Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Sonntag, 24. Juni 2018

Prom Night (2008)

Die letzten Wochen über habe ich mich durch die vier Originalteile der Prom Night-Reihe gekämpft, die, wie ich feststellen musste, mehr Schatten als Licht bietet. Mehr als Mittelmaß (Teil 1 und 2) oder annehmbarer Überdurchschnittshorror (Teil 3) war nicht drin, der vierte und abschließende Teil ist sogar ein Totalausfall. Als Im ersten Jahrzehnt der 2000er reihenweise Slasherklassiker oder das, was man in Hollywood dafür hielt, für die junge, hippe Zielgruppe erneuert wurden, zerrte man auch Paul Lynchs Werk von 1980 aus der Mottenkiste um es dem Zeitgeist der damals gegenwärtigen Jugend anzupassen. Das macht das Remake zu Prom Night zu einem überaus oberflächlichen Film, der einen schönen Sein, auch durch den Protz, der in der Abschlussnacht in der er spielt zelebriert wird, wahren will, dessen Leere durch die dünne Haut des trügerischen Glanzes schimmert. Das verleiht dem Film beinahe einen Symbolstatus für die Upper Class-Jugend, die sorglosen, die hübschen, die aus der heilen Welt, von der das sozial durchgemischte Publikum träumen soll.

Das auch dahinter Abgründe klaffen können, soll die "unerreichbaren" greif- und spürbarer machen. In bester Genretradition erzählt das Build Up des Films vom schweren Schicksal seiner Protagonisten Donna, welche nach einem Kinoabend mit einer Freundin zuhause angekommen, dem blanken Schrecken gegenüber steht. Ein von dem Mädchen fanatisch besessener Lehrer dringt im finalen Akt seiner Obsession im elterlichen Haus ein, lauert ihr auf und lässt sie von ihrem Versteck vor dem Eindringling den Mord an ihrer Mutter beobachten. Die Polizei kann den Täter stellen, der Film macht einen Zeitsprung und präsentiert uns die ältere Donna vorm Ende ihrer Jugend. Die Highschool-Zeit neigt sich dem Ende, die Prom Night, der Abschlussball steht vor der Tür. Mit ihrem Freund Bobby und zwei befreundeten Pärchen jetten die Jugendlichen am Abend der Abende in feinem Zwirn, mit dicker Limousine zu einem Luxushotel, in dem die Feier unter dem Motto "Hollywood" (stilecht mit Absperrung und rotem Teppich vor dem Eingang) steigt.

Bezüge zum Original zieht Nelson McCormicks Remake durch einen ausgebrochenen Straftäter. War es 1980 der vermeintliche Mörder der Filmschwester von Jamie Lee Curtis, ist es hier Donnas ehemaliger Lehrer, immer noch von ihr besessen, der sie problemlos in ihrem neuen Wohnort aufspürt und bis zu besagtem Luxushotel verfolgt. Dort wird der Abschlussball für Donna und ihre Freunde zu einer blutigen Angelegenheit, während der damals an der Ergreifung der verrückt gewordenen Lehrkraft beteiligte und vom Ausbruch informierte Detective Winn versucht, Donna vor dem schlimmsten zu bewahren. Schaffte es das Original, durch die vagen Andeutungen auf den ausgebrochenen Mörder, der in der Erzählung wie ein unsichtbares Phantom präsent war, genau so gut aber ein anderer Filmcharakter der Mörder sein konnte, ein steifes Whodunnit zu sein, scheitert das Original an seiner hochgesteckten Absicht. Stalking drängte durch die mittlerweile etablierten und nicht mehr so neuen Medien als noch neue Verbrechensart in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und wahnhafte, eingebildete Liebe konfrontierte die Jugend mit neuen Problemen und Sorgen. Autor J. S. Cardone schustert aus diesem Motiv einen unfunktionellen Horrorthriller zusammen, bei dem Spannung ein Fremdwort ist.

Die von Beginn an bekannte Identität des Mörders nimmt ihm in Windeseile Anflüge von (spannenden) Whodunnit-Elementen; leider wirkt der obsessive Stalker mehr angestrengt als bedrohlich, wenn man sich fernab von einigen Logiklöchern näher mit diesem befasst. Dieser spaziert gemächlich durch einen flachen, klischeegepflasterten Plot, der Prom Night zwischen den Stühlen hängen lässt. Die angepeilte Zielgruppe lässt sich bedingt durch die hübschen Kerle und Mädels, ihren chicen Kleidern und den Schimmer der nachgebauten Hollywood-Welt abholen, der in seiner Kinoversion mit einem PG-13-Rating auskommende Film (es existiert allerdings auch eine Unrated Version) kann mit seinen blutleeren Versuchen, Spannung oder Schrecken zu erzeugen, weder die Kids noch erfahrene Horrorfans locken. Das lässt den Eindruck entstehen, dass es sich bei Prom Night um eine zu lange Folge irgendeiner abendlichen Dauerschleifenkrimiserie auf irgendeinem Privaten handelt. Der manchmal unangenehm klinisch wirkende Hochglanzlook des Films verstärkt diesen Eindruck. Nennenswerte Szenen bleiben nicht hängen, außer der gewonnene Eindruck, dass der ermittelnde Polizist im Remake noch planloser (oder blöder) als der im Original ist und in dieser Rolle Idris Elba gnadenlos verheizt wird.

