11. November 2016

Waterworld

Vielleicht ist sein Ruf mittlerweile doch weitaus besser als vor einigen Jahren. Eventuell ist das kollektive schlecht finden von Waterworld nur einer verblichenen Erinnerung von mir entsprungen. Fakt ist: damals - vor 21 Jahren - war dieses Kevin Costner-Vehikel der bis dato teuerste Film der Geschichte. Und ein Flop. Seine 175 Millionen US-Dollar hat der Film im Kino nicht eingespielt. Die Kosten bzw. ein Plus konnte man erst leicht durch die Heimkino-Auswertung einfahren. Schlechtes Wetter, Extrawünsche von Star Costner, Transportprobleme und ein Regisseur, der auf seine ursprüngliche Drei Stunden-Fassung beharrte und deswegen gefeuert wurde: beinahe kommen einem Gedanken an Heaven's Gate, einem weiteren Geldgrab der amerikanischen Filmindustrie.

Betrachtet man Waterworld losgelöst von seinen Produktionsumständen, so birgt er eine interessante Idee im dystopisch angehauchten Film mit sich: die Polkappen sind geschmolzen, die uns bekannte Welt versank in den Wassermassen. Überlebende der Umweltkatastrophe streunen in ihren Kähnen und Booten auf dem Wasser umher oder verschanzen sich in befestigten Atollen. Kevin Costners dargestellter Mariner zieht mit seinem Katamaran über das Weltmeer, für sich und auf sich allein gestellt. Er ist gern für sich allein, kommt allerdings (natürlich) in einen Konflikt mit den fiesen Smokern - marodierende Banden zu Wasser - und ihrem Chef, dem Deacon, als diese ein befestigtes Atoll angreifen. Sie sind auf der Jagd nach der kleinen Enola. Das Mädchen hat eine Tätowierung auf dem Rücken, die den Weg nach "Dryland" - einem legendären Ort, das letzte Festland überhaupt - zeigen soll. Nach seiner Flucht hat der Mariner, dieser einsame Wolf der Weltmeere, Enola und Helen, die Ziehmutter des Mädchens, an den Backen. Es fällt ihm schwer, sich mit den beiden zu arangieren. Allerdings fällt es ihm noch schwerer, die weiterhin nach dem Mädchen gierenden Smoker abzuschütteln.

Ganz nüchtern betrachtet, ist Waterworld ein großes Spektakel zu Wasser, in dem die in geregelten Bahnen verlaufende Geschichte schnell zur Nebensache gerät. Wobei sie ohnehin nicht allzu komplex und vielschichtig ist. Man kennt die Konstellationen, dass der so einsame und namenlose Held schnell wider seinem Willen plötzlich mit einer größeren Aufgabe vertraut ist. Hier die Suche nach dem filmischen Paradies, diesem Mythos "Dryland", welcher angeblich nur eine Legende ist und dem Schutz der Trägerin der Karte zu diesem: einem kleinen Mädchen und seiner Ziehmutter. Bei genauerer Betrachtung ist Waterworld mit all seinen Elementen an einen Western, von seinem Look fühlt man sich an Mad Max 2 und dessen Fortsetzung erinnert. Eben alles auf dem Wasser. Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert Waterworld auch gut, kann allerdings auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sein martialisches Wesen in leiseren Momenten zu Leerlauf führt. Da ist der Ethnotouch in Mad Max 3 - Jenseits der Donnerkuppel besser gelungen.

Spaß kann man an Waterworld dennoch haben. Die hübschen Bauten, die tolle Ausstattung sind - weil eben noch richtig gebaut wurden und nicht digitalisiert - ziemlicher Eyecandy. Im Gegensatz zum manchmal etwas zu routiniert agierenden Kevin Costner macht auf der Seite der Bösewichte der am Overacting haarscharf vorbeischrammende Dennis Hopper als Deacon ziemlich viel Spaß. Auch weil die Szenen mit ihm und seinen bösen Smokern häufig comichaft anmuten. Da sieht man gerne über die ansonsten sehr mutlose Story und die konventionelle Art der Inszenierung hinweg. Dann bleibt man eben bei den ordentlichen Actionsequenzen hängen, deren Schlüsselszene - die Erstürmung des Forts/Atolls - schon fast wieder den Fehler begeht und zu lange ist und damit den Zuschauer beinahe erdrückt. Spaß kann man mit diesem Film in gewissem Maße trotzdem haben. Bevor der Film an seinem pseudo-umweltschützerischem Anspruch scheitert, fliegt ja doch wieder irgendwo was in die Luft oder erfreuen die Smoker in ihrer erfrischend dämlichen Art. Ja, mir gefällt der Film und ist eines meiner liebsten "Guilty Pleasures" der Hochglanz- bzw. Mainstream-Spektakel der 90er. Für ein belustigtes Grinsen ist der Film immer wieder gut.
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