26. Juli 2016

The Signal

The Signal ist einer dieser Filme, den ich mir so nicht wirklich im Handel gekauft hätte. Ich kannte ihn vom Hörensagen und das Wissen über seine Existenz war auch erstmal genug. Dank Netflix - die den Film seit einiger Zeit in Deutschland im Programm haben - wurde das Interesse an dem 2014 entstandenen Science Fiction-Film geweckt und er letztendlich auch angesehen. Der Film ist dabei ein gutes Beispiel an Filmen, die unentdeckt, im Schatten andererer - größerer - Werke schlummernd langsam in die Vergessenheit übergehen. Völlig zu unrecht. Schnell könnte man hier mit ausgelutschten Phrasen wie "kleine Perle" oder "filmischer Rohdiamant"oder dem obligatorischen "ewiger Geheimtipp" um die Ecke kommen. The Signal schrammt an diesen Bezeichnungen leicht vorbei, ist aber trotzdem ein sehenswerter Mix verschiedenster Stilelemente.

Er mutet zu Beginn an wie ein Indie-Selbstfindungsdrama, wenn die drei Studenten Nick, Jonah und Haley auf dem Weg nach Kalifornien sind, um letztere dorthin zu bringen. Sie setzt ihr Studium dort fort, was die Beziehung zwischen ihr und dem schwer erkrankten Jonah einer weiteren harten Prüfung aussetzt. Die am MIT studierenden Freunde haben während ihres Trips durch das Land nicht nur an ihren Beziehungen zueinander zu arbeiten sondern verfolgen alsbald einen mysteriösen Hacker, der in die Computer ihres Campus eingedrungen ist. Er sendet ihnen Botschaften, zeigt, dass er sie wo und wann er will beobachten kann. Davon provoziert nehmen sie dessen Spur auf und werden mit Dingen konfrontiert, mit denen sie nie gerechnet hätten. Innerhalb dieser Geschichte nimmt sich Regisseur William Eubank mit seinen Co-Autoren Carlyle Eubank und David Frigerio die Freiheit, uns quasi drei Filme auf einmal zu präsentieren.

Die plötzlich eintretenden Brüche, in der Erzählung selbst und im Stil, erscheinen äußerst grob: zu Beginn wirkt The Signal wie ein leises Road Trip-Drama mit fantastischer Landschaftsbildern, in nüchternen Farben getaucht nur um dann den Zuschauer mit Found Footage-Film-artigen Szenen zu irritieren. Die phantastischen Elemente brechen über uns selbst ebenso schlagartig ein, wie auf die Protagonisten. Man braucht, bis man sich zurecht findet, kann sich alledings bis zu diesem Zeitpunkt dem plötzlich sehr spröden Charakter des Films nicht entziehen. Die Untersuchungen über extraterrestrische Erscheinungen, die in der unterirdischen Einrichtung der ermittelnden Behöre spielen, scheinen hübsch irreal in dem nüchternen Gesamtbild des Films. Man fühlt sich vage an die Stimmung in The Andromeda Strain erinnert. Das Drehbuch setzt aber noch eins drauf und wird zum Finale hin mit einiges an Action aufgewertet.

Hier sprengt The Signal allerding auch die Grenze des Guten. Der doppelte Twist am Ende erscheint zuerst furios, hat allerdings einen gewissen Nachgeschmack. Eubank und seine Autoren wollen zu viel, um so wohl auch im Wust des Filmangebots innerhalb der Phantastik herauszustechen. Nötig hätte dies der Film nicht. Die Actionszenen sind sauber gedreht, stilistisch aufgewertet durch exreme Zeitlupe und vermittelt trotz des geringen Budgets einen gewissen großen Charakter. Doch der so herrlich mit der Wahrnehmung der Realität spielende Film scheint damit auch ewtas auf Nummer sicher gehen zu wollen. Um ein Publikum zu befriedigen, die auch noch etwas Getöse wollen. Als würde man sich geradezu etwas dafür schämen, dass man sich an Indie-Dramen orientiert und dies trotz der Holprigkeiten in den Akt-Übergängen gekonnt hinbekommt. Trotz aller Außerirdischen, mysteriös erscheinenden Regierungsbeamten und Elementen der Paranoia-Klassiker der 50er Jahre bleibt The Signal auch ein Drama über eine stagnierende Beziehung zweier junger Menschen, die durch eine schwere Prüfung - eben den irrealen Vorgängen der Handlung - gehen müssen.

Der Film greift dies gekonnt immer wieder auf, setzt es in seinem Finale nebensächlich in den Fokus, neben all der Action und begeht dann den Fehler, einen Mindfuck auf den nächsten zu bringen. Es plättet, aber überwalzt den Zuschauer einmal zu oft. Die teils nicht so sauberen Übergänge, die man als für den Zuschauer ebenso krass spürbaren Bruch wie für die Protagonisten verteidigen kann, sind nicht so ärgerlich wie das Ende. The Signal schadet sich damit selbst dann doch, gerade wenn einige Zeit nach dem Schauen vergangen ist. Die plättende Wirkung hallt nicht komplett positiv nach, wie es von Eubank vielleicht gewollt ist. Seine stark aufgeräumte Art in der Mitte, die auch atmosphärisch als am stärksten zu betrachten ist, hätte man beibehalten sollen. Dies erscheint wie meckern auf hohem Niveau, zumal der Film ja sehenswert bleibt. Er steht sich selbst damit nur im Weg. Zumal man zwar die "Geheimtipp"-, "Rohdiamant"- und "kleine Perle"-Floskeln in der Schublade lässt, dafür aus dieser das bekannte "Weniger ist manchmal mehr" herausholen kann. Dies beschreibt das größte Problem des Films am Besten.