Posts mit dem Label Dänemark werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dänemark werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 2. August 2019

Nemesis

Es mag in manchen meiner Texte anmuten, dass nur die damalige italienische Genrefilm-Schmiede eine muntere Rip Off-Kultur pflegte. Zwar schielte man dort häufig auf die erfolgreiche Rezepturen der Hollywood-Kassenschlager, doch auch Filmemacher anderer Nationen ließen und lassen sich gerne von großen Vorbildern inspirieren und werfen diese munter in eine Schüssel. Ein gutes Beispiel ist dafür Nemesis, Albert Pyuns zweiter Ausflug in die Gefilde stark von Action betonter Science-Fiction nach dem Van Damme-Vehikel Cyborg. Mäanderte der auf Hawaii geborene Amerikaner darin durch seine postapokalyptische Erzählung und ließ seinen belgischen Actionimport die Lethargie des Films selten komplett wuchtig mit Muskel- oder Feuerkraft durchbrechen, feuert in Nemesis seine Inspirationskanone aus allen Rohren.

Seine im L. A. des Jahres 2027 spielende Zukunftsvision beginnt mit einem dystopischen Neo Noir-Szenario, in dem sich nach einem Nuklearschlag während eines Krieges die Welt mühsam mit Hilfe der modernen Technik wieder aufrappelt. Die Symbiose aus Maschine und Mensch schreitet voran, biomechanische und neu gezüchtete Organe verschmelzen mit Fleisch und Blut. Pyun lässt seine Off-Erzählerin von Datendealern und Cyber-Terroristen erzählen, welche zu Beginn von Undercover-Cop Alex Rain - selbst leicht durch technische Hilfsmittel nicht hunderprozentig menschlich - dingfest gemacht werden sollen. Die Mission beginnt gut, bis Alex in einer verfallenen Fabrik von der Terroristen-Gruppe beinahe erschossen wird. Der schwer verwundete Cop wird in einer Not-OP gerettet und rechnet Monate später während seiner Rehabilitation nebenbei mit seinen Fast-Mördern ab.

Doch bevor er Phoenix gleich aus der Asche seiner verfehlten Vergangenheit steigt, sieht der Zuschauer Alex' Abstieg als drogensüchtiger Schmuggler in Neu Rio de Janeiro, begleitet ihn bei einem fehlschlagenden Deal und darf nach einem weiteren rüden Zeitsprung den abermals geretteten Cyber-Marlowe in einem Gefängnis wiederfinden, aus dem er von seinen früheren Brötchengebern nur rausgeholt wird, wenn er eine von den Terroristen gestohlene Diskette mit Sicherheitsmaßnahmen für ein geplantes Treffen von Vertretern der amerikanischen und japanischen Regierung wiederbeschafft. Nach anfänglicher Weigerung knickt Rain ein, immerhin wurde ihm eine Bombe in den Hals implantiert, die in drei Tagen detonieren soll, sollte er nicht den Job erledigen, der ihn nach Indonesien, in die Hände der Cyber-Terroristen und in eine große Verschwörung führt.

Das Drehbuch erweist sich in seinen kreierten Szenarien als sprunghaftes Quasi-Best Of des damaligen Action- und Science-Fiction-Kinos. Die nicht gerade wenigen Versatzstücke werden in aneinander gepappten Story-Abschnitte geworfen, grob umgerührt und ohne Rücksicht auf narrative Verluste vom während seiner Karriere nicht gerade häufig mit Lorbeeren überhäuften Pyun auf ordentlichem B-Movie-Niveau über die Ziellinie gebracht. Einige der in Nemesis dargebrachten Konstrukte, die Präsenz der Offensichtlichkeit der zitierten Einflüsse außen vor gelassen, machen einen für das produktionstechnische Niveau des Films guten Eindruck. Die Noir-Einschübe versuchen dem Protagonisten Ecken und Kanten zu verleihen; seine Rehabilitation und Wiedergeburt präsentiert sich überraschend gut gefilmt und versucht dem Stoff (Pseudo-)Tiefe zu verleihen. Zugunsten der Actionlastigkeit des folgenden Plots lässt man diese leider Fallen und lässt Olivier Gruners Figur zum Prügel-und-Baller-Hero von der Stange werden.

