Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Mittwoch, 14. April 2021

Die wilde Meute

The world is yours. Was sich Toni Montana in Brian de Palmas Scarface auf einer güldenen Statue prangend in sein Büro stellte, scheint dem Kleinkriminellen Pierro, von seinen Kumpanen meist Pete genannt, vor dessem geistigen Auge zu schweben, wenn er in seine Zukunft blickt. Er fühlt sich zu größerem berufen, als nur von den kleinen krummen Dingern zu leben, die er dreht. Hier ein Bruch, dort ein Überfall; es bringt dem jungen Vater nicht viel an Moneten ein. Ein Umstand, den seine Freundin - eine Prostituierte - ihm ständig an den Kopf wirft. Scheren tut ihn dies nicht viel; lieber lebt er weiter ein Leben zwischen lockerer Ziellosigkeit und gewaltsamen Ausbrüchen, die er mit seiner Bande auslebt. Als sein Hehlerboss ihm einen größeren Auftrag zuträgt, tappt er ahnungslos in eine Falle des Kommissaren Cotrone, der schon seit geraumer Zeit den Jungkriminellen auf den Fersen ist. 

Was Pierro und Cotrone vereint, ist ihre gemeinsame Verachtung gegen das bestehende System. Während der Gossenjunge seiner Ansicht nach den Kampf auf den rauen Straßen Roms Tag für Tag aufs neue führt, resigniert Cotrone gegenüber einer Gesetzgebung, die ihn bei der Ausübung seines Berufs einengt und Steine in den Weg legt. Ein aufrichtiger Hüter des Gesetzes, der mit Leidenschaft gegen vorherrschende kleine wie große Ungerechtigkeiten vorgeht, ist der in die Jahre gekommene Kommissar schon lange nicht mehr. Gleichgültig nimmt er in Kauf, dass durch seine Methoden auf Seiten der Kriminellen weitere Tote entstehen könnten. Zynisch kommentiert er dies mit der Betrachtung, dass damit gleich etwas mehr vom Schmutz runter von den Straßen wäre. Pierro und Cotrone eint eine Indolenz, in der sie mit dem Kopf nicht durch eine, sondern gleich mehrere Wände gehen. Schmerzlos betrachten Sie den Niedergang ihrer eigenen Welt ohne ein Interesse, etwas daran ändern zu wollen. 

Was Die wilde Meute vom Poliziottescho der damaligen Zeiten unterscheidet, ist der Versuch, gleichermaßen zwischen sleazigem Krimi und ambitioniertem Sozialdrama zu wandern. Reibungslos gelingt dies dem Drehbuch nicht. Höhepunktlos zeigt es harmlose Szenen, die einerseits untermauern, dass Pierro und Co. nicht komplett der Jugend entwachsen sind, wenn man z. B. unbekümmert Spaß bei einem Nachmittag am Strand hat. Andererseits werden diese von bedrückenden und schonungslosen Momenten konterkariert, wenn Pierros Kumpanei ein Pärchen überfällt, die Frau dabei aus dem Auto zerren und vergewaltigen oder wenn die Gefühlskälte des Bandenführers dafür sorgt, dass sich seine junge Affäre in den Tod stürzt. Leider orientiert sich das Script mehr an genreüblichen Strukturen: das, was der Film erzählt, ist (nicht nur) für Freunde italienischer Gangsterfilme leicht vorauszusehen. Große Überraschungen sollte man vom Film nicht erwarten. 

Bei allen Klischees bzw. narrativen Genre-Mustern, die der Film bedient, überzeugt Marcello Andreis Gespür für die schweren Seiten dieser Geschichte. Er drängt den Zuschauer in die Rolle des stummen Betrachters und lässt wie beide männlichen Hauptfiguren die Emotionalität meist außen vor. Weder für Pierro noch für Cotrone können größere Sympathien aufgebaut werden. Die wilde Meute macht sich deren Gleichgültigkeit zum Instrument; sie definiert die Stimmung des Films Anhand der Handlungen der Protagonisten. Martin Balsams Kommissar mit schwarzem Blick in Richtung Zukunft und Joe Dallesandro der mit seinem makellosen Äußeren zunächst zu glatt als skrupelloser Egomane erscheint. Die Wahl den Amerikaner als Pierro zu besetzen, ist ein weiter Pluspunkt für den Film. In seiner totalen Ichbezogenheit konzentriert, prallt bis zum bitteren Ende alles schlechte, was um ihn herum passiert, an seiner hübschen Oberfläche ab.

Andrei hätte gut getan, diese Stimmung beizubehalten, die den Zuschauer in eine Ohnmacht gegenüber der allerorts zu verzeichnenden Apathie schickt, die später in Wut oder Fassungslosigkeit zu kippen vermag. Ohne seine exploitative Charakteristik wäre Die wilde Meute in gewisser Weise seichter Neorealismus Light geworden. So hat der Film manchmal mit seiner unspektakulären Erzählweise und den Brüchen in seiner Atmosphäre zu kämpfen, was die deutsche Synchronfassung mit ihrer Nähe an Schnodderwerken eines Karlheinz Brunnemann oder Rainer Brandt verstärkt. Genau solche Ungereimtheiten in der Gesamtwirkung sind es, die italienische Genrefilme so interessant wie liebenswert machen. Richtig schlecht oder vergessenswert ist das, was Die wilde Meute bietet keineswegs, sondern ein dezent schwächelnder aber trotzdem guter Poliziotteschi, dem manchmal mehr Ernsthaftigkeit gut getan hätte, da diese ihm wirklich gut zu Gesicht steht. 

