16. November 2016

V/H/S

Die als Videochat (auf einem VHS-Tape befindlichen?) aufgezogene vierte Story wird durch ihren Twist, trotz gut eingesetzter Schockmomente, ziemlich zerstört. Auf Teufel komm raus wollen die Macher ungewöhnlich und nicht vorhersehbar wirken. Eine gute Einstellung, die durch eine spürbare Übermotivierung nicht gänzlich funktioniert. Da will dann zum Ende auch die Haupthandlung nicht wirklich funktionieren. Zu einem Teil bleibt man beim Ende von V/H/S leicht enttäuscht zurück, dessen originelles Konzept aber im Gesamten dazu beiträgt, dass man noch versöhnlich auf den Film zurück blickt. Selbst dann, wenn die fragmentartigen Videoschnipsel, die eine Geschichte bilden wollen und sollen, das teils nicht zu hundert Prozent hinbekommen. Hier blockiert der Found Footage-Stil die schlüssige Entwicklung einer Geschichte. Eigentlich super geeignet für die Generation YouTube oder Snapchat, wobei man auch als alter Knacker, der die gute alte Videozeit mitbekommen hat, durchaus Spaß mit dem Film haben kann. 

In der Theorie liest es sich mehr als interessant: einige Independent-Regisseure, darunter Ti West (The Innkeepers) oder Adam Wingard (Blair Witch, The Guest), tun sich zusammen und kreieren eine Horroranthologie, welche im Stil von Found Footage-Filmen gehalten ist. Herausgekommen ist V/H/S, der es über die Jahre hinweg immerhin auf zwei Fortsetzungen brachte. Selbst als großer Freund beider Spielarten kann man allerdings seine Probleme mit dem Film haben.


Seine Rahmenhandlung präsentiert uns eine Gruppe von Kleinkriminellen, die angeheuert wird, um ein ominöses Videoband mit prekärem Inhalt in einem Haus ausfindig zu machen und zu stehlen. Dort eingestiegen, finden sie eher wenig Einrichtung, eine seltsame Stimmung und einen Toten im Sessel vor einigen Fernsehern sitzend, vor. Dazu nicht nur eines, sondern viele Videobänder, die es zu sichten gilt. Diese bilden die einzelnen Geschichten der Anthologie und sind ein grober Querschnitt durch verschiedene Subgenres des Horrors. Egal ob auf einer Sauftour die aufgerissene, seltsam wirkende Dame ihre wahre Persönlichkeit blutig preisgibt, eine Gruppe von Jugendlichen bei ihrem Ausflug zu einem See von einem irren Mörder verfolgt wird oder eine junge Dame ihrem Freund von ihren unheimlichen Begegnungen in ihrem Haus erzählt: es ist für jeden Geschmack etwas dabei.


Sicherlich gibt es in jedem Episodenfilm Licht und Schatten zu betrachten, V/H/S hat bei einigen seiner Geschichten das Problem, das für diese der ausgewählte Stil der Erzählung nicht immer von Vorteil ist. Da ist die erste Episode - die erwähnte Sauftour - schon beinahe die beste, ist diese doch auch am rundesten erzählt. Als Clou sei eine hier eingesetzte Brille mit eingebauter Kamera zu erwähnen, die dafür sorgt, dass beinahe die gesamte Episode im Point-of-View gefilmt wurde. Dies verstärkt die Intensivität der einfachen Story und lässt auch deren abruptes Ende verschmerzen.


In den anderen Geschichten mag der Found Footage-Stil für deren Aufbau nicht gerade förderlich sein. Ti Wests Beitrag fühlt sich sehr authentisch nach einem echten, langweiligen Flitterwochen-Video an, lässt durch seine unspektakuläre Art den finalen Twist komplett verpuffen. Ohnehin neigen die Macher von V/H/S mit ihrer Überambitioniertheit dazu, die Wirkung einer durchaus guten Geschichte mit einem eher unglücklich gewählten Twist zu versauen. Die Slasher-Episode wird unnötig in die Länge gezogen, obwohl auch sie trotz ihres simplen Charakters vor allem mit einem ungewöhnlichen Killer, bei dessen Auftauchen Glitches genutzt werden und so das Videofeeling verstärkt wird, punkten kann.

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