Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Samstag, 11. Juli 2020

Skin

Die Wut des rechten Randes auf Flüchtlinge oder Menschen mit Migrationshintergrund, Angst vor dem Verlust der nationalen Identität des Staates und völkisches Denken, von Populisten wie Orban, Trump oder Parteien wie der AfD weit in die Gesellschaft gestreut, verursacht in mir - vom politischen linken Rand, in dem ich mich und meine politische Meinungen verorte, aus beobachtet - selbst eine unbändige Wut auf solche Menschen und ihr Gedankengut. Eigentlich wird diese auch von fiktiven Stoffen entfacht. Umso erstaunter war ich, als Guy Nattivs Skin keine größeren emotionalen Regungen in mir verursachte. Der Film über Bryon Widner, der seine Gesinnung über viele Jahre für alle gut sichtbar durch dutzende von Tattoos auf seiner Haut trug und dessen Weg aus der US-amerikanischen rechtsradikalen Szene schildert, wird ein Opfer seines Anspruchs, diese Zeit seines Lebens vielschichtig zeigen zu wollen. 

Der aus zerrütteten Verhältnissen stammende Amerikaner lebte viele Jahre in verschiedenen Organisationen der White Supremacy-Bewegung. Das jahrelange Mitglied des Vinland Social Club lernt 2005 auf einem "White Power"-Festival seine spätere Frau Julie kennen, die drei Kinder aus einer früheren Beziehung mit in die Partnerschaft bringt. Beide hinterfragen ihre Gesinnung, als Julie von Bryon ein Kind erwartet. Das Paar sagt sich von der Nazi-Zeit los und möchte aussteigen. Die beiden flüchten aus dem US-Bundesstaat Michigan nach Tennessee, doch Widner wird von seiner Vergangenheit eingeholt und von seinen alten Kameraden aufgespürt; hat sich mental jedoch bereits so gefestigt, dass er mit seiner Neonazi-Zeit abschließen möchte. Nach sich endlos lange hinziehenden Vorgesprächen finanziert ihm schließlich eine Bürgerrechtsbewegung die schmerzvolle Entfernung seiner Tattoos und hilft ihm bei der kompletten Lossagung von seinem alten Leben.

Nachdem 2011 die Dokumentation Erasing Hate sich mit Widners Fall befasste und diesen u. a. bei den insgesamt eineinhalb Jahre andauernden Entfernungen seiner Tattoos begleitete, erblickte 2018 mit Skin ein Spielfilm das Licht der Kinowelt, welcher sich mit Widners Weg aus der Nazi-Subkultur der USA beschäftigt. Neben seinem Wirken im Kommunen-artig aufgebauten Vinland Social Club beleuchtet der Film eingehend Widners Begegnung mit seiner späteren Frau und ihre Anfangs schwierige Beziehung. Der seit Jugendjahren von seinen Nazi-Zieheltern auf Hass gedrillte und emotional ausgehöhlte Mann muss sich fühlbar damit zurechtfinden, dass es außerhalb der ultraweißen Blase, in der er sich befindet, eine differenzierte Welt fernab von eindimensionalem Schwarzweiß-Denken gibt. Der Dramatik filmischer Narration geschuldet, ändert Skin einige der oben beschriebenen Details, ohne dabei die Geschichte des Aussteigers zu radikal umzuformen. Mit kühlem Ton wird diese vom israelischen Autor und Regisseur Guy Nattiv erzählt, der seinen Fokus häufiger auf die inneren Mechanismen des Clubs legt und im Kontrast dazu das Erwecken von Bryons warmherziger, menschlicher Seite im Beisammensein mit Julie gegenüber stellt.

Die beeindruckende und starke Performance von Jamie Bell als Widner kommt nicht gegen den entstehenden Eindruck an, dass Nattiv manchmal das Interesse an seiner Hauptfigur verliert. Die Biographie wandelt sich vom Sozial- zum zurückhaltenden Beziehungsdrama und wieder zurück; Bell steht dabei meist mit seiner großartig erzeugten Präsenz sichtbar im Bild und ist trotzdem häufiger nicht das zentrale Element in Nattivs Erzählung. Mehr entwickelt er sich als antreibendes Zahnrad im Gefüge der Geschichte, um diese letztendlich in die vorgesehenen Richtungen zu treiben. Weiter greift Nattivs Distanz zu den beiden Hauptfiguren auf den Zuschauer über; zusammen mit meiner persönlichen politischen Einstellung konnte ich mich nicht auf diese zugegeben schwache emotionale Ebene, die Skin besitzt, begeben. 

Bedauerlich, da der Film in allen Belangen auf einem hohen Niveau agiert und sein Blick auf einen Teil des rechten Rands der US-Gesellschaft durchaus interessant ist. Leider verspielt er mit seinem unterkühlten Ton, dass der Zuschauer Widners Prozess des Ausstiegs mitfühlt und ihm nahe geht. Seine unangenehme Persönlichkeit jener Tage führt dazu, dass man in der fiktiven Aufarbeitung seiner Geschichte auf persönlicher, emotionaler Ebene zu Vorsicht tendiert und man sich ihm nie wirklich nähern will, bis zum Ende in Texttafeln sein Werdegang nach dem erfolgreichen Ausstieg geschildert wird. Richtig Nahe kommt man ihm nur dann, wenn in kurzen Zwischenspielen die schmerzhafte Entfernung mittels Lasertechnik von Widners Tattoos in Großaufnahmen gezeigt wird. Selbst da tut das allerdings wenig weh, was ein Film wie Skin Aufgrund seiner Thematik bis zu einem gewissen Punkt schon tun sollte.

