Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Montag, 30. Mai 2011

Beast of the Yellow Night

Joseph Langdon ist ein schlimmer Finger. Geraubt und vergewaltigt hat er und irrt nun kurz nach dem zweiten Weltkrieg irgendwo im südostasiatischen Dschungel umher. Schwer gezeichnet und kurz vorm Abnippeln erscheint dem desertierten US-Soldaten der Leibhaftige persönlich in Gestalt eines ganz leicht verschmitzt aus der Wäsche schauenden, übergewichtigen Ureinwohners. Er bietet ihm einen Deal an: wenn er die Seele Langdons erhält, so bekommt dieser im Gegenzug frische Lebenskraft, Unverwundbarkeit und eine neue Identität obendrauf. Langdon geht darauf ein und merkt aber alsbald, dass er damit dann doch nicht so glücklich ist. Im Körper des schwerreichen Geschäftsmanns Philip Rogers muss er sich mit dessen Ehefrau Julia und den Problemen der Eheleute herumschlagen und bereut es, dass er nicht so einfach den Tod als Ausweg aus seiner missliche Lage wählen kann. Er versucht, die Sache mit Julia auf die Reihe zu bekommen, doch im falschen Moment plagen ihn durch zu große Emotionalität immer Magenschmerzen (!), die ihn zu einem ziemlich behaarten Wüstling mit ordentlich Mordlust mutieren lassen. Da hilft auch kein Rennie mehr. Dafür aber ein alter, blinder Ex-Gangster, der ihm bei seiner Flucht vor dem wütenden Mob, nachdem er einen armen, alten Kerl um die Ecke gebracht hat, Unterschlupf gewährt. Das Drama nimmt somit seinen Lauf.

Beast of the Yellow Night ist eine weitere Unglaublichkeit aus dem filmischen Fundus von Eddie Romero, dem Meister von schrägem US/Philippino-Horrorschlock. Am bekanntesten ist er für seine so genannte Blood Island-Trilogie, welche aus den Filmen Brides of Blood (1968), Mad Doctor of Blood Island (1968) und Beast of Blood (1971) besteht und von denen es (leider) nur letzterer nach Deutschland geschafft und den knuffeligen Titel Drakapa, das Monster mit der Krallenhand verpasst bekommen hat. Zwischen Brides of Blood und Drakapa fand Romero die Zeit, mit seinem Haus und Hof-Darsteller John Ashley noch mal fix das Beast of the Yellow Night abzuliefern. Die beide Kumpels haben das Ding auch zu gleichen Teilen produziert und liefern hier eine wilde Mixtur aus Monsterhorror mit Werwolf-Bezügen, seichtem Ehedrama und der bekannten Story um Mephisto und Co. Was sich zuerst so liest, als könnte dies gar nicht so richtig passen, bekommt Romero dennoch recht ordentlich auf die Reihe. Wobei der Maestro hier allerdings anders als in seiner Trilogie etwas mit angezogener Handbremse arbeitet.

Es kann aber auch sein, dass er da schon längst seine besten Ideen in seiner Trilogie verarbeitet hat und nun kaum noch tolle Einfälle für diesen kleinen Heuler fand. Diese gewisse Ernsthaftigkeit, die man Beast of the Yellow Night durch die Krise zwischen Roger und Julia geschenkt hat, macht den Film leider etwas bräsig. Man wollte wohl weg von offensichtlichen Schauwerten wie Monsteraction, die hier recht wenig vorhanden ist und eher seine Version von innerer Zerrissenheit des Protagonisten zeigen. Roger kämpft mit seiner schweren Bürde, die ihm der Deal mit dem Teufel eingehandelt hat. Romero packt die doppelte Tragikkeule aus, da ja nicht nur der mephistophelische Pakt an den Nerven von Roger zehrt sondern auch noch sein kleines Magenproblem mit den äußerst unschönen und haarigen Nebenwirkungen. Das hat man eben davon, wenn man dem Satan auch schön verspricht, alles zu tun, was dieser von einem verlangt. Nicht, dass gewisse Ernsthaftigkeit im Horrorfilm eine schlechte Sache ist. Mitnichten. Sowas ist gerne gesehen, wenn es denn mit Können umgesetzt ist. Ansatzweise ist das auch bei Romero vorhanden.

Dessen Filme sind meistens recht ordentlich geraten, doch bei Beast of Yellow Night krankt die Story einfach an Hauptdarsteller John Ashley. Bei dem fuhr das Schauspieltalent ohne ihm vorher bescheid zu geben wohl einfach mal in den Urlaub und so zieht dieser mit versteinerter Mine in seinen unhaarigen Momenten durch die Sets und blubbert monoton über seine Probleme mit dem Frauchen und seinen Pakt. Ashley, der wohl gewiss auch ein wenig Frauenschwarm war, gibt sich für diese Rolle einfach zu cool was nicht so richtig passen mag. Dessen monotone Darbietungskunst zieht sämtliche Szenen zwischen ihm und Julia runter. Und das, obwohl seine Kollegin Mary Wilcox ihre Sache doch recht gut hinbekommt. Schnell wird die Langeweile zum Sitznachbaren im Heimkino und die wenigen interessanten Szenen mit dem behaarten John Ashley, können dieses Defizit nicht wirklich ausgleichen. Die Tragik des Stoffs des im Pakt mit dem Teufel feststeckenden und als Monster durch die Nacht schleichende Menschen ist wohl einfach etwas zuviel für Ashley gewesen. Lustig, dass dessen Minenspiel als Monster sogar besser geraten ist.

