Donnerstag, 29. Januar 2009

The Child - Die Stadt wird zum Alptraum


Der in Venedig lebende Bildhauer Franco erhält Besuch von seiner kleinen Tochter, welche eigentlich bei ihrer Mutter in London lebt. Allerdings ist die Freude über ihren Besuch nur von kurzer Dauer. Als sich Franco mit seiner Geliebten trifft und die Kleine bei spielenden Kindern auf der Straße läßt, verschwindet sie und wird einige Tage später tot im Wasser aufgefunden. Mit Schuldgefühlen und Wut belastet, macht sich Franco auf, der in seinen Augen viel zu langsam ermittelnden Polizei zuvorzukommen und sucht nach dem Mörder seiner Tochter. Bald erhält er von einem Freund einen Hinweis auf einen Kindsmord ein Jahr zuvor in Venedig, der viele Gemeinsamkeiten mit dem Tod seiner Tochter hat. Franco verfolgt diese Spur und stößt dabei in ein Wespennest...

Dabei wirbelt Ex-James Bond George Lazenby in der Tat soviel Staub auf, das dieser dem geneigten Zuschauer teilweise die Sicht auf die Story verdeckt. Allerdings ist die "Staubwolke" dann doch nicht so dicht, das man Lazenby auf seiner Mörderhatz durch das wunderschöne Venedig aus den Augen verliert. Typisch für das Genre versucht The Child mächtig verworren zu sein, was in einigen Momenten schon fast selbst den Tod für den Film bedeuten könnte. Doch Regisseur Lado bekommt stets den Spagat hin, den weiteren Verlauf der Handlung doch noch in geregelte, nachvollziehbare Bahnen zu lenken. Man könnte meinen, das die Drehbuchautoren es beinahe etwas zu gut mit den dunklen Verstrickungen der einzelnen Filmcharaktere gemeint haben. Und - was nicht immer typisch für italienische Genrefilme ist - es bleibt sogar bis zur Auflösung relativ logisch.

Doch selbst wenn Lado die Handlung aus der Hand geglitten wäre, man hätte ein Auge zugedrückt und es ihm verziehen. Viel zu sehr versteht er es, den Zuschauer mit seinem Werk in den Bann zu ziehen. Alleine schon die atmosphärisch dichte Eingangssequenz - ein erster kleiner Gänsehautmoment - ist wirklich brillant gefilmt und wird durch die eindringliche Filmmusik aus der Feder von Maestro Ennio Morricone abgerundet. Den Soundtrack kann man nämlich ruhig in die Kategorie Spitzenklasse einordnen, dessen beiden Hauptthemen schnell im Ohr hängen bleiben. Alleine schon der Kinderchor, der beim Auftauchen des Kindermörders erklingt, läßt so einige Gänsehautmomente entstehen.

Von diesen gibt es ohnehin so manche im in englischen als Who saw her die? bekannten Giallo. Lado hat seinem Werk eine unheimlich dichte Atmosphäre geschenkt, welche zum Teil auch durch die herrlichen Bilder von Venedig entsteht. Zusammen mit tollen Kameraeinstellungen und Schnitten ergeben sich gerade am Anfang des Filmes einige sehr spannende Szenen. Was dem ohnehin schon sehr guten Film dann aber ein wenig an Substanz raubt, ist einfach die Tatsache, das das Storygeflecht ab und an etwas zu spät gelockert wird. Zudem verfällt man in gewohntere, wenn auch dennoch sehr tollen, Giallogefilde ab. Natürlich hat man da dann auch einen Killer mit schwarzen Handschuhen und ungefähr jeder Charakter ist irgendwie ein undurchsichtiger Zeitgenosse. Dabei bietet The Child durchaus auch leicht tragische und dramatische Züge in seiner Anfangsphase, die Lado auch wunderbar einfangen kann. Die Mimen machen zu dem eine recht gute Sache, wobei Lanzenby zwar immer ein klein wenig blasser wie der Rest des Casts wirkt. Selbst in seiner anfänglichen Wut auf sich selbst nach dem Tode der Tochter sieht er ein wenig apathisch aus, fängt sich aber und bietet wohlwollende Leistungen vor der Kamera.

