17. April 2016

Metal Beast

Es gab eine Zeit im B- und C-Horrorfilm der 90er Jahre, in denen Menschen gerne vor irgendwelchen mutierten Killerbestien und ähnlichem in langen Gängen wegrannten. Auch Metal Beast kann man dazu zählen. Hier läuft ein Team von Wissenschaftlern in seinem geheimen Labor des US-Militärs vor einem Werwolf mit Metallhaut, letztere ist das eigentliche Forschungsobjekt des Teams, davon. In einem Prolog lernt der Zuschauer, dass zwanzig Jahre zuvor ein Dr. Butler (der zur gleichen Einrichtung wie das Team gehört) in Ungarn einen Werwolf ausfindig gemacht hat und ihm aus Forschungszwecken Blut abzapft. Sein Selbstversuch mit dem Blut geht schief und während seinem wölfischen Amoklauf im Labor wird er von seinem Vorgesetzten Miller überwältigt, angeschossen und in den Kälteschlaf geschickt. Miller ist es auch, der Butler den Wissenschaftlern als Versuchsobjekt unterjubelt und damit unschöne Ereignisse heraufbeschwört.

Der von Alessandro de Gaetano realisierte Film ist ein bemühtes Stück Horrorfilm, der trotz des sichtbar begrenzten Budgets das Beste herausholen will. Die atmosphärisch recht nette Einstiegssequenz im nächtlichen Ungarn ist hier als positives Beispiel zu nennen. Die Ausleuchtung und Requisite versuchen ein gewisses Gothic Horror-Flair zu vermitteln, was recht ordentlich gelingt. Auch der hier auftretende Werwolf ist ansprechend gelungen. Dies zeigt gleichzeitig, dass für die beiden Werwolfmasken wohl das meiste Geld ausgegeben wurde. Wenn Metal Beast hinterher in die 70er Jahre und schließlich die Gegenwart schwenkt, gibt es eine volle Breitseite der für Horrorvideomassenware aus den 90ern vorherrschenden Stimmung, die durch den leicht sterilen und leeren Look des Films verstärkt wird. Auf weiter Flur sind die sechs Wissenschaftler zusammen mit ihrem General die einzigen anwesenden Personen im von außen recht groß wirkenden Areal.

Hinzu kommt, dass de Gaetano, der auch an der Geschichte mitschrieb, sich Zeit lässt, diese zu erzählen. Es entsteht etwas einlullender Leerlauf, den es zu verschmerzen gilt. Eingeschoben werden immer wieder kleine, blutige Effekteinlagen wie eine ausgiebige Transplantationsszene der Metallhaut oder eine unheimlich gut gelungene Maske des bemitleidenswerten Butlers, dessen Gesicht und Körper halb Mensch, halb Werwolf ist. Für die sehenswerte Maskenarbeit war John Carl Buechler verantwortlich, der unter anderem an den Effekten für die Lovecraft-Verfilmung From Beyond, den spaßigen Alien-Rip Off Mutant oder auch die Trashgranate Troll beteiligt war. Splatterfans haben sonst wenig Freude, geschehen die Morde wohl auch budgetbedingt meistens im Off. Die Auswirkungen des Werwolfwütens werden nur dezent im Nachhinein gezeigt. 

Die Ingredienzen des Films kennt man aus vergleichbaren Produktionen der damaligen Zeit und eigentlich sticht Metal Beast nicht groß aus dem Wust des 90er-Horrors heraus. Innovation, Spannung oder Action sind nicht groß vorhanden. Die krude Grundidee bietet Potential, kann aber nicht ausgeschöpft werden. Da fehlt Können und auch das nötige Kleingeld. Wenn wie in meinem Fall die ersten Horrorfilme, mit denen man in Berührung kam, eben solche Produktionen (darunter auch Metal Beast selbst) gehörten, schwingt immer noch etwas nostalgische Verklärung mit. Man muss zugeben, daß es damals auch noch weitaus uninspirierter und schlechter zuging. Manchen Szenen sieht man die Bemühung an, Ihnen Atmosphäre schenken zu wollen. Mit manchen netten Kameraeinstellungen und Ausleuchtungen mag es sogar gelingen. Für einen übermäßig begeisternden Horrorfilm ist das zu wenig. Da hilft auch der geringe nostalgische Charme nicht wirklich. Es bleibt ein netter, knapp über dem Durchschnitt schwebender Low Budget-Film.