Beim Monster präsentiert uns Romero dann eine Mischung aus Grinch und dem Animal aus der Muppetshow, dass zum Leidwesen des Zuschauers und des Spaßfaktors des Films für viel zu wenig Action sorgt. Die Schockwirkung hält sich natürlich in Grenzen, dafür ist das ganze dann doch wieder zu unbedarft. Zudem bekommt sicherlich niemand sowas wie Angst vor einer Bestie, die sich wegen Magenschmerzen die meiste Zeit über die Plautze hält. Wenn dann doch mal die Mordlust überwiegt, zieht Romero ordentlich vom Leder und präsentiert einen aufgeschlitzen Bauch oder auch eine recht große Kopfwunde. Hier kommt der Film dann ein wenig aus den Puschen, aber sein betuliches Tempo wird er die ganze Zeit über nicht so recht los, was ihn einfach nur ausbremst. Ordentliche Monster on the loose-Action, wie sie zum Beispiel in Mad Doctor of Blood Island geboten wird, wäre auch hier besser gewesen, bieten diese Szenen doch meist die besten oder wenigstens unterhaltsamsten Momente des gesamten Films. Die einschläfernde Wirkung der Story schafft es ja sogar die unfreiwillige Komik, die immer zusammen mit dem Monster erscheint, nicht wirklich punkten zu lassen.

Meistens hängt Ashley in seiner Monsterkluft bei dem blinden Gangster rum und wartet ab, bis er wieder ein Mensch ist um anschließend mit diesem über sein Schicksal zu plaudern. Beast of the Yellow Night ist eine Spur zu redselig ausgefallen, was sich durch den später übrigens als Erzähler in der Originalfassung der TV-Serie Das A-Team bekannt gewordenen Ashley und dessen Unvermögen stark bemerkbar macht. Das senkt das Vergnügen, welches der Film doch so hier und da entstehen laßt, um so einiges. Mehr als knapp überdurchschnittliche Philippino-Trash-Kost ist hier dann nicht drin. Auch der etwas, durch das plötzlich in Aktion erscheinende Militär, flottere Schlussteil kann das nicht mehr auffangen. Hier kommen dann Geballer, Flammenwerfer und die ein oder andere Prügelei zwischen Soldaten und der im Titel genannten Bestie vor. Beast of the Yellow Night ist rege bemüht, aus sehr unterschiedlichen Versatzstücken ein gutes Gesamtpaket zu basteln, scheitert dabei allerdings auf leidlich amüsante Art und Weise. Das es Romero weitaus besser im Sinne von trashiger und unterhaltsamer kann, beweist er ja in anderen Werken wie eben dem Mad Doctor oder auch Drakapa. Das nächste Mal dann bitte wiedet etwas mehr Action, Herr Romero.

Sonntag, 29. Mai 2011

Die Rückkehr der lebenden Toten

Untotes aus dem Lande der Nouvelle Vague? Ja, tatsächlich. Ein wenig zu spät, genauer gesagt im Jahre 1987, präsentierte man diese recht kleine Produktion als Beitrag zur damals schon abebbenden Zombiewelle. Der Bedarf an Stoff mit lebenden Toten schien bei den Fans ja eigentlich gedeckt zu sein, doch unter der Federführung von Regisseur Pierre B. Reinhard, der hier unter dem Pseudonym Peter B. Harsone firmiert, wollte man auch noch schnell einen Beitrag aus Frankreich dem Subgenre schenken. Mittlerweile gibt es mit La Horde (2009) einen zweiten Zombiefilm zu vermelden. Hier fällt auch mal wieder auf, dass phantastischer Stoff - die letzten Jahre ausgeklammert - aus Frankreich ohnehin Mangelware war, klammert man einige Co-Produktionen mit Italien oder Spanien aus und konzentriert sich auf reine französische Filme. Subtrahiert man dann auch noch die Werke des leider verblichenen Spezis für erotischen Vampirstoff, Jean Rollin, bleibt wenig übrig. Schade, hat man doch mit Augen ohne Gesicht (1960) einen frühen Klassiker abgeliefert.