Das Konzept, irgendwelche gutaussehenden jungen Darsteller einen Film nachstellen zu lassen, den die Eltern damals feierten, ging damals selten auf. Weder bei Marcus Nispels Absaufen im Crystal Lake in seiner modernen Mär um Jason Vorhees, noch bei mit guten Ansätzen aufwartenden Halloween-Remake von Rob Zombie oder vom totlangweiligen und vorhersehbaren, krampfhaft mit 3D aufgepeppten Neuaufguss von My Bloody Valentine. Wenn Prom Night etwas schafft, dann sich in diese Aufzählung miteinzureihen. Das Remake lässt selbst die mäßigen ersten Teile wie Wunderwerke der Horrorfilmkunst erstrahlen, während dieses selbst das Prädikat "vergessenswert" verliehen bekommt. Auch wenn man hier, ganz nach der neuen, schnelllebigen Lebensart, schneller zum Punkt kommt und sich wenig mit dem Vorgeplänkel zur Prom aufhält. Diese selbst ist wie der Film eine aufgesetzte, lahme Nummer bei der man im Vergleich mit dem Original merkt, dass dieses bei allen faden Momenten mehr Charme besitzt als die Neuauflage. Das Schlitzerei mit Schulabschlussthematik besser funktioniert, zeigt ausgerechnet ein europäischer Film: Andreas Prochaskas In 3 Tagen bist du tot geht zwar schnell einen ganz anderen Weg, die dort ihre Matura feiernden Teens sind mir weitaus lieber, als dieses Stück Zeitverschwendung.

Mittwoch, 20. Juni 2018

Prom Night IV - Evil of Darkness

Wahrscheinlich ist die Prom Night-Reihe die profilloseste unter allen Filmreihen im Horrorgenre. Slasher, Funsplatter, untote Ballköniginnen auf Freddys Spuren und dann ist da noch der vierte Teil, der mit den in den Teilen Hello Mary Lou (Review hier) und Prom Night III - Das letzte Kapitel (mein Review) bricht, obwohl in diesen der Versuch gestartet wurde, mit Mary Lou Maloney eine weibliche Mörderikone zu etablieren. Unverständlich ist die Entscheidung der Macher, im vierten Teil nicht wieder Maloney als Zugpferd und Gesicht der Serie aufauchen zu lassen. Abermals erneuert man das Franchise und probiert sich, wie in den beiden anderen Fortsetzungen, am schamlosen abkupfern. Das offene Ende von Teil 3 wäre dazu prädestiniert gewesen, dass man die Geschichte um Mary Lou und dem in ihr Reich folgenden Alex nahtlos weitererzählt. Von Maloney fehlt in Teil Vier leider jede Spur. Wenn ich die Sequels nur mäßig bis bedingt spaßig fand, eben weil die Macher persiflieren mit kopieren verwechselten und den Filmen in vielen Momenten die benötigte Eigenständigkeit fehlt, so ist beim abschließenden Teil alles schlimmer als zuvor.

Was hätte ich mir Fräulein Maloney im vierten und glücklicherweise letzten Teil nur zurück gewünscht. Mit der frechen Freddy-Kopie weiblicher Art wäre es wohl ein völlig anderer Film geworden und ohne groß zu mutmaßen ein weitaus besserer. Um irgendwie noch die Prom Night im Titel zu rechtfertigen, befindet man sich zu Beginn wieder an der Hamilton High School im Jahre 1957, in dem auch Hello Mary Lou begann. Nicht nur, dass diese dort durch einen dummen Unfall ihr Leben ließ, so musste vor den Toren der Schule ein Pärchen beim Versuch den Hormonhaushalt zu regulieren, sein Leben lassen. Nachdem ihr Lebensfaden von einem augenscheinlich besessenen Priester mit scharfer Klinge in Kruzifixform durchschnitten wurde, lässt er den Wagen hochgehen, sich von seinen klerikalen Kollegen aufgreifen und wegsperren. Die Geschichte springt ins Jahr 1991, präsentiert uns einen jungen Priester, der auf den immer noch eingekerkerten und weggetretenen Geistlichen aufpassen soll.

Es kommt, wie es kommen muss: der junge Priester will es anders angehen als sein verstorbener Vorgänger, will den mit Medikamenten zusätzlich ruhig gestellten Pater Jonas bekehren, ihn verstehen und muss für diesen Fehler mit dem Leben bezahlen, als der Pater das Bewusstsein zurückerlangt und aus seiner Zelle ausbrechen kann. Auf freiem Fuß macht er sich auf den Weg in sein altes Kloster, welches mittlerweile zu einer Luxushütte umgebaut wurde. Darin feiern vier Kids ihre eigene Prom Night. Den eigentlichen Abschlussball schwänzend geht es den zwei Mädchen und Jungs um gar unchristliche Vereinigung auf körperlicher Ebene, würde da nicht Pater Jonas dazwischenfunken und versuchen in seine alte Wohnstatt einzudringen und gleichzeitig die Teens für ihr sündiges Verhalten blutig zu strafen. Grob orientiert man sich dabei am damals aufkeimenden Erotikthriller, versucht den Luxus des umgebauten Klosters bemüht im trostlosen DTV-Einheitslook edel darzustellen und zerrt die weiblichen Darsteller wenn es passt, in schicker Wäsche oder unbekleidet vor die Kamera zu zerren.