Montag, 29. Juni 2020

Engel mit schmutzigen Flügeln

Während unseres Lebens befinden wir uns auf vielen, unterschiedlichen Reisen. Egal, ob wir unsere Körper beispielsweise im Urlaub von A nach B transportieren und fremde Plätze und Länder erkunden oder auf persönlicher, charakterlicher Ebene: wir sind ständig on tour. Das Trio Gabriela, Michaela und Lucy ist dies mit seinen fahrbaren Untersätzen ebenfalls. Die Engel im Exil sind unentwegt unterwegs und weder Felder, Straßen, Autobahnen oder leere Kasernen sind vor ihnen sicher. Regisseur Roland Reber scheint entweder einen außerordentlichen Motorrad-Fimmel zu haben oder möchte mit den ersten Minuten seines Films durch ausgedehnte Szenen seiner Hauptdarstellerinnen auf den Zwei- und Vierrädern deren Fahrzeuge als mechanisches Symbol der Freiheit seiner Figuren dem Zuschauer penetrant unter die Nase reiben. Dazwischen sitzen sie rastend in Landschaften, blicken bedeutungsschwanger in die Ferne und lassen theatralisch gestelzte Sätze von sich. Bevor sich Lucy ebenfalls vollwertig zu einem Engel zählen darf, bekommt sie von ihren Begleiterinnen eine Aufgabe gestellt.

Diese lautet "Sei was du bist, erst dann bist du eine von uns". Die promiskuitive Lucy wird genaustens unter die Lupe genommen und in die Mangel genommen. Das, was der Film ausführlich schildert, verpackt die junge Frau in Ausreden sich selbst gegenüber. Die häufig wechselnden Liebhaber werden mit Verliebtheit schön geredet; was sie laut ihren Tagebüchern und Erlebnissen innerhalb der fortschreitenden Handlung diesen Männern offenbart, sind nichts weiter als leere, austauschbare Worte, mit denen sie sich selbst belügt. Mutet Engel mit schmutzigen Flügeln bis dahin wie ein existenzialistisches Drama mit dazu irritierenden, sterilen TV-Film-Look an, packt Reber manch offenherzige Sex-Szenen in sein Werk, dass Lucys Selbstfindung sexploitative Züge annimmt. Frei nach Descartes stellt sie dazu passend früh fest: Ich ficke, also bin ich. Während Gabriela und Michaela in überdrehten Possen das Verhalten Lucys kommentieren, sie still beim Ausleben ihrer Sexualität beobachten oder alle drei zusammen ausgelassen umhertanzen und im Kinderlied-Stil feststellen, dass die schöne Rothaarige bis auf sich selbst alles andere auf dieser Welt zu kennen scheint.

Ins rechte Licht rückt Reber dabei seine Lucy-Darstellerin und Lebensgefährtin Antje Mönning, die in der ARD-Soap Um Himmels Willen als Nonne bei einem breiteren wie betagteren Publikum bekannt wurde und mit ihrem Mitwirken in dem 2009 entstandenen Film einen kleinen Skandal im Boulevard heraufbeschwor. Wie einst Jess (Franco) bei seiner Lina (Romay) saugt die Kamera als verlängertes Auge Rebers die natürliche Schönheit von Mönning förmlich auf und lässt uns Zuschauer an ihrer Nacktheit so häufig wie nur möglich oder unmöglich teilhaben. Halbnackt auf dem Quad, beim Sex am Baggersee, als Stripperin mit Dildo-Einzelshow vor maximal tumb dreinblickenden Publikum: Reber zelebriert seine Darstellerin, die zur Muse seiner filmischen Phantasie heranwächst. Interessanterweise funktioniert Engel mit schmutzigen Flügeln am Besten, wenn er Lucys Liebesleben in den Mittelpunkt stellt. Die Szene am See mit dem Fremden erhält durch die während des gesamten Akts aus nächster Nähe filmenden Kamera eine hübsche Intimität. Die aufgesetzt wirkende Prämisse des Films löst sich in diesen Szenen weitgehend auf.

Einen Kontrast zur von Film verfolgten Reflexion über das Moralempfinden des Einzelnen stellen sie in jeder Minute trotzdem dar. Engel mit schmutzigen Flügeln wirkt über weite Strecken, als wolle Reber mit den tiefgründig gemeinten Momenten dazwischen den erdachten Ferkelkram entschuldigen und diesem damit eine Existenzberechtigung sichern. Der vom Theater stammende Regisseur inszeniert seinen Stoff steif (no pun intended) und unauthentisch. Wieder muss ich mit Franco vergleichen: während der Spanier einer inneren Lust um des reinen Filmens wegen folgte und in seinen teils schlicht ausgestalteten Geschichten Stimmungen wirken ließ, fehlt es dem Film, betrachtet man dessen Thematik, an Leidenschaft. Den ausladenden Sexploitation-Szenerien steht eine miefige Verkopftheit gegenüber, die viele dem deutschen Cinema d'Auteur als negative Eigenschaft anlasten und sich hier bestätigt fühlt. Zumal man philosophische Großleistungen wie "Ohne Liebe sind wir nur leere Hüllen in einer leeren Welt" oder "Wer gefallen will, ist schon gefallen" eher als schwülstige Sprüche-Bilder bei Facebook vermutet. Bis auf einen stetig ansteigenden Fremdscham-Faktor und gefälligen wie offenherzigen Erotik-Szenen bietet Rebers Werk wenig bemerkenswertes. Der spirituell-religiöse Überbau der Geschichte über die Befreiung und das Erkennen des eigenen Ichs und der Beschau des Begriffts Moral schwankt unkoordiniert zwischen seinen beiden Extremen hin und her. Seine Unzulänglichkeiten wirken wie der viel zitierte Unfall, bei dem man wegschauen möchte, aber nicht kann... und froh ist, wenn er am Ende angelangt ist. Autoren-Trash, bei dem Penis und Kopf gleichzeitig das Denken übernehmen; sich "viel traut" und nur geringfügig durch sein seltsames Gesamtbild geringfügig Aufmerksamkeit erlangen kann und nur für Stirnrunzeln oder Kopfschütteln sorgt.