Mittwoch, 7. April 2021

Cthulhu Mansion

Der Filmfan mit Affinität zum kosmischen, namenlosen Schrecken aus dem Geiste Lovecrafts weiß: wo dessen Name drauf steht oder ein Bezug zu seinen Geschichten hergestellt wird, muss dieser nicht immer drin sein. Als solche Mogelpackung entpuppt sich auch Cthulhu Mansion, ein später Film im Œuvre des spanischen Regisseurs Juan Piquer Simón. Ursprünglich aus der Werbung kommend, entwickelte er im Laufe seiner Karriere hinter der Kamera als Produzent und Regisseur eine Hingabe zum Film und seiner phantastischen Seite. Solche Werke wie Slugs, der einer meiner liebsten Tierhorrorfilme ist, oder Pieces - Stunden des Wahnsinns mögen auf den ersten Blick keine große Würfe in der Filmgeschichte darstellen, entpuppen sich bei aller Limitation als unvollkommene, aber schmierig unterhaltsame und auf gewisse Weise charmante Werke. Bei Cthulhu Mansion müsste man großzügig eines oder beide Augen zudrücken, um den 1991 entstandenen Schocker als rundum gelungen bezeichnen zu können.

Bis auf das alte Buch, das der Magier Chandu in einem Antiquariat entdeckt und auf dem in großen Lettern der Name Cthulhu prangt, sucht man vergebens konkrete Bezüge zum Werk Lovecrafts, obwohl einem im Vorspann erzählt wird, dass folgender Film "inspired by the writings of H. P. Lovecraft..." sei. Dem Titel entsprechend ist der Film mehr eine Spukhaus-Geschichte um besagten Zauberer und einer Gruppe von Kleinkriminellen, die, nachdem sie einem Dealer eine größere Menge Koks abgeknöpft haben, dem Zauberer bei ihrem Fluchtversuch vom Jahrmarkt, auf dem Chandu auch seine Vorstellungen gibt, über den Weg laufen. Gehandicapt durch ein angeschossenes Bandenmitglied kapern sie das Auto des Zauberers um vom Wachpersonal unbemerkt das Gelände verlassen zu können. Die Idee, den Magier zu kidnappen und sich in seinem Anwesen zu verschanzen, erweist sich als schlechte Entscheidung. Im Keller der Villa verbirgt sich eine unbekannte Macht hinter einer verriegelten Stahltür, die sich mit dem Eintreffen der Bande verselbständigt und den Anwesenden nach dem Leben trachtet.

Jene bösartige, minutiös erstarkende und die Stahltür bis zum Bersten wölbende Macht gibt dem Drehbuch Anlass für viele unheimlich gemeinte Szenen, welche die innere Logik der dünnen Geschichte leider ignoriert. Das diese durch eine in der Vergangenheit Chandus stattgefundene Tragödie beschworen wurde und nun im Haus verbannt ist, wird mit minimalem Interesse daran verfolgt und ist mehr Initiator für die Effektszenen, die Cthulhu Mansion eine alptraumhafte Stimmung schenken wollen. Ein Problem, dass bei einigen auf traditionellen Grusel oder dem, was man dafür hält, bauenden europäischen Horrorfilmen aus der zweiten oder dritten Reihe beobachten kann. So richtig kann man - zumindest auf dem europäischen Festland - selten die Mechaniken des Haunted House-Horrors korrekt anwenden. Meist hapert es daran, die tragische Komponente der Geschichte schlüssig mit dem des Horrors zu verbinden. Auch Piquer Simón muss man attestieren, dass er Potenzial liegen lässt. Die wenigen stimmigen Momente zu Beginn müssen einer auf allerlei Grusel-Klimbim fokussierten, zähen Narration weichen.

Dazwischen hat der Film leider nicht viel zu erzählen. Die Geschichte tritt auf der Stelle, arbeitet sich mühsam Richtung Finale vor, in dem dann für die bescheidenen Verhältnisse des Films nochmal alles gegeben wird. Das Cthulhu Mansion keinen kosmischen Horror á la Lovecraft sondern mehr Haunted House-Horror bietet, ist nicht einmal das enttäuschende am Film. Mehr ist es die Problematik, dass innerhalb einer mehr auf Kommerz ausgerichteten Filmgattung so schludrig mit einer Ausgangslage umgegangen wurde, die eine durchaus interessante Story hätte bieten können. Leider reicht es in diesem Genre nicht, einfach nur ein paar bemüht gruselige Szenen zu präsentieren, die leider auch unfreiwillige Komik (Stichwort: Kühlschrank-Szene) mit sich bringt. Leider wurde das Ziel verfehlt und die wenigen atmosphärischen Momente können das Gesamtergebnis nicht retten. Cthulhu Mansion verliert sogar dabei, zumindest ein obskurer Vertreter des Genres zu sein; mehr ist es ein weiterer Beweis dafür, dass man im europäischen Genrekino die funktionsweise dieser Horrorspielart gar nicht bis sehr wenig verstanden hat und das es dort mehr braucht, als allerlei Seltsamkeiten, die den Zuschauer auf irgendeine Weise ängstigen sollen.