Vermischt mit uninspirierten Schlitzermotiven und einem sich grob am fürchterlichen Der Exorzist 3 bedienenden Anfang zeigen die Macher, dass sie immerhin ihrer Linie treu bleiben, sich bei aktuellen Genrefilmtrends und -erfolgen zu bedienen. Hatten die beiden Vorgänger immerhin in einigen Szenen nette Einfälle und Momente, geht Prom Night IV dann baden, wenn Pater Jonas seinen unheiligen Fuß vor die Tür seines Gefängnisses setzt und den blöden Dummbeuteln von Teens an die Gurgel will, nachdem er deren Hütte erreicht hat. Fernab jeglicher Spannung wechseln sich belanglose Szenen mit vermeintlichem Suspense und konservativer "Erotik" ab, wobei letztere an der ständig spürbaren, gehemmten Prüderie der US-Amerikaner scheitert, die innerhalb ihrer Werte das gezeigte wohl ziemlich gewagt und kinky findet. Das diese wiederum irgendwann die am wenigsten nervigen Szenen sind, zeigt davon, wie tief der Griff ins Klo bei Prom Night IV ist. Der deutsche Untertitel des dritten Teils war Das letzte Kapitel; das hätte nach dem darauf folgenden, als Sequel getarntem Ärgernis gehend, wahrlich bleiben können.

Hätte man sich doch mal auf sowas wie Sex und Gore beschränken sollen, wäre der Film zwar ein schundiges, aber vielleicht ungemein besseres Erlebnis geworden. Ist ersterer nur in gehemmt vorhanden, ist vom Gore bis auf ein paar einfach getrickste, kurze Szenen auch dieser mit Abwesenheit glänzend, was jeglichen Glauben auf einen guten Film bzw. Szenen die wenigstens kurz den Spaß am Film wieder bringen, sterben lässt. Prom Night IV ist leider ein unrühmliches Ende einer Reihe, die wenige Highlights besitzt. Biedere Optik, stumpfes runterfilmen, plumpes kopieren, unübersehbare Logik- und Storylöcher, ein farbloser Killer und noch farblosere Figuren: es ist ein Trauerspiel, was dem Fan hier 1992 vorgesetzt wurde. Das haben selbst die meist eher durchschnittlichen Vorgängerfilme nicht verdient. Wie gut, dass hinterher wirklich Schluss war mit dem Abschlussballhorror und man vor weiteren uninspirierten Mixturen gegenwärtiger Trends und beliebter Motive verschont blieb.

Dienstag, 5. Juni 2018

Prom Night III - Das letzte Kapitel

Frei nach Ricky Nelsons Hit begrüßte das erste Sequel zu Prom Night die neue, (wortwörtlich) mörderisch hübsche Hauptfigur mit einem freundlich wirkenden Hello Mary Lou. Das hatte zwar fast gar nichts mehr mit dem Erstling zu tun, konnte aber in den Videotheken der Welt soviel Geld einheimsen, dass die Reihe noch einen dritten Film und das erste echte Sequel beschert bekam. Der dritte Aufguss geht konsequent den eingeschlagenen Weg des Vorgängers weiter und weitet dessen Kombination aus Horror und Komödie aus. Was in Prom Night II - wie hier beschrieben - nicht zünden will, öfter in die Hose geht, mag zwar nicht Auszeichnungen für besonders lobenswerten Humor gewinnen, kann im Endeffekt weit mehr als der Vorgänger zu einigen kleinen Lachern verleiten. Leider hat man sich wieder dazu entschlossen, wenig Innovation walten zu lassen und sich auf aus größeren Reihen erfolgreiche Elemente zu berufen.

Wieder sind es die A Nightmare On Elm Street-Filme, an denen man sich nicht bloß grob orientiert, sondern ziemlich frech deren Erzählstrukturen, vornehmlich die der Sequels ab Teil 3 und Darstellung der Bösewichtin abkupfert. Nachdem sich diese während einer Sportübung (!) aus der Hölle befreien konnte, kehrt sie an die Hamilton High School zurück und wird, nachdem sie den Herzschrittmacher des Hausmeisters aus der Brust springen lässt, auf den eher mäßigen Schüler Alex aufmerksam. Der kurz vorm Abschluss stehende Tagedieb, der mit seinem besten Freund Shane von einem Motorradtrip durch die Lande träumt, mit der vernünftigen und hübschen Sarah liiert ist, trifft in der Nacht ihrer Befreiung auf die untote Prom Queen, weil er nochmal einen Abstecher zur Schule machen muss um Bücher zum Lernen für eine anstehende Klausur zu holen. Der schüchterne Junge verfällt der forschen Dame sofort, verbringt eine Nacht mit ihr und hat fortan die aufdringliche und fordernde Mary Lou an der Backe, die in ihm fortan ihren neuen Boyfriend sieht. Forever versteht sich. Durch ihr manchmal mörderisches Eingreifen erleichtert Mary Lou Alex fortan den Schulalltag. Dieser avanciert zum neuen Schulliebling; seine Persönlichkeitsänderung führt zum Streit mit Sarah und als Alex sich endlich von Mary Lou lösen will, hat er es mit einer mörderisch eifersüchtigen Furie zu tun, die Sarah nach dem Leben trachtet.