Ansätze einer gewissen Eigenständigkeit lässt man großzügig liegen. Nemesis bedient sich fleißig bei seinen großen Vorbildern und bevor Hollywood kurze Zeit später vollkommen von den Einflüssen des Actionkinos aus Hong Kong geflasht wurde, lässt Pyun seine Figuren beeinflusst vom Heroic Bloodshed auch mal Woo'sches Todesballett tanzen und Shootouts in die rostig-schrottige Eleganz des Gesamtwerks stecken. Über allem thront dabei Ridley Scotts Blade Runner, bei dessen Geschichte sich man großzügig bedient, obwohl Pyun über seinen Film sagt, dass er hier Dinge verarbeitet, die schon lange in ihm schlummerten. Vielleicht war es auch einfach nur die Frage, ob er etwas ähnliches wie Scott, nur mit viel weniger Budget, hinbekommt. Was uns wieder zur Eigenständigkeit des Filmes bringt. Thematisch rennt man ebenfalls dem angesprochenen Science-Fiction-Klassiker hinterher und lässt in unerwarteten Momenten Ideen aufblitzen, die viel zu schade sind, so fahrlässig wie hier wieder fallen gelassen zu werden.

Der Frage, was einen Menschen menschlich macht und was dessen Kern ist, entlockt Nemesis wahrlich keinen neuen Ansatz. Eher treibt er das Spiel mit der Entfernung vom Menschlichen auf die pervertierte Genre-Spitze. Die Vermischung von Technik und Organik, der grob-industrielle Cyber(punk)-Stil des Films lässt die Figuren seines Plots sich von den mechanischen Hilfsmitteln abhängig machen. Die Fragen, wie viel Mensch man noch ist und wie viel Cyborgtechnik in einem steckt, lässt mittlerweile Assoziationen zur heutigen Abhängigkeit unserer Spezies in manchen Bereichen des Alltags gegenüber der Technik aufkommen. Wie weit machen wir uns dieser zum Untertan? Lässt sich der Kern unseres Wesens, die Seele, irgendwann technisch abstrahieren und aufbewahren? Einer der wenigen, aber interessanten Ideen des Scripts nach ja. Es sind solche Momente, die für mich Nemesis nicht unbedingt besonders, aber interessant bleiben lässt.

Die konfuse Gesamtheit schmälert den guten Eindruck dieser seltenen Augen- und Lichtblicke, was
Nemesis ein goutierbares Action-Flickwerk bleiben lässt. Was wäre das für ein Film geworden, der neben dem bloßen Abkupfern der großen Vorbilder aus diesen Gedankenspielen oder den wenigen, aber gleichermaßen interessanten und starken Frauenfiguren mehr herausgeholt hätte? Zugeben muss man, dass hier letztendlich das Testosteron (leider) weiter die Nase vorn hat. Dank der Berührung mit solchen Filmen zu Beginn meines Fanseins, entwickelte sich eine Vorliebe für solche einfach gestrickten, billigen Knaller, die dafür geschaffen wurden, entweder im Videotheken-Regal zu verstauben oder von dort aus das Herz der Genre-Liebhaber zu erobern. Weitaus weniger schlimm wie immer erwartet, hat Nemesis nicht unbedingt mein Herz erobert, aber für interessierte und amüsierte Zurkenntnisnahme gesorgt.
Share:

Sonntag, 22. April 2018

Die Jagd

Wenn Thomas Vinterberg etwas kann, dann ist es Manipulation. Wie in seinem Beitrag zum seinerseits von ihm mit unterzeichneten Dogma 95-Manifest Das Fest versteht es der dänische Regisseur auch in seinem  Film Die Jagd den Zuschauer mit geschickten Winkelzügen in eine emotionale Richtung zu drängen und von dort aus seine Empfindungen zu lenken. In ersterem gelingt es ihm durch die Kombination eines heiklen Themas (Kindesmissbrauch) und die um Authentizität bemühten Regeln des Dogma-Manifestes. Damals, bei meiner ersten und bisher einzigen Sichtung von Das Fest ging dies voll auf. Der Film packte mich mit voller Wucht, ließ mich durch die minimalistische Filmtechnik in das Geschehen eintauchen und emotional eine ähnliche Wut auf den Patriarchen der Familie fühlen wie die von ihm missbrauchten, eigenen Kinder. Jahre später kommt der dänische Regisseur wieder auf dieses Thema zurück, welches über die Jahre nichts von seiner Brisanz eingebüßt hat.