Freitag, 19. März 2021

Porträt einer jungen Frau in Flammen

Es sind diese Blicke zwischen Malerin Marianne und ihrem Modell Héloise und die darin innewohnenden Gefühle, Begehrlichkeiten und Sehnsüchte, die so nuanciert und für den Zuschauer emotional spürbar von ihren beiden Darstellerinnen ausgetauscht werden, die Porträt einer jungen Frau in Flammen zu einer wahren Schönheit von Film werden lassen. Die Zuneigung der beiden Frauen wächst zu einer zarten, betörenden Pflanze mit leider kurzer Lebensdauer heran. Es ist eine Liebesbeziehung im Zeitraffer; zeitlich begrenzt, deren Schicksal unausweichlich ist. Marianne und Héloise finden zueinander, weil letztere Modell für ein Porträt stehen soll, welches zu einem potentiellen Heiratskandidaten ins ferne Mailand geschickt werden soll. Bei gefallen soll die Vermählung folgen; Héloise findet keinen gefallen an dem Plan, verlor sie dadurch ihre geliebte Schwester, die sich deswegen von den Klippen der Insel, auf der ihre Familie ansässig ist, in den Tod stürzte. Aus dem Kloster geholt, soll die verschlossene Frau den Platz der jüngeren Schwester einnehmen.

Verschlossen, ergriffen von Wut,  auf die Mutter, auf den Verlust  und trauernd, trifft sie auf Marianne, die ihr als Gesellschafterin vorgestellt wird, um sie bei ihren Spaziergängen an der Küste zu begleiten. Was Héloise nicht weiß: eigentlich ist Marianne eine Malerin, die heimlich von ihr ein Porträt anfertigen soll. Geschuldet ist diese Heimlichkeit der Sturheit der Hochzeitskandidatin, die sich vehement weigert, Modell zu sitzen und das Gemälde von Mariannes Vorgänger zerstörte. Es scheint, als ahne Héloise, dass Marianne nicht die ist, die sie vorgibt zu sein. Skeptische, misstrauische Blicke treffen auf die beobachtenden Augen der Malerin, die in den späten Abendstunden aus der Erinnerung heraus das Porträt fertigt. Je länger die beiden Frauen Zeit miteinander verbringen, wächst die Sympathie und Héloises harte Gesichtszüge, aus deren fast versteinerter Mine so viel Schmerz und Bitternis stumm herausschreit, werden langsam weicher. Sie öffnet sich ihrer Begleiterin, die wegen ihrer Maskerade immer mehr von Gewissensbissen geplagt wird.

Mit Mariannes Offenbarung wird im doppelten Sinne eine Maske abgelegt. Héloise erfährt den wahren Grund derer Anwesenheit und öffnet sich dieser entgegen aller Erwartungen weiter. Bereitwillig will sie der Malerin nun für ein Porträt Modell sitzen, weil Marianne mit dem ersten Bild nur die Oberfläche der Frau eingefangen hat. Dessen Schemenhaftigkeit stellt wunderbar dar, dass auch die Geschichte des Films bisher nur eine gewisse Vorarbeit geleistet hat. Mit der Abreise von Héloises Mutter nach Mailand erblüht die zeitlich begrenzte Liebe zwischen der Malerin und ihrem anfangs noch so verschlossenen Modell gänzlich. Was Céline Sciammas Porträt einer jungen Frau in Flammen von anderen Liebesgeschichten angenehm abhebt, ist die ruhige und nüchterne Art, in der sie von der Liebe beider Frauen erzählt. Sie fühlt sich natürlich an, fängt die wunderbare Chemie zwischen ihren beiden Hauptdarstellerinnen mit jeder Einstellung ein und begegnet der Liebe ihrer Figuren im Kontrast zu den gesellschaftlichen Verhältnissen des 18. Jahrhunderts, der Zeit, in der die Geschichte spielt. 

Sciammsas Film ist ein Film der tiefen Blicke, die durch die Oberfläche hindurch in das Fundament der beiden Menschen schaut, die er porträtiert. Die Autorin und Regisseurin stellt unser Verhältnis zum Sehen in Frage und fördert es mit bemerkenswerter Beiläufigkeit. Die Augen ihrer beiden Charaktere müssen sich oft treffen, durchbohren, dringlich das aufsaugen, was augenscheinlich und fast versteckt vor fremden Blicken wahrzunehmen ist, bevor beide ihren Kern und das wahre Ich des Gegenübers und ihrer selbst erkennen. Gleichzeitig erschafft sie eine der schönsten Liebesgeschichten im Film der jüngsten Zeit. Distanziert und dann wieder ganz nahe am Geschehen fängt sie jede noch so kleine Geste, Berührung, Zärtlichkeit und immer wieder Blicke der zwei Frauen ein. Die hier geschaffene Intimität greift spürbar auf den Zuschauer über; das ist hochgradig sinnliches Kino, welches uns dazu herausfordert, einem Künstler gleich den Blick zu schärfen und das wahrzunehmen, was auch Marianne bei Héloise zuerst verborgen bliebt.

