11. Dezember 2016

Snuff Trap - Die Kamera läuft...

Redet man über den italienischen Genrefilm und seine Regisseure, dann fallen meist auch mit wohlwollendem Ton Namen wie Mario Bava, Sergio Martino, Dario Argento, Lucio Fulci, Alberto de Martino oder Umberto Lenzi. All diese Männer haben ein gewisses Niveau in ihren Filmen - selbst Lenzi und Fulci, trotz einiger ultra-exploitativer Filme wie Die Rache der Kannibalen oder Der New York Ripper und deren Filme ab Ende der 80er ausgenommen. Wenn es um italienischen Genrefilm geht, dann hat man auch noch Männer wie Bruno Mattei. Mattei, oft mit seinem filmischen siamesischen Zwilling Claudio Fragasso unterwegs, wird oft mit Worten wie Schnellschuß, Katastrophe oder einfach (Ultra-)Trash assoziiert. Mit allem hat man auch recht, ist das Niveau in seinem Filmen doch selbst mit einem Mikroskop kaum auffindbar. Mit Die Hölle der lebenden Toten und Riffs 3 - Die Ratten von Manhattan schuf Mattei zwei kleinere (Schundfilm-)Legenden. Ersterer, weil er (vor allem mit der deutschen Synchronisation) so schnoddrig und unterhaltsam in all seiner Dreistigkeit ist, letzterer weil er wirklich eine hübsche Atmosphäre bietet und (Zitat Christian Keßler) "geil langweilig" ist.

Mattei filmte bis zum Schluss: selbst 2007, seinem Todesjahr, findet man mit Zombies: The Beginning einen Eintrag in seiner Filmographie. Über die Jahre verloren - nicht nur bei Mattei - die kleinen Filme aus der Trash-/Exploitation-Ecke durch die digitale Technik ihren Charme. Pfennigfuchsende Filmemacher wie Mattei und Co. schworen allerdings auf die leicht zu bedienende und vor allem günstige Art des Filme machens. Snuff Trap, im Jahr 2004 entstanden, kämpft auch mit der Sterilität des Mediums, obwohl diese wegen der Thematik des Films eigentlich passend wäre. Die Betonung liegt ausdrücklich auf eigentlich, denn Mattei ergreift die Gelegenheit nicht beim Schopfe, dies zu herausstechen zu lassen. Viel mehr legt er mit Snuff Trap das ab, was er wirklich gut konnte: eine dreiste Kopie eines bekannten Vorbilds. Erwischt hat es diesmal den fünf Jahre zuvor entstandenen 8MM - 8 Millimeter, den ich vor nicht allzu langer Zeit hier besprochen habe. Eine lustige Fügung des Schicksals, eröffnete sich das ganze (Trauer-)Spiel somit in all seiner Pracht. Mattei lässt hier keinen Privatdetektiv im Porno-Untergrund ermitteln, sondern Michelle, die Mutter der nach einer wilden Diskonacht entführten Lauren. Nachdem diese nicht nach Hause kommt, ermahnt der Vater zur Ruhe, junge Töchterchen machen sowas ja schon einmal gerne.

Der Vater hat allerdings auch seine politische Karriere vor Augen, die er durch so einen Skandal davonschwimmen sieht. Er stattet die Gattin mit einem stattlichen Budget von einer Millionen Dollar aus, damit diese nicht zur Polizeit geht sondern anders versucht, Lauren ausfindig zu machen. Da kommt nun ein Privatdetektiv doch ganz recht, Mattei scheint diesen beim Schreiben im Anflug von spontanter Demenz komplett vergessen zu haben. Nach einem einmaligen Besuch spielt dieser keine Rolle mehr, obwohl er den Auftrag annimmt. Dafür lernt Michelle in den weniger schönen Straßen von Paris und seinen Erotikläden Jean Luis kennen, ein Verkäufer, der sie tiefer in die Welt der leichten Mädchen und der Pornografie einführt. Er bringt sie auch zu einigen Untergrund-Märkten für spezielle Pornografie. Wie in 8MM wird hier die Existenz von Snuff verleugnet, aber Michelle schafft es mit vollem Körpereinsatz, ihre Recherche zu vertiefen und stößt auf Dr. Hades. Dies soll ein Pornoregisseur sein, der jeden Wunsch von zahlungswilligen Kunden in seinem Filmen erfüllt und der neben seinen SM-Pornos auch Snuff drehen soll.

Mattei schreckt in Snuff Trap nicht zurück, in der ersten halben Stunde seines Films zentrale Szenen von Joel Schumachers Film zu kopieren. Hier und da variiert er geringfügig, spinnt neues dazu und fährt schnell das filmische Vehikel an die Wand. Der Anfang versprüht dabei leicht den Charme alter Trasher des werten Brunos, wenn ein tumber Kerl mit wenig Aufwand Lauren zum Rummachen im Auto überredet. Ganz großer Sport wird Snuff Trap eben dann, wenn innerhalb kürzester Zeit die große Vorlage aus Hollywood abgehandelt und zusammengefaßt wird. Charmant ist das schon nicht mehr, doch diese kaltschnäuzige Dreistigkeit sucht ihres Gleichen, wenn man die Szenen in Snuff Trap mit denen in 8MM vergleicht. Einstellungen und Szenenfolgen werden nur leicht variiert fast komplett übernommen. Natürlich ist alles eine Spur kleiner, einfacher und weit weniger atmosphärisch. Das digitale Filmmaterial lässt dies ohne große Bearbeitung oder Mühe zur Sorgfalt nicht zu, wäre als Stilmittel in der Gesamtdarstellung des Films ein interessanter Aspekt für den Film gewesen. Sowas interessiert einen Bruno Mattei allerdings herzlich wenig.

Obwohl der italienische Genrefilm im Ganzen und gerade auch Mattei in der Darstellung nackter Tatsachen und Gewalt nie zimperlich waren, so ist auch das geringe Budget und der schnell dahingerotzte Charakter von Snuff Trap ausbremsend, wenn es um Schauwerte geht. Wäre Mattei in einem guten oder sehr guten Moment diese Idee gut zwanzig Jahre früher gekommen und hätte sie umgesetzt, wäre der Film im besten Falle ein schmierig-schäbiges Stück Film wie vielleicht Mario Landis Giallo A Venezia geworden. Doch bis auf einige SM-Accessoires, bestimmt direkt in den vielen gezeigten Sexshops erworben, den großen Brüsten von Hauptdarstellerin Carla Solaro und einigen sehr einfach gehaltenen Bluteffekten bietet der Film nicht viel. Viel mehr stolpert die blonde Dame auf ihrer Suche nach dem Töchterchen durch die Rotlichtbezirke der französischen Hauptstadt, was Szenen heraufbeschwört, die Anmuten, als hätten einige übermotivierte Amateurfilmer versucht in einem Schnellschnuss Robert de Niros wandeln durch das nächtliche New York in Taxi Driver zu imitieren. Hier ein Pornokino, da ein Sexshop, dann nochmal die Solaro, schon kommt die nächste Bude die in irgendeiner Weise was mit Pornographie zu tun hat. Das ermüdet, füllt aber die Laufzeit.

Schnell wird man auch als abgebrühtester Trashfilm von Snuff Trap auf die Probe gestellt, der reine Trash-Appeal geht verloren und blitzt nur dann leicht auf, wenn Anita Auer als Dr. Hades vor die Kamera tritt. Das ist entgleisendes Method Acting mit dem Mienenspiel eines Stummfilmdarstellers, der zuvor eine Palette Energy Drinks abgepumpt hat. Nach amüsiertem Gelächter über Matteis stumpfen kopieren, dem schlechten Schauspiel, wenigen unglaublichen Szenen macht sich die Ernüchterung breit. Es wird gewahr, das Snuff Trap ein runtergeleiertes Cash-In ist, um auch mit der Thematik des Snuffs einige unvorbereitere Käufer zu finden. Mattei konnte dies gut (seine oben genannten Kollegen zum Teil ja auch) schon immer gut, aber je neuer die Filme werden, desto weniger Charme können sie entwickeln. Da bleiben am Ende dann auch unnötige, unglaubliche Szenen wie Michelles Casting bei einem Pornoproduzenten, natürlich mit nackten Tatsachen für den Zuschauer verbunden, welches sie und die Handlung nicht weiterbringt, fade im Gedächtnis hängen. Snuff Trap ist dann leider doch ein Trauerspiel, trotz weniger Momente, in denen die unfreiwillige Komik für Unterhaltung bieten kann.
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