Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Sonntag, 26. Juni 2016

The Last Jaws - Der weiße Killer

In seiner Karriere lieferte Enzo G. Castellari überwiegend actionlastige Filme ab: egal ob der dystopische Metropolis 2000, sein von Tarantino remakter Ein Haufen verwegener Hunde oder die in der frühen Phase seines Schaffens vorherrschenden Italowestern wie Töte alle und kehr allein zurück . Bei dem als Enzo Girolami geborenen Regisseur geht es in den meisten Filmen krachig und grobschlächtig zu Gange. Das er auch anders kann, beweist er in dem wunderbar düsteren (Italo)Western-Abgesang und seinem besten Film Keoma - Das Lied des Todes. In diesem beweist der routinierte Filmhandwerker, das er auch Atmosphäre schaffen kann und ein Gespür dafür besitzt. Bei The Last Jaws merkt man davon nichts.

Ich möchte mich gar nicht groß darüber beschweren, dass der Film den Eindruck eines billigen Cash-Ins besitzt. Diese gibt es im italienischen Genrefilm zu Hauf und auch Castellari hat mehr als nur dieses eine geschaffen. Aber weitaus bessere, mit weitaus mehr Charme. Den hat The Last Jaws zu keiner Zeit. Außerdem zeigt gerade The Last Jaws das Castellari ein Regisseur ist, der mit viel Krach umzugehen vermag, dynamische Action erzeugen, aber nie so wirklich einen brauchbaren Spannungsbogen erzeugen kann. Das merkt man (abgesehen von Keoma) auch in den meisten seiner guten Filme.

Dabei fängt man gar nicht so schlecht an. Man geht zügig zu Werke, die Geschichte um den "letzten Hai" (wörtliche Übersetzung des Originaltitels) zu erzählen. Hier terrorisiert der italienische Schwippschwager von Spielbergs Raubfischoper den kleinen Ort South Bay. Dort steht eine Windsurf-Regatta ein, ein für die Stadt doppelt wichtiges Spektakel: einerseits für den Ort und für den Bürgermeister William Wells, der gerade im Wahlkampf für seine Kandidatur als Gouverneur steckt. Doch der als Favorit der Regatta geltende Mike verschwindet beim Training auf dem Meer samt Surfbrett, welches später mit eindeutigen Bissspuren in Einzelteilen wieder auftaucht. Der Schriftsteller Peter Benton und der Haiexperte Ron Halmer warnen davor, die Regatta durchzuführen. Es kommt, wie es kommen muss: Wells setzt sich über die Warnungen hinweg, schafft einige Sicherheitsvorkehrungen um die Regatta nicht zu gefährden, doch der Hai macht diesem natürlich einen Strich durch die Rechnung.

Allerdings verpasste man eindeutig, der Geschichte Spannung zu schenken. Gerade die Haiangriffe - eine Mischung aus Stock Footage und einem gesteuerten Hai-Dummy - verpuffen wirkungslos. Sie passieren nebenher, wie überhaupt auch die komplette Geschichte ab einem gewissen Punkt. Tierhorror lebt allerdings vom bedrohlichen Aufbau der nahenden Gefahr bis diese in den Angriffen der wilden Kreaturen gipfeln. Ganz spät - nämlich erst im Finale - kommt dann wirklich etwas wie Spannung auf. Dort ist der Film längst vollends im Mittelmaß untergegangen. Ganz oft erscheint dieser als ein beiläufig gedrehtes Werk, als hätte man schnell das Interesse an diesem Projekt verloren und lässt jeglichen Charme vermissen. Trotz bzw. gerade wegen der limitierten, finanziellen Möglichkeiten besitzen italienische Rip Offs aber gerade diesen. Hier: Fehlanzeige. Der Film fühlt sich spröde und fade an und mag nicht so recht den Zuschauer für sich gewinnen.

Dafür kennt man eben die Geschichte sattsam von den größeren Vorbildern, an denen man sich orientiert. Die Handlung wird erzählerisch ordentlich nach vorne getrieben; interessant kann man das nicht nennen. Auch wenn man sich das Drehbuch bemüht, parallel von Gouverneur-Kandidat Wells, dem Schriftsteller Peter Benton und seinem Mitstreiter Ron Hamer sowie dem nach Sensationen gierenden TV-Reporter Bob Martin zu erzählen. Bei der Stange hält der Film den Zuschauer damit nicht. Gefallen können dafür die Darsteller: Joshua Sinclair gefällt als der windige Bügermeister, während James Franciscus seine Schriftsteller-Rolle routiniert runterspielt. Vic Morrow macht als brummeliger Käpt'n Iglu-Verschnitt mit Haiexperten-Diplom einen spaßigen Eindruck; retten können die Drei The Last Jaws aber auch nicht. Dabei ist der Film technisch interessant: einige Einstellungen und Kamerafahrten (wie zum Beispiel die lange zur Einführung der Figur des Peter Benton) sind äußerst hübsch.

Im spröden Ganzen des Films kann dies nicht darüber hinweg sehen lassen, wie mäßig der Film ist. Ein Horrorfilm, dem jeglicher Schrecken und Spannung fehlt und der auch mit seiner restlichen Handlung nicht fesseln kann, vermag wirklich nicht mehr als ein müdes Lächeln zu zaubern. Manche trashige Momente - unvergessen natürlich die Szene, in der der Hai einen ganzen Hubschrauber unter Wasser zieht (!), die für den Castellari unverzichtbaren Zeitlupenmomente oder die einfachen Special Effects - sind kurz lustig aber auch nicht die Rettung für The Last Jaws. Es war der letzte Ausflug Castellaris in das Horrorgenre. Sein erster, der nicht in Deutschland erschienene Sensitivá, soll wirr aber atmosphärisch deutlich besser sein. Wahrscheinlich merkt man dort wie bei Der weiße Killer, dass Castellari kein Mann für dieses Genre ist. Nach Sichtung dieses Films bin ich doppelt froh, dass er den zuerst ihm angeboteten Regiejob für Woodoo zugunsten eines anderen Filmes ablehnte und letztendlich Lucio Fulci diesen drehte.

Montag, 6. Juni 2016

Interceptor

Die Kleinstadt-Gang um den finsteren Packard Walsh wird in ihrer Komfortzone aus Terror und Autorennen, in denen man den Verlierern das Auto abknöpft, empfindlich gestört: zum Einen taucht der junge Jake mit seinem Motorrad auf, der ein Auge auf Keri, die unfreiwillige Freundin Packards, geworfen hat. Zum Anderen taucht auch ein geheimnisvoller schwarzer Wagen auf, der die Duelle gegen Packards Bandenmitgliedern mit tödlichem Ausgang gewinnt. Dies schmeckt, weder dem Bandenchef (der den schwarzen Wagen gerne in der Sammlung hätte) als auch dem örtlichen Sheriff überhaupt nicht.

1986 ist dieses Werk entstanden, der damals tatsächlich ein R-Rating bei der MPAA einfuhr. Kaum zu glauben, ist der Film doch merklich auf ein jugendliches Publikum zugeschnitten. Viel eher steht ihm die Freigabe der US-DVD von Lionsgate, die ein PG-13 hat. Interceptor ist Horror light, mit etwas Mysterien, einer Prise Schnulze und ganz viel Action. Die Autorennen, in denen der titelgebende Wagen zu sehen ist, sind schnittig und mitreißend inszeniert. Das muss man dem Film lassen. Die Figuren sind dafür ist schablonenhaft und austauschbar, was man auch über die Story des Films sagen kann. All das, was Interceptor so abspülen, hat man häufig gesehen. Ja sicher auch besser und spannender. Aber der Film ist ein so offensichtliches Kind der 80er, im positivsten Sinne cheesy und dazu mit einem tollen Rock-Soundtrack gesegnet, das man sich seinem Charme nicht verwehren kann.

Der Film tut eben nicht weh, zeigt keine allzu heftigen Spitzen - damit das jugendliche Publikum sich all das auch noch anschauen kann. Grob erinnert Interceptor an eine Mystery-Variante von Knight Rider, deren damalige Popularität man sicher auch noch ausgenutzt hat. Weiterer Pluspunkt ist die klischeehaft überzeichnete Darstellung der Fieslinge: da säuft ein Punk ständig irgendwelche Flüssigkeiten, die man sonst nur in Autos kippt, ein anderer ist ziemlich ängstlich und der von Nick Cassavetes dargestellte Chef überzeugt als eiskaltes Aas. Auf der anderen Seite hat man tatsächlich Carlos Estevez AKA Charlie Sheen als Hauptdarsteller, den man eigentlich nur eine halbe Stunde im Film sieht. Vielleicht war er da schon öfters such bei Oliver Stone zu Besuch, dessen Platoon der Durchbruch für Sheen war. Sheen sieht aber eigentlich nur gut aus und sitzt auf seinem Motorrad herum.

Macht nichts: durch seine flotte Art kann Interceptor mit seiner durchgenudelten Geschichte selbst heute noch ordentlich Spaß bringen. Bei mir vielleicht auch deswegen weil er eine schöne Jugenderinnerung darstellt, als sowas in den ausgehenden 90ern und beginnenden 2000ern öfter auf den Privaten lief.

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