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Sonntag, 29. August 2021

Willy's Wonderland

Der Niedergang der Karriere des Nicolas Cage ist bestens dokumentiert und nachvollziehbar. Pendelte der durch seine ganz eigene Interpretation von Schauspielkunst polarisierende Mime in seinen besten Zeiten zwischen ernstzunehmenden Dramen und Blockbuster-Kino, wurden durch seinen verschwenderischen Lebensstil und damit entstandenen Schulden die Produktionen über die letzten Jahre immer kleiner und schäbiger. Der Umstand, dass der Neffe von Francis Ford Coppola deswegen jede mögliche und unmögliche Rolle annahm, verhalf ihm zumindest in den letzten Jahren zu einer Art von kleinem Hoch. Durch seine entfesselte, delilierende Perfomance in Mandy, welche sich in die entrückte Gesamtwirkung des Films bestens einfügte und der Lovecraft-Adaption Die Farbe aus dem All entfachte Godfather of Overacting halbwegs einen neuerlichen Kult um seine Person und Schauspielkunst, die er selbst einmal als "Western Kabuki" bezeichnete.

Der Darstellungsexzentriker nannte in Interviews u. a. den deutschen Stummfilm-Expressionismus als einen seiner mimischen Einflüsse und scheint dies als Ankerpunkt für seine Performance in Willy's Wonderland zu machen. Ohne ein einziges Wort zu sprechen krachledert er durch einen Film, den man anscheinend ausschließlich um den dezent hochschwappenden Neu-Kult um Cage gestrickt hat. Als namenloser Automobil-Desperado strandet er durch eine Panne in einem kleinen Städtchen. Weil er die Reparatur seines Wagens nicht zahlen kann, geht er auf den Deal ein, dass er seine Schulden durch das Säubern des seit einigen Jahren geschlossenen Vergnügungszentrums "Willy's Wonderland" begleicht. Kurz nachdem er seinen Job angetreten hat, muss er feststellen, dass die sich im Gebäude befindlichen animatronischen Puppen ein dämonisches Eigenleben führen. Weil Cage ganz offensichtlich der über allem strahlende Held der Farce ist, klöppelte man noch eine Gruppe Teens um die Adoptivtochter der örtlichen Polizeichefin ins Drehbuch, die beim Versuch, das Zentrum wegen der unter vorgehaltener Hand schon lange bekannten unheimlichen Vorgänge darin abzufackeln bzw. Cage aus diesem zu befreien versucht, lediglich als Kanonenfutter für die Puppen um Maskottchen Willy herhalten dürfen.

Bei der sich abspulenden Chose besitzt der Film den Unterhaltungswert eines reellen Aufenthalts in einem abgetakelten Vergnügungszentrums für Kinder, bei dem der Spaß unter einer dicken Schicht aus Dreck und Peinlichkeit begraben ist. Der um Cages Hausmeister-Desperado und die verschiedenen Figuren - darunter befinden sich u. a. eine Elfe, ein Gorilla und das Wiesel Willy - konstruierte Plot fühlt sich halbherzig und uninspiriert an, während die Regie von Kevin Lewis daraus einen aufgesetzt wirkenden Film macht. Willy's Wonderland besitzt eine unangenehme Gezwungenheit, die den Film steif und unnatürlich wirken lässt. Er muss vieles und kann nichts. Erzwungener Kult, weil es sein Hauptdarsteller ist und man dessen minimales Momentum für sich nutzen will. Quasi Cageploitation, bei dem wenigstens dieser in seinem Rollenverständnis aufgeht und die einzige Coolness im ganzen Filmkonstrukt mit sich bringt. Cage chargiert selbst seine Gegenspieler aus Plüsch, Stahl und dämonischem Schmodder an die Wand. Die Puppen bleiben wie ihre menschlichen Gegenspieler substituierbar; sie besitzen bei weitem nicht den Charme wie ihre kleinen Kollegen aus dem zugegeben wechselhaften Puppet Master-Franchise und sind wie so vieles Mittel zum Zweck für die Macher.

Die scheinen einzig darauf zu vertrauen, dass ihr abgelieferter Celluloid-Mist schon irgendjemand lustig finden wird. Dem Humor fehlt es an Witz und Timing. Einzig wirklich lustiger Moment ist der, wenn Cages Digitaluhr inmitten eines Kampfes mit den Robotern die nächste Pause ankündigt und dieser den inneren Konflikt zwischen weiterkämpfen und korrektem Einhalten der Pause wunderbar transportiert. Er entscheidet sich für letzteres und lässt rätseln, ob der namenlose Protagonist eventuell Deutscher ist. Wobei er dann wohl nicht so cool am Flipper tänzeln könnte, wie er es in den Pausen macht. Als Horrorfilm geht jeglicher Suspense ab und die Anspielungen auf andere Genre-Werke registriert man als Zuschauer mehr angestrengt als erfreut. Willy's Wonderland ist ein steriler Film, intendierter Kult der dies niemals werden wird mit Potenzial, von der Generation SchleFaZ irgendwann bei peinlichen Trinkspielchen mit Rütten und Kalkofe auf und vor der Mattscheibe gefeiert zu werden. Obwohl ich dieses Mode- bzw. Jugendwort schrecklich finde, muss ich gestehen, dass cringe perfekt dazu passt, den Film zu umschreiben. Zumindest Cage gibt alles und noch mehr, aber das rettet leider nichts an diesem Fun-Splatter "mit ohne" Fun.

Donnerstag, 19. August 2021

Großangriff der Zombies

Sensibel, subtil, clever geschrieben, mit schauspielerischen Feinheiten gespickt und auf den Punkt inszeniert. All das ist Umberto Lenzis Großangriff der Zombies mit Sicherheit nicht und trotzdem hatte und habe ich über all die Jahre, in denen ich den Film kenne, mit diesem immer den größten Spaß. Nicht mal durchaus vorhandene unfreiwillig komische Elemente oder sein Trash-Appeal sind es, die ihn zu dieser vergnüglichen wie kurzweiligen Horrorsause werden lassen, die mich von Minute zu Minute mehr feiern lassen. Die Unzulänglichkeiten in Lenzis Regiestil, der wie in seinen schmissigen Poliziotteschi, welche er in den 70ern schuf, beweist, dass er mit wenigen Ausnahmen eher der Mann für gröbere Filmerlebnisse war und einen aktionsbetonten Stil pflegte, lassen hier jubilieren.

Wie in seinen Bullenfilmen, zerfasert Großangriff der Zombies zu einer episodischen Schlachtplatte, deren dünner Storyfaden mehr von etwas nackter Haut und schmoddrigen Splatter-Effekten zusammengehalten wird. Aufhänger dafür ist die mit den beginnenden 80er Jahren aufkommende Sorge über die negativen Auswirkungen der Atomkraft. Lange vor der Katastrophe von Tschernobyl, aber nicht mal ein Jahr nach dem Reaktorunfall im amerikanischen Kernkraftwerk Three Mile Island schwebte Lenzi eine warnende Geschichte vor deren Gefahren vor. Während der Originaltitel wörtlich übersetzt vom Alptraum in der Stadt der Verseuchten spricht, machte der deutsche Verleih bei der damals immer größer über die Leinwand schwappenden Untotenwelle einen Zombie-Großangriff daraus. Dies beweist, dass der gemeine Deutsche selbst bei schnöden Horrorfilmen ein Talent dafür hat, ansatzweise grüne Themen zu ignorieren.

Eine Gaswolke entweicht aus einem Atomforschungszentrum und der beim Fernsehsender BWC angestellte Journalist Dean Miller soll aus diesem Grund ein Interview mit einem Experten des Instituts führen. Als Miller mit seinem Kameramann am Flughafen ankommt, auf dem besagter Doktor ankommen soll, landet dort außerplanmäßig eine Militärmaschine. Da im Tower zu dieser kein Kontakt aufgenommen werden konnte, umstellen Flughafenpolizei und Militär den Jumbo, aus dem durch die Gaswolke kontaminierte Menschen steigen und auf dem Rollfeld ein Massaker anrichten. Die aggressiven und mit übermenschlichen Kräften ausgestatteten Infizierten überrollen minutiös die namenlose Stadt, in der deren Bewohner ums nackte Überleben kämpfen und Miller versucht, seine im Krankenhaus arbeitende Frau aus diesem zu holen. Auf der anderen Seite versucht das Militär unter Führung von General Murchison, der Lage Herr zu werden.

Lenzis actionbetonte Herangehensweise an den Stoff und ein hohes Tempo sorgen dafür, dass kaum Leerlauf entsteht. Die Exposition wird in unter zehn Minuten abgehandelt, um dann dem verzückten Zuschauer die bewaffneten Atom-Aggressoren in unterschiedlichen Szenerien zu präsentieren, während dazwischen Murchison und sein Major Warren Holmes gegen die steigende Bedrohung ankämpfen. Bei allem Mumpitz, was dabei verzapft wird - natürlich verlieren weibliche Opfer der Kontaminierten ihre Kleidung, unter der sie ausnahmslos nackt sind, logisches Handeln der Figuren ist Mangelware und sorgt für einige seltsame Entscheidungen und bringt liebenswertem Quatsch mit sich, wie der Erklärung, dass alle Infizierten immer Blut trinken müssen, damit ihr Organismus dieses ständig erneuert aber teils zu langsam dabei ist - punktet Lenzi mit seinem Gespür, wann das Tempo leicht gedrosselt und wann es wieder angezogen werden muss. Quasi nebenbei dokumentiert er den Zerfall der gesellschaftlichen Ordnung im Angesicht der allgegenwärtigen Bedrohung, was für mich Großangriff der Zombies immer etwas in die Nähe des Katastrophenfilms rücken lässt.

So apokalyptisch und dystopisch wie eventuell beabsichtigt, wird der Film leider nicht. Gegen Ende geht ihm doch etwas die Puste aus und auch wenn einige bekannte Gesichter - darunter Mel Ferrer, Tom Felleghy, Francisco Rabal, Laura Trotter, Eduardo Fajardo und allen voran Mexikos bekanntester schauspielender Nicht-Schauspieler Hugo Stiglitz als Dean Miller - den Spaß mit ihrer Präsenz abrunden, merkt man dem Werk seinen Fokus auf eher simpel ausgearbeitete und ausgewälzte Schauwert-Szenerien an. Aber: Umberto Lenzi walzt sich ohne Rücksicht auf Verluste in die Herzen der Zuschauer. So käsig wie Großangriff der Zombies manchmal sein mag: eben dieser Umstand macht ihn zu einem liebenswerten Quatsch, der schon mit sich allein im stillen Kämmerlein des Eurohorror-Liebhabers zu einer dollen Party-Sause mutiert. Die sich gegen Ende in der Nähe einer Auflösungsstimmung befindlichen Tonalität des Films und seine mit grober Kelle vorgetragene Wissenschaftskritik schaffen es dazu, zumindest einen kurzen Moment der Nachdenklichkeit zu erschaffen. Es ist objektiv kein toller, kein perfekter, aber ein unterhaltsamer früher Italo-Gore-Exzess mit einem urigen End-Twist, der ihm zumindest einen kleinen Legenden-Status schenkt.

Mittwoch, 18. August 2021

Lord of Illusions

Zauberer bzw. Illusionisten und Filmemacher kann man gleichermaßen als Magier bezeichnen. Mittels Tricks und Technik führen sie ihr Publikum in eine von ihnen erdachte Version der Realität, in der Dinge möglich sind, die sich weit weg von unserer allgemeine Wahrnehmung der Dinge und aller Rationalität positionieren. In seiner bisher letzten Regie-Arbeit Lord of Illusions spielt Clive Barker mit der Frage, was wäre, wenn nicht diese Tricktechnik sondern ganz unbemerkt echte Magie benutzt wird, um die Menschen zu unterhalten. Alles, was auf der Bühne oder Leinwand geschieht, und gleichzeitig erklärt und damit nachvollzogen werden kann, ist für den Zuschauer der unsichtbare Anker, der ihn in unserer Realität hält und gleichzeitig die stattfindende Illusion in dem Bewusstsein wirklich werden lässt, dass es sich nur um einen Trick handelt. Die größeren Talente lassen uns während des Erlebens dies vielleicht fast gänzlich vergessen oder die Kenntnis darum tief in unser Unterbewusstsein verschieben.

In Lord of Illusions beschwört Barker zunächst die Magie des alten Hollywoods und baut seinen Film als einen Film Noir auf, in dem Detektiv Harry D'Amour aus seinem verlotterten Büro in New York auf die andere Seite der USA reist, um in Los Angeles einen Versicherungsbetrug aufzuklären. Kaum angekommen, wird er in einen bizarren Mord verwickelt und trifft dabei auf Dorothea Swann, der Frau des berühmten Illusionisten Philip Swann. Sie bittet ihn darum, für ihren Mann eine Art Leibwächter zu sein. Als dieser während einer Show bei einem gefährlichen Trick auf der Bühne stirbt, stößt Harry bei seinen Ermittlungen auf Hinweise, dass Philip ein echter Magier war und auf Vorfälle um den größenwahnsinnigen Sektenführer Nix, dem vor 13 Jahren von einigen abtrünnigen Jüngern, darunter der junge Philip, das finstere Handwerk gelegt wurde. Leider verdichten sich die Anzeichen, dass einige von Nix' Anhängern versuchen, den lebendig begrabenen Magier wieder zum Leben zu erwecken.

Mit der hierfür passenden Doppelbödigkeit der schwarzen Serie Hollywoods als Aufbau widmet sich Barker einem seiner liebsten Motive, die sich auch in seinen beiden anderen Film-Arbeiten Hellraiser und Cabal - Die Brut der Nacht wiederfinden. Welten, die neben der uns bekannten zunächst völlig unbemerkt existieren. Nichts scheint wie es ist. Die Detektiv-Geschichte geht eine Symbiose mit Barkers Vision von Horror ein, der ein deutungsreicher ist und christliche und sexuelle Anspielungen bietet. Nix und seine Anhängerschaft erscheinen fast als pervertierte Version von Jesu und seinen Jüngern, Albtraum-Versionen von Engeln erscheinen auf der Bildfläche, Schwerter erscheinen als Version des Kreuz Christi und immer wieder werden Körper von diesen oder anderen länglichen, phallischen Gegenständen penetriert. Barker packt viel Symbolik in seinen Film, der auf einer Kurzgeschichte von diesem ("Die letzte Illusion") basiert.

Im Gegensatz zu Hellraiser, seinen Cabal habe ich bisher leider noch nicht gesehen, lässt sich der hier vorhandene Symbolismus im Zusammenhang mit der Geschichte schwerer dechiffrieren. Barker muss sich sogar die Frage gefallen lassen, ob das überhaupt gewünscht bzw. möglich ist. Lord of Illusions ist auf dieser Seite schwerer greifbar und bietet eine atmosphärisch schön aufgebaute Horror Noir-Story, die narrativ konservativ aufgebaut ist und sich den Genre-Konventionen des Entstehungsjahrzehnts unterordnet. Es stimmt vieles am Film: das Set Design ist detailreich, schmutzig und düster. Der Cast ist sehr gut ausgewählt, bietet keine wirklichen Ausfälle und mit Famke Janssen eine verführerisch schöne Femme Fatale. Der Soundtrack ist stimmig und die Special Effects bis auf einige Computer-Effekte ansehnlich. Leider ist der Film auf einer gewissen Ebene nicht (be)greifbar für den Zuschauer und mäandert in seiner geschaffenen Welt seinem Ziel entgegen.

Mein Wiedersehen mit Lord of Illusions fiel ernüchternder aus. Ein Stück weit kann ich es verstehen, warum der sehr weit vom Prädikat schlecht entfernte Film von einigen als schwächste Arbeit von Clive Barker angesehen wird. Er räumt der Detektivgeschichte viel Platz ein, und auch mit dem Wissen, dass das Studio dem Regisseur und Autoren häufig reinredete und versuchte, ihn zu beeinflussen, bleibt sein dritter Langfilm dem Thema geschuldet ironischerweise weniger zauberhaft. Es ist ein bodenständiger Horrorfilm, dessen Hintergründigkeiten verschlossen im Kopf seines Schöpfers verweilen und seiner magischen Kraft berauben. Es mag am mangelnden Erfolg des Films liegen oder vielleicht doch, dass die Visualität des Kinos den Literaten Barker in seinem Versuch, seine Geschichten und Visionen auf die Leinwand zu bringen, doch ein Stück weit begrenzen. Als Regisseur versuchte er sich bis dato nicht mehr und so bleibt Lord of Illusions ein sehenswerter, wenn auch nur auf der Oberfläche kratzender, erwachsener Horrorfilm, dessen Symbolik keine komplett funktionierende Gemeinschaft mit den Noir-Part der Geschichte eingehen kann. 

Dienstag, 10. August 2021

Die fünf Kampfmaschinen der Shaolin

Die "Einstiegsdrogen" zur filmischen Spezialisierung bzw. Interessenbildung sind fast immer dieselben: nicht ausschließlich, aber sehr oft waren für viele die Filme des Duos Bud Spencer und Terence Hill das Tor zur wunderschönen Welt des italienischen Genrekinos. Für den Eastern bzw. das Martial Arts-Kino kann man hier entweder Werke mit Bruce Lee oder Jackie Chan als erste Berührungspunkte mit dieser Art Film nennen. Für mich war es letzterer: dessen wilde, manchmal chaotische Mixtur aus grobem Slapstick und hochklassig choreographierten, akrobatischen Kampfeinlagen konnten mich in meinen jugendlichen Jahren zu einigen Begeisterungsstürmen hinreisen. Noch heute liegen mir mehr modernere Martial Arts-Filme, da diese dem jeweiligen Zeitgeist ihrer Entstehungszeit entsprechend temporeicher geschnitten und choreographiert sind. Obwohl die Fights im Martial Arts-Kino der ausgehenden 60er und 70er klarer strukturiert und nachvollziehbarer anzusehen sind, wirken diese für mich immer etwas gestelzt und weit entfernt von der fließenden Poetry in Motion moderner Filme.

Die Filme des Venom Mobs, einer Gruppe fünf befreundeter Schauspieler der altehrwürdigen Shaw Brothers, kann man als eine Art Bindeglied zwischen altem und neuem Kampfkunst-Film ansehen. In den Werken, in denen diese auftraten, wurde das Tempo der Kämpfe schneller, die von den Darstellern fast ausnahmslos selbst choreographierten Kämpfe erhielten einen akrobatischeren Touch. Da es galt, jedem der Individuen seine Sternstunde auf der Leinwand zu schenken, gebot es sich, massig Kämpfe im Film unterzubringen und gleichzeitig für einen ebenfalls interessanten und mitreißenden Plot zu sorgen. Am besten funktioniert das in Vier gnadenlose Rächer, während Die fünf Kampfmaschinen der Shaolin leider daran krankt, dass die Kämpfe viel Platz einnehmen, um die Venoms und die von ihnen dargestellten, sich in einer Bande organisierenden, kriminellen Kampfkünstler alle in einer stark beschränkt wirkenden Laufzeit von knapp neunzig Minuten unterzubringen.

Allen voran ist das der als unbezwingbar geltende Stahlarm. Ihm und seinen Kumpanen Messinghelm, Silberspeer und Eisenfächer dürstet es nach einer von der Regierung angeordneten Goldlieferung. Der damit betraute Yang Hu Yun und sein Sicherheitsdienst rechnet mit den Angriffen der gefürchteten Bande und erhält von befreundeten Kämpfern, darunter u. a. die Axtkämpfer Yen Chiu und Fang Shih, sowie vom dem Wein sehr zugeneigten Agenten Hai Tao schlagkräftige Unterstützung, um das Gold sicher an seinen Zielort zu bringen. Der Weg dorthin ist kein einfacher und mit allerlei Fallen und Duellen gespickt. Die Gimmicks bzw. Kampf-Spezialisierungen der einzelnen Bandenmitglieder sind durchaus nett anzuschauen, Die fünf Kampfmaschinen der Shaolin verpasst es aber, bis auf das von Lo Meng dargestellte Kid with the Golden Arms - so der englische Titel des Films - den einzelnen Bandenmitgliedern ausreichend Zeit zu schenken, dass diese einprägsame Figuren werden. Es bleiben Stereotypen, die man bei allem Können der Darsteller gering variierend aus unzählig vielen anderen Martial Arts-Filmen kennt.

Ein Showstehler ist Philip Kwok als ständig und mit meist gut gefülltem Weinkrug umher wandernden Regierungs-Agenten Hai Tao. Das er immer leicht betüdelt wirkt und sein Trinkgefäß auch gerne mal als Waffe einsetzt, mag ein Zugeständnis an den ein Jahr zuvor entstandenen, ersten großen Jackie Chan-Erfolg Sie nannten ihn Knochenbrecher sein, funktioniert aber als auflockernde, humorige und in den Kämpfen hübsch choreographierte Komponente. Die Kämpfe entschädigen für den dünnen wie spannungsarmen Plot, dessen Twist am Ende recht vorhersehbar kommt, zumal die Hinweise darauf in den Dialogen mehr ungelenk als subtil sind. Der Film ist eine wortwörtliche Kampfmaschine und bietet ein zügiges Erzähltempo. Leider lässt er die Feinheiten, mit denen Regisseur Chang Cheh andere Werke verfeinert hat, etwas vermissen. Die von ihm häufig verwendeten Motive wie Einigkeit und Betrug mögen zwar Grundmotive der Geschichte sein, aber es fehlt ihnen ein unterschwelliges Brodeln, dass seine besten Filme ausmacht.

Weiters sollte man die Lesart von Chang Cheh-Filmen nicht ausschließlich auf dessen Homosexualität beschränken, doch die durchaus vorhandene, unterschwellige homoerotischen Andeutungen und Bezüge, mit denen z. B. sein großartiger Duell ohne Gnade (hier besprochen) eine aufregende, hochinteressante Subversion erhält, geht dem Film ebenfalls ab. Leichte Anflüge davon erkennt man in der Beziehung zwischen den beiden Axtkämpfern, diese ist aber nichts gegen die - um bei Duell ohne Gnade zu bleiben - sehnsuchtsvollen Blicke zwischen Ti Lung und David Chiang. Chang Cheh konzentriert sich mehr auf den Action-Anteil der Story, singt uns dabei das alte Lied von Gier, Verrat und Zusammenhalt und entschlackt Die fünf Kampfmaschinen der Shaolin nahezu von allem aufregend Doppeldeutigem, was seine besten Filme ausmacht. Sein Handwerk verstand der Hong Kong-Chinese und liefert einen simpel aufgebauten, aber sehr routinierten und kurzweiligen Martial Arts-Film alter Schule mit sichtbarem, wenn auch leisem Übergang in ein neues Zeitalter filmischer Kampfkunst.