Glücklicherweise konzentriert sich Prom Night III nicht wie seine Vorgänger zu ausschweifend mit den Vorbereitungen zur titelgebenden Veranstaltung. Selbstverständlich gibt es im dritten Teil auch wieder einen Abschlussball, mehr konzentriert man sich auf den von Mary Lou bezirzten und später gebeutelten Alex und seine Probleme, die nicht nur das Übertreten der Schwelle zum erwachsen werden mit sich bringt, sondern auch eine beherzte, bei ihren gewählten Mitteln zu rabiate, untote Liebesaffäre. Wie der späte Freddy Krueger bekommt Mary Lou dann die meiste Screentime, wenn es darum geht, dem gewählten Love Interest blutig aus der Patsche zu helfen. Zur jeweiligen Situation passend, taucht Mary Lou in verschiedenen Rollen auf und schickt die in ihren Augen dem Herzbuben Schlechtes bringenden auf kreative Art und Weise in die ewigen Jagdgründe. Da wird ein Football zu einem mörderischen Wurfgeschoss, Batteriesäure literweise über ein Opfer ausgeschüttet oder wie im zwei Jahre später entstandenen College Horror-Sch(l)ocker Pledge Class ein Handrührgerät zu einer tödlichen Waffe. Alles garniert mit einer betont coolen, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen habenden Mary Lou. Waren es bei Prom Night II noch die albtraumhaften Settings, in die sich die alltägliche Gegenwart verwandeln konnte, versuchen sich die Macher bei Prom Night III dran, an die erste Welle des Funsplatters und den ausgefallenen Settings in den Nightmare-Fortsetzungen anzuknüpfen.

Raubte man auch Freddy Krueger in den Sequels (trotz derer meist ordentlichen bis sehr guten Gesamteindrücke) jegliche Bedrohlichkeit, verkommt auch Mary Lou zu einem weiblichen Pendant des Klingenhandschuh schwingenden Kindermörders. Das die Antagonisten ihre Fingernägel ebenfalls wie Klingen ausfahren kann und Alex gegen Ende wie die Final Girls der Nightmare-Reihe in einer kurzen Sequenz sich mit Bastelarbeiten für den finalen Kampf mit seinem untoten Schwarm wappnet und vorbereitet kann man nicht mal mehr als Hommage sehen. Es ist faules kopieren, dass wenigstens bei Alex' Darstellung als Final Boy mit Augenzwinkern um die Ecke kommt. So dreist man sich auch bei den großen Vorbildern bedient, so schade es ist, dass Mary Lou leider austauschbarer erscheint wie im Sequel: Prom Night III funktioniert. Der Film bietet kurzweiliges Horrorentertainment, das nicht weh tut. Nicht alles mag gelingen - die Gags schwanken zwischen infantil dämlich und vorhersehbar aber doch recht witzig - mit Hello Mary Lou und dem Erstling verglichen, bleibt Prom Night III eine bodenständige Horrorkomödie und tatsächlich der bisher beste Teil der Reihe.

Neben einem wenig Leerlauf bietendes Buch, dessen repetitive Erzählstruktur nur auf dem Weg zum Finale Ermüdung mit sich bringt, kann Prom Night III mit herrlich matschigen F/X punkten. Wenn Alex Mary Lou am Ende in die Hölle folgt um Sarah aus ihrer Gewalt zu befreien, greift man nicht nur wieder ein typisches Motiv der Nightmare-Reihe auf, sondern wartet mit sehenswerter Effektarbeit und guter Atmosphäre auf. Das die Autoren zudem ein fieses wie offenes Ende, welches mit zwei Augen auf eine etwaige Fortsetzung schielt, präsentieren, ist eine handfeste (und die größte) Überraschung. Hätte man den im Stoff durchaus befindlichen Hintersinn mehr aufgegriffen, hätte der Film sogar eine äußerst angenehme und rundum zufriedenstellende Sache werden können. Streift man mit seiner Geschichte den Ausbruch, das Coming of Age eines frustrierten Jugendlichen, der aus seiner Durchschnittlichkeit ausbrechen will und sich durch seinen (schlechten) Einfluss verändert.

Wenn Alex langsam und kontinuierlich sich am vermeintlich schönen Platz an der Sonne zurechtfindet, seine "böse" Seite entdeckt und mit frecher Einzellocke auf der Stirn, Lederjacke und Motorrad erscheint, fühlt man sich an frühe 50er-Exploiter aus den USA Richtung Rockermovie und den dort auftretenden Motiven der juvenile deliquency erinnert. Gebeutelt wird Alex auch von der wahnhaften Liebe Mary Lous, deren dämonisches Stalking zeitlos und aktuell bleibend wirkt und deren Verhalten mit in die Rockerfilm-Motive fließt. Es mag eher dem kurz aufblitzenden moralischen Standpunkt der Story dienen, wenn Alex sich wieder der guten Seite zukehrt. Losgelöst von dieser Schnellschuß- und Videothekenreihe könnte so ein Stoff in den richtigen Händen durchaus für ansprechende Horrorkost sorgen. Aber ich möchte mich nicht beschweren. Nach den beiden ersten, durchschnittlichen Filme der Reihe sorgt Prom Night III für das, wofür er auch konzipiert wurde: Kurzweil für Videothekenpublikum der damaligen Jahre, der man das dreiste kopieren und abkupfern bei größeren Reihen und die schematisch altbekannte Geschichte verzeihen kann. Anders als es uns der (nur beim deutschen Titel existierenden) Untertitel Das letzte Kapitel glauben machen will, folgte zwei Jahre später noch ein vierter Teil, in dem Mary Lou nicht mehr vorkommt. Die Macher hatten wohl ein Einsehen, dass man der Dame mehr Persönlichkeit hätte schenken können, bevor sie mit Teil 3 endgültig zum "weiblichen Freddy mit dem Kleid" wurde. Zusammen mit dem 2008 entstandenen Remake des ersten Teils wird darüber alsbald hier im Blog zu lesen sein.

Samstag, 2. Juni 2018

Mary Lou - Prom Night II

Es vergingen gut sieben Jahre, bis im weiten Kanada die Idee geboren wurde, aus einem frühen, sich schwer dahinschleppenden Slasher Namens Prom Night ein Franchise zu machen. 1987 überschritten die maskierten Hieb- und Stichwaffennutzer ihren filmischen Zenit. Dank größerer Erfolge wie Hellraiser und einiger kleineren DTV-Horrorfilme schlichen Mitte der 80er dämonische Entitäten auf der Beliebtheitsskala der Fans langsam kontinuierlich nach oben. Findige Filmefabrizierer wohnt seit jeher eine für das Business benötigte Unverfrorenheit inne und so verwundert es nicht, dass Mary Lou, so der Titel des ersten Prom Night-Sequels, kaum was mit dem Erstling zu tun hat. Die Brücke zu diesem schlägt man ganz dreist damit, indem wieder eine Highschool als Handlungsort herhält, dort vor langer Zeit ebenfalls ein tragischer Unfall geschah und es hier ebenfalls die Situation gibt, dass der Vater einer der Hauptfiguren gleichzeitig Direktor der Schule ist. Der Rest der Handlung entfernt sich komplett vom Slasherdasein seines Vorgängers.

Wie dieser, blickt Mary Lou zuerst zurück in die Vergangenheit. Dort lernen wir die titelgebende Dame kennen: ein keckes, freches und moralisch flexibles Mädchen, dass auf dem Abschlussball ihren Begleiter versetzt und hinter den Kulissen mit einem anderen rummacht. Aus Rache will der geschasste Bill sich an der frisch gebackenen Prom Queen später am Abend rächen. Eine von ein paar Quatschköpfen in den Müll geworfene Stinkbombe soll ihr die Preisverleihung vermiesen. Bei Bills Aktion fängt Mary Lous Kleid Feuer und reißt sie in den Flammentod. Jahre vergehen, Bill ist mittlerweile Direktor der besagten Schule, sein Sohn dort Schüler, welcher mit der durch eine streng gläubigen Mutter gestraften Vicki geht. Auch für diese Generation steht das Ende der Schulzeit und der Abschlussball bevor. Auf der Suche nach einem peppigen Kleid für ihre Freundin Jess stößt Vicki im Keller der Schule auf einen verriegelten Koffer, in dem u. a. die Robe und die Krone der verstorbenen Mary Lou untergebracht sind. Nachdem sie diesen geöffnet hat, wird das Mädchen von allerlei verängstigenden Halluzinationen und der immer wieder auftauchenden, gespenstischen Mary Lou heimgesucht und merkt nicht, dass sich der dämonische Rachegeist der toten Abschlussballkönigin ihres Körpers bemächtigen will.

Leider gleicht Mary Lou seinem Vorgänger im Erzähltempo; wie eins Paul Lynchs Werk lässt man sich schön Zeit und präsentiert einen mitgenommenen Michael Ironside als Vater von Vickis Freund Craig, der mit den Zukunftsplänen seines Sprößlings nicht richtig einverstanden ist. Auf der anderen Seite plagt sich Vicki mit ihrer christlich fundamentalen Mutter herum, gegen die selbst ihr milde gestimmter Vater nicht ankommt und die auf die Umsetzung ihrer Pläne für die Tochter besteht. Darin kommen ein angedachtes Jahr "rumjobben" und Craig als akzeptierter Freund nicht vor. Dann wäre da noch Jess, die sich mit einer für ihr Alter größeren Katastrophe auseinandersetzen muss. Die Teenie Soap-Momente versuchen die Macher gleichzeitig mit einer Prise Humor aufzupeppen. Schön, dass dieser nicht in flache, pubertäre Zoten verfällt. Schade, dass jeglicher Versuch trotzdem meistens in die Hose geht. Der Witz, sofern vorhanden, will sich in Form leicht inszenierter Szenen in Tradition diverser 80er-Teenie-Kultfilme oder als dauerpräsentes huldigen und zitieren diverser Genrefilme präsentieren. Letzteres schlägt sich auch darin nieder, dass die Figuren Nachnamen bekannter Regisseure (Carpenter, Romero, Browning, Henenlotter etc.) tragen. Das hat ein Jahr zuvor Fred Dekker z. B. in seinem Night Of The Creeps leichtfüßiger und witziger hinbekommen.

