkraft.

Als er dann mit diesem Teil sich erfolgreich gegen einen Löwen wehren kann und auf die geheimnisvolle Lith trifft, ist es um ihn geschehen. Die Dame setzt ihm die Flausen in den Kopf, dass er mit dieser neuen Waffe nicht nur seinen Stamm, sondern gleich das ganze Tal und die anderen Stämme unterjochen kann. Musik in den Ohren Voods und mit der von der Gottheit Efferum gegebenen Waffe kehrt er zu seinem Stamm zurück, zeigt Ela was eine Harke ist und macht sich zum Anführer. Im Gegenzug stößt er Ela aus, der sich nun in der Wildnis allerlei Gefahren ausgesetzt sieht. Bis er auf die schöne Isa und deren friedfertigen Stamm trifft, der von Isas weisem Vater Mogo mit allerlei schlauen Sprüchen und pazifistischem Gedanken geführt wird. Allerdings ist auch Mogos Stamm schnell im Visier des äußerst blutrünstigen Voods, da dieser immerhin das gesamte Tal und die dort angesiedelten Stämme beherrschen möchte.

Aber immerhin hat man ja Ela, dargestellt vom durchtrainierten Sam Pasco, der hier durchaus eine passable Figur abgibt. Was ihm vor allem an darstellerischer Kraft fehlt macht er mit der starken Präsenz seines definierten Körpers wett. In den Actionszenen macht er sich wirklich gut, während Pasco - beinahe schon wie Arnie selbst in den zwei Conan-Filmen - mit wenig Gesichtsausdrücken auskommt. Selbst beim Lächeln muss sich der langmähnige Hüne arg anstrengen. Aber so eine Testosteronbombe auf zwei Beinen muss auch eher seiner Muskelkraft genügend Ausdruck schenken, was er auch bei der ständig lauernden Gefahr häufig tun darf. Eigentlich wäre der Herr also prädestiniert für Rollen in ähnlichen Filmen, auch wenn die Zeit der Barbarenfilme recht kurzlebig war. Doch schaut man auf die Filmographie des Herren, dann wird nur seine Hauptrolle im auch als Ironmaster bekannten Film aufgelistet.

Dabei hat er noch einige Filme mehr gemacht. Der wahrscheinlich schon verstorbene Pasco - seine Spur verliert sich recht schnell und er soll entweder an einem Leberschaden (wegen der vielen Steroide), einer Überdosis Drogen oder AIDS gestorben sein - kommt eigentlich aus der Schwulenporno-Szene (!) und hat es bei den Castings wegen seines eben recht gut definierten Körpers und dem Verschweigen des Umstands, bei welchen Werken er sonst noch so mitgewirkt hat, zu seiner Rolle als Ela geschafft. Doch schon nach der Arbeit an diesem Film soll es ihn wieder zu seiner gewohnten Arbeit - hier unter den Pseudonymen Big Max oder Max Spanner - zurückgekehrt sein. Einem starken Helden muss aber natürlich noch ein ebenbürtiger Gegner gegenüber stehen und hier hat man ebenfalls ein glückliches Händchen bewiesen. Egal ob mit seltsamer Löwenkopf-Mütze als großer Herrscher oder im knappen Fellhöschen: Luigi Montefiori aka George Eastman ist einfach der geborene Bösewicht, obwohl er auch in weniger negativen Rollen natürlich eine gute Figur macht. Aber wer so schön abgedreht und irre aus dem Löwenmäulchen schauen kann, dem darf man auch die Klingen der Macht in die Hand drücken.

Ganz klar, das der ja immer leicht am Overacting vorbeischrammende Eastman hier eine unheimlich tolle Schau abliefert und er durch das Drehbuch auch schnell zum ersten Eisen-Industriellen in der Geschichte der Menschheit aufsteigt. Es ist schon äußerst lustig anzuschauen, wenn Vood - kaum als Stammeschef etabliert - die neue Waffe seinen Mitstreitern bringt, ihnen dadurch Unbesiegbarkeit prophezeit und wohl irgendwo auch eine Anleitung zur Verarbeitung von Eisen im noch heißen Vulkangestein gefunden hat. Die Produktion der Schwerter macht wirklich unglaublich schnelle Fortschritte und bringt die Mundwinkel des Zuschauers öfter dazu, sich zu einem Grinsen zu verformen. Generell ist Er - Stärker als Feuer und Eisen ohnehin eine sehr spaßige Angelegenheit, welche den Kopf nicht allzu sehr anstrengt. Das Buch begeht wahrlich keine neuen Pfade und auch wenn es für Ela noch einige Gefahren - darunter sehr possierliche Affenmenschen (mit kleinen Pimmeln!) - birgt, so kann man sich denken, dass es auf das unumwindbare Duell zwischen dem blonden Helden und dem wahnsinnigen Machtgeier hinausläuft.

