6. Juni 2016

Interceptor

Die Kleinstadt-Gang um den finsteren Packard Walsh wird in ihrer Komfortzone aus Terror und Autorennen, in denen man den Verlierern das Auto abknöpft, empfindlich gestört: zum Einen taucht der junge Jake mit seinem Motorrad auf, der ein Auge auf Keri, die unfreiwillige Freundin Packards, geworfen hat. Zum Anderen taucht auch ein geheimnisvoller schwarzer Wagen auf, der die Duelle gegen Packards Bandenmitgliedern mit tödlichem Ausgang gewinnt. Dies schmeckt, weder dem Bandenchef (der den schwarzen Wagen gerne in der Sammlung hätte) als auch dem örtlichen Sheriff überhaupt nicht.

1986 ist dieses Werk entstanden, der damals tatsächlich ein R-Rating bei der MPAA einfuhr. Kaum zu glauben, ist der Film doch merklich auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten. Viel eher steht ihm die Freigabe der US-DVD von Lionsgate, die ein PG-13 hat. Interceptor ist Horror light, mit etwas Mysterien, einer Prise Schnulze und ganz viel Action. Die Autorennen, in denen der titelgebende Wagen zu sehen ist, sind schnittig und mitreißend inszeniert. Das muss man dem Film lassen. Die Figuren sind dafür ist schablonenhaft und austauschbar, was man auch über die Story des Films sagen kann. All das, was Interceptor so abspülen, hat man häufig gesehen. Ja sicher auch besser und spannender. Aber der Film ist ein so offensichtliches Kind der 80er, im positivsten Sinne cheesy und dazu mit einem tollen Rock-Soundtrack gesegnet, das man sich seinem Charme nicht verwehren kann.

Der Film tut eben nicht weh, zeigt keine allzu heftigen Spitzen - damit das jugendliche Publikum sich all das auch noch anschauen kann. Grob erinnert Interceptor an eine Mystery-Variante von Knight Rider, deren damalige Popularität man sicher auch noch ausgenutzt hat. Weiterer Pluspunkt ist die klischeehaft überzeichnete Darstellung der Fieslinge: da säuft ein Punk ständig irgendwelche Flüssigkeiten, die man sonst nur in Autos kippt, ein anderer ist ziemlich ängstlich und der von Nick Cassavetes dargestellte Chef überzeugt als eiskaltes Aas. Auf der anderen Seite hat man tatsächlich Carlos Estevez AKA Charlie Sheen als Hauptdarsteller, den man eigentlich nur eine halbe Stunde im Film sieht. Vielleicht war er da schon öfters such bei Oliver Stone zu Besuch, dessen Platoon der Durchbruch für Sheen war. Sheen sieht aber eigentlich nur gut aus und sitzt auf seinem Motorrad herum.

Macht nichts: durch seine flotte Art kann Interceptor mit seiner durchgenudelten Geschichte selbst heute noch ordentlich Spaß bringen. Bei mir vielleicht auch deswegen weil er eine schöne Jugenderinnerung darstellt, als sowas in den ausgehenden 90ern und beginnenden 2000ern öfter auf den Privaten lief.