So ist und bleibt The Child ein im großen Wust der Gialli herausragender Film, den man ohne Mühen zu den Besten seiner Zunft zählen kann. Gerade durch seinen für sein Genre erfrischend andere Anfangsphase und einer stetig auf gleichem Level bleibenden Spannungskurve, die selbst das teils zu gut gemeinte Storygewirre auflockern kann ist er ein wirklich toller und sehr guter Film, den sich kein Freund italienischer Genrekost entgehen lassen sollte.
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Mittwoch, 14. Januar 2009

Body


Der Student Chom ist gerade frisch in die Wohnung seiner Schwester gezogen und scheint ein völlig harmloses, wenn auch leicht chaotisches Leben zu führen. Doch der junge Mann wird in der Nacht von wiederkehrenden Albträumen geplagt, in denen er die Zerstücklung einer Frauenleiche durch einen unbekannten Mann sieht. Die Träume zuerst auf die leichte Schulter nehmend, mehren sich bei ihm auch bald am Tage unheimliche Halluzinationen, die von einer ihm unbekannten Frau namens Dararai handeln und welche ihn auffordert, sie zu suchen. Ob ein Zusammenhand mit seinen Albträumen besteht? Erst als seine besorgte Schwester auf ihn einredet, besucht er eine Psychologin und versucht hinter das Geheimnis der geheimnisvollen Dararai zu kommen.

Bei diesem thailändischen Horrorschocker handelt es sich um den Debütfilm des jungen Regisseurs Paween Purikitwanya und damit landet der werte Herr gleich einen schönen Start in seiner Karriere ein. Dabei kann er die Zuschauer ja schon mit einer ellenlangen und schönen Kamerafahrt bezaubern, in die auch der Vorspann eingebettet ist. Dabei läßt sich Purikitwanya mit der Einführung seiner Charaktere Zeit und erzählt seine Geschichte in ruhigen und unheimlich stimmigen Bildern. Man fühlt sich bei so manchen Kamerafahrten sogar an die italienischen Altmeister Bava (wohlgemerkt Mario) oder Argento erinnert, welche ebenfalls mit ihren Kameraarbeiten furiose Bilder schaffen konnten. Verbunden mit einigen schönen Einstellungen kann hier Body schon mal restlos überzeugen. Dabei erschafft man schnell eine Art Hochglanzgrusler, der allerdings auch gleichzeitig einige Probleme mit seinem Stil bekommt.

Vielleicht geht der Regisseur einfach ein wenig zu gestalterisch zu Werke, überfrachtet ihn mit durchgestylten Bildern, die den Film und die Geschichte selten richtig greifbar werden läßt. Kurz bevor man zu einhundert Prozent mitfiebern kann, baut sich eine unsichtbare Barriere auf, die der Film erst in den letzten Minuten aus dem Weg räumt. Schade, denn so kann manche Schockerszene trotz wirklich guten Umsetzungen nicht wirklich ihre Wirkung entfalten. Bestes Beispiel ist hier der Auftritt Dararais in der Universität, wenn sie eine Hilfsprofessorin bedroht. Als diese vor ihr zurückschreckt und an eine Wand mit unzähligen, eigentlich toten Schmetterlingen stößt und diese trotzdem quicklebendig um sie her flattern und durch die Halle fliegen ist wirklich toll anzuschauen und trotz des weiteren Verlaufs der Szene und der guten Maskenarbeit, die das F/X-Team bei Dararai geleistet hat, so bleibt der Horror doch ein wenig auf der Strecke.

Die mysteriösen Elemente, ja selbst die Spannung vermögen es leider nicht vollends aus der schönen Hülle auszubrechen und sich zu entfalten. Hinzu kommt, das man beim Erzählen der Story auf bekannten Pfaden bleibt so das der Zuschauer schnell meint, den Braten gerochen zu haben. Das doch alles ganz anders ist, auch wenn man mit manchen Vermutungen noch recht behält, hat Body abermals seinem Ende und dem damit verbundenen Twist zu verdanken. Damit katapultiert er sich gleich in eine völlig andere Liga und läßt unter der Fassade noch einige andere Schichten der Geschichte aufblitzen, die mit dem Verlauf der Geschichte größtenteils Sinn ergeben. Allzu sehr sollte man zwar nicht nach der Logik aller vorherigen Begebenheiten fragen, doch die Auflösung läßt wirklich aufhorchen und so manches kleinere Defizit vergessen machen. So wird der Film zu einem astreinen Horror-Drama, den man weit entfernt sogar mit modernen Klassikern á la A Tale of Two Sisters oder Cello vergleichen lassen kann. Von deren Klasse ist er zwar auch noch etwas entfernt, kann aber wirklich mit einigen eindrücklichen Szenen seine Klasse beweisen.