Samstag, 13. Juni 2020

Midsommar

Allzu leicht könnte man Ari Asters aktuellen Film Midsommar als bloßen Mindfuck abstempeln, der wie die Bewohner der Kommune, in die es die Protagonisten verschlägt, diese wie uns Zuschauer mit ihren archaischen Traditionen und Riten auf vielen Ebenen nur verstören möchte. Doch das Kino des schnell hoch gehandelten Regie- und Genre-Wunderkinds ist weit mehr, als mit Symbolismus aufgeladene, interpretationsreiche Bilderfluten. Wie in seinem Langfilmdebüt Hereditary behandelt Aster Verlust als zentrales Thema. Ist es dort noch der Tod eines Familienmitglieds, der Anlass für die folgenden Schrecken ist, behandelt er in seinem zweiten Werk das Ende der bereits elendig lange dahinsiechenden Beziehung der Studenten Dani und Chris. Wieder ist es ein schwerer Schicksalsschlag, den die weibliche Hauptfigur zu verkraften hat; dadurch noch mehr als ohnehin mental angeschlagen, bringt sie ihre kriselnde Partnerschaft zu Chris einen Schritt weiter Richtung Abgrund. Dieser lädt seine Freundin nur aus Höflichkeit dazu ein, ihn und seine Studienfreunde Pelle, Josh und Marc auf eine Reise nach Schweden zu einer großfamilienähnlichen Kommune, in der Pelle einen Teil seines Lebens verbrachte, zu begleiten.

Entgegen Chris' Annahme, dass sie ausschlägt, sagt Dani zu. In Schweden angekommen, treffen sie rechtzeitig zu den Feierlichkeiten zur Mittsommerwende in der Kommune ein. Das auf einige Tage ausgedehnte Fest wird durch das immer bizarrere Verhalten der dortigen Bewohner und seltsam wie grausam anmutende Rituale eine harte Prüfung für die Studenten. Als einige geschockt von den dortigen Bräuchen mit dem Gedanken spielen, vorzeitig abzureißen, ahnen sie noch nicht im geringsten, wie sehr sie in den Planungen der Kommunenmitglieder für das Fest eingeplant sind. Weitgehend löst sich Aster mit seinem Script, das er seiner Aussage nach schrieb, um das Ende einer eigenen Beziehung zu verarbeiten, von gängigen Konventionen des Horrorfilms. Packte er seinen Hereditary noch häufig in Dunkelheit und düstere Bilder, wird Midsommar von hellen, leuchtenden Farben bestimmt. Lässt er seine Figuren zunächst mit der zu dieser Jahreszeit nie untergehen wollenden Sonne hadern, konfrontiert er sein Publikum gleichzeitig mit dem Umstand, dass das Grauen nicht im Dunkel lauert und man sich gedanklich nicht davor in visuelle Schattengebilde gängiger Horrorfilme retten kann. The Sun Always Shines On TV.

Aster festigt sich mit Midsommar als scharfer Beobachter, der sich gewollt gegen die hastigen Erzählstrukturen des Mainstream-Horrors stellt und sich beim Aufbau seines Szenarios und der Ausgestaltung der Charaktere Zeit lässt. Nachdem er die emotionale Spannung des Stoffs bereits Eingangs mit der Darstellung des Dani betreffenden Unglücks eindringlich zu einem ersten Höhepunkt führt, lässt er den Horror lange außen vor. Szenen, in denen er auch durch geschickte Bildkompositionen die Distanz zwischen seinen beiden Protagonisten darstellt, überwiegen und lassen den Zuschauer in die zerklüftete Partnerschaft der beiden eintauchen. Nüchtern, ohne störende Rührseligkeiten schaut Aster auf zwei Menschen, die über immer weiter auseinander reißenden Klüfte krampfig aneinander festhalten und nicht merken oder wahr haben wollen, wie man dem Partner immer mehr entgleitet. Dani steckt in ihrer selbst geschaffenen Abhängigkeit fest, die Chris in ein Pflichtbewusstsein ihr gegenüber drängt, das eine ungesunde Einseitigkeit besitzt. Er steckt in der Rolle der Stütze der Beziehung und Wächter über ihre mentale Gesundheit fest, anstelle sich komplett aufrichtig bzw. fürsorglich um sie zu kümmern. 

Die Magie der Liebe scheint lange versiegt zu sein. Dani und Chris müssen bis zur eigenen Erkenntnis, der völligen Wahrnehmung und Akzeptanz des Endes zunächst ein Martyrium durchgehen. Die fremd wirkenden Bräuche der Kommune, die ihre Freunde und sie selbst schockieren und emotional stark mitnehmen, stellen verschiedene Stufen der innerlichen Reinigung Danis und des konkreten Endes der Beziehung dar. Die in der Beziehung längst entzündete Wunde muss zunächst Schmerzen wie der Schock über die für ihre Gastgeber so normal erscheinenden Bräuche. Bis alles wieder vergeht, muss es nochmal richtig weh tun, brennen und unangenehm sein. So unbehaglich, wie sich auch die Stimmung des Films entwickelt, die Aster den Zuschauer in jeder weiteren Szene in der Kommune spüren lässt. Sein Horror ist eher das gemeinsame Erleben mit den Figuren, der kollektive Schock über die Grausamkeiten der von den Bewohnern der Kommune verübten Rituale. Die heidnischen Bräuche treffen uns christianisierte, aufgeklärten Menschen alleine schon durch ihre Fremdartigkeit. Bis auf zwei grafisch sehr explizite und äußerst wirksame Szenen verzichtet Midsommar auf den im Horror sonst meist exzessiv genutzten roten Lebenssaft. 