Augenscheinlich überlässt Sciamma in ihrem Film den Frauen das Feld. Bis auf einige Minuten gegen Ende ist kein männliches Wesen anwesend. Bleibt der Mann physisch abwesend, ist er trotzdem allgegenwärtig. Die Welt des Films ist eine feminine, bei der das Patriarchat gleichwohl Auslöser für das Aufeinandertreffen von Marianne und Héloise ist und wie ein schwerer Schatten über dieser thront. Er sorgt für die Erkenntnis, dass die Liebe der beiden Frauen nicht für ewig währt, bringt im Subplot Haushälterin Sophie eine ungewollte Schwangerschaft und wird mit seiner im Hintergrund schwelenden Präsenz dafür sorgen, dass die von Sciamma hinreisend als ganz selbstverständlich dargestellte Liebe in der von ihr gewählten Zeit nicht existieren darf. Sie begegnet dieser patriarchalisch aufgebauten und gelenkten Welt nicht mit Groll oder Wut. Mehr feiert sie in Porträt einer jungen Frau in Flammen feminine Unabhängigkeit allgemein und im Kontext der zeitlichen Gegebenheiten ihrer Geschichte. Die Tragik dieser, so emotional schön und betörend die Blütezeit der Beziehung ist, leidet dafür leicht an Sciammas Sachlichkeit. Das leider keine Zukunft für Héloise und Marianne besteht, ist als gegeben zu fest im Steine gemeißelt. Die zuvor so ergreifende Emotionalität lässt hier an Kraft vermissen. Im Vergleich zum Sciammas Prämisse und der Anmut ihres Films ist das meckern auf hohem Niveau.


Donnerstag, 18. März 2021

Alien Predators

Eigentlich ist Alien Predators mit daran schuld, dass ich heute noch bei jedem noch so kleinsten und austauschbarsten B- oder C-Horrorfilm einem Erdmännchen gleich neugierig mit dem Kopf in die Höhe schnelle, wenn ein deutscher oder in der letzten Zeit ein gewisser amerikanischer Anbieter sowas auf den Markt wirft. Es war einer der ersten Horrorfilme, den ich als Jugendlicher im Fernsehen aufnahm und in eine später groß angewachsene Sammlung von auf Video gebannte TV-Aufnahmen stellte. Die wilde Mixtur, die der Film über meine Netzhaut ergoss, fühlte sich neu und aufregend an und über die Jahre stellte die Erinnerung an den Film - wie ich unlängst feststellen musste - allerlei Unsinn in meinem Kopf an. Es mag auch der nostalgischen Verklärung meiner damaligen Entdecker-Zeit geschuldet sein, dass ich jedes Mal, wenn ich alleine oder im Beisein meines besten Freundes - der wie wir feststellten, den Film ungefähr zur selben Zeit wie ich damals im Spät-Programm der Privaten aufgabelte - mich an diesen zurückerinnerte und innerlich jauchzend einer erneuten Sichtung entgegensehnte.


Mittlerweile ist Alien Predators daran schuld, dass ich der Meinung bin, man sollte Erinnerungen an manche Filme so bewahren, wie sich sich über die Jahre entwickelt haben und ruhen lassen. Das Alter schreitet voran, Geschmäcker ändern sich leicht oder stark und haargenau das Gefühl zu reproduzieren, welches man beim ersten Sehen, beim ersten Erleben eines Films in sich getragen hat, gelingt schwer bis gar nicht. Den Spaß an an günstig inszenierter Filmware für den Videotheken-Markt hab ich nicht verloren; nur Alien Predators entpuppt sich beim späten, zweiten Blick als fahriges Hybrid-Kino, dessen Bruch in der Tonalität einiger Szenen mit dem Feingefühl eines Holzhammers vorgenommen wird. Schuld daran sind wiederum die drei Hauptfiguren Samantha, Michael und Damon, die während ihres Europa-Ferientrips im kleinen spanischen Dorf Duarte landen, welches wie ausgestorben scheint. Die wenigen Bewohner, die sie dort treffen, verhalten sich allesamt sehr seltsam oder geben sich ungemein aggressiv.

Auslöser hierfür ist das fünf Jahre zuvor in der Region abgestürzte NASA-Weltraumlabor Skylab Space Station, welches auf seinem schroffen Weg zurück auf die Erde einen Virus mitbrachte, an dem man im All allerlei Experimente durchführte. Das sich dieser dabei zu einer hochgradig gefährlichen Version entwickelte, musste zuerst die hiesige Tierwelt erfahren, bevor sie zum Leidwesen des Urlauber-Trios auf die Einwohner des Dorfs übergriff. Rettung naht in Gestalt des NASA-Wissenschafters Dr. Tracer, der sich im Verlauf der Geschichte mit den Touristen zusammentut, um den sich langsam aber stetig ausbreitenden Alien-Virus aufzuhalten. Während der amerikanische Teil der Crew mit ihrer sehr lockeren und leichtsinnigen Herangehensweise die spanische (Genre-)Produzenten-Legende Carlos Aured dazu zwang, sich hinterher vollständig aus dem Filmgeschäft zurückzuziehen, zwingt die überentspannte Auseinandersetzung mit dem Stoff auf Regie-Seite den Zuschauer ständig aus einer annähernd aufkommenden kohärenten Atmosphäre.

Kaum wird diese durch manche wirklich gelungene Einzelszenen aufgebaut, kracht die überbordende Fröhlichkeit der drei Freunde dazwischen. Die mit diesen auftauchende Komik lässt Alien Predators wie eine krude Mischung verschiedenster Horror- und Thriller-Vorbilder und aufgedrehter Teenie-Comedy wirken. Regisseur Deran Serafian, der auch am Script mitschrieb, nutzt diese schon fast als Bindeglied, um die einzelnen Suspense-Szenen miteinander zu verbinden, um somit wenigstens einen dünnen roten Faden zu spinnen. Die durchaus wilde Mixtur bedient sich bei Vorbildern wie Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All, Das Ding aus einer anderen Welt oder Spielbergs Duell. Richtig verkehrt ist das darin gezeigte nicht und bietet kurzzeitig Pläsier; bis wieder die drei Protagonisten-Krawallschachteln die Oberhand gewinnen und ihre Show abziehen. 

Mir einzureden, dass deren Darstellung absichtlich überzogene Klischees gängiger Figuren des amerikanischen (Genre-)Kinos in ihren Figuren konzentrieren, hat ebenfalls nicht lange funktioniert. Ohne die kurzen, herrlich umgesetzten F/X und einigen richtig gut funktionierenden Momenten wäre Alien Predators ein größerer Reinfall geworden. Vielleicht ist es das letzte Stück verklärende Nostalgie in mir, die ihn nicht ganz aufgeben möchte, obwohl er objektiv betrachtet zusammengeflickte B-Massenware ist, die gegen Ende leicht zusammenhängender in ihrer Tonalität wird. Zumindest lehrte er mir, es min Zukunft zwei- oder dreimal zu überlegen, wenn ich lange nicht gesehene Filme, die mein junges (und naives) Horror- bzw. Filmfan-Ich feierte, nochmal schauen möchte.



Freitag, 5. März 2021

Guns Akimbo

Mit Beginn der 2000er zog das Internet immer weiter in mein und das Leben vieler anderer Menschen ein. Das verlockende Neuland wurde von mir ausführlich und wissbegierig erforscht und auf den langen Exkursionen im World Wide Web bemerkte ich, dass wo viel Licht, auch viel Schatten ist. Die dunkle Seite des Internets mit schnell berühmt-berüchtigten Seiten wie rotten.com oder der später (nicht nur) für deutsche User gesperrten Seite ogrish.com war schnell im Freundes- und Bekanntenkreis gewisses Gesprächsthema. Da ich von solchen Seiten wie von zugegeben häufig mit Fake-Material gefüllten Mondo-Filmen der Marke Gesichter des Todes und Co. nicht viel hielt und halte, genügten mir die Erzählungen darüber, die ich aufschnappte. Beide Webseiten gingen ihren Weg ins Datennirvana, doch das Internet verhält sich in manchen Dingen wie eine Hydra. Wird ein Kopf abgeschlagen, wachsen dafür drei nach. 

Heißester "Darknet"-Scheiß in der Welt von Guns Akimbo ist Skizm, ein Death Match zweier Kontrahenten, welche sich auf brutalste Weise bis zum Tod jagen und bekriegen und von einer schnell wachsenden Nutzerschaft verfolgt wird. Aus Langeweile beschließt der frisch von seiner Ex-Freundin Nova verlassene Handy-Game-Entwickler Miles eines Abends die User und Macher im Chat der Webseite zu trollen und zu beleidigen. Letztere stehen anhand seiner ausgelesenen IP-Adresse alsbald vor Miles Tür, nageln ihm zwei automatische Feuerwaffen an jede Hand und küren ihn zum neuesten Gegner der aktuellen Championesse Nix. Zunächst darauf bedacht, sich ohne Kampf aus der Affäre zu ziehen und lieber die Hilfe seiner Verflossenen zu suchen, muss Miles sich widerwillig dem Skizm-Erfinder Riktor beugen, als dieser als Druckmittel Nova entführt. Um diese zu retten, stellt er sich dem Kampf gegen Nix und wird mit seiner unbeholfenen Art bei den Besuchern der Seite ein wahrer Publikumsliebling. 

Dies überträgt Guns Akimbo auf den Zuschauer, der für den von Daniel Radcliffe in einer hinreißenden Performance dargestellten, Durchschnitts-Losertypen Miles schnell derartig starke Sympathie entwickelt, dass manche vorhersehbare Entwicklung der vom Film erzählten Geschichte billigend in Kauf genommen wird. Jason Lei Howdens Werk ist so manipulativ, wie das, was er zwischen seinen abertausenden optischen Gimmicks und den breit aufgestellten Over The Edge-Actionszenen aufzeigen will. Die Lust auf Sensationen, das Interesse an der dunklen Seite unseres Daseins, wie Mord und Totschlag, welches man seit Existenz bzw. Ausbreitung des Internets mit wenigen Klicks aufrufen kann, weckt Guns Akimbo einerseits mit cleverem Timing. Die ruhigen Minuten bis zum nächsten Setpiece lassen dem Zuschauer genügend Zeit zum Verschnaufen, bindet ihn mehr an den Protagonisten, um mit diesem das nächste Level zu bestehen. Die Konzeptionierung des Scripts erinnert hier an den Aufbau eines Videospiels. 

Andererseits wird der Zuschauer auf die Ebene eines Zuschauers von Skizm gestellt, welche sich mit Miles durch seine zuerst langweilig erscheinende Durchschnittlichkeit immer mehr mit ihm Identifizieren können, wenn sich dieser immer mehr in die Rolle, in die er von Riktor gezwängt wird, einfindet. Der Everymen's and -women's Action Hero ist ein Mann aus der Mitte, bringt das greifbare Leben in die dröhnende Welt des Death Matchs und führt zu Szenen, in denen Guns Akimbo die Heuchelei, Manipulation und das Getrolle innerhalb von Social Media in überdrehter Manier durch den Kakao zieht. Komplett nimmt man das erst wahr, wenn die Credits über die Mattscheibe rollen. Zunächst walzt er mit seiner durchgestylten, ideenreichen und fantastisch fotografierten Action mit Übercoolness-Faktor alles platt, was sich nicht schnell genug vor diesem vollgestopften Film retten kann.

Verständlich, wenn das für manche Semester so gleich und oberflächlich erscheint, wie ähnlich gelagerte Actioner vergangener Jahre. Eine gewisse Affinität für von Ideen und Anspielungen vollgestopfte Filme, die gleichzeitig einer Epoche oder einem Genre ihre Ehre ihre Ehre erweisen - hier das Actionkino der letzten 40 Jahre - muss man schon mitbringen. Guns Akimbo ist der Crank für die Generation Fortnite, ohne den Film mit diesem Vergleich durch den schlechten Ruf des Spiels bzw. seiner Community abwerten zu wollen. Ein rasend schnelle Film-Erlebnis mit gut eingesetztem Humor, starker Performance von Ratcliffe und Samara Weaving als Nix und mitreißender Style over Substance-Action. Das überzeugt selbst solche mittelalte Knochen wie mich, die immer weniger Lust auf vollgestopfte Filme im Dauerfeuermodus, welche die Brücke zwischen zwei Medien wie Games und Film schlagen wollen, haben und vergleichbares wie Hardcore Henry (hier besprochen) zwar gut, aber auch anstrengend fanden.


Dienstag, 23. Februar 2021

Creature - Die dunkle Macht der Finsternis

In meiner jugendlichen Hardcore-Horror-Phase stieß ich bereits früh durch einschlägige Literatur auf William Malones Alien-Rip Off Creature, in dem laut Beschreibung Klaus Kinski ein zugegeben kurzes Stelldichein geben soll. Davon fasziniert, so einen großen Namen in einer so "schundigen" Produktion zu finden - noch unwissend darüber, dass der Mime im Laufe seiner Karriere häufig seine Nase in kleinen B-Produktionen für wenige Minuten vor die Kamera hielt, damit man den Film mit seinem klangvollen Namen bewerben konnte - fing ich an, mich für den Film zu interessieren. Dazu kam und kommt, dass ich Rip Offs von Ridley Scotts Science-Fiction-Horror-Meisterwerk ohnehin gerne sehe. Einzig der Umstand, dass der Film in hiesigen Gefilden bisher nur gekürzt erhältlich war, ließ mich den Film bis vor kurzen meiden. 

Richtig verpasst habe ich - das war die erste Erkenntnis nach dem Schließen dieser kleinen Lücke - nicht viel. William Malones größte Vorbilder, neben Alien ist das noch Das Ding aus einer anderen Weltsind eindeutig zu erkennen. Neues kann er dem schon damals stagnierenden Genre nichts hinzufügen, obwohl einige der Ideen, die in die Geschichte eingebaut wurden, allein genommen recht interessant sind. Das fängt bei den beiden großen, um die Vorherrschaft in der Raumfahrt konkurrierenden Konzernen - einer in den UA, der andere in West-Deutschland beheimatet - an und hört bei den zur titelgebenden Kreatur gehörenden Parasiten auf, welche die Kontrolle über ihren Wirt erlangen können, welcher dadurch vom vielzahnigen Gummi-Alien durch die engen Gänge der Raumstationen gesteuert wird. Alles spielt sich auf dem Titan - größter Mond des Saturns - ab, auf dem zwei Mitarbeiter des amerikanischen Konzerns in einer archäologischen Ausgrabungsstätte eine uralte Lebensform mit großem Blutdurst befreien.

Nach diesem und einem weiteren unschönen, damit zusammenhängenden Zwischenfall wird eine zweite Expedition zum Titan geschickt, um nach dem rechten zu sehen. Das frei nach Murphys Gesetz alles, was nur schief gehen kann, auch wirklich schief geht, steht außer Frage: die Deutschen (in Gestalt von Kinski als Hans Rudi Hofner) sind schon längst da, das Raumschiff wird bei der unsauberen Landung in Mitleidenschaft gezogen und das Alien ist noch lange nicht von dem kleinen Erst-Expeditions-Snack satt. Gekleidet ist das in düsteren Bildern und dichter Atmosphäre, die zusammen mit den Außen-Settings dezent an Bavas Planet der Vampire erinnern. Die Exposition der Geschichte wird in auffallend lange Gewänder gekleidet; das gedrosselte Erzähltempo und die wenigen actionreichen Momente lassen Creature zwischen irrelevantem Füllmaterial und wirklich interessanten Szenen mit Gewichtung auf ersteres, schwanken. Da man sich in der Figurenzeichnung lieber auf Stereotype oder Überzeichnungen - die schweigsame Sicherheits-Offizierin mit gewissem Waffen-Fimmel stellt hier ein einsames Highlight dar - ausruht und altbekanntes mit (liebenswertem) Quatsch kombiniert, kann Creature auf diesem Feld keine Gefangenen machen.

Würde man nicht Klaus Kinski auspacken, der einen überheblichen, vulgären und übergriffigen Großkotz (sich selbst?) spielt und in den ca. fünfzehn Minuten in denen er zu sehen ist, alles und jeden an die Wand spielt. Der Film nimmt sich in gewisser Hinsicht zu ernst; mit Kinskis Auftritt wird die Ernsthaftigkeit von campy Schlock durchbrochen, der den allgemeinen Spaß-Faktor um einiges steigert. Verbunden mit den sichtlich günstig produzierten, knalligen Splatter-Effekten mausert sich der Film zu einem unrunden, irgendwie doch interessanten Space-Horrorfilm, der mit Malones laisset faire-Regie planlos um die Eckpfeiler der Story umherschwebt. Sympathiepunkte erhält er durch sein ansprechendes Äußeres und den kleinen Obskuritäten, die im um Seriosität ringenden Film immer wieder auftauchen. Das schenkt dem Film gewissen Charakter, der ihm beim mühevollen Nachstreben seiner Vorbilder fehlt; ohne dies wäre Creature der x-te Alien-Klon, der er natürlich schon ist, aber damit zumindest etwas eigenes Profil bekommt. Zumindest mich konnte das bis zu einem gewissen Punkt schon gut unterhalten und meine Lust auf Weltenall-Horror-Epen mit bösartigen, außerirdischen Lebensformen am Leben erhalten.















Freitag, 29. Januar 2021

Stripped To Kill

Es liegt alleine durch den Begriff schon auf der Hand: die Actricen in Werken des (S)Exploitation-Films geizen meistens nicht gerade mit nackter Haut und selbstverständlich lassen die Autoren in ihren Drehbüchern keine Gelegenheit aus, um blanke Busen und Hinterteile vor die Kamera zu rücken. Was Stripped To Kill allerdings in diesem Punkt abbrennt, stellte sogar mich, der schon seit einigen Jährchen durch die "Niederungen" des Unterhaltungsfilms wandert, auf die Geduldsprobe. Das man bei einer Story, die sich um Polizistin Cody dreht, welche nach dem Mord an einer Stripperin beginnt, undercover in dem Milieu zu ermitteln, nicht nur ein oder zwei Strip-Nummern präsentiert, dürfte auch Lieschen Müller einleuchten. Hier geben sich allein in der ersten Hälfte die Blankzieh-Einlagen häufig die Klinke in die Hand und nach dem dritten Tanz ruckelt man auch als stockheterosexueller cis-Kerl ungeduldig auf seinem Sessel hin und her.

Besänftigt wird die strapazierte Geduld bedingt. Zwischen all' der nackten Haut arbeiten sich Regisseurin Katt Shea und ihr Ehemann Andy Ruben, mit dem sie zusammen das Drehbuch verfasste, an zeitgenössischen Kino-Trends ab und kreieren einen neondurchfluteten Erotik-Thriller mit zwei ungleichen Cop-Partnern als Protagonisten. Wird Cody noch als glaubhaft sensibel und unsicher dargestellt, ist ihr Partner Heineman ein Over The Top-Cop und wandelndes Klischee, das ständig in Rockerkluft rumläuft, seine Kollegin mit seinem unlustigen Humor und dem immer gleichen "Witz" malträtiert und aufgesetzt cool ist. Das Geplänkel zwischen den beiden und der durchaus interessante und glaubhaft ungeschönte Blick hinter die glanzlosen Kulissen des Strip-Geschäfts, selbst wenn dies Mithilfe von Exploitation-Film-Mechanismen geschieht, drängt den grundlegenden Thriller-Anteil des Films stark in den Hintergrund.

