19. November 2016

The Crazies (2010)

Bei Remakes stellt man sich als Filmfan immer die Frage nach dem "Wieso?". Selten gewinnen sie dem Originalstoff neue Aspekte ab oder führen die Geschichte in ganz andere Bahnen. Vor allem im Horrorfilm hat man als Fan das Ärgernis, dass im Zuge der Modernisierung der "alte Scheiß" durch 1:1-Übernahme von Story, Bildern etc. die Klassiker auf ein junges Publikum zugeschnitten wird. Das 2005 entstandene Remake von The Fog oder Gus Van Sants Psycho sind zum Beispiel solche Ärgernisse. Vielleicht geht man als Freund der Originale auch immer etwas voreingenommen an die Werke heran, wenn es an die Neuverfilmung herangeht.

Dann ist es doch ganz gut, dass ich von The Crazies George Romeros Original von 1973 nicht kenne? Der böse Geist des Remakes schwebte bei der Sichtung trotzdem im Hinterkopf herum, auch wenn ein mehr oder minder unterbewusster Vergleich mit dem Film des Zombie-Schöpfers ausblieb. Gleich bleibt die Geschichte: in einer kleinen Stadt wird nach dem Absturz einer Militärmaschine mit einer bakteriellen Waffe an Bord das Grundwasser verseucht. Der Kontakt mit dem Kampfstoff lässt die Infizierten zu apathisch wirkenden, tickenden Zeitbomben werden, die ohne einen triftigen Grund aggressiv zu Werke gehen und Menschen angreifen. Das Militär steht schnell auf der Matte, versucht der Lage Herr zu werden, doch in einem eingerichteten Lager kommt es zu einer Panne. Die eingepferchten Infizierten machen Jagd auf die Überlebenden. Unter ihnen Sheriff David Dulton, der im Gewühl seine schwangere Frau verliert und zusammen mit seinem Deputy Russell diese zu finden und zu überleben.

Selbst ohne Kenntnis der Crazies aus den 70ern, merkt man dem Remake eines an: die Übertragung der Story in die Jetztzeit, modern aufbereitet und komplett an die Sehgewohnheiten und dem Mechanismus des zeitgenössischen Horrorfilms angepasst. Mit dem Auftritt eines bewaffneten, als Stadtsäufers bekannten Farmers während eines Baseballspiels startet der Film recht zackig und kommt zügig zum Punkt. Die Figuren werden kurz vorgestellt, dabei die verschlafene Kleinstadtatmosphäre recht gut dem Zuschauer näher gebracht und alsbald beginnt die Action. Im Verlauf seiner Geschichte folgt The Crazies einem Muster: regelmäßig schiebt man Spannungsmomente ein, wenn es der jungen Zielgruppe langweilig werden könnte. Zu Beginn mag dies sogar noch funktionieren, mit weiterem Verlauf macht sich schnell Eintönigkeit breit. Technisch mag The Crazies, in Deutschland noch mit dem Untertitel "Fürchte deinen Nächsten" versehen, auf einem sehr sauberen Niveau sein, der Zuschauer wird aber nicht komplett abgeholt. Es lässt einen alles erstaunlich kalt. Der Versuch, die Charaktere näherzubringen ist merkbar, diese bleiben aber immer grob skizzierte Figuren.

Gute Momente kann Breck Eisner kreieren. Zum Beispiel, als einer der Infizierten im teils überrannten Lager mit seiner Mistgabel in eine Quarantäne-Station in der fixierte Patienten eigentlich auf weitere Untersuchungen warten, eindringt. Eisner dehnt seine Spannungsszenen aus: manchmal wirkungsvoll, ein anderes Mal dem Hochglanz-Mainstream-Charakter des Films anzulastend nicht komplett durchschlagend. Etwas schade ist zudem, dass eine Nebenhandlung um den Deputy Russell nicht noch mehr ausgeweitet wurde. Wird dieser im Überlebenskampf durch seinen Adrenalinrausch und der Loslösung von gesellschaftlichen Regeln verrückt oder ist er auch nur schlicht und ergreifend einer der Infizierten? Dies schafft so manch gute Szene in der zweiten Hälfte des Films, aber Hollywood-typisch ist hier die Auflösung sehr einfach zu erraten. Sei's drum: The Crazies kann ordentlich unterhalten. Und - wenn ich mir Thomas Grohs Besprechung dazu durchlese - Romeros Original nicht das Wasser reichen. Selbst ohne Kenntnis von diesem beschleicht einen schnell der gleiche Verdacht. So ist The Crazies einfach eins unter vielen Remakes das den jungen Hüpfern da draußen einen Klassiker mit modernen Mitteln schmackhaft machen will, ohne dessen Klasse auch nur Ansatzweise zu erreichen. Hat man schnell und gut durchgeguckt, aber ebenso schnell wieder vergessen.