Neben dem Verlust eines Menschen, für den man tiefgreifende Gefühle empfand, die sich immer weiter auflösen, lässt uns der Regisseur auch die Absenz von ursprünglichem, urwüchsigem Denken und Fühlen in unser Bewusstsein treten. Aster spielt mit unserer Christianisierung und deren Verdrängung alter, monotheistischer Glaubenskonstrukte. Was barbarisch für den einen scheint, empfindet ein anderer in seinem Lebensbewusst als vollkommen üblich. Was normal ist, liegt im Auge des Betrachters. Fast schon bedauerlich, dass Midsommar bei seiner Vielschichtigkeit mitunter in gängige Horrorschemata verfällt. Dies fängt bei schwachen Nebenfiguren wie Marc an, der der übliche nervige, notgeile wie dezent tumbe Auffällige ist, der zumindest mir schnell auf die Nerven ging, und hört bei zwar nur angedeuteten und nie vollständig ausformulierten Szenen auf. Sie stehen im Kontrast zum komplexen Rest der Geschichte; zu simpel und vorhersehbar formt sich ein Verdacht im Kopf des Zuschauers, der sich später bewahrheitet. Es raubt ihm seine unvergleichliche Charakteristik und oppositionelle Haltung gegenüber normaler Genreware. Am ehesten kommt einem bei Midsommar als grober Vergleich The Wicker Man in den Sinn.

Scheinbar der Einzigartigkeit seines Stoffs voll und ganz bewusst, bewahrt Aster die Einzigartigkeit des Films. Wie die weiblichen Bewohner beim Tanz auf dem Höhepunkt des Fests, strauchelt er in wenigen Momenten um in seiner Gesamtheit im Glanz seiner gleißenden Schönheit zu stehen. Eigentlich ködert Aster das Publikum mit der altbekannten und doch die Neugier anheizenden Faszination des Fremdartigen, um dies wie die Figuren des Films mit der geschaffenen, parallel zu unserer konservativ erscheinenden Gesellschaft existierenden Welt zu ängstigen. Die stetig anhaltende, unangenehme Atmosphäre und Asters feines Gespür für präzise wie nüchtern erzählte Dramen, die eins werden mit dem naturalistischen Horror des Films machen Midsommar zu einem feinen Genre-Erlebnis, dem man die plumpen Momente verzeiht. Die weitgehend durchweg positiven Stimmen nach seinem Kinostart kann ich voll und ganz nachvollziehen, selbst wenn ich mich nicht komplett vom Begeisterungssturm mitreißen lasse. Stehende Ovationen und lang anhaltenden Applaus erhält er aber auch von mir. Ist er doch allein schon mit seiner Laufzeit von knapp zweieinhalb (Kino-Fassung) bzw. drei (Director's Cut) Stunden Laufzeit und dem sich bewussten Zeit nehmen für sein Sujet, seine Figuren und seinen Absichten dem Zuschauer gegenüber ein schöner Gegenentwurf zum in Laufzeitschablonen gepressten Genre-Standard. 

Mittwoch, 3. Juni 2020

The Devil's Rejects

Komplett begeistert ließ mich Rob Zombies House of 1000 Corpses bei der zweiten Sichtung, nachdem ich den Film weit über zehn Jahre das letzte mal gesehen habe, nicht zurück. Wie in meiner Besprechung beschrieben merkte ich allerdings, dass das Gesamtergebnis weit weniger schlimm ist, als es in meinem Gedächtnis gespeichert war. Weitaus übler fand ich die von Zombie zwei Jahre später nachgeschobene Fortsetzung The Devil's Rejects. Während der Film von einem Gros der Leute in den Foren, in denen ich mich damals herumtrieb, positiv aufgenommen wurde, stellte ich nur ernüchternd fest, dass der gute Rob auch ein großes Herz für das B- und Terror-Kino der 70er Jahre hatte. Mehr aber auch nicht. Wie bei Tarantino kann ich bis heute den Hype um Personen nicht richtig nachvollziehen, wenn diese fast ausschließlich einzig Versatzstücke vieler persönlicher Lieblingsfilme und -genres - bei Tarantino zugegeben meist gekonnt - zu einem bunten Filmmosaik zusammenwerfen. Die erneute Sichtung von Zombies Debüt machte mich neugierig genug, um dem Sequel nochmal eine Chance zu geben; liegt die letzte Sichtung ebenfalls mehr als zehn Jahre zurück.

Dank der damals empfundenen maßlosen Enttäuschung war meine Erwartungshaltung sowie die Erinnerung an Details verschwindend gering. Aus der Zweitsichtung wurde ein neues erleben und entdecken des Films, der so ziemlich dort einsteigt, wo der Vorgänger aufhört. Die Alptraum-Nacht der von Baby in House of 1000 Corpses aufgegabelten Studenten ist längst vorbei, die Sonne lässt ihre Hitze über die Farm und das umliegende Land des Clans kriechen und in ihrem sengenden Schein fährt eine Heerschar an Polizeibeamten - angeführt von Sheriff Quincy Wydell - heran, um dem höllischen Treiben ein Ende zu setzen. Otis und Baby können sich während der Schießerei mit den Cops absetzen, während ein Beamter bei der Durchsuchung ihres Hauses entdeckt, dass der allseits bekannte Captain Spaulding ebenfalls zur Sippe gehört. Längst von Otis und Baby gewarnt, stößt dieser auf deren Flucht in einem Motel zum Duo, welches dort die Mitglieder einer Country-Band in ihre Gewalt brachten und die nächsten Stunden damit beschäftigt waren, diese zu quälen.