In dieser Funktion versagt Stripped To Kill leider ziemlich. Der von Cody gejagte Mörder gibt selten ein Stelldichein und wenn, wird in diesen Szenen spannungsloses Thriller-Einerlei geboten, dessen lasche Inszenierung den Zuschauer durchgehend kalt lässt. Ist das lästige drumherum abgehakt, kehrt man lieber zur nächsten Tittenschau zurück um sich damit über die Zeit zu retten. Selbst wenn Oliver Nöding - mit dem ich häufiger einer Meinung bin - einige positive Worte über den Film verloren hat, kann ich diesen in diesem Fall nicht so recht zustimmen. Die von ihm attestierte weibliche Sichtweise auf die Welt des Animiergewerbes ist Ansatzweise im Miteinander unter den Tänzerinnen Backstage zu spüren, bevor der Film doch wieder lieber die fleischlichen Gelüste des männlichen Publikums befriedigen möchte und noch eine Nackttanz-Nummer präsentiert. Eher ist Stripped To Kill eine Art sanftmütige Exploitation, der viel nackte Haut für das männliche Zielpublikum bieten möchte und deren misogynen Untertöne subtrahiert. Zumindest mir kommt das mehr als Alibi vor, um mit dem weiblichen Blick auf die Thematik des Films den Herrschaften des Publikums genügend Triebanheizer zu bieten. Das ist im Endeffekt genauso käsig wie vieles andere an diesem Film, der wenig interessante Blickwinkel, geschweige denn Szenen bietet.

Freitag, 22. Januar 2021

Todestrauma

In der Motivation seiner Antagonisten ist der Slasher eine Reduktion dessen, was der Giallo, bekanntlich Vorläufer des Subgenres, meist breit ausgeschmückt und teils mit absurd anmutender Intention dem Publikum präsentierte. Ansatzweise bestimmen hier ebenfalls Motive wie persönliche Rache, sexuelle Traumata und Abnormitäten, psychologische Fehlentwicklungen oder gleich der pure Wahnsinn das Handeln der zum filmischen Boogeyman gewandelten, Mensch gewordenen Monster. In Todestrauma - mehr noch unter seinem Originaltitel The Dorm That Dripped Blood bekannt - stochert man als Zuschauer lange im Nebel, wenn man nach einem Grund für das Treiben des Mörders Ausschau hält. Der frühe Slasher hat zwar schon sorgfältig die Rezeptur für ein zünftiges Schlitzer-Treiben auf der Mattscheibe verinnerlicht, nur ein ansatzweise interessantes Setting und blutige Mordszenen allein machen noch lange keinen guten Slasher.

Während nun in den Weihnachtsferien Studentin Joanne mit ein paar freiwilligen Helfern ein Studentenwohnheim für den angedachten Abriss vorbereitet und ausräumt, geht in dem leeren Gemäuer ein natürlich zunächst unbekannter Mörder umher. Einem Schatten gleich bewegt sich dieser fast vollkommen unbemerkt durch die dunklen Treppenhäuser, Gänge und leeren Räume, um im Kinderabzählreim-Prinzip die studentische Truppe zu dezimieren. Ein auf dem Uni-Gelände verbliebener Sonderling wird zunächst dem Zuschauer, im weiteren Verlauf der Handlung den übrigen Hauptfiguren als Ursprung allen Übels schmackhaft gemacht. Nach obligatorischem Prolog-Mord, dessen Sinn mit jeder fortlaufenden Minute des Films mehr flöten geht, baut Todestrauma wie so mancher frühe Slasher seine Handlung mit bedächtigem Tempo auf. 

Bevor das Interesse des Publikums zu stark Richtung Nullpunkt kullert, schiebt man parallel dazu in das Script einige garstige Morde mit ein. Nur verpasste man es bedauerlicherweise, diesen einen Hintergrund zu schenken, damit überhaupt zuordenbar ist, wieso die betreffende Figur den Filmtod sterben musste. Somit erscheint der Prolog von Todestrauma doppelt verschenkt; andere Werke nutzen diesen meist zumindest Ansatzweise, um dem Killer ein Profil und einen Grund für sein Handeln zurecht zu legen. So verloren wie die Charaktere durch das Abrissgebäude stolpert man durch den Film, wie Obrow und Carpenter durch ihre eigene Story. Verloren in der eigenen dunklen Leere schleppt sich diese durch Genre-Muster, die bar jeder Spannung dem Zuschauer vor die Füße geworfen wird.

Das große Aber kommt mit der Enthüllung des Mörders und dem damit eingeleiteten Finale. Große Innovationen bleiben aus, doch schwenkt die Tonalität des Films derart, dass man den Verdacht nicht loswird, dass Obrow und Carpenter dieses Kapitel ihres Slashers zuerst in den Sinn gekommen ist und sie eher kläglich versucht haben, daraus einen kompletten Film zu machen. Während alles davor weitgehend Slasher-Dutzendware ist, bietet Todestrauma im letzten Viertel ein spannendes Katz-und-Maus-Duell, dessen kaltschnäuziges Auftreten im krassen Kontrast zum bisherigen Film steht. Vorhersehbar bleibt die Handlung wie zuvor auch im Finale; (positiv) überraschend ist dabei, wie konsequent und ernst man dies bis zum niederschmetternden Schluss beibehält. Gesamt betrachtet macht das aus ihm leider keinen richtig guten Horrorfilm. Die schal inszenierte, mit sinnlos erscheinenden Kills garnierte Story bietet leider so wenig Interessantes, als das der gute Rest dies retten könnte. Die dort vollzogene Wandlung schenkt dem Früh-Slasher zumindest einen kleinen Obskuritäten-Status, bei dem man bedauert, dass der dort beschrittene Weg nicht viel früher begangen wurde. Das hätte aus Todestrauma mehr als nur zu einer Randnote des Subgenres gemacht.

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