In Die Jagd macht Vinterberg den Zuschauer zu einem der wenigen Kenner der ganzen Wahrheit, die das entstehende Drama des Films verhindern könnte. Lucas, ehemaliger Lehrer und jetzt Kindergärtner in einem kleinen Dorf, wird von Klara des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Was nur Klara, die Tochter des besten Freundes von Lucas, dieser selbst und der Zuschauer wissen: es ist ein Missverständnis. Das durch die Streitigkeiten ihrer Eltern etwas verloren und allein gelassen wirkende Mädchen spricht es aus einer Enttäuschung darüber hinaus aus, dass Lucas ihre kindliche Schwärmerei zurückgewiesen hat. Grete, die Leiterin des Kindergartens, sieht sich gezwungen, Schritte einzuleiten. Sie schaltet die Polizei ein, entlässt Lucas und unterrichtet die Eltern vom im Raum stehenden Verdacht. Der sich nach schwereren Zeiten wieder berappelnde Lucas, dessen noch bei der Ex-Frau lebende Sohn zu ihm ziehen darf und eine kleine Romanze mit einer Küchenkraft des Kindergartens beginnt, sieht sich bald einem wütenden Mob von Dorfbewohnern entgegen, die ihn aus der Gemeinschaft ausgrenzen und ihn ihre Wut und Verachtung gegenüber dem vermeintlichen Kinderschänder spüren lassen.

Vinterberg zieht gezielt die Sympathien des Zuschauers auf den sensiblen und stillen Mann, der mit den Beschuldigungen konfrontiert auf eine seelische Ohnmacht zusteuert. Er macht den von Mads Mikkelsen großartig nuanciert dargestellten Mann zu einem symbolistischen Jedermann, in den man sich hineinversetzen kann und mit seinem Auftreten sich von den anderen Männern des Dorfes, obwohl er ihrem Bund angehört und deren typisch männlichen Ritualen und Verhaltensweisen beiwohnt bzw. aufnimmt, abhebt. Ein modern geprägter Mann, aufgeklärt, rational und trotzdem emotional. Zurückhaltend, fast phlegmatisch lässt der Regisseur den Zuschauer an einem Treffen der Männer des Dorfes und Lucas' Alltag teilhaben, ehe er sich auf den dramatischen Teil seiner Geschichte konzentriert. Da liegen bereits alle Sympathien beim Protagonisten, um aus dem weiteren Verlauf der Handlung eine maximale emotionale Wirkung beim Zuschauer zu erzielen. Hände werden vors Gesicht geschlagen, Figuren wüst beschimpft, Wut entwickelt, wenn die haltlosen Ungerechtigkeiten über Lucas einprasseln. Längst wurde die Unschuld beteuert, sogar die Anschuldigungen zurückgenommen, doch im Moment der gesprochenen Wahrheit wird dies als Nebenwirkung, eine Art Nebenerscheinung des Missbrauchs abgetan.