Weit interessanter fällt die Mixtur des phantastischen Teils der Geschichte aus. Hier pendelt der Film dauerhaft zwischen Versatzstücken von Der Exorzist, Carrie - Des Satans jüngste Tochter und (besonders) A Nightmare On Elm Street. Wenn der Film die Wege des letzteren beschreitet, bekommt er seine besten Momente hin. Da verwandelt sich die Mensa in ein versifftes wie verstörendes Drecksloch, auf den Gängen der Schule wird Vicki von unbekannten Lederjacken-Rockern bedroht und urplötzlich in eine Tafel hinein gezogen. Das Niveau des Vorbilds erreicht man nicht, durch den dazwischen liegenden Augenmerk auf die weltlichen Probleme der Teenies bekommt Mary Lou niemals die von der Geschichte benötigten Spannungskurve; das Buch bremst sich regelmäßig selbst aus und bald verfällt man in einen ähnlich tödlichen Leerlauf, den auch der Erstling der Reihe besaß. Die solide, aber nicht außergewöhnlich auffallende Ausstattung und Gestaltung des Films beschert ihm dazu eine dezent klinische Atmosphäre, wie sie einige DTV-Produktionen der ausgehenden 80er besaßen. Nur beim Finale schöpft man nochmal aus dem vollen, wenn Mary Lou wortwörtlich der eingenommenen sterblichen Hülle entsteigt. Ein hübscher Effekt wird da geboten, bevor Mary Lou-Darstellerin Lisa Schrage wie einst Sissy Spacek aufräumen darf. Leider hat das Sequel hier schon mehr verloren, als dass es noch mehr Sympathien oder an Qualität gewinnen kann. Mary Lou ist solider, aber ebenfalls schnell wieder vergessener DTV-Massenquark mit wenigen netten Einfällen. Das ist soweit in Ordnung, aber ist von richtig guter Unterhaltung leider ebenso weit entfernt. Löblich ist dafür der eigentliche Versuch der Macher, ein weibliches Gegenstück zu Freddy Krueger aufzubauen. Versuchte Emanzipation im Gebiet der leider selbst heute meist vom männlichen Geschlecht dominierten Gebiet der Horrorfilm-Schreckikonen, die leider ebenso scheiterte wie andere Reihen (Die Sequels zu Sleepaway Camp oder die schon leicht unterbewerteten Night Of The Demons-Filme), die versuchten, einen weiblichen Antagonisten als Kultfigur zu etablieren. Das ist weitaus mehr eine Schande, als der Film Mary Lou selbst.

Prom Night (1980)

Als Prom Night in die Lichtspielhäuser dieser Welt entlassen wurde, befand sich der Slasher noch in den Kinderschuhen. John Carpenters Halloween war gerade mal zwei Jahre alt; Sean S. Cunninghams Freitag der 13. befand sich gerade mal zwei Monate in den Kinos, als Paul Lynchs Films anlief. Ebenfalls 1980 startete der recht hübsche Terror Train aka Monster im Nachtexpress, mit dem der Slasherzug langsam Fahrt aufnahm. Obwohl Prom Night selbst nur in den USA über die Jahre einen gewissen Kultstatus erlangen konnte und er unverkennbar ein früher Versuch, vom Erfolg des Carpenter-Films zu profitieren, ist, schaffte er es auf insgesamt drei Fortsetzungen. 2008 wurde er im allgemeinen Aufpolierwahn der amerikanischen Genrefilmindustrie remaket. Heutzutage kann man den Ursprungsfilm schnell als "einer unter vielen", dem bekannten Cash In abstempeln. Schaut man nochmal auf die Eingangs erwähnte Ausgangssituation, dass Prom Night einer der frühen Slasher ist, erkennt man ihn als Ursprung der kleineren Slasher, die aus zweiter und dritter Reihe nachkamen. Sein Plotverlauf wurde dankend von unzählig vielen Regisseuren angenommen und mit mehr oder weniger Aufwand umgewandelt.

Ein tragischer Unfall bietet den Aufbau für die später folgenden Untaten eines maskierten Meuchlers. Kinder spielen in einem alten und verfallenen Schulgebäude fangen, treiben die ungebetene Spielkameradin Robin in die Enge und verängstigen das Kind so sehr, dass es bei seinem Versuch, den anderen Kindern zu entgehen aus dem Fenster des obersten Stockwerks stürzt und stirbt. Erschrocken vom tragischen Zwischenfall schwören sich Wendy, Nick, Kelly und Jude, nichts vom eigentlichen Hergang der Geschehnisse zu verraten und zu verschwinden. Wenig später wird das tote Mädchen aufgefunden und ein Sexualstraftäter für die Tat behelligt. Sechs Jahre danach sind die damaligen Kids Teens, die vor ihrem Schulabschluss stehen. Parallel dazu entkommt der beschuldigte und verurteilte angebliche Mörder Robins aus der Heilanstalt in der er untergebracht war. Wenig später erhalten die Jugendlichen Drohanrufe eines unbekannten, der unmissverständlich klar stellt, dass er sich für die Ungerechtigkeit von damals rächen will. Ins Kreuzfeuer geraten auch Kim, Nicks Freundin und Schwester der toten Robin sowie ihr Bruder Alex.

Mehr noch in den ausgegangenen 70ern verwurzelt, legt Prom Night ein gemächliches Erzähltempo vor. Man lässt sich Zeit für seine Figuren, die leider sehr stereotyp ausfallen und die gängigen Klischees bedienen. Leider verstreicht auch einige Zeit, bis der Mörder komplett in Erscheinung tritt. Bis dahin konzentriert sich die Geschichte mehr auf das "Wer mit wem?", die Frage der Fragen die das Geschehen vorm bevorstehenden Abschlussball beherrscht. Nick wird von Ex-Freundin Wendy, die sich als durchtriebenes Biest entpuppt, umworben, was ihm einige Probleme mit Kim einbringt. Jude sucht nach einem Begleiter und trifft den schmierigen Slick, während Kim und ihr Freund Drew Probleme im horizontalen Bereich haben. Selten holt man den Thrillerplot in den Vordergrund; der anfängliche Aufbau, nicht uninteressant mit ansprechenden und schnell montierten Szenen der Drohanrufe, lässt auf einen recht interessanten frühen Schlitzerknaller schließen um dann in den Teenie Soap- und Leerlauf-Modus zu schalten. Außer für ein US-Publikum, das mehr Bezug zu den Themen rund um den Abschlussball hat, wird es für den Zuschauer zu einem leichten Kampf, bei der Sache zu bleiben.

Toppen tut das der Film mit einer ausgiebigen Discotanz-Szene, die zugegebenermaßen gut choreographiert ist, aber noch mehr Spaß machen würde, wenn sie außerhalb eines Horrorfilms existieren würde. Eine Stunde ist dort schon vergangen, der Ball längst im Gange und endlich darf auch der Mörder zuschlagen. Dieser ist wie so oft der verlängerte Arm einer konservativen Moral; auch hier werden Heranwachsende kurz nach dem vorehelichen Koitus oder dem Rauchen von Joints umgehend für ihr Vergehen gerichtet. Der verschleppte Storyaufbau bringt der letzten halben Stunde Schwung, lässt sie leider gleichzeitig überhastet, hektisch im abhandeln erscheinen. Das lässt kleine Feinheiten, die Prom Night im Ansatz besitzt, untergehen. Der Mörder mag in seinem Handeln ungelenk, im Kampf mit den Opfern sogar tolpatschig erscheinen, lässt ihn dafür - allein durch seinen bieder wirkenden Auftritt mit einfacher dunkler Kleidung und Sturmmaske - menschlicher und weit weniger als unbezwingbares Phantom erscheinen als seinerzeit schon Michael Myers war. Dazu ist es recht interessant, wie die jungen Leute in ihrer eigenen (Filter)Blase existieren und von der Bedrohung des ausgebrochenen Straftäters scheinbar nichts bemerken. Dieses (wissentliche) Ausblenden eines Handlungsstrangs der Geschichte für gewisse Figuren, der eigentlich nicht unbemerkt sein kann, wurde typisch für B- und C-Slasher und ist mir persönlich nur noch in der erzählerischen Gestaltung von Storylines im Wrestlings bekannt.

Sich den Film damit schönzureden funktioniert leider nicht. Prom Night bietet eine gutklassige 70er-Stimmung, aber ist von einer richtig kurzweiligen Slasher-Unterhaltung weit entfernt. Man benötigt Durchhaltevermögen um sich durch die Handlung zu hangeln. Nächster Schwachpunkt ist Hauptdarstellerin Jamie Lee Curtis, der man hier nur noch bedingt das Teeniemädchen abnimmt. Das lässt die Distanz vom Zuschauer zu ihrer Figur länger bestehen, als es für den Film dienlich ist. Durch dessen schwachen Thriller-Plot erahnt man die Identität des Mörders zudem recht früh. Hinweise werden zwar spärlich gegeben, da Prom Night für solcher Art Filme zur einer Blaupause wurde, ist erfahrenen Zuschauern schnell klar, was Sache ist. Am Ende ist man mit den Protagonisten erleichtert, wenn der ganze Spuk vorbei ist. Wenn man den Film mit einem einzigen Wort beschreiben solle, bleibe ich leider immer bei miefig hängen. In seinem Inneren ist er stark mit den schlechten Eigenschaften kleinerer Filme aus den 70ern behaftet. Eben jener miefigen, muffigen Langsamkeit, die je nach Ausgangslage angenehm oder hinderlich ist. Dafür ist es schön hier Leslie Nielsen einige Jahre vor seinem späten Durchbruch als Lt. Frank Drebbin zu sehen. Kleiner useless fact zum Schluss: dessen ab Die nackte Kanone zu seinem Stammsprecher avancierenden Synchronsprecher Horst Schön hört man hier als Stimme des ermittelnden und dem ausgebrochenen Sexualstraftäter hinterherjagenden Lt. Darryl McBride. Und Frank Glaubrecht (u. a. Al Pacino) ist auch noch mit von der Partie in der dt. Sprachfassung, was dem Film nicht komplett, aber bedingt aus der Patsche hilft und in keinster Weise retten kann.

Freitag, 1. Juni 2018

Humans

Die Autoren von Humans trauten der Schweiz, dem Handlungsort ihrer Geschichte, als Wohnort für den stereotypen Backwood-Hillbilly, wohl selbst nicht über den Weg. Was in den USA durch die dortigen weitläufigen, ausgedehnten Waldgebiete mit ihren unwegsamen Bereichen wunderbar funktioniert, mag im Geiste bei den geläufigen Klischees über das Alpenland zu verschrobene Gedanken führen. Niemand kann sich geistig einfach gestrickte, gewaltsame Lederhosenträger etc. vorstellen, ohne in gewisses Grinsen zu verfallen. Greift man also mal schnell zu irgendwelchen Wissenschaftlern, hier Anthropologen, die natürlich eine unglaubliche Entdeckung gemacht haben. In diesem Fall Menschenfeind Philippe Nahon als Professor Schneider, welcher Fragmente eines Neandertalerschädels findet, die sich von den bisherigen Funden unterscheiden. Sind sie ein fehlendes Glied zwischen dem Urmenschen und dem Homo Sapiens? Um dieser Frage nachzugehen, begibt er sich mit der Doktorandin Nadia und seinem Sohn Thomas in die Schweiz, um endlich seine von Kollegen belächelte Theorie des viel später als angenommen ausgestorbenen Urmenschen zu beweisen.

Dort angekommen, will man sich auf den Weg in ein schwer zugängliches Tal machen, nimmt eine liegengebliebene Touristenfamilie auf und muss nach einem durch einen Steinschlag herbeigeführten Umweg unliebsam durch einen Unfall kopfüber hinab in eine Schlucht stürzen. Die überlebenden kämpfen dort fortan ums Überleben und merken, dass nicht nur die Natur, sondern auch noch jemand anderes ihr größter Feind ist. Dieser wird vom Drehbuch lange zurückgehalten, angedeutet um dann mit genügend Momentum den gewünschten Story-Impact zu erzeugen. Richtig zünden mag er nicht. Die Thematik, die gestreuten Hinweise: sie sind einfach zu durchschauen. Bis dahin versucht sich das Regie-Duo Jacques-Olivier Molon und Pierre-Olivier Thevenin, die zuvor (und danach) vornehmlich Special Effect- und Make Up-Künstler bei Filmproduktionen waren, ihren Film als französische Variante von John Boormans Beim Sterben ist jeder der Erste zu präsentieren. Die nett eingefangenen Schweizer Landschaften schaffen es nicht, durch die auf Imposanz abzielende Fotografie, eine Bedrohung auszustrahlen. Das aufpolierte Filmbild, auf digitalem Material gedreht, gestochen scharf und nicht nachbearbeitet, trägt weiter dazu bei, das alles eher wie eine Fernsehdoku über die Flora und Fauna entlegener Alpengebiete wirkt.

So kämpft sich das übrig gebliebene Forscherteam, welches einen Verlust hinnehmen musste, mit den Touristen durch saftig grüne Wiesen auf steinig-steilem Gebiet, in Brauntönen getauchte Wälder, deren geringes Licht auch nicht mehr Atmosphäre schaffen kann und durch einen reißenden Strom. Dies ist eine der wenigen wirklich spannenden Szenen. Der Rest davor und danach ist bemüht, gängige Survival-Horror-Muster in die für den Stoff zugegeben ungewöhnliche Location zu bringen. Von Eigenständigkeit fehlt leider jede Spur. Dynamik und Eigenständigkeit leider auch. Thevenin und Molon können zu keiner Zeit ein eigenes Profil erzeugen. Sie verwalten viel mehr die Geschichte des Films um sie nach eben jenen Mustern und Formeln in digitale Bilder umzuwandeln. Man orientiert sich, einem Leitfaden gleich, durch eine in vielerlei Hinsicht arme Geschichte. Nach der zu erahnenden Präsentation des eigentlichen Feindes der zusammengewürfelten Gruppe, stürzt die letzte, erhaltene Restspannung ebenfalls ab und ist nicht mehr aufzufinden. Die schon zuvor auffälligen Story- und Logiklücken werden nicht mal im Ansatz versuchend mit Action übertüncht. Humans hält sich selbst in geplanten Spannungsszenen zu stark zurück, nervt bald mit den krampfig wirkenden Konflikten in der Familie und der Gruppe und wird mit jeder Minute anstrengender.

Der Gipfel ist erreicht, als ein einfach voraus zu ahnender Twist präsentiert wird, der mit einem aberwitzigen zweiten Twist übertrumpft wird. Letzterer zieht die zuvor angestrengt aufgebaute Geschichte ins lächerliche und bietet eine Szene, die mit Klischee-"Ureinwohnern" der Schweiz, in Schwyzerdütsch gesprochen, jede Ernsthaftigkeit vermissen lässt und wie eine schlechte Heimatfilmversion bekannter Backwood-Horror-Vorbilder á la The Hills Have Eyes etc. wirkt. Das nun die vormals angestrengt etablierten Feinde in die Operrolle switchen, man ein wohl aufwühlend chaotisch gemeintes Finale herunterspult, welches so grob wie die Figuren vor der Kamera agiert, auftischt, verstärkt den ärgerlichen Gesamteindruck des Films. Das Regie-Duo scheint überfordert mit dem Stoff zu sein, vertraut ganz auf die steife Orientierung an den (über)großen Vorbildern und kann in seiner Profillosigkeit nicht mal Fans mit weit nach unten gelegten Erwartungen hinter den Ofen hervorlocken. Selbst dann nicht, wenn manchmal doch gut ausgeleuchtete, atmosphärische Szenen erzeugt werden oder die gute Maskenarbeit auffällt. Zwei Elemente, die nicht gegen den unterdurchschnittlichen Rest ankämpfen können. So schnell, wie die Gruppe sich in der Schlucht wieder findet, fällt Humans in die Vergessenheit zurück. Hier verwirft man selbst sehr schnell den aufkeimenden Gedanken, dass man einige Elemente der Story als Metapher auf Xenophobie sehen könnte. Das gibt die krampfige, ideenlose Geschichte und Inszenierung einfach nicht her.

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