Bis es zu diesem kommt verläuft der Film in bekannten Bahnen. Man möchte das nicht einmal vorhersehbar schimpfen, aber die Geschichte ist eben auch eine altbekannte Abfolge von gefährlichen Situationen für den Helden, bis er auf einen friedlichen Stamm trifft, der eben schon ein vorbestimmtes Schicksal durch die fürchterliche Herrschaft Voods besitzt. Dafür darf William Berger - vor allem aus vielen Italowestern bekannt - mit Langhaarperücke den Barbarenhippie mimen, pazifistisch die Gewaltlosigkeit predigen und auch sonst sehr schlaue Sprüche rauslassen. Mit dem unheilsschwangeren Off-Kommentar zu Beginn des Films, der davon berichtet, wie ein Mensch eine neue, fürchterliche Waffe entdeckt und somit den Krieg erfindet sowie seinem leicht weichgespülten Ende versucht man ohnehin, eine Botschaft gegen die sinnlose Gewalt als kleine "Moral von der Geschicht'" zu installieren. Das kommt einem fast so vor wie die Erklärungen am Ende einer jeden Episode der He-Man-Zeichentrick-Serie.

Tiefgründig ist das ganze nicht, wobei die Autoren - darunter der allseits bekannte Dardano Sacchetti der u. a. auch für Fulci (Geisterstadt der Zombies oder auch Manhattan Baby), Dario Argento (Story für Die neunschwänzige Katze) aber auch die Bücher zu Die Gewalt bin ich (1977) oder Asphalt Kannibalen (1980) schrieb - bei einem Punkt der Geschichte einen kleinen und amüsanten Kniff einbauten. Die recht patriarchaische Geschichte in der Frauen als Beiwerk verkommen, bietet mit der hübschen Pamela Prati als Lith die Ideengeberin für Voods Gedanken, die Herrschaft über das Tal zu erlangen. Ohne ihre Implikationen könnte er vielleicht auch gar nicht oder wenn, dann erst recht spät, diesen Gedanken bekommen haben. Generell wird Prati auch immer so inszeniert, dass nie weit weg von Eastman steht. Im Hintergrund, im Schatten von Eastman. Ein Machismo, der allerdings auch anders gedeutet werden kann. Laut einer bekannten Redewendung steckt hinter einem erfolgreichen Mann auch immer eine starke Frau. Prati ist eine hinterlistige Schlange, biedert sich auch Ela in einer Szene an und könnte hiermit die wahre Lenkerin hinter Vood, dessen Gier sich allerdings auch schnell verselbständigt, sein.

Vielleicht nutzt sie ihn selbst nur als Instrument für ihre Rachegelüste, laut ihrer Aussage kommt die ansonsten kaum mit einem gewissen Hintergrund ausgestattete Figur Lith von einem fremden Stamm und wurde ausgestoßen. Schon die Berliner Rapper K.I.Z. bemerkten in einem ihrer Songs, dass hinter einem bösen Mann eine immer noch bösere, bösere, bösere Frau (sic) steckt. Trotz aller versuchter Deutungen ist der Ironmaster natürlich ein Aufhänger für einige Abenteuer-Szenen, die alle recht souverän umgesetzt worden sind, die mit einem geringen Spannungsanteil ausgestattet worden sind. Hier und da wird sogar garstig die Effekte-Kiste entmottet und gerade im Finale wird recht blutig hantiert. Er - Stärker als Feuer und Eisen bietet sich als perfekter, launiger Kandidat für einen faulen Sonntag an um gut eineinhalb Stunden Kurzweil zu bieten.

Sicherlich ist das ganze recht trashig und die Geschichte hangelt sich von Höhepunkt zu Höhepunkt, doch wenn sich schon Leerlauf andeutet, reißt man sich glücklicherweise am Riemen und steuert geradlinig auf die Zielgerade zu. Die kostengünstige Umsetzung beschert die Story um Ela und Vood einen gewissen naiven Charme und wunderbar abstrus ist eine Szene in einer Höhle, in der sich Ela, Mogo und andere Flüchtige aus dessen Stamm vor Voods Schergen verstecken. Plötzlich kommen da grausig entstellte Menschen aus der Ecke, die ganz vage an die Zombies aus Marino Girolamis Crossover-Epos Zombies unter Kannibalen (1980) erinnern. Er - Stärker als Feuer und Eisen ist vor allem eine äußerst spaßige Angelegenheit, filmisches Fast Food, welches zwar auch schnell wieder vergessen sein könnte aber im großen und ganzen nicht weh tut. Selbst wenn Umberto Lenzi mit seinem Können auf Sparflamme runterfährt, ist die ganze Chose immer noch sehr lustig.
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