War House of 1000 Corpses Zombies persönliches Panoptikum seiner filmischen und popkulturellen Vorlieben und er als Regisseur ein überschwänglich agierender Präsentator in diesem, nimmt er sich in The Devil's Rejects angenehm zurück und bringt hier seine Geschichte weitaus geordneter an den Zuschauer heran. Im Stil der B-Movies der 70er und den damals aufkommenden Terrorfilmen á la The Texas Chain Saw Massacre konzentriert er sich auf diese eine Spur und bleibt erfreulicherweise über den ganzen Film hinweg auf dieser. Stilistische Ausbrüche bleiben aus; dadurch wirkt das Sequel viel runder als der Vorgänger-Film. Einziges Manko ist auch hier wieder die narrative Ebene: Zombie bewegt sich im Kreis und bietet nach dem Motel-Stopp seines Höllen-Clans im Motel wenig Variationen. Während die Fireflys auf ihrem Weg zur Spauldings Halbbruder Charlie sind, hetzt ihnen Wydell hinterher, der seinen Einsatz zu einer persönlichen Vendetta werden lässt. 

Gut und böse im herkömmlichen Sinne existiert in Zombies filmischer Welt nicht. Die strikte Unterteilung zwischen schwarz und weiß lässt er zu einem schmutzigen grauen Klumpen werden. Seine Hellbillys als auch der grimme Arm des Gesetzes lässt er ausgiebig wüten, foltern, morden, dass The Devil's Rejects beinahe Züge des im gleichen Jahr auf die Menschheit losgelassenen und die Torture Porn-Welle lostretenden Hostel annimmt. Diese einseitige Ausrichtung der Story weicht die dichte Atmosphäre des Films auf und unterbricht seinen abgründigen Sog, in den der Zuschauer gezogen wird. In seinen besten Szenen klebt die Kamera auf den von Zombie erschaffenen Figuren und sorgt sogar dafür, dass seine mimisch eher unterdurchschnittlich begabte Gattin (zumindest) beim aufeinander treffen mit dem Kopf der Band eine gute Leistung hinlegt. Zombie macht den Zuschauer zum unfreiwilligen Voyeur, einem stillen Beobachter der teuflischen Taten seiner Anti-Anti-Helden. In der Tradition seiner Vorbilder geschieht dies vordergründig exploitativ, während man nicht drumherum kommt und zugeben muss, dass im Hintergrund zu jeder Zeit eine unangenehme Stimmung brodelt, wenn die Fireflys auf der Bildfläche erscheinen.

Mit The Devil's Rejects schuf Rob Zombie einen Killing Spree-Road Movie der gleichermaßen dessen Verbeugung vor den bereits genannten Spielarten des Genrefilms und eine interessante Weiterführung der Geschichte um die Fireflys geworden ist. Sein Bruch mit der bei House of 1000 Corpses herrschenden düster-bunten Horror-Comic-Stilistik ist dabei das Beste, was dem Sequel passieren kann. Nach dem dortigen wilden experimentieren Zombies scheint er seinen Weg gefunden zu haben: Beinahe schade, dass er diesen schnell wieder verlassen hat. Auf der anderen Seite kann man nachempfinden, dass die dann vielleicht gefühlte 41. Variante von TDR für ihn Stagnation bedeutet hätte. Kaum ein Kreativer tritt in seinem Schaffen gerne auf der Stelle und probiert lieber und lässt neue oder alte Einflüsse in seine Werke einfließen. Kreativer Prozess ist (meist) auch immer eine stetige Veränderung. Geändert hat sich mittlerweile auch meine Meinung zu diesem Film. Rob Zombie wird zwar nie der größte Geschichtenerzähler sein, da er sich zu sehr darauf konzentriert, seine Scum of the Earth-Figuren ausufernd darzustellen, trotzdem gelang ihm - neben Lords of Salem, den ich schon immer sehr mochte - mit The Devil's Rejects tatsächlich sein bester Film. Das ist zwar immer noch weit weg von perfekt, doch das sind die Backwood-Universen des Musikers und Regisseurs ebenfalls nicht und so schade es ist, dass er Baby, Otis und Captain Spaulding nicht noch mehr Raum gibt um der selbst vom Teufel verschmähten Sippe mehr Konturen zu verleihen, so braust man bis zum leider etwas abgehackten, aber auch schön gefilmten Finale gerne durch die schmutzigsten Ecken des Landes.

Freitag, 29. Mai 2020

Cyborg Cop 3

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei: zum Ende der mäßigen Cyborg Cop-Trilogie haut man uns in diesem Film nicht nur einen, sondern gleich zwei B-Action-Stars um die Ohren! Frank Zagarino und Bryan Genesse sollen es diesmal richten und mimen im abschließenden Teil Saint und Max, zwei Bundesmarshalls, welche für ihren Auftraggeber Harvey im Regelfall Steuersünder aufspüren und festnehmen. Bei ihrem neuesten Job sollen die beiden Buddys die Reporterin Evelyn Reed ausfindig machen und dem Technik-Konzern DeltaTech übergeben, gegen die Reed durch einen Informanten handfeste Beweise hat, dass man dort Experimente an Menschen durchführt, um diese immun gegen Radioaktivität werden zu lassen. Bei einem Besuch der Zentrale bekommt sie Wind von einem streng geheimen Projekt, in denen diese Probanden zu Cyborg-Sölndern umoperiert werden. Evelyn kann ihren beiden Jägern glaubhaft versichern, was für böse Buben hinter deren Auftraggebern stecken, was sie auf die Seite der Reporterin wechseln und die richtig großen Probleme für diese beginnen lässt.

Wie im zweiten Teil variiert man die Grundstruktur des Erstlings, was ebenfalls zu Problemen führt, die sich wie ein roter Faden durch die Trilogie ziehen. Bei Cyborg Cop 3 ist man versucht, mit dem Fernglas vor der Glotze zu sitzen und verzweifelt am fernen Horizont nach Eigenständigkeit zu suchen. Doch: Fehlanzeige. Wieder müssen Triple A-Blockbuster als Vorbilder herhalten und Zagarino und Genesse geben ein launiges Paar ab, die mit ihren launigen Sprüchen (zumindest in der deutschen Synchronfassung) und den kleinen Kabbeleien gegeneinander in die viel zu großen Fußstapfen von Action-Buddys á la Riggs und Murtaugh oder Hammond und Cates treten möchten. Der Film wärmt dabei mehr altbewährtes neu auf, anstatt frisch aufzutischen, doch nachdem die diversen humorigen Einschübe in Teil Eins für mich eher eine Geduldsprobe darstellten, ist die Chemie zwischen den beiden B-Action-Hampelmännern soweit okay, dass in deren Szenen durchaus Stimmung aufkommt.

Leider herrscht im restlichen Storyverlauf zäher Leerlauf; die Exkursions-Eskapade von Cyborg Cop (hier besprochen) wird hier noch getoppt und anfänglich mutet Evelyns Spurensuche nach den wahren Absichten von DeltaTech und dessen Besitzer wie ein bräsiger Cyber-Thriller mit 10% Cyber, 0% Suspense und 90% gepflegter Langatmigkeit an. Yossi Weins einschläfernde Regie lässt den Film nie richtig von der Leine; auch die später hinzukommende Action wirkt immer leicht steif und wie eine gefilmte Generalprobe der eigentlich noch zu performenden Szenen. Lieber haken Regie und das Script fleißig die aufgestellten To-Do- und Must-Have-Listen ab ohne eigene Akzente zu setzen. Punktete der erste Teil noch durch einige nette Szenen und seinem Setting, musste schon das erste Sequel gegen sein austauschbares Wesen stark ankämpfen. Teil Drei verliert sich in Belanglosigkeit. Der für Action benötigte Ignition Factor ist eine Fehlzündung von Beginn an.

Gleich ob es sich um die Prügeleien, Schießereien oder das explosive Finale auf einem Schrottplatz handelt: Cyborg Cop 3 ist ein laues, abgestanden schmeckendes Gemisch aus Buddy Movie und Terminator-Versatzstücken, von dessen Szene in der Polizeistation man sich für einige ähnliche Konstruktion sichtlich inspirieren ließ. Schade, dass Zagarino und Genesse, denen es beide eigentlich am gewissen It-Factor mangelt, verheizt werden. Einen Buddy-Actioner mit beiden, der reichlich mehr Dynamik besitzt und mitreißend und spaßig ist, hätte ich mir schon gerne angeschaut. Somit geht meine erste Exkursion auf den staubigen Pfaden von B-Action mit Science-Fiction-Versatzstücken durch diesen letzten Teil der Trilogie zu Ende, doch der Weg selbst ist noch lang und lässt mich weiter nach sparsam produzierten Filmen mit Cyborg oder ähnlichem im Namen Ausschau halten. Nur das mit der Cyborg Cop-Reihe, dass lasse ich der Zukunt lieber, bevor ich nochmal meine Lebenszeit so verschwende.

Mittwoch, 20. Mai 2020

Cyborg Cop 2

Schließt sich nun ein Kreis? In meinem Text zum Vorgänger Cyborg Cop erinnerte ich mich zurück an meine erwachende Liebe zum Medium Film und daran, dass eben jener Cyborg Cop 2 vor knapp zwanzig Jahren die so ziemlich erste Begegnung mit Low Budget-Action-Werken war und meine Vorliebe für die Melange aus Action und Science-Fiction im B-Film-Bereich auflodern ließ. Viele Jahre gingen ins Land, bis ich nicht nur auf das damals im nächtlichen TV-Programm aufgenommene Sequel sondern die ganze Reihe richtig Lust bekam. Diese wurde mir nach dem Genuss des Erstlings zum Teil madig gemacht. Die Erwartungen auf den Firestarter einer meiner vielen filmischen Vorlieben sanken; im Nachhinein stellte sich dies als durchaus passende Ausgangssituation für die Sichtung der Fortsetzung heraus.

Während andere Sequels darum bemüht sind, vom Erfolgsrezept des vorangegangen Films mehr zu bieten, variiert Cyborg Cop 2 lediglich einen Teil der Story seines Vorgängers und schickt erneut David Bradley als Jack Ryan in den Kampf gegen einen fiesen, halb-humaoiden Blechkameraden. Dieser hört auf den Namen Starkraven, der nach einem bleihaltigen Überfall auf eine verfeindete Drogengang mit seinen Kumpanen von der D.E.A., allen voran Ryan, hinter Schloss und Riegel gebracht wird und dort nach seinem Urteil auf seinen Gang zum Schafott wartet. Zumindest ist das die offizielle Version. Inoffiziell wird er von einer geheimen, staatlichen Organisation dafür genutzt, um aus ihm einen Cyborg für eine Anti-Terror-Einheit zu machen. Durch die Unachtsamkeit eines Mitarbeiters, beginnen Starkraven - der als Mensch-Maschine Spartacus genannt wird - und seine mechanischen Einheits-Kollegen ein fatales Eigenleben zu entwickeln und planen nach ihrem Ausbruch aus dem Firmenkomplex, die ganze Menschheit zu unterjochen.

Leider haben Spartacus und Co. die Rechnung nicht mit Jack Ryan gemacht. Dieses Mal verlor der Blueprint of a Man nicht wie in Teil Eins einen Blutsverwandten sondern - ungefähr genauso schlimm für diesen - seinen Partner im Schusswechsel gegen Starkraven und seine Bande. Auf der Suche nach dem wie vom Boden verschluckten Kriminellen stößt Ryan nach und nach auf die Machenschaften der Organisation und das fiese Upgrade seines Erzfeindes Starkraven. Gänzlich unspannend wird dies in Szenen gepackt, in denen Hauptdarsteller David Bradley mit seinem coolen Fuhrpark, seiner krampfig lässigen Ausstrahlung, seiner hunderteinprozentigen Männlichkeit und der an ihm wohl festgewachsenen, semi-coolen Gürteltasche durch die Wallachei brettert und Spartacus immer dicht auf den Fersen ist. Cyborg Cop 2 bietet sehr wohl mehr von besagten kybernetischen Figuren, deren Design durchaus in Ordnung geht, aber auch mehr Leerlauf, der im Vergleich zu Teil Eins weniger anstrengte.

Die Luft ist raus. Sowohl was meine damalige, jugendliche Begeisterung für diesen Film als auch die Exposition von Cyborg Cop 2 angeht. Würden nicht manchmal die Cyborgs um die Ecke schauen und für technisch routiniert umgesetzte Actionszenen sorgen, hätte ich den Film mehr in die Kategorie Totalausfall verbucht. Bot der erste Teil mit der Karibik einen durchaus interessanten Handlungsort und kleinere Scharmützel zwischendrin, beschränkt man sich fast vollständig auf Standard-Action zu Beginn, ziemlich in der Mitte des Films, die zugegeben im Bezug darauf das stärkste an diesem ist und zum Finale. Wie Bradley als Klischee-Heroe dargestellt wird, was zum Ende der Tankstellen-Szene in eine peinliche wie unfreiwillig komische Rettung eines in die Schießerei zwischen dem Cop und den Cyborgs geratenen Jungen inklusive Zeitlupe und Hall in den Stimmen der beteiligten Figuren gipfelt, ist an schablonenhafter Langweiligkeit nicht zu übertreffen.

Man kommt zum Schluss, dass dieser als Jack Ryan die Welt im Vorbeischlendern noch von OCP oder Skynet retten könnte. Bietet der Film nicht unbedingt eine ironische Brechung zu seinem vor Klischees triefenden Plot oder stereotypen Figuren, tue ich mich merklich schwer damit, sowas durchzustehen. Zumal Cyborg Cop 2 so dröge und austauschbar ist, dass man sich den unpassenden Humor aus seinem Vorgänger zurück wünschte. Zugute kann man ihm halten, dass er bei dem, was er dem Zuschauer eigentlich präsentieren möchte, gut funktioniert. Würde er knackiger und fieser in den Momenten sein, in denen Spartacus und seine Kumpanen das Ruder in die Hand nehmen, wäre der Film dezent spaßiger. Ihm fehlen einfach diese Ecken und Kanten, die mir an Action-Streifen meist Spaß machen. Wie der erste Beitrag der Reihe entpuppt sich auch die Fortsetzung als charakterlose Massenware, die ich wenigstens mit dem nostalgischen Gefühl in Verbindung bringen kann, das ich in meiner Sturm- und Drang-Phase als Filmfan durch diesen zum Freund kleiner B- oder C-Pictures wurde. Für mehr reicht es dann aber nicht.

Samstag, 16. Mai 2020

Cyborg Cop

Es begann, als ich langsam aber stetig das Medium Film für mich entdeckte und bewaffnet mit der von meinen Eltern favorisierten Programmzeitschrift für mich interessante Werke aufschrieb und aufnahm. Die dortigen Empfehlungen und Wertungen ignorierend, wilderte ich durch sämtliche Genres und bannte das 1994 entstandene Sequel von Cyborg Cop auf Kassette und fand ihn trotz der in der Zeitschrift angegebenen Kürzungen recht kurzweilig. Sam Firstenbergs Werk entfachte in meinem jugendlichen Ich eine noch heute andauernde Vorliebe für Low Budget-Action mit Science-Fiction-Einschlag, deren Sets aussehen, als hätten sich die Gestalter direkt beim örtlichen Schrottplatz bedient. Die Erinnerungen an besagte Fortsetzung verblassten über die Jahre, was mit der gleichzeitig phasenweise auftauchenden Lust, diese wieder zu schauen, ein zunächst wunderbarer Anlass für mich war, mich durch die gesamte Reihe zu kämpfen.

Der 1993 ebenfalls unter der Fuchtel Firstenbergs entstandene Erstling bietet schematisch einfach konzipierte Action um die Brüder Jack und Philip Ryan, beide ehemalige D.E.A.-Beamte, welche nach tödlichem Ausgang eines Einsatzes, in dem sie den durchgedrehten Sohn eines Medien-Clans erschossen hatten, suspendiert wurden. Während Jack eine ruhige Kugel schiebt, kann Philip seinen Hintern nicht still halten und lässt sich für einen Einsatz in der Karibik anheuern. Es soll dem Drogenbaron Kessel an den Kragen gehen, der die Söldner-Einheit in eine Falle tappen lässt und Philip für sein sozusagen zweites Standbein auf der Insel behält und aus diesem einen Cyborg zimmert. Vorausschauend schickte dieser seinem Bruder Jack eine Nachricht, dass etwas nicht stimmen könnte und den großen Bruder dazu bewegt, auf die Karibikinsel zu schippern.

Bis es dort rund geht, muss sich der Zuschauer stark gedulden. Frisch auf der Insel angekommen, brennt Cyborg Cop lieber jegliche Klischees des Genres und im Bezug auf Karibik-Eilande ab. Natürlich wissen die örtlichen Behörden bescheid, jagen Jack im Auftrag Kessels hinterher und bringen ihn unfreiwillig mit Reporterin Cathy zusammen. Beide geben sich ebenso schnell ihrer körperlichen Anziehung hin, wie sie sich zuvor durch wiederkehrende "Zufälle" begegneten und fast in Screwball-Manier anzickten und stritten. Das hier das Drehbuch einen großzügigen Schlenker macht und seiner Exposition viel Raum lässt, komprimiert die restlichen Action nach dem Einstieg mit dem letzten Einsatz des Brüderpaares und dem Einsatz der Söldner auf den Schluss und gibt dafür seinem Hauptdarsteller David Bradley Zeit, seine Alpha-Männlichkeit in jeder Minute, die er im Bild ist, großflächig zu versprühen.

Zwar darf er sich zwischendrin mit einigen bösen Buben kloppen oder kleinere Schießereien vom Stapel lassen, während uns auf der anderen Seite der Anblick vom leicht overactenden Gimli-Darsteller John Rhys-Davies als Oberbösewicht daran erinnern lässt, was dieser doch für eine wechselhafte Karriere hatte. Cyborg Cop orientiert sich sichtbar an Vorbildern aus der Kategorie A-Action und entwickelt sich fast zur Mogelpackung, da titelgebende Menschmaschinen nur am Rande vorkommen. Der stumme Exekutor Kessels und der unfreiwillig dazu aufgemotzte Philip bieten kurze Stelldicheins und zumindest ersterer sorgt obendrauf für deftig blutige Momente. Zwischen Robocop, Terminator und manchen Buddy Movie-Action-Vehikeln versucht Cyborg Cop seine Nische zu finden und stellt einen manchmal leider auf die Probe. Der handwerklich routiniert zusammengezimmerten Action steht eine flache Handlung gegenüber, die bis auf unfreiwillig-komische Momente in der Nutzung von Klischees und unpassenden Humor-Einschüben wenig kurzweilige Momente bietet. Im Gros des damaligen wie heutigen Angebots an kostengünstiger Action-Fertigware geht Cyborg Cop leider heute noch unter.

Stichworte

Review Horror USA Action Thriller Italien Drama Science-Fiction Deutschland Giallo Großbritannien Western Kanada Komödie Frankreich Filmkram Horrorctober 2017 Horrorctober 2018 Abenteuer Poliziottesco Spanien interna News Mystery Krimi 24 frames Erotik Fantasy Hong Kong Anthologie Martial Arts Neuseeland settegialli Argentinien Australien Dario Argento Dokumentation Found Footage Schweden Shaw Brothers Shorties Südkorea Animation China Comic Dänemark Franco Quentin Tarantino Rob Zombie Sexploitation Umberto Lenzi Aaron Moorhead Aktion Alexandre Aja Antonio Margheriti Belgien Biographie Brasilien Chang Cheh Coming of Age Dennis Widmyer Eastern Enzo G. Castellari Guillermo del Toro Illustration Island James Wan Japan Jordan Peele Justin Benson Kinotipp Lamberto Bava Lucio Fulci Mario Bava Michele Soavi Nachruf Norman J. Warren Pascal Laugier Philippinen Radio Silence Robert Rodriguez Sergio Martino Serie Slasher Stephen Carpenter Strange Cinema Troma Österreich Adam Wingard Adrian Garcia Bogliano Aktion Deutscher Film Alfred Vohrer Amando de Ossorio Andrea Bianchi Artwork Blickpunkt Boaz Davidson Bob Clark Bollywood Bruno Mattei Claude Chabrol Daily Trailer David Cronenberg Drew Goddard Duccio Tessari Dämonen Eddie Romero Eli Roth Fernando di Leo Festival Gothic Hammer Films Hörspiel Interview Italowestern Jack Arnold Jim Van Bebber Jim Wynorski John Carpenter John McNaughton Krieg Lloyd Kaufman Luc Besson Luis Buñuel Luxemburg Mario Caiano Mario Landi Marvel Marvin Kren Mexiko Michael Herz Michael Winner Mike Murphy Neil Marshall Netflix Oliver Kalkofe Paul W. S. Anderson Peter Rütten Peter Stults Podcast Polen Portugal Posterart Pupi Avati RKSS Regisseur Ridley Scott Robert Kurtzman Romano Scavolini Russland S. Craig Zahler Sauro Scavolini Schlefaz Schweiz Soundtrack Stuart Gordon TV Takashi Miike Tele 5 Terry Gilliam The Wild Binge Thomas Vinterberg Ti West Tobe Hooper Tom Savini Trailer Trashfilm Trinidad und Tobago Tschechische Republik Türkei Ulli Lommel VOD Vereinigte Arabische Emirate William Lustig Xavier Gens Zombies filmArt

Copyright © Allesglotzer | Powered by Blogger

Design by Anders Noren | Blogger Theme by NewBloggerThemes.com