Vom Klassikerstatus ist Die Rückkehr der lebenden Toten allerdings weit entfernt. Der Film ist ein ziemlicher Schnellschnuss, dessen Geschichte recht bescheiden ausfällt. Durch den Genuss von vergifteter Milch rafft es innerhalb kürzester Zeit drei junge Frauen dahin, welche allesamt in der örtlichen Chemiefabrik angestellt waren. Der Direktor von dieser sieht sich einer Erpressung, initiiert von seiner Sekretärin, gegenüber. Diese hat nämlich spitz gekriegt, dass des Nachts ein weniger Geselle die Abfälle der Fabrik Nahe des Friedhofs ins Erdreich schüttet und so entsorgt. Diese Art der Müllbeseitigung lässt die dahingeschiedenen Damen recht schlecht gelaunt als lebende Tote aus ihren Gräbern steigern. Ihren Unmut lassen sie dann auch zugleich an einigen Menschen aus der Umgebung, meistens Angestellte der Fabrik, aus. Damit wäre dann auch schon alles über die Handlung des Films gesagt. Man merkt eigentlich zu jeder Zeit, dass das Buch eilig hingeschludert wurde und es nur so vor Logikbrüchen strotzt und als Mittel zum Zweck dient, äußerst viele Nacktszenen und hier und da auch mal etwas Gore zu präsentieren.

Hauptfokus liegt aber auf den Nuditäten. Man merkt auf ganzer Linie, dass Regisseur Reinhard im Sexfilm beheimatet war, wobei einige seiner Werke den Beischlaf auch äußerst authentisch und detailliert zeigen. Kaum sind fünf Minuten vergangen, präsentiert er auch hier die erste Fummelei. Und während ein Brummifahrer in einem alten Gemäuer am Wegesrand sich um die von ihm aufgegabelte Anhalterin und ihren verstauchten Knöchel kümmert, in dem er Akkupressur am Oberschenkel (!) anwendet aber natürlich auf was ganz anderes aus ist, wird seine Ladung mit einer fies gefärbten Flüssigkeit von einem schwarz gewandeten Motorradfahrer angereichert. Dies ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie holprig und vor allem unlogisch das Script ausgefallen ist. Wieso nun die Milch vergiftet wurde, erfährt man im ganzen Film nicht. Zudem hat das Molkereiprodukt auch rein gar nichts mit der ortsansässigen Fabrik zu tun und somit schädigt diese Vergiftungsaktion dem Direktor und seiner Firma in keinster Weise. Aber es gibt natürlich einen guten Aufhänger für die Todesfälle der jungen Damen, damit man dann auch die im Titel vorkommenden Zombies ins Spiel bringen kann.

Man möchte hier nun nicht dem Twist des Films am Ende vorweggreifen, doch es sei soviel gesagt, dass die zurückkehrenden, lebenden Toten nicht wirklich so Untot sind, wie sie es scheinen. Man verzichtet auch gleich komplett auf die vorherrschenden Regeln, wie sich nun Zombies in Horrorfilmen zu verhalten haben. Sie schwanken zwar schon die meiste Zeit durch die Sets, aber eine der drei untoten Ladies fällt auch schon mal durch filigrane Trippelschritte auf. Außerdem hat man es hier mit den ersten wirklich höflichen Zombies der Filmgeschichte zu tun. Anstatt wie ihre Kollegen wortwörtlich mit der Tür ins Haus zu fallen, wird hier brav geklingelt und gewartet, bis man um Eintritt gebeten wird! Solche und ähnliche vergnügliche Szenen bietet der Film zuhauf, zudem sollte dem Betrachter des Films die Funktion seines Denkapparats auf ein Minimum herunterschrauben. Selbst mit halber Kraft in der Birne fallen einem hier die Logiklöcher auf und bescheren ein ums andere Mal höchst belustigende Szenen.

Die Rückkehr der lebenden Toten ist ja eigentlich ein großer Stinker und Rohrkrepierer, gerade wenn es darum geht, ihn ganz nüchtern als Horrorstreifen zu betrachten. Hier gelingt ihm wirklich gar nichts und die nächtlichen Szenen auf dem Friedhof können zwar bedingt etwas Atmosphäre schaffen, aber diese verpufft genauso schnell wie sie aufgekommen ist. Der uninspiriert runtergekurbelte Flick könnte wohl selbst mit etwas größerer Sorgfalt in der Inszenierung seiner "Gruselszenen" keinen Preis mehr gewinnen. Bedrohlich wirken die Zombies hier wirklich nie und selbst Freunde von blutigem Gemetzel, meistens ja ein Garant wenn es um Untote geht, werden hier enttäuscht. Effekte sind vorhanden, allerdings auch sehr dürftig und offensichtlich kostengünstig umgesetzt. Mit der Auflösung am Schluss erscheinen diese sogar noch mehr an den Haaren herbeigezogen als ohnehin schon und so einigen Szenen merkt man ihre Selbstzweckhaftigkeit zu jeder Zeit an.

Das Erstaunliche an Reinhards Film ist, dass die unpassende Mixtur aus Zombiehorror und Sexploitation-Thriller, gerade durch ihre Defizite und dem daraus entstehenden Trashfaktor einen gewissen Spaß bereiten kann. Hätte man die ganzen Horrorelemente aus der Geschichte gelassen, so hätte man einen zwar immer noch sehr billigen und äußerst üblen Film gehabt, der aber dennoch bzw. gerade deswegen sehr belustigend gewirkt hätte. Schon in seiner jetzigen Form ist Die Rückkehr der lebenden Toten eine sehr schmierige Angelegenheit, ein Stückwerk aus (viel) Sex und (etwas) Gewalt die so mancher Eurocine-Produktion in nichts nachsteht und durch ihre naive Machart punkten kann. Trotz der knackigen Laufzeit, welche knapp unter 80 Minuten liegt, kommt zwar hier und da ein wenig Leerlauf auf, aber weniger ist hier wirklich mehr. Wäre der Film länger ausgefallen, wäre der Gesamteindruck noch um einiges schlechter ausgefallen.

Interessant ist zudem der Fakt, dass einige der bekannteren Horrorproduktionen aus Frankreich aus dieser Zeit umwelttechnische Themen aufweisen können. Egal ob Rollins Foltermühle der geschändeten Frauen (1977) und Lady Dracula (1982) oder eben Reinhards Halb-Zombiehatz: die vom Menschen geschaffene Gifte und deren Wirkung auf die Natur und deren Bewohner scheint ein großes Thema zu sein. Auch wenn es in vorliegendem Werk auch nur als Aufhänger für ordentlich Möpse, Hintern und schlechte Effekte dient. Man hat wohl ganz unwissentlich in Frankreich so etwas wie "grünen Horror" mit mal mehr, mal weniger vorhandener Message hinter der Story geschaffen. Zu eben diesen Zeiten ist ja auch die europaweite Bewegung der Grünen in den politischen Mainstream langsam aber sicher eingeflossen. Nun sollte man bei Reinhards Machwerk aber sicher keinen Hintersinn suchen. Wo nichts ist, kann eben nichts sein oder so ähnlich. Wenn man nun vor trashigen Schoten mit der Extraportion Unzulänglichkeiten keine Angst hat, so kann man hier gerne in einen nüchtern betrachtet äußerst knüllenen, aber gerade deswegen so launisch unterhaltenden Trashklopper betrachten.

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Montag, 16. Mai 2011

Django und Sartana, die tödlichen zwei

Bei manchen Freunden von italienischem Westernstoff fangen die Äuglein ein wenig zu leuchten an, wenn sie die Namen Django und Sartana vernehmen. Sowas verspricht meistens gute bis handwerklich ordentliche Unterhaltung. Doppelt so toll muss dann ja eigentlich ein Film sein, wenn die beiden Revolverhelden in einem Film auftauchen, wie in Sergio Garrones Django und Sartana, die tödlichen zwei wo sie zudem auch noch gemeinsame Sache machen. Grund hierfür ist eine stattliche Summe an Kopfgeld die auf Leute einer Schleuserbande ausgesetzt ist, welche billige Arbeiter von Mexiko in die USA überführen. Normalerweise arbeiten die beiden Kopfgeldjäger jeweils für sich, doch bei insgesamt 20.000 Dollar und einer ordentlichen Anzahl an Leutchen, die dafür über die Klippe springen müssen, macht man gemeinsame Sache um letztendlich die hohe Summe untereinander aufzuteilen. Dem Staat sind die Machenschaften im Grenzgebiet eh ein Dorn im Auge, doch man kann nur bedingt etwas dagegen unternehmen. Aber einfach ist die Sache für Sartana und seinen neuen Kollegen Django nicht. Der skrupellose Fargo, einer der Hintermänner der illegalen Arbeiterbeschaffung, sieht sich sogar dazu gezwungen, den beiden jeweils pro Kopf 20.000 Dollar zu zahlen, damit diese ihm nicht mehr ins Handwerk pfuschen. Soviel Geld zu zahlen um weiter ganz ruhig Menschen schmuggeln zu können, zahlt sich aber nicht aus für Fargo. Zumal auch einer der beiden Helden des Films ein falsches Spiel spielt.

So ein falsches Spiel hat ja auch der damalige deutsche Verleih mit dem Zuschauer gespielt. Im Original ist nämlich weit und breit weder etwas von Django, noch von Sartana zu sehen! Ersterer heißt eigentlich Johnny Brandon, der zweite Everett Murdock. Nun gut, das ist man ja als deutscher Freund des italienischen Westerns gewohnt, dass hier und da schon mal ein Django in die Handlung geschmuggelt wurde, wo eigentlich nie einer war. Hier hat man nun eben zwei bekannte Figuren in einen Streifen gepackt, wobei die Umbenennung der Figuren nicht gänzlich unglücklich geraten ist. Einer der beiden Hauptdarsteller, Anthony Steffen, wurde ja schon öfters in solchen Streifen gesichtet, wo viel Django draufsteht aber nicht wirklich viel drin ist. Auch hier gibt er wieder einen vom Wetter gegerbten Kerl, der sich viel Worte spart und dafür lieber Taten sprechen lässt. Ihm zur Seite steht der gebürtige Österreicher William Berger, welcher mit seiner schwarzen Kutte und dem großen Hut schon ziemlich an den Gentleman-like gekleideten Sartana erinnert. Auch er hat einen gewissen Hang zur Wortkargheit und gibt sich äußerst Bibelfest, ist das Buch der Bücher doch seine bevorzugte Lektüre, wenn er nicht gerade irgendwelche halbseidenen Revolverhelden um die Ecke bringt, um für sie ein ordentliches Sümmchen zu kassieren. Immer mit dabei hat er dabei ein siebenläufiges Gewehr, mit dem er für ordentlich Zunder im Laubwald sorgt.

Entgegen der meisten anderen Italowestern, hat man hier als Schauplätze keine großen Wüsten- und Felslandschaften zu bieten. Meister Garrone hat seinen Film etwas günstiger realisiert und läßt so die Haupt- und Nebenfiguren in Laubwäldern agieren. Es erscheint zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, doch das sich somit einstellende herbstliche Ambiente gibt dem Film eine ganz eigene Atmosphäre. Wobei man ja nicht nur durch den heimischen Forst stolpert, sondern auch diverse Behausungen als Locations nimmt. Aber wenn vom Drehbuch dochmal nach etwas Wüste verlangt wird, ist diese hier ebenfalls etwas preiswerter ausgefallen als woanders. Billigfilmer Demofilo Fidani scheint man nämlich mal ganz fix aus dessen bevorzugter Sandgrube gescheucht haben und für die Dreharbeiten des Films dort niedergelassen zu haben. Nun mag dies nicht wirklich für authentisches Westernfeeling sorgen, aber richtig schlimm ist dies nicht wirklich für den Film. Es verleiht ihm eher sogar noch einen ganz eigenen Charme. Zumal man die Gegend sofort vergisst, wenn einer der beiden Protagonisten in Erscheinung tritt. Man kann sagen, dass Steffen und Berger, ohnehin zwei Westernveteranen, hier das Ding recht locker über die Ziellinie schaukeln. Steffen wirkt sogar etwas zu routiniert und motivationslos. Auch wenn sein mimisches Können recht limitiert ist, so wirkt sein Spiel in anderen Genreproduktionen doch ein wenig frischer. Glücklicherweise ist da Berger schon etwas besser drauf und seine Auftritte sind auch immer ein wenig die Highlights des Films.

Ansonsten halten sich diese nämlich weitgehend in Grenzen. Garrone, dessen Bruder Riccardo übrigens vor der Kamera als fieser Fargo agiert und dies recht gut hinbekommt, macht zwar keine Gefangenen, wird aber alsbald von der dünnhäutigen Geschichte in die Ecke getrieben. Der deutsche Untertitel ist Programm, denn fast immer, wenn Berger und Steffen im Geschehen mitmischen, werfen sich immer einige Statisten auf den Boden um dessen Opfer zu mimen. Tödlich sind die zwei wirklich, der Bleigehalt ist groß und die Story dementsprechend actionlastig. Dies ist ein Nachteil für die Story an sich, denn ein großer Leichenberg, der von vielem und ausgiebigen Geballer kommt, macht noch keinen guten Italowestern aus. Es wummst und bumst am laufenden Band und das Schema das irgendwo einige der Schleuserbande auftauchen, um Kanonenfutter für Django und Sartana zu bieten, so dass Fargo auch wieder eins ausgewischt wird, ist schnell abgehakt und fängt an, dem Werk die ein oder andere Länge zu geben. Wett machen kann Garrone bzw. das Buch dies kaum, da man bekannte Elemente des Italowesterns zwar ordentlich aneinanderreiht, aber dies ganze eben auch ohne große Innovation macht. Selbst wenn man beginnt, Andeutungen zu machen, dass einer der beiden Kopfgeldjäger wohl etwas im Schilde führt, ist dies nur bedingt ein herumreißen in Richtung spannendere Handlung. Die Nebenstory, in der Nicoletta Machiavelli von Fargo den Hof gemacht bekommt, diese aber alles andere als interessiert ist, mag ebenfalls nicht so recht zünden.

Flotter, actionreicher Einstieg schön und gut. So richtig mag dieses Konzept aber nicht eine Spielfilmlänge funktionieren. Zwar sind ja gerade die Protagonisten im Italowestern Figuren, ohne welche Vergangenheit und Hintergründe, aber hier ist dies schon ein kleines Ärgernis. Eine richtige Bezugsperson hat der Zuschauer nicht wirklich und irgendwann fängt die dünne Handlung an, vor sich hinzuplätschern und einige Szenen auch noch unnötig in die Länge zu ziehen. Schade um den Film, der mit etwas Abwechslung weitaus besser funktionieren würde. Dafür bietet Franco Villa zusammen mit seinem Kollegen Aristide Massaccesi, der dann als Joe D'Amato bekannt wurde, einige schöne Kameraeinstellungen, die den Film, der auch sonst was den technischen Standpunkt anbelangt, recht ordentlich realisiert wurde, ein wenig aufwerten. Gegen Ende hin bekommt man dann noch etwas die Kurve, schlingert aber weiterhin, was man auch am Finale merkt, welches recht unspektakulär und einfallslos über die Bühne geht. Bei solchen großen Namen, die hier vor der Kamera wirken, hätte man sich was ordentlicheres vorgestellt. So ist Django und Sartana, die tödlichen zwei ein ziemlich durchschnittlicher Italowestern bei dem vorzugsweise geballert wird, was die Revolvertrommel hergibt. Für einen wirklich guten Film ist das doch weitaus zu wenig und auch die wenigen Pluspunkte können hier nicht mehr viel retten.


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Sonntag, 8. Mai 2011

Die Nacht der rollenden Köpfe

Zusammen mit ihren Eltern wartet Katja auf einer Aussichtsplattform irgendwo in Rom auf ihren Freund Alberto, der schon ziemlich auf sich warten lässt. Wie gut, dass man mit den dortigen Münzferngläsern in dessen Wohnung schauen und so kontrollieren kann, ob er sich schon auf den Weg gemacht hat oder noch daheim rumlungert. Allerdings wird sie so Zeuge eines kaltblütigen Mordes an einer Frau. Den kurz darauf fliehenden Mörder kann sie allerdings nicht recht erkennen und verliert ihn durch die abgelaufene Zeit des Fernglases diesen auch schnell aus den Augen. Entgegen der bitte ihres Verlobten hält sie sich allerdings nicht aus der Sache raus und meldet ihre Beobachtung der Polizei. Bei dem Opfer handelte es sich laut der Presse um eine bekannte Ballett-Tänzerin. Zudem druckt die Zeitung auch noch ein Nahe des Tatorts gemachtes Foto ab, welches wohl den Mörder bei der Flucht und wie er mit einem Maroni-Verkäufer dabei zusammenstößt, zeigt. Einige Zeit später wird eben jener Verkäufer, der dabei wohl das Gesicht des Täters erkannt hat, ermordet aufgefunden. Während Alberto durch einige widersprüchliche Aussagen selbst bald ins Visier der Polizei gerät, wird bald eine weitere Tänzerin tot aufgefunden und die Jagd nach dem unheimlichen Mörder geht weiter. Dabei geraten Katja als auch ihr Verlobter immer mehr in Gefahr.

Mit einer ähnlichen Situation, wie sie schon James Stewart in Alfred Hitchcocks Das Fenster zum Hof (1954) erlebt, stürzt Maurizio Pradeux seinen hier weiblichen Protagonisten in eine für das Anfang der 70er langsam auflebende Giallogenre recht konventionell umgesetzte Geschichte. Konventionell in dem Sinne, das hier nach einem recht geradlinig aufgebauten Script aufgebaut wird, dass noch eher dem am Kriminalfilm angehauchten Giallo der 60er angelegt ist als an den mehr in die Thrillerrichtung tendierenden Produktionen der 70er Jahre. So toll auch der vom deutschen Verleih ausgewählte Titel ist, mit rollenden Köpfen sollte man hier nicht wirklich rechnen. Auch wenn der erste der insgesamt zwei Gialli des 1931 in der italienischen Hauptstadt geborenen Regisseurs einige - für die damalige Zeit - graphisch schon recht herb umgesetzte Morde zu bieten hat, so bietet der Film an und für sich eher solide Hausmannskost.

Man hält sich hier dabei nicht mal mit ellenlangem Vorgeplänkel auf: kurz nachdem die Titel am Zuschauer vorübergezogen sind, wirft Katja auch schon die Münze in das Fernglas und wenige Momente später wird auch schon der Mord an der Tänzerin bemerkt. Die insgesamt vier Drehbuchautoren drücken also schön aufs Gas, drosseln dann allerdings wenig später doch ein klein wenig das Tempo. Nicht wirklich die beste Idee, kommt Die Nacht der rollenden Köpfe so nicht mehr wirklich schwungvoll in Gang. Glücklicherweise ist der Erzählstil hier nicht gänzlich schwerfällig, auch wenn dies für spannungsvollere Szenen ein gewisser Nachteil ist. Pradeux zeigt schon Geschick dabei, diese wirkungsvoll umzusetzen, nur in der Gesamtheit wird die Geschichte durch die Drosselung des Erzähltempos einfach ausgebremst.

Dabei kann Die Nacht der rollenden Köpfe mit allen Ingredienzien des klassischen Giallokinos aufwarten. Alleine schon der Mörder ist mit schwarzer Kleidung, großen Hut und den obligatorischen schwarzen Handschuhen ausgestattet. Meistens haucht er seinen Opfern mit einem großen Rasiermesser das Leben aus. Hierbei hält man sich gar nicht sehr zurück. Die Morde sind für die damalige Zeit sehr detailfreudig und äußerst blutig umgesetzt. Hier spricht der Film eindeutig die Sprache der 70er Jahre, als in das Genre immer mehr nackte Leiber und auch so mancher deftiger Mord einzogen. Die angesprochenen nackten Leiber kommen hier ebenfalls nicht zu kurz. Susan Scott, eigentlich Nieves Navarro und Frau des Regisseurs Luciano Ercoli, wird hier - wie schon in den Filmen ihres Mannes - mit ihren wohligen Rundungen ins rechte Licht gerückt. Die herbe und so nicht uninteressante Schönheit wird hier etwas von ihrem Partner Robert Hoffmann an den Rand gedrängt. Schnell legt man den Fokus der Handlung auf diesen und macht ihn dabei sogar zu einem der Verdächtigen. Hoffmann macht seine Sache ordentlich, aber das letzte Quentchen fehlt doch, um ihn zu einem überzeugenden Protagonisten zu machen. Er spielt ein wenig zu unterkühlt und Frau Scott kommt einfach etwas lockerer rüber.

Die Nacht der rollenden Köpfe verpasst es außerdem, hier liegt auch das größte Manko, einfach das Whodunit-Element, die beinahe immer wichtigste Zutat eines Giallo, richtig umzusetzen. Auch wenn die Identität des Mörders bis zum Ende recht gut gehütet ist, so begeht man den Fehler, keinen wirklichen Verdächtigen zu präsentieren oder hier mehrere Personen zur Auswahl zu stellen. Der Killer bleibt ein Phantom, dass immer dann auftaucht, wenn ein Zeuge der ersten Tat beginnt, unbequem zu werden. Eine große Bedrohung bleibt er jedoch nicht und die in der Geschichte vorkommenden Figuren werden alle eher grob umrissen und bleiben so, eigentlich bis auf das Hauptpaar Katja und Alberto, sehr blasse Charaktere. Niemand scheint wirklich einen wahren Grund für die Morde zu haben. Die Hinweise auf die Identität werden Häppchenweise serviert, was nicht wirklich schlecht ist, doch für das sehr einfache Konstrukt der Geschichte ist dies ebenfalls nicht förderlich. Man tritt etwas auf der Stelle, was die Spannung im gleichen Sinne trübt.

Dies ist nunmal ein Ärgernis, welches den Gesamteindruck des Films schmälert. Rein technisch präsentiert Pradeux sein Werk ordentlich, dabei verleiht er ihm einen leicht schmutzigen Touch, welcher sich wiederum positiv auf die Atmosphäre auswirkt. Die eventuell sogar etwas angestaubte Krimicharakteristik des Films wird so hier und da durch eine gesunde Portion Sleaze aufgelockert und zeigt, zu was Pradeux' Kollegen noch in den nächsten Jahren fähig sein sollten. Dies gibt der Nacht der rollenden Köpfe einen ganz eigenen Stil, der wirklich zu gefallen weiß. Aber mehr als ordentliches und sauber routiniert getrickstes Entertainment ist hier leider wirklich nicht drin, auch wenn man sieht, dass Pradeux die Charekteristika des Genres kennt und auch mit ihnen umzugehen weiß. Mit den wilden Kameraschwenks im Finale begeht er sogar eigene Wege, die zwar noch etwas unsicher wirken, dem Film aber auch gut zu Gesicht stehen. Da dies aber am Ende der ganzen Geschichte geschieht, kann man einfach sagen, dass dies einfach zu spät ist. Es ist ein für die damalige Zeit eben typischer Giallo, der aber - man kann es nicht anders sagen - doch eine Spur zu typisch ist. Auch altbekanntes kann natürlich gute Unterhaltung bieten und Die Nacht der rollenden Köpfe ist gerade durch seinen leicht raueren Stil durchaus einen Blick wert, stolpert dann aber doch über die Treppenstufe zur Königsklasse und bleibt so im Überdurchschnitt stecken.


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Mittwoch, 4. Mai 2011

Nachts kommt Charlie

Kleine, verschlafene Nester sind im amerikanischen Horrorfilm prädestiniert, vom Schrecken heimgesucht zu werden. So auch in dieser kleinen Low Budget-Produktion, in der des Nächtens in der Kleinstadt Pakoe ein maskierter Killer sein unwesen treibt und mit scharfem Werkzeug seinen Opfern die Rübe vom Hals säbelt. Dies versetzt die Bürger in Angst und Schrecken und vor allem die Eltern junger Teenager, die bevorzugte Zielgruppe des Killers, sind in heller Aufruhr. So auch der örtliche Gerichtsmediziner, welcher sich sehr um das Wohl seiner Tochter Tanya sorgt, als diese eines Abends zu einer Party möchte. Während der Suche nach dem Mörder fällt der Verdacht bald auf den entstellten Gärtner Charlie Puckett. Dieser wird vom ermittelnden Sheriff Carl auch schnell gestellt und verhaftet, doch so einfach ist der Fall dann doch nicht, wie der Polizist bald feststellen muss.

Wobei man als Zuschauer aber auch alsbald feststellen muss, dass titelgebender Charlie allerdings die Spannung und den Grusel bei sich in der Scheune gelassen hat, wenn er zu nachtschlafener Zeit durch die Straßen der Kleinstadt latscht. Nichts gegen Low Budget-Streifen, selbst in dieser Sektion gibt es wirklich durchaus gut gemachte Filme, doch Nachts kommt Charlie sieht man schon sehr schnell an, dass man ihn eiligst und das auch recht lieblos runtergekurbelt hat, um mal schnell die pralle Geldkuh zu melken. Man darf allerdings bezweifeln, dass hier wirklich genug Moneten eingenommen wurden. So ein Slasher bietet sich ja auch an, kostengünstigen Horror zu fabrizieren, ja selbst die großen Vorbilder wie etwa Carpenters Halloween haben ja nicht die Welt gekostet und wurden ein riesiger Erfolg. Doch im Falle von Tom Logans Film ist Hopfen und Malz verloren.

Nicht mal unfreiwillige Komik ist hier ausreichend vorhanden, um wenigstens etwas zu belustigen. Trashappeal ist vorhanden, aber an die psychotronischen und ungemein erheiternden Werke eines Al Adamson oder auch Ted V. Mikels reicht dieses Werk keineswegs heran. Deren Streifen hatten wenigstens noch irgendwie Charme und Flair, bei Nachts kommt Charlie packt einem vor so viel Drögheit das kalte Grausen. Die recht billige Videooptik setzt den Film auf ein ziemlich niedriges Level und man darf die meiste Zeit dabei zuschauen, wie entweder der Killer einigen tumben Teens nachjagt und diese um die Ecke bringt oder der werte Sheriff der Stadt versucht, dem Mörder auf die Spur zu kommen. Dabei reiht man dann bekannte Versatzstücke des Genres nach Schema F aneinander, zitiert ganz lose sogar mal die Vorbilder wie eben Halloween oder sogar mal Hitchcocks Psycho und fabriziert dabei eine ganz neue Form der Langeweile, die man so noch nicht erlebt hat.

Wenn es mit dem Suspense nicht wirklich klappt, hätte man ja bei einem Slasherfilm wenigstens noch die Hoffnung, dass er mit einigen netten Effekten aufwarten kann. Auch in dieser Kategorie herrscht Fehlanzeige. Einige Morde geschehen Offscreen und wenn man dann dem guten Charlie doch mal beim Meucheln zuschauen darf, so passiert das dann doch relativ blutarm. Überraschend ist aber, dass man sich trotz dieser vielen negativen Punkte, mit denen dieser Horrorschmarrn punktet, dem ganzen nicht verwehren kann. Hier kann man dann gerne den alten Spruch bemühen, dass dieses Werk wie ein schlimmer Unfall ist. Auch wenn man eigentlich gar nicht möchte, so muss man doch hinsehen. So viel Einfallslosigkeit, kompakt in 76 Minuten untergebracht, hat man wirklich noch nicht erlebt. Wenn dann dem Buchautoren doch mal eine tolle Idee in die Birne geschossen ist, dann ist diese so wahnwitzig, dass die Twists den Film auch nicht mehr am Leben halten können. Mit Logik und plausiblen Erklärungen nach der Intention des Mörders ist es ja in solchen Filmen eh nicht weit her, aber Nachts kommt Charlie kann mit einer besonders schrägen glänzen. Man hätte lieber nach einem besseren Autoren suchen sollen. Nachts kommt Charlie bleibt so das einzigste Drehbuch von Bruce Carson, der eigentlich Stunt Coordinator ist und in diesem Beruf unter anderem auch am Set von Wes Cravens A Nightmare on Elm Street gearbeitet hat.

Beim Killer selbst, meist im Slashergenre sowieso der eigentliche Star des Films, hat man sich dann ganz grob an Jason aus dem zweiten Teil der Freitag der 13.-Reihe orientiert. Mit Sack über dem Ömme und, wohl um etwas Akzente zu setzen, Taucherbrille sowie einfachen Hillbilly-Klamotten am Leib darf der gute Charlie den Darstellern an den Leib. So richtig bösartig oder sogar bedrohlich kommt der Gute aber beim besten Willen nicht rüber. Das einzigste, was hier wirklich Schrecken verbreitet, sind die Klamotten und die Frisuren der übrigen Schauspielerriege. Diese fangen den grausigen Zeitgeist, der zu Beginn der 90er Jahre herrschte, wirklich hervorragend ein. Alles andere als hervorragend sind dabei allerdings die Leistungen der Mimen. Man gleicht sich dem bescheidenen Gesamteindruck des Films an und liefert entweder übertrieben schlechte oder gar keine Bemühungen ab, sich schauspielerisch hervorzutun. Wen man übrigens doch mal einen Blick auf Nachts kommt Charlie werfen möchte, so solle man bitteschön doch lieber die englische Originalfassung schauen. Die deutsche Synchronisation ist sowas von lieblos und schlecht dahingerotzt, dass es den Film noch um einiges schlechter erscheinen lässt, als er ohnehin schon ist. Wer hier auf seine Kosten kommen möchte, der muss schon wirklich stahlharte Nerven haben und trasherprobt sein und hat selbst dann außerordentlich große Probleme damit, sich wirklich bei so einem Billigststück Horrorfilm zu amüsieren.


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