Auch mimisch ist alles im grünen Bereich, wobei man hier allerdings anmerken sollte, das die deutsche Synchronisation an einigen Stellen verunglückt ist und teils etwas seltsam und peinlich anmutende Dialoge durch die Boxen jagt, was glücklicherweise nicht dauerhaft der Fall ist. Die meiste Zeit hat man es hier mit einem ruhig erzählten Stück Horrorfilm zu tun, der erst spät voll aufdreht und dann aber auch restlos begeistern kann. Denn kurz bevor man meint, das doch mehr die eleganten Bilder wichtiger als die zu erzählende Geschichte ist, wird genau das Gegenteil bewiesen. Kein "Style over substance", auch wenn es das ein oder andere Mal in die Richtung schwenkt. Allerdings bekommt Body immer wieder die Kurve und fährt am Ende als glücklicher Sieger über die Ziellinie.
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Dienstag, 16. Dezember 2008

Werewolf In A Women's Prison


Schnell entwickelt sich für Sarah ein romantischer Abend mit ihrem Freund im Zelt unterm Sternenhimmel zu einem Albtraum, als sich die seltsamen Geräusche, die sie draußen vernimmt, nicht etwa einem Koyoten zuordnen lassen sondern einem mordsgefährlichen Werwolf. Dieser zerfleischt ihren Freund und beißt sie in der Schulter, bevor sie ihm durch überschütten von Wodka mit Silberplättchen (!) den Gar ausmachen kann um hinterher ohnmächtig zusammenzubrechen. Als sie wieder aufwacht, befindet sie sich in einem Frauengefängnis für geisteskranke Täter irgendwo in einem kleinen, lateinamerikanischen Staat, da niemand ihr die Geschichte mit dem Werwolf glaubt. Und als ihr dann auch noch ihr toter und zerfetzter Freund erscheint und ihr vom Fluch des Werwolfs erzählt, ist es auch schon fast zu spät für die Mitinsassen im Gefängnis. Denn beim nächsten Vollmond verwandelt sich Sarah in einen Lykanthropen um ihren Blutdurst mal so richtig zu stillen... Zwar kann der Direktor mit seiner dauergeilen Gespielin Sarah wieder einfangen und wittert daraufhin ein todsicheres Geschäft mit der Vorführung eines echten Werwolfes, allerdings hat er hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht, so daß seine Show in einem wahren Massaker endet.

Hört sich wild und gnadenlos trashig an? Ist es auch. Regisseur Jeff Leroy hat der Menschheit ja schon in den letzten Jahren solche Heuler wie Creepies oder Hell's Highway geschenkt, die bisher vor allem durch ihre schlechten Ratings in diversen Filmdatenbanken im Web aufgefallen sind. Mit seinem 2006 entstandenen Flick mixt er das Women In Prison-Genre mit dem des Werwolffilms und schafft damit ganz überraschend einen durchaus sehenswerter Trasher erster Kajüte. Freunde feiner Nuancen und des Arthouse-Films sollten hier jedenfalls einen großen Bogen machen, während der trasherprobte Freund von Amateur/Independent-Übersplatter schnell einen feuchten Fleck in der Unterbuchse bekommen könnte.

Irgendwie merkt man auch ein leichtes, ständiges Augenzwinkern während der ganzen Produktion, die sogar relativ stimmungsvoll einsetzt, spätestens aber beim ersten Auftauchen des Werwolfs schon zu ersten Grinsanfällen herausfordert. Nicht etwa wegen seinem überdimensionalen, trashigen und gummiartigen Auftreten sondern wegen seinen rot leuchtenden Augen, die an Billig-LED-Lichter aus dem Baumarkt erinnern. Ohne Rücksicht auf Verluste tritt Leroy dann aufs Gaspedal und präsentiert uns spätestens bei den Szenen im Gefängnis sämtliche Klischees, die sowohl der Werwolf- als auch im besonderen der WIP-Film bietet. Machtkämpfe unter den Frauen, damit verbundener Zickenterror, korrupte und auf S/M-Sex stehende Direktoren, eine lesbische und dauergeile Assistentin/Gespielin des Direktors die gerne die Frauen angräbt und sie für ihre Homepage (!) in eindeutigen Posen fotografiert sowie schmierige Gefängniswärter, die sich für Zigaretten und Alk auch mal einen Blasen lassen: man merkt, das der Regisseur das Genre sehr genau studiert hat. Zudem ist das Ding für eine amerikanische Produktion sogar relativ freizügig, so das relativ oft dem Zuschauer nacktes Fleisch präsentiert wird.

Und als kleine Verbeugung für einen der besten Werwolffilme aller Zeiten - nämlich An American Werewolf In London - gibt ein stetig weiter verwesender toter Freund der Protagonisten Tipps und Beistand zum künftigen Werwolf-Dasein. Dabei variiert Leroy hier sogar noch etwas die gängige Legende und läßt seine Hauptdarstellerin im späteren Verlauf der Handlung die Verwandlung kontrollieren und macht sie nicht vom auftauchenden Vollmond abhängig. Sehr geschickter Schachzug um so mehr Action zu bieten, da man wohl sehr gut um die Defizite einer gescheiten Erzählung der Geschichte weiß. Trotzdem schafft es Werewolf In A Women's Prison nicht die volle Zeit mit Sleaze, Splatter und Trash zu unterhalten so das er eine kleine Länge aufwarten kann, die aber - zum Glück für die Gorehounds - nicht lange anhält. Diese dürfen sich im übrigen an herrlich schmoddrigen und extrem trashigen Effekten ergötzen, die zwischen richtig gut und richtig schlecht schwanken. Erwähnenswert ist hier auf jeden Fall Sarahs Verwandlung während der Show.

Trotz vieler positiver Aufzählungen im bisherigen Verlauf des Textes, ist es klar, das dieser Film alles andere als ein wirklich guter Film ist. Von der ersten bis zur letzten Minute regiert das Wort Übertrash, mit dem wohl nur die hartgesottensten Filmfans wirklich etwas anfangen können. Doch gerade durch die relativ dürftigen Settings, miesen Darstellern oder auch den schmoddrigen Effekten macht dieser Film soviel Spaß wie schon lange kein anderer Streifen aus dieser Richtung. Einzig und allein den Soundtrack kann man hier als richtig gutes Element hervorheben, der die ganze Sache nochmal ein wenig aufwertet. Wer allerdings keine Angst vor Übertrash-Hardcoresplatter-Granaten hat, für den führt kein Weg an Werewolf In A Women's Prison vorbei. Dieser Film ist, als hätten Jess Franco und Al Adamson zusammen LSD genommen und hinterher einen Film gemacht. Partytrash galore!
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Montag, 10. November 2008

Mirrors

Das Leben meint es nicht leicht mit Ben Carson. Der ehemalige Cop ist, seitdem er im Dienst Undercover einen Kollegen erschossen hat, von der Bahn geraten und hat das traute Familienleben mit Frau und zwei Kindern durch den häufigen Griff zur Flasche an den Rande des Abgrunds getrieben. Von der Frau schon längst vor die Tür gesetzt und seitdem bei der Schwester auf der Couch nächtigend, versucht Ben einen Schlußstrich zu ziehen und eine geregelte Zukunft zu beginnen. Dafür nimmt er einen vermeintlich lässigen Job als Nachtwächter in einem vor Jahren abgebrannten Kaufhaus, welches durch einen langen Rechtstreit immer noch nicht wieder aufgebaut wurde. Gleich in den Bann geschlagen von den riesigen Spiegeln, welche als einzigste Objekte nicht zerstört und sogar sehr gut erhalten sind, bemerkt Ben, das mit diesen etwas nicht stimmt. Diese zeigen ihm Dinge, schreckliche Visionen, welche sich auch in der Realität manifestieren können. Es scheint auf dieser anderen Seite des Spiegels etwas zu wohnen, das schnell für Ben als auch für seine Familie eine riesige Bedrohung darstellt. Während seine Mitmenschen seine Aussagen über die Spiegel auf der Arbeit schnell auf den Stress und die starken Medikamente schieben, die er einnimmt um die Alkoholsucht in den Griff zu bekommen, sieht er sich der namenlosen Bedrohung alleine gegenüber und muss bald um sein eigenes Leben und das seiner Frau und Kinder kämpfen.

Alexandre Aja ist ohne jeden Zweifel der derzeitige Shootingstar des modernen Horrorkinos. Schuf er mit High Tension einen dreckig-gemeinen und perfiden Psychoschocker mit herrlich oldschooligem Touch, so erfand er mit dem Remake von The Hills Have Eyes einfach mal so das gute alte Terrorkino der 70er neu und transportierte es in das neue Zeitalter. Nun durfte man auf seinen vierten Langfilm richtig gespannt sein, begibt er sich damit doch auf gänzlich neue Pfade. Basiert Mirrors doch auf dem koreanischen Mysterythriller Into The Mirror, welcher doch eher subtil und nicht so brachial wie die bisherigen Horrorausflüge des Franzosen ausfällt. Skeptisch durfte man also schon sein, ob Aja es auch versteht, leisere Töne anzuschlagen.

Und dies kann er auf jeden Fall, auch wenn ein kurzer und knackiger Prolog klarstellt, wer hier auf dem Regiestuhl sitzt. Eine wirksame Goreszene, keinesfalls, doch gelingt es Aja spielend hinterher den Weg des klassischen Schockers zu gehen. Dabei macht er keine gefangen, hält sich nicht groß mit einer ausgiebigen Charaktereinführung auf und schickt den gebrochenen Protagonisten relativ zügig zum eigentlichen Schauplatz des Filmes, dem abgebrannten Kaufhaus Mayflower, welches vom Filmteam vorzüglich hergerichtet und ausgestattet wurde. Darin schafft des Regie-Enfant terrible eine unterschwellig bedrohliche Stimmung, bei der der Zuschauer wie Kiefer Sutherland hinter jeder Ecke eine Bedrohung vermutet. Und wenn dann zum ersten Mal die Spiegel in den Fokus der Geschichte gerückt werden, gibt es kein halten mehr. Der wirklich sehr gut als gebrochener Mann aufspielende Sutherland wird auf ein Tour de Force geschickt, die es mehr als in sich hat.

Mit akzentuiert eingesetzten Schockeffekten zeigt uns Aja, das er mehr als nur grimmiges Hau-drauf-Horrorkino kann und erschafft einige schaurig-schöne Gänsehaut-Momente. Doch: so ganz kann es der Franzose nicht lassen und immerhin mussten auch die namhaften Special Effects-Macher, Greg Nicotero und Howard Berger, ein wenig was zu arbeiten haben. Allzu deftige Effekte im Minutentakt sucht man in Mirrors allerdings vergebens. Gorehounds und tumbe Splatterkiddies dürften eher enttäuscht sein, es beherrscht eher klassisches Schocker- und Gruselkino die Szenerie. Gerade dies dürfte aber wunderbare Vorarbeit für die härteste Szene des ganzen Films sein, die ihresgleichen sucht und diesen heftigen Gewaltausbruch noch bedrückender und härter darstellt, als sie ohnehin schon ist. Krass, krasser, Alexandre Aja!

Schuf der Herr mit The Hills Have Eyes eine Wiederbelebung des klassischen Terrorkinos mit modernen Versatzstücken, so kann man hier - nach all diesen abartigen und sich immer mehr in gewaltsamen superlativen watenden "Torture Porn"-Filme der jüngeren Vergangenheit - von einer Rückkehr zum etwas subtileren, puren Horrorkino sprechen, bei der man sich an effektvolles Schockerkino der Marke Poltergeist erinnert fühlt. Die Spannungsschraube wird zusammen mit dem Herzschlag des Zuschauers ohne Gnade immer höher geschraubt, der Terror des unbekannten Mächte jenseits unserer bekannten Welt ebenso und alsbald findet man sich in einem effektvollen Horrorfilm wieder, der - je länger er läuft - immer weniger Zeit zum Verschnaufen duldet. Böse Zungen könnten behaupten, das die atmosphärisch dichten Bilder innerhalb des Hotels und all die effektbeladenen Szenen mit den Bildern davon ablenken sollen, das man solch ähnliche Geschichten auch früher schon gehabt hat. Sutherland als ein Mann auf sich allein gestellt, von seinem Umfeld nicht für ernst genommen, gegen eine bedrohliche Macht und dabei, das Geheimnis dahinter aufzudecken - fürwahr, so etwas gab es u. a. auch schon in Filmen wie Echoes - Stimmen aus der Zwischenwelt.

Doch Aja erzählt nichts weiter als seine Version dieser Geschichte. Zumal es gerade im von stereotypen nur so triefenden Horrorgenre entweder um neue, innovative Stories oder sehr gute Variationen eines bekannten Handlungsmusters geht. Gute neue Ideen kommen immer weniger zu Tage, also warum nicht einen bekannten Handlungsablauf etwas neu ausschmücken? Auf das wie kommt es an. Und da kann man Mirrors und seinem Macher nur ein großartig attestieren. Zumal er es versteht, gegen Ende noch zwei sehr nette, kleine Twists einbaut, die man so nicht erwartet hätte. Vor allem kommt er im Finale zu seinen Wurzeln zurück und präsentiert uns sein so bekanntes und auch geliebtes wütend-brachiales Horrorkino, bevor er mit der finalen Auflösung sowohl im Rahmen der Glaubwürdigkeit (wohlgemerkt des phantastischen Films) bleibt als auch zu Spekulationen einlädt. Wurde Aja schon durch die beiden Vorgänger in seiner Filmografie von Fans des Genres bejubelt, so katapultiert er sich mit Mirrors in die Herzen der Fans. Um ein bekanntes Stephen King-Zitat einmal abzuwandeln: I have seen the future of horror. His name is Alexandre Aja. Denn mit Mirrors hat er nichts anderes als den besten Horrorfilm des gesamten Jahres abgeliefert. Klares Pflichtprogramm!
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Sonntag, 19. Oktober 2008

Der Tod wartet in Venedig


Der Pianist Robert Dominici ist auf dem Höhepunkt seines Schaffens angelangt. Er gibt ein umjubeltes Konzert nach dem anderen und privat liegen ihm die Frauen zu Füßen. Doch just zu diesem Zeitpunkt bricht seine seltene Krankheit aus, die seinen Körper innerhalb kürzester Zeit altern läßt. Robert kommt mit diesem Schicksalsschlag jedoch alles andere als gut zurecht und wird, von Wahnsinn und Frust getrieben, zu einem Mörder der mit dem in den Mordfällen ermittelnden Kommisaren Datti ein perfides Spiel spielt.
Eigentlich ist der italienische Regisseur Ruggero Deodato vor allem durch seinen Kannibalenschocker Cannibal Holocaust bei den Fans beliebt und berüchtigt, gilt doch gerade dieses Werk als zynischster, härtester aber auch intelligentester Vertreter des Subgenres der Kannibalenfilme. Mit dem auch noch unter dem Titel Off Balance bekannten Film schuf er einen durchaus interessanten Thriller, welcher gekonnt sowohl im Giallo als sogar auch im Drama wildert. Denn gerade in der ersten halben Stunde gelingt es Deodato, einen mehr als solide gefilmten Spätgiallo auf die Beine zu stellen.

Mit geringen Mitteln schafft er so einige tolle und atmosphärische Momente und inszeniert einen Mord, welcher zudem die härteste Szene des Films darstellt, schon nahezu argentoesk. Auch wenn einem hier schon der relativ willkürlich erscheinende Sprung zwischen den verschiedenen Handlungssträngen etwas konfus vorkommt, baut sich schnell Spannung auf, das man meinen könnte, das ein durchaus vergnügliches Whodunit-Spiel beginnt. Allerdings bricht Deodato aufgrund der weiteren Handlung sehr schnell mit den typischen Gialloregeln und legt schnell den Mörder und auch dessen Motive dar.

Was jedem anderen Film aus dieser Sparte wohl das Genick brechen würde, kann Deodato schon allein durch seinen toll aufspielenden Hauptdarsteller Michael York kompensieren. Zwar erreicht er nach der Auflösung nie mehr die Intensität, die der Film aufgebaut hatte, bleibt allerdings weiterhin interessant und präsentiert nun schon beinahe ein Psychogramm, welches sich mit der inneren Zerissenheit von Robert auseinander setzt. Immer nahe am Overacting vorbeischrammend, zelebriert York hier einen zwiegespaltenen Mann, der mit seiner schweren Krankheit nicht umgehen und sein Schicksal nicht verarbeiten kann. Es sei dahingestellt, wie logisch es ist, das er nun zu einem Mörder wird, allerdings braucht man für einen eher dem Giallo-/Thriller-Genre zuzurechnenden Film gerade eben sowas.

