Film ist Wahrheit, 24 Mal pro Sekunde. Tagebuch. Meinungen. Filmstoff.

Montag, 20. Mai 2013

Blood Beach

Wer kennt die Redewendung "Wie vom Erdboden verschluckt" nicht. Ausgehend von dieser hat man sich irgendwo in einer schummrigen Drehbuchautorensklaven-Kaschemme gedacht, daraus mit heißer Nadel einen Horrorfilm zu stricken, der genau daraus das vorherrschende Thema macht. Damit es richtig "authentisch" bzw. halbwegs glaubhaft rüberkommt, verlegt man die Handlung nach Kalifornien, dort gibt es viel Sonne und eben so viel Strand. Unter diesem lauert im Süden des amerikanischen Bundesstaats, in einer kleinen Ortschaft, das Grauen. Erstes Opfer ist die Beinahe-Schwiegermama von Strandwächter Harry Caulder, als sie gerade ihren Hund ausführt. In Windeseile ist sie im Strand versunken, jede Rettung als auch Harry kommen zu spät. Dafür kommt allerdings Catherine, Tochter der Dame und Ex-Liebschaft von Harry in den Ort, hoffend, dass ihre Mutter wieder auftaucht.

Dies ist leider nicht der Fall. Die unterirdische Bedrohung wird sogar noch schlimmer, knabbert fröhlich an Beinen von jungen Strandschönheiten herum oder zieht wahllos Menschen in die Tiefe des Bodens. Neben Harry und Catherine versucht auch die örtliche Polizei das Rätsel der unheimlichen Zwischenfälle am Strand zu lösen. Mit dem Fall werden Sergeant Royko, ein meistens dauernd rumnölender Cop sowie sein Partner Piantadosi und deren Captain Pearson betraut. Doch bis sie nach langem Suchen nach Anhaltspunkten der Sache langsam auf die Schliche kommen, müssen leider noch so einige Menschen daran glauben und werden vom Strand verschluckt.

Darüber hinaus muss auch die Geduld des Zuschauers unheimlich daran glauben. Blood Beach ist ein typisches Unikum im Wust des Genrefilms der in den 70ern bzw. beginnenden 80ern gedreht wurde. Ein reißerischer Titel und ein dazu äußerst ansprechendes Plakatmotiv, welche in Kombination wirklich Lust auf den Film machen. Wenn gleich zu Beginn auch sofort schon das erste Opfer in die sandigen Tiefen gezogen wird, was zugegebenermaßen recht ordentlich getrickst wurde, ist das auch ein gleichzeitig interessanter wie obskurer Anblick. Die Neugierde wird mit natürlich sofort geweckt, vor allem da der Film hier auch noch gleichzeitig die örtliche Verteilung von Opfer und Retter umkehrt. Ist man ja gewohnt, dass in so einer Szenerie am Meer jemand eher im kühlen Nass in die Tiefe gezogen wird und der Retter sich am Strand befindet, so ist dies hier genau andersrum. Im Strand lauert das Grauen, Protagonist Harry befindet sich auf dem Weg zur Arbeit. Reichlich martialisch schwimmt der mit blonder Mähne ausgestattete Recke zur Arbeit!

Leider kommt man aber nicht umhin, zuzugeben, dass Blood Beach das Interesse erweckende an seinem Stoff nicht lange aufrecht halten kann. Er ist ein Horror, dem es an eben diesem unheimlich viel mangelt. Ein Grund dafür kann man darin ausmachen, dass Regisseur Jeffrey Bloom es nicht gelingt, das überfrachtete Script punktuell umzusetzen. Er macht aus dem Film eine kleine Geduldsprobe, denn alsbald hat man sich an allem, was der Film so bietet satt gesehen und wünscht sich hier und da einen ordentlichen Schuss Würze. Nur leider fehlt diese komplett, Blood Beach bleibt unglaublich fade. Spannung kann der Film zu keiner Zeit aufbauen, dafür wird ihm durch den zweiten Handlungsstrang zu viel Luft genommen. Zum einen sind die Szenen, in denen das Grauen über bzw. unter die armen Gestalten hereinbricht, zu kurz und nach dem meist immer gleichen Schema aufgebaut. Auch wenn man weiß, dass dort etwas gefährliches lauert: durch einen Umstand setzt man doch einen Fuss auf den sandigen Todesbringer und einen Augenblick später wird man auch schon ein Stockwerk tiefer befördert.

Zum Anderen verbringt der Film zu viel Zeit mit der Schilderung der schrittweisen Annäherung von Harry und Catherine. Das Szenario ist bekannt, dass durch einen schrecklichen Umstand ehemals Liebende sich wiedersehen und gerade (oder spätestens) nach einem gewaltigen Finale wieder zueinander finden. Hier wird dies allerdings lang und breit ausgeschmückt und mit einem der wenigen positiven Dinge am Film - der äußerst stimmigen Farbgebung des Films, die sehr in warmen Farben gehalten ist - erinnert man sich hier leicht an seichter TV-Soap-Koast aus den 80ern erinnert. Aufgelockert, allerdings bei weitem nicht aufgebessert, wird der Film durch ironische Brüche und dem äußerst flapsig erscheinenden Cop-Gespann. Besonders erwähnenswert ist Burt Young, bekannt geworden aus dem Boxfilmhit Rocky, der als Royko ständig nölt, wie in Chicago die Dinge behandelt werden und recht rabiat mit seinen Mitmenschen umgeht. Ein kleiner Lichtblick, der allerdings auch nicht den Film komplett retten kann. Selbst Genrestar John Saxon steht ihm zur Seite, aber auch das hilft alles nicht.

Mitreißende Wellen sind am Blood Beach Mangelware, auf