Die Jagd schildert mit seinem nüchternen Stil, wie eine Lüge, Verdacht, falsche Schlussfolgerungen und Gerüchte wachsen und sich verwurzeln können. Wie Leben und aufgebaute Existenzen beinahe vernichtet werden. Die Macht des Wortes, das sich manifestiert und als unwiderlegbare Wahrheit in den Köpfen der Menschen festsaugt. Vinterberg strickt daraus ein eindringliches Drama und kühle Sozialstudie. Das auf die emotionale Achillesferse des Zuschauers zielende Werk, welches es auch mühelos zu treffen vermag, lenkt damit von fragwürdigen oder irritierenden Punkten der Geschichte ab. Einerseits watscht Vinterberg naive Menschen ab, die in Kindern vollkommen unschuldige Geschöpfe sehen, die nicht dazu in der Lage sind, zu lügen und durch ihre Gutgläubigkeit solche Situationen, wie sie in Die Jagd entstehen, heraufbeschwören. Die dem vermeintlichen Opfer, welches aus einer Laune heraus log, sogar mit suggestiven Methoden beeinflussen um den nicht stattgefundenen Missbrauch zur einzigen (falschen) Wahrheit werden zu lassen. Andererseits weckt dies gleichzeitig eine Ungläubigkeit, das es wirklich solche Menschen überhaupt geben kann/soll. Bevor der Gedanke weiter wachsen kann, lullt Vinterberg nahezu mit der nächsten Attacke auf die offen stehenden Empathieschleusen des Zuschauers ein.

Das fast schlimme, aber auch großartige am Film: es funktioniert, bleibt nachvollziehbar und fühlt sich an, als könnte all das gezeigte wirklich schon passiert sein. Ist Die Jagd allerdings, wie ihm auch vorgeworfen wurde, ein reaktionärer Film? Nein. Viel mehr zielt Vinterberg darauf ab, das Schneeballprinzip falscher Worte und Gerüchte anhand des unbequemen Themas Kindesmissbrauchs aufzuzeigen. Ohne das Thema abzuwerten, baut der Däne in seinem Film einen eigenwillig erscheinenden Kosmos dieser kleinen Ortschaft auf, sinnbildlich für die Gesellschaft, die schnell auf einen vermeintlichen Täter eindrischt ohne auch wirklich die Wahrheit zu kennen. On- wie Offline, auch wenn ersteres komplett vom Film komlett ausgeblendet wird. Selbst nach dem die Polizei alle Anschuldigungen ausräumen konnte, er frei kommt und der Verdacht unbegründet erscheint, bleibt der Mann als Perverser gebrandmarkt. Einmal so, immer so. Gleich, ob dies wirklich die Wahrheit ist. Das alle Frauen des Films negativ dargestellt werden, empfinde ich als unglücklich dargestellt. Wobei ich zugeben muss, dass die Szenen im Männerbund, auf der Jagd nach Wild und auch den Initiationsritus hin zum erwachsen werden mit der Übergabe eines Gewehrs an Lucas Sohn gegen Ende des Films ziemlich unpassend sind. Das ist dann wirklich ewiggestrig; eben reaktionär.

Gegenüber der erstarkenden Frau in der Gesellschaft feindselig und an alten patriarchalischen Strukturen festhaltend ist die Die Jagd weniger. Die Anschuldigungen gegenüber Die Jagd sind nachvollziehbar, entkräften sich in meinen Augen damit, dass Vinterberg sich zu stark auf das innere Gefüge der Dorfgemeinschaft und die auf die Probe gestellte Freundschaft zwischen Lucas und Theo, Klaras Vater, konzentriert und diese etwaigen problematischen Standpunkte nicht beachtete. Vielleicht auch nicht beachten wollte. Als Sozialstudie bleibt es ein unschlagbar guter Film, obwohl das Ende mit dem augenscheinlich in die Dorfgemeinschaft integrierten und rehabilitierten Lucas komisch und unglaubwürdig erscheint. Mit der letzten Einstellung kann der Regisseur und Autor diesen Eindruck entkräften, obwohl die davor geschilderte Story in Verbindung mit der Rehabilitierung Lucas' plötzlich fast lächerlich anmutet. Hunderprozentig gelingt es Vinterberg nicht, dieses fast-hollywood'sche Happy End zu sprengen. Irgendwann stellt man sich die Frage, ob der Regisseur beim Verlauf der Handlung nicht doch nur Klischees verwendet hat, wenn der Verlauf der Hetzjagd auf Lucas so nachvollziehbar erscheint, weil dies eben auch vorhersehbar ist. Dafür hat Vinterberg ein gutes Händchen dafür, den Schneeballeffekt seiner Geschichte mitreißend zu erzählen und daraus eine poitierte Gesellschaftsstudie zu stricken, was Die Jagd zu einem sehr guten Film macht. Selbst wenn er mit der Darstellung eine reaktionäre Haltung vertreten sollte: mit der emotionalen Lenkung des Publikum kann er ebenfalls sehr gut davon wegführen.
Share:

Sonntag, 10. Januar 2016

The Danish Girl

Der dänische Maler Einar muss für seine Gattin Gerda, ebenfalls eine Malerin, für ein Porträt einer Tänzerin ersatzweise Modell stehen. Er schlüpft dafür in Frauenstrümpfe und -schuhe und darf das Kleid halten. Es ist der Beginn einer Wandlung des für seine Landschaftsbilder bekannten Künstlers. Im Spiel kreieren seine Frau und er Lili, seine weibliche Seite, welche in der Öffentlichkeit als seine Cousine vorgestellt wird, die für ihn auf einen Künstlerball geht, da er diese Veranstaltungen nicht ausstehen kann. Es ist gleichzeitig der Ausbruch seines wirklichen ichs: Einar merkt immer mehr, wie er gefallen daran findet, Frauenkleider zu tragen und sich feminin zu geben. Er fühlt sich als Frau, gefangen im Männerkörper. Zum Leidwesen seiner Frau, da Lili immer häufiger überwiegt. Es stellt das Eheleben auf eine harte Probe, die konsultierten Ärzte diagnostizieren Perversion oder Schizophrenie. Einziger Helfer könnte Kurt Warnekros sein, ein deutscher Arzt, der Lilis Sehnsüchte ernst nimmt und sich bereit erklärt, sie vollends zu einer richtigen Frau zu machen und die erste Geschlechtsumwandlung der Geschichte an ihr durchzuführen.

The Danish Girl basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Eberhoff, der wiederum wurde von den Aufzeichnungen der richtigen Lili Elbe, eine Vorreiterin für die heutige Transgender-Bewegung, inspiriert. Dafür werden einige Fakten aus dem Leben des wahren Künstlerehepaars alleine schon für die Dramatik des Films abgeändert. Eigentlich lebten Gerda und Einar eine offene Scheinehe, da Gerda lesbisch war und ihre Liebschaften auch nicht versteckte. Ein Umstand, der für einen potentiellen Oscar-Kandidaten (bzw. die Literaturvorlage) zu viel gewesen wäre. Man konzentriert sich auf das innerliche Drama der Ehe und von Einar. The Danish Girl ist dabei jederzeit hübsch anzusehen, die Kameraarbeit und die Ausstattung können sich wirklich sehen lassen.

Auch die darstellerische Leistungen von Eddie Redmayne (Einar) und Alicia Vikander (Gerda) sind auf hohem Niveau. Beide können die vorherrschende Zärtlichkeit in der Ehe zu Beginn mit kleinen Gesten wunderbar transportieren, im weiteren Verlauf auch die Zerrissenheit zwischen Kampf um ihren Mann und die Liebe und der aus letzteren resultierenden Unterstützung Lilis. Redmayne schafft eine herrliche Wandlung vom wegen seiner Neigung verängstigten, dann aber immer sicherer wirkenden Transsexueller. The Danish Girl kratzt hier in beiden Belangen, die der Film anspricht, an der Oberfläche. Die Tragik der an der geschlechtlichen Selbstbestimmung in einer vollkommen unaufgeklärten Zeit (der Film ist in den 1920ern angesiedelt) fast zerbrechenden Person ist zugunsten der ehelichen Konflikte zurückgenommen.

Hier vollführt das Drehbuch geschickt, dass diese beiden Themen niemals zu verkitscht und schwülstig besprochen werden. Trotz der schönen Bilder. The Danish Girl ist hübsches, zurückgenommenes Tragikkino mit kleinen und großen Gefühlen, großen darstellerischen Leistungen - auch in den Nebenrollen. Trotz aller Tragik vielleicht doch ein wenig zu viel Leichtigkeit als Gefühl, wenn der Abspann einsetzt. Unter der Regie von Tom Hooper ist dafür ein perfekt durchstrukturierter Film gelungen, der alleine schon durch das wichtige Thema, welches er anspricht, einen weiteren Pluspunkt verbuchen kann.
Share: