12. Juli 2016

Mein Problem mit SchleFaZ


oder: was macht einen Film eigentlich schlecht?

Musik, Musik - Da wackelt die Penne. Eine deutsche Musikkomödie aus dem Jahr 1970, mit den damals sehr beliebten Hansi Kraus und Ilja Richter in führenden Rollen. Regie führte Franz Antel, welcher für solche seichten Stoffe ein gutes Händchen hatte und mehrere solcher Klamotten inszenierte. Dieser Film ist auch gleichzeitig der Auftakt der vierten Staffel SchleFaZ, ausgeschrieben als "Die schlechtesten Filme aller Zeiten" bekannt. Im Internet - gerade bei Twitter - unter #schlefaz beliebt. Oliver Kalkofe und Peter Rütten präsentieren und kommentieren innerhalb des Formats Filme, die laut ihnen, der Programmplanung von Tele 5 oder einem ausgeklügelten Los- oder Würfelsystem eben als so richtig schlechte Filme gelten.

Ich behaupte von mir selbst, dass ich einen gewissen Hang zum Trash habe. Was man alleine auch an einigen hier besprochenen Filmen merkt. Ich mag Jess Franco, der "König des Trashs", der mittlerweile immer mehr von der ernsthaften Filmkritik (gibt es eigentlich auch eine, die mit Schalk im Nacken Narretei ins Feuilleton schreibt?) anerkannt wird. Ich mag Eddie Romero und seine seltsamen Filme, die er auf den Philippinen schuf. Einer meiner liebsten Trashfilme ist Night of the Bloody Apes, bei dem ich mich immer wieder kugeln kann. Andy Milligan, Ted V. Mikels, Herschell Gordon Lewis oder Al Adamson? Während einige bei diesen Namen abwinken, ist mir ruhig auch mal ein Blick in die qualitative Filmmottenkiste wert.

Trotzdem habe ich so meine Probleme mit dem Format. Es mag vielleicht selbst sein, dass ich irgendwie schockiert war, als ich die Übersicht der Filme der vierten Staffel ansah: Metropolis 2000. Mein liebster Endzeitfilm aus Italien. Dämonen aus dem All, der als buntes Science Fiction-Kintopp gilt und mit seiner Naivität entzücken kann. Ator - Der Unbesiegbare. Ebenfalls ein recht drolliger Film aus Italien, der zur Zeit des Conan-Erfolgs entstand. Nun sind dies alles Filme (alle aus Italien), die ich sehr liebgewonnen habe. Vielleicht möchte ein Teil in mir einfach nicht, dass diese durch den hämischen Wortfleischwolf von Herrn Kalkofe und Rütten gedreht wird. Anderseits schaue ich die Liste mal weiter durch: Ich - Ein Groupie, einer der erotischen Frühwerke von Ingrid Steeger. Der Koloss von Konga, die King Kong-Version der Shaw Brothers. Und - weil auch schon seit Anfang an oft von den Fans gewünscht - der schlechteste und den schlechten: Daniel, der Zauberer.

Wobei ich mich allerdings frage, wenn ich mir ohne weiteres ausuferndes Namedropping zu betreiben, wer denn nun wirklich festlegt, wieso diese Filme denn nun zum filmischen Bodensatz gehören sollen? Woran machen die Verantwortlichen das Fest, außer vielleicht mal kurz im Archiv der Tele München-Gruppe zu stöbern, Inhalte zu lesen und Ausschnitte zu sichten? Mir ist bewusst, dass für den normalen Gelegenheitsschauer die hier präsentierten Filme - auch die von mir angesprochenen Lieblinge - eine ganz andere Liga sind und sie eben keinen großen Zugang zu dieser Art Genrekino haben. Die nichts mit Namen wie Enzo G. Castellari, George Eastman, Joe D'Amato, Jess Franco oder xxx anfangen können. Sicher: einige innerhalb des Formats gezeigten Filme passen dort sehr gut rein, aber: die Auswahl der Filme ist stark willkürlich. Außerdem wird anhand der "schlechtesten Filme aller Zeiten" der Begriff Trash im filmischen Kontext verzerrt.

Das zeigt sich schon alleine daran, dass man mit der Sharknado-Reihe Filme zeigte, die vollkommen bewusst defizitär und trashig in ihrer Machart ausgelegt sind. Auch schon öfters von der Produktionsfirma The Asylum gezeigte Machwerke sind meist bewusst mies und trashig ausgelegt. Generell ist ein Trashfilm ein Film, mit der Intention der Macher, einen qualitativ guten Film zu produzieren - trotz der geringen finanziellen Mittel. Darunter fallen alle oben genannten Regisseure oder natürlich Ed Wood. Die kostengünstig hergestellten Filme, welche bei SchleFaZ gezeigt werden, sind  - das ist mir bewusst - mit trashigen Elementen gesegnet und nicht den vorherrschenden, als normal gewohnten Produktionsstandards gleichzusetzen. Doch sind die von mir aufgezählten Filme und viele andere der bisher ausgestrahlten trotz des billigen Charakters eher Cash-Ins, Rip Offs und wie man das alles nennen will. Schnell heruntergekurbelt um von einem großen Erfolg zu profitieren. Wohl auch während des Entstehungsprozeß' billigend in Kauf genommen wurde, dass es billiger und einfacher zugeht als in Filmen Made in Hollywood. Dies schließt auch die Definition des Begriffs Trashfilm im eigentlichen Sinne aus. Es sind aus einem vorwiegend kommerziellen Gedanken enstandene Filme; B-Filme eben - und der Begriff des B-Films ist nicht wirklich sofort mit Trash asoziierbar.

Hinzu kommt, dass der ganze lustige Bohei, den die Herren Kalkofe und Rütten während der Sendung veranstalten, ziemlich gezwungen daherkommt. Ich schätze Oliver Kalkofe mit seiner Arbeit innerhalb der Mattscheibe, zusammen mit dem (für mich zugegeben ohnehin sehr unlustigen) Herrn Rütten bombardieren sie mit mehr oder weniger scharfzüngigen Kommentaren vor, zwischen und via Texteinblendungen auch während des Films den Zuschauer. Manches ist vielleicht gelungen, aber das programmatische übertriebene Schlechtreden vieler Dinge die den gezeigten Film betreffen, ist im Gesamten unlustig, anstregend und gewissermaßen auch diskriminierend. Immerhin schafft das Team einen unsichtbar geltenden Standard, eine Norm, die das Andersartige - diese "trashige Ausgeburt an Zelluloid" - durch die gewählten "lustigen" Spruchsalven als minderwertig darstellt. Durch die sich in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook gebildeten Communities (erstere ist mir mehr bekannt) wird dies noch befeuert. Kommentare während des Filmes und "Social Watchings" sind bei Twitter mittlerweile sehr beliebt.

Das spült nun ein Publikum in eine Szene, die - gerade einige knochige Vertreter mit halben Blick in die alten, besseren Tage dürften hier zustimmen - diese Überironisierung und Veralberung der Filme so nicht wirklich hinnimmt und gut findet. Christian Keßler, der von mir sehr geschätzte Autor, schreibt und spricht über diese Art von Film weitaus charmanter und weniger aggressiv und zynisch. Natürlich hat Keßler einen anderen Zugang zu solchen Filmen, immerhin ist er darauf ja auch spezialisiert, allerdings geht es eben auch um das "WIE", wenn es darum geht, über "Trash" zu sprechen. Ich bin sicher nicht humorbefreit und mir ist bewusst, dass Satire - Wikipedia gibt SchleFaZ ja als Filmsatire aus - streitbar ist. Auch ich kann mir, selbst bei den angesprochenen Lieblingen die nun in der vierten Staffel gezeigt werden, so manches Grinsen oder Lachen nicht verkneifen. Ich weiß auch, dass ich anders an diese Filme herangehe als die Fernsehzuschauer und Twitter-Trash TV-Dauerzyniker. Mit SchleFaZ wird allerdings auf eine wie ich finde zweifelhaft beliebige Weise so mancher gar nicht mal so grausame Film schlecht geredet und eine (wohl eher ungewollt) Art der Diskriminierung von andersartigen Dingen gepflegt. Wenn der Film, der nicht so ist wie es gewohnt ist, schlecht und als nicht existenzwürdig dargestellt wird, dies jemandem impliziert wird, kann dieses Verhalten auch in anderen Bereichen Einfluss nehmen.

Das macht für mich SchleFaZ nicht bedenklich, nicht gefährlich, oder ähnliches. Aber in der unsäglich nervigen Art des auf Teufel komm raus lustig seins lässt sich dies leicht herauslesen. Das Format befeuert vor allem eine neue Art von Trash feierndem Publikum, welches selbst in solchen auf den ersten Blick "desolaten" Werken nicht doch noch hier oder da eine Feinheit entdecken. Beinahe könnte man diese "Trash-Hipster" nennen. Neben wirklichen Trash-Großtaten wie Roboter der Sterne oder Filmunfällen wie Xanadu tummeln werden gelungene, charmante und ja - auch wirklich wenig anschaubare - Filme viel zu sehr über einen Kamm geschoren. Man hätte durchaus eine interessante Reihe starten können (arte hat das schon vor Jahren ohne großes Brimborium viel besser gemacht), die allerdings wie der Rest der TV-Comedy in ihrer Vorschlaghammer-Wirkung die Witzigkeit in die Fresse ballern will. So wie Cindy aus Marzahn. Oder Mario Barth. Zwei Comedians, über die zum Beispiel die meisten Twitterer, die zu SchleFaZ schreiben, die Nase rümpfen. Hauptsache das Sommerloch ist gestopft, die Quote ist Topp und Kalkofe und Rütten werden gefeiert. Das ist wiederlicher Mainstream-Trash, der mit dem richtigen Trash und der kleinen Szene, die diesen feiert, nichts zu tun hat.

Bild: © Tele 5
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