Nun springt also Dominici wie auch der Film fröhlich zwischen einigen Schauplätzen hinterher, bleibt Gott sei Dank auch immer noch nachvollziehbar und baut langsam den Nervenkrieg zwischen York und seinem Counterpart Donald Pleasence auf. Dieser bleibt allerdings, schon sichtlich vom Alter gezeichnet, meist etwas blaß so das Der Tod wartet in Venedig schnell eine York'sche One-Man-Show wird. Sie gefällt, bekommt aber durch die Einseitigkeit im weitern Storyverlauf aber auch eine gewisse Länge, die gerade das Ende doch etwas schwach ausfallen läßt. So beobachtet man Robert viel zu lange beim maskentechnisch beeindruckenden Alterungsprozeß, was der Spannung nicht gerade gut tut. Man hätte ruhig etwas Mut beweißen können und mit der Geschichte einen interessanten Weg gehen können.

Trotzdem weiß dieser späte, gialloeske Deodato-Flick zu gefallen und ist für die italienischen Verhältnisse zu dieser Zeit sehr solide, präzise und aufwendig inszeniert worden. Zu kurz kommt im darstellerischen Bereich lediglich Edwige Fenech, deren Charakter der Helen auch nur dazu da ist, die Geschichte an ein Ende zu treiben. Nichts destotrotz bleibt Der Tod wartet in Venedig ein gut verdaubares Spätwerk vom lieben Ruggero.
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Samstag, 18. Oktober 2008

Der Mann ohne Gedächtnis

Eigentlich möchte er nur in Frieden leben, wird allerdings von den Schatten seiner unbekannten Vergangenheit eingeholt. Denn seit einem Autounfall vor acht Monaten läuft der adrett aussehende Ted ohne jegliche Erinnerung an sein Leben vor eben diesem Unfall durch die Welt. Auf der Suche nach Erinnerungen stößt er allerdings schnell auf dunkle Ecken in Gestalt von zwielichtigen Personen, die ihm hinterher jagen, da er angeblich etwas besitzt, was diesen gehört. Durch eine von den Fremden eingefädelte Reise nach Italien trifft er sich mit seiner Frau Sara. Aufgrund der aktuellen Umstände gibt sie ihm nochmal eine Chance, auch wenn vor seinem Unfall einiges zwischen ihnen Vorgefallen ist. Doch bald merkt Ted, das ihm auch im Land des Stiefels die Gangster hinterher sind und die Gefahr sowohl für ihn als auch seine Frau größer werden.

Mit dem Mitte der Siebziger Jahre entstandenen Thriller hat das DVD-Label Koch Media eine wahre Perle des italienischen Genrekinos ausgegraben, die ironischerweise fast schon in der Vergessenheit versunken wäre. Doch der Liebhaber mediterraner Filmkost darf sich glücklich schätzen, das man nun wieder auf den Film zugreifen kann. Hat man es hier doch mit einem auch heute noch sehr unterhaltsamen Schätzchen zu tun, welches mit entspanntem Tempo eine Geschichte erzählt, die für einige überraschende Wendungen gut ist.

Neben Koch Media darf man übrigens auch noch Luciano Martino, dem Bruder von Regisseur Sergio, dankbar sein, daß er sich dem Stoff angenommen und diesen produziert hat. Unter der Federführung des von ihm angeheuerten Regisseurs Tessari wurde hier ein schmackhaftes Thrillersüppchen gekocht, das erst nach einer Weile so richtig zu brodeln anfängt. Man läßt sich Zeit mit dem Aufbau seiner Geschichte und der Einführung der Charaktere, versteht es aber dabei geschickt, immer wieder kleine Anhaltspunkte bezüglich Teds Geheimnis in den Handlungsverlauf zu streuen. Grob hält man sich dabei an bekannten Motiven von Meisterregisseur Alfred Hitchcock, befindet sich doch auch bei diesem der unschuldige Protagonist desöfteren von jetzt auf gleich in ausweglosen Situationen, aus denen er sich selbst boxen muss. Nun kann es an Produzent Martino oder generell am Herkunftsland Italien liegen, das bei Der Mann ohne Gedächtnis nun auch ganz kleine Elemente des Giallo, dem ureigenen Thrillergenre Italiens, zu finden sind. Vor allem die kleinen Erinnerungsfetzen Teds erinnern dabei in ihrer Komposition ungemein an eben diese Filme.

Tessari baut jedenfalls eine schöne Atmosphäre auf und hat seine beiden Hauptdarsteller, den französischen Sunnyboy Luc Merenda sowie eine junge und reizende Senta Berger, bestens im Griff. Zwischen Merenda (welcher übrigens in der deutschen Synchronisation von Kultsprecher Thomas Danneberg gesprochen wird) und Berger besteht ein harmonisches Zusammenspiel und auch die Nebenrollen wissen zu überzeugen. Hier sei vor allem Bruno Corazzari als zwielichter Gangster mit naseschneuzendem Tick hervorzuheben, welcher wirklich bestens für diese Rolle ausgesucht wurde. Getragen von einem wirklich eleganten Filmstil der mit einigen schönen Kameraperspektiven und -fahrten aufwarten kann, schafft es das Werk leicht, den Zuschauer auch mit dem nötigen Thrill vor dem Bildschirm zu bannen. Ebenso langsam wie der schon erwähnte Erzählstil kommt auch ein Puzzlestück in der Geschichte Teds zum Anderen und ergibt ein ganzes. Besonders tricky ist hier auch eine tolle Wendung zum Ende, die man so nicht erwartet hätte.

Dies gibt dem Mann ohne Gedächtnis noch eine Portion mehr Spannung um dann mit einem furiosen Finale aufzuwarten, das durch einen prächtigen What the fuck-Moment dem Film zu einem gelungenen Abschluß verhilft. Zwar ist der Film anders als beworben kein Giallo (auch wenn er leichte Elemente birgt) sondern eher ein bodenständiger Thriller, dafür aber umso sehenswerter. Freunde des gepflegten Italo-Genrekinos der 70er sollten auf jeden Fall zugreifen. Es entgeht ihnen ansonsten ein wirklich toller Film.
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Sonntag, 5. Oktober 2008

Gutterballs

Eine bunt gemischte Gruppe Jugendlicher trifft sich zu nächtlichen Stunden in einem Bowlingcenter um dort ein kleines, privates Tournier zu veranstalten. Doch nach einem heftigen Streit innerhalb der Gruppe eskaliert die Situation, als sich Steve mit seinen widerwärtigen Scherken an Jessica rächt und sie von den Männern vergewaltigt wird. In der nächsten Nacht taucht urplötzlich eine maskierte Gestalt in der Bowlingbahn auf, die sich BBK nennt und nach und nach die Jugendlichen brutal umbringt.

Gutterballs ist die zweite Regiearbeit von Ryan Nicholson nach Live Feed, welcher als recht billiger und schlechter Hostel-Rip Off bekannt wurde. Mit Gutterballs bestreitet der Kanadier nun die Wege des klassischen Slasherkinos und mixt dies mit Elementen des Rape and Revenge-Films, vermag es aber nicht, irgendwelche nennenswerte Akzente zu setzen. Innerhalb der 96 Minuten Laufzeit regiert die meiste Zeit Langeweile und Eintönigkeit, da die "Geschichte" eigentlich nur ein ständiges Wiederholen einiger Vorgänge ist.

Schnell ermüdet der Film und vermag es auch nicht, mit den relativ blutigen und harten Splatterszenen bei der Stange zu halten, außer wohl einige Splatterkiddies. Wie so oft im Independent-Bereich der Horrorszene schafft man es nicht, irgendwelche Innovationen in den Film einzubauen und schafft es lediglich, selbst die ermüdendsten Slasher-Klischees und Standards in den Sand zu setzen. Bemerkenswert ist eigentlich nur der ganz nette Soundtrack, welcher knietief in den 80ern watet und flott ins Ohr geht. Wenigstens gelingt es dieser Indie-Produktion teilweise während der Handlung etwas vom Produktionsteam gewolltes 80er-Flair hinzubekommen, was Gutterballs zwar nicht vollends zu einem Totalausfall werden, ihn aber auch nicht wirklich gut werden läßt.

So vergibt der Streifen vor allem die eigentlich recht nette Idee, die mal etwas andere Location der Bowlingbahn zu nutzen um daraus eine kurzweilige Hommage bzw. Parodie an die glorreichen Filme der 70er und 80er zu schaffen. Auch wenn dies wohl die Intention Nicholsons war, so scheitert er kläglich daran. Weder atmosphärisch, erzählerisch oder auch mimisch vermag der Film irgendwo richtig zu überzeugen. Letzteres wird nicht nur durch die durchschnittlichen Leistungen der Darsteller unterstrichen, sondern auch durch eine schnell nervende Vulgärsprache, bei der vor allem eine Vorliebe für das Wort "verfickt" zu haben scheint. Wer nicht gerade ein hartgesottener Freund des auch größten Indieschmodders ist, wird an Gutterballs nicht wirklich seine Freude haben, da das Endergebnis wirklich nur mangelhaft ist.
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