Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Donnerstag, 29. Januar 2009

The Child - Die Stadt wird zum Alptraum


Der in Venedig lebende Bildhauer Franco erhält Besuch von seiner kleinen Tochter, welche eigentlich bei ihrer Mutter in London lebt. Allerdings ist die Freude über ihren Besuch nur von kurzer Dauer. Als sich Franco mit seiner Geliebten trifft und die Kleine bei spielenden Kindern auf der Straße läßt, verschwindet sie und wird einige Tage später tot im Wasser aufgefunden. Mit Schuldgefühlen und Wut belastet, macht sich Franco auf, der in seinen Augen viel zu langsam ermittelnden Polizei zuvorzukommen und sucht nach dem Mörder seiner Tochter. Bald erhält er von einem Freund einen Hinweis auf einen Kindsmord ein Jahr zuvor in Venedig, der viele Gemeinsamkeiten mit dem Tod seiner Tochter hat. Franco verfolgt diese Spur und stößt dabei in ein Wespennest...

Dabei wirbelt Ex-James Bond George Lazenby in der Tat soviel Staub auf, das dieser dem geneigten Zuschauer teilweise die Sicht auf die Story verdeckt. Allerdings ist die "Staubwolke" dann doch nicht so dicht, das man Lazenby auf seiner Mörderhatz durch das wunderschöne Venedig aus den Augen verliert. Typisch für das Genre versucht The Child mächtig verworren zu sein, was in einigen Momenten schon fast selbst den Tod für den Film bedeuten könnte. Doch Regisseur Lado bekommt stets den Spagat hin, den weiteren Verlauf der Handlung doch noch in geregelte, nachvollziehbare Bahnen zu lenken. Man könnte meinen, das die Drehbuchautoren es beinahe etwas zu gut mit den dunklen Verstrickungen der einzelnen Filmcharaktere gemeint haben. Und - was nicht immer typisch für italienische Genrefilme ist - es bleibt sogar bis zur Auflösung relativ logisch.

Doch selbst wenn Lado die Handlung aus der Hand geglitten wäre, man hätte ein Auge zugedrückt und es ihm verziehen. Viel zu sehr versteht er es, den Zuschauer mit seinem Werk in den Bann zu ziehen. Alleine schon die atmosphärisch dichte Eingangssequenz - ein erster kleiner Gänsehautmoment - ist wirklich brillant gefilmt und wird durch die eindringliche Filmmusik aus der Feder von Maestro Ennio Morricone abgerundet. Den Soundtrack kann man nämlich ruhig in die Kategorie Spitzenklasse einordnen, dessen beiden Hauptthemen schnell im Ohr hängen bleiben. Alleine schon der Kinderchor, der beim Auftauchen des Kindermörders erklingt, läßt so einige Gänsehautmomente entstehen.

Von diesen gibt es ohnehin so manche im in englischen als Who saw her die? bekannten Giallo. Lado hat seinem Werk eine unheimlich dichte Atmosphäre geschenkt, welche zum Teil auch durch die herrlichen Bilder von Venedig entsteht. Zusammen mit tollen Kameraeinstellungen und Schnitten ergeben sich gerade am Anfang des Filmes einige sehr spannende Szenen. Was dem ohnehin schon sehr guten Film dann aber ein wenig an Substanz raubt, ist einfach die Tatsache, das das Storygeflecht ab und an etwas zu spät gelockert wird. Zudem verfällt man in gewohntere, wenn auch dennoch sehr tollen, Giallogefilde ab. Natürlich hat man da dann auch einen Killer mit schwarzen Handschuhen und ungefähr jeder Charakter ist irgendwie ein undurchsichtiger Zeitgenosse. Dabei bietet The Child durchaus auch leicht tragische und dramatische Züge in seiner Anfangsphase, die Lado auch wunderbar einfangen kann. Die Mimen machen zu dem eine recht gute Sache, wobei Lanzenby zwar immer ein klein wenig blasser wie der Rest des Casts wirkt. Selbst in seiner anfänglichen Wut auf sich selbst nach dem Tode der Tochter sieht er ein wenig apathisch aus, fängt sich aber und bietet wohlwollende Leistungen vor der Kamera.

So ist und bleibt The Child ein im großen Wust der Gialli herausragender Film, den man ohne Mühen zu den Besten seiner Zunft zählen kann. Gerade durch seinen für sein Genre erfrischend andere Anfangsphase und einer stetig auf gleichem Level bleibenden Spannungskurve, die selbst das teils zu gut gemeinte Storygewirre auflockern kann ist er ein wirklich toller und sehr guter Film, den sich kein Freund italienischer Genrekost entgehen lassen sollte.

Mittwoch, 14. Januar 2009

Body


Der Student Chom ist gerade frisch in die Wohnung seiner Schwester gezogen und scheint ein völlig harmloses, wenn auch leicht chaotisches Leben zu führen. Doch der junge Mann wird in der Nacht von wiederkehrenden Albträumen geplagt, in denen er die Zerstücklung einer Frauenleiche durch einen unbekannten Mann sieht. Die Träume zuerst auf die leichte Schulter nehmend, mehren sich bei ihm auch bald am Tage unheimliche Halluzinationen, die von einer ihm unbekannten Frau namens Dararai handeln und welche ihn auffordert, sie zu suchen. Ob ein Zusammenhand mit seinen Albträumen besteht? Erst als seine besorgte Schwester auf ihn einredet, besucht er eine Psychologin und versucht hinter das Geheimnis der geheimnisvollen Dararai zu kommen.

Bei diesem thailändischen Horrorschocker handelt es sich um den Debütfilm des jungen Regisseurs Paween Purikitwanya und damit landet der werte Herr gleich einen schönen Start in seiner Karriere ein. Dabei kann er die Zuschauer ja schon mit einer ellenlangen und schönen Kamerafahrt bezaubern, in die auch der Vorspann eingebettet ist. Dabei läßt sich Purikitwanya mit der Einführung seiner Charaktere Zeit und erzählt seine Geschichte in ruhigen und unheimlich stimmigen Bildern. Man fühlt sich bei so manchen Kamerafahrten sogar an die italienischen Altmeister Bava (wohlgemerkt Mario) oder Argento erinnert, welche ebenfalls mit ihren Kameraarbeiten furiose Bilder schaffen konnten. Verbunden mit einigen schönen Einstellungen kann hier Body schon mal restlos überzeugen. Dabei erschafft man schnell eine Art Hochglanzgrusler, der allerdings auch gleichzeitig einige Probleme mit seinem Stil bekommt.

Vielleicht geht der Regisseur einfach ein wenig zu gestalterisch zu Werke, überfrachtet ihn mit durchgestylten Bildern, die den Film und die Geschichte selten richtig greifbar werden läßt. Kurz bevor man zu einhundert Prozent mitfiebern kann, baut sich eine unsichtbare Barriere auf, die der Film erst in den letzten Minuten aus dem Weg räumt. Schade, denn so kann manche Schockerszene trotz wirklich guten Umsetzungen nicht wirklich ihre Wirkung entfalten. Bestes Beispiel ist hier der Auftritt Dararais in der Universität, wenn sie eine Hilfsprofessorin bedroht. Als diese vor ihr zurückschreckt und an eine Wand mit unzähligen, eigentlich toten Schmetterlingen stößt und diese trotzdem quicklebendig um sie her flattern und durch die Halle fliegen ist wirklich toll anzuschauen und trotz des weiteren Verlaufs der Szene und der guten Maskenarbeit, die das F/X-Team bei Dararai geleistet hat, so bleibt der Horror doch ein wenig auf der Strecke.

Die mysteriösen Elemente, ja selbst die Spannung vermögen es leider nicht vollends aus der schönen Hülle auszubrechen und sich zu entfalten. Hinzu kommt, das man beim Erzählen der Story auf bekannten Pfaden bleibt so das der Zuschauer schnell meint, den Braten gerochen zu haben. Das doch alles ganz anders ist, auch wenn man mit manchen Vermutungen noch recht behält, hat Body abermals seinem Ende und dem damit verbundenen Twist zu verdanken. Damit katapultiert er sich gleich in eine völlig andere Liga und läßt unter der Fassade noch einige andere Schichten der Geschichte aufblitzen, die mit dem Verlauf der Geschichte größtenteils Sinn ergeben. Allzu sehr sollte man zwar nicht nach der Logik aller vorherigen Begebenheiten fragen, doch die Auflösung läßt wirklich aufhorchen und so manches kleinere Defizit vergessen machen. So wird der Film zu einem astreinen Horror-Drama, den man weit entfernt sogar mit modernen Klassikern á la A Tale of Two Sisters oder Cello vergleichen lassen kann. Von deren Klasse ist er zwar auch noch etwas entfernt, kann aber wirklich mit einigen eindrücklichen Szenen seine Klasse beweisen.

Auch mimisch ist alles im grünen Bereich, wobei man hier allerdings anmerken sollte, das die deutsche Synchronisation an einigen Stellen verunglückt ist und teils etwas seltsam und peinlich anmutende Dialoge durch die Boxen jagt, was glücklicherweise nicht dauerhaft der Fall ist. Die meiste Zeit hat man es hier mit einem ruhig erzählten Stück Horrorfilm zu tun, der erst spät voll aufdreht und dann aber auch restlos begeistern kann. Denn kurz bevor man meint, das doch mehr die eleganten Bilder wichtiger als die zu erzählende Geschichte ist, wird genau das Gegenteil bewiesen. Kein "Style over substance", auch wenn es das ein oder andere Mal in die Richtung schwenkt. Allerdings bekommt Body immer wieder die Kurve und fährt am Ende als glücklicher Sieger über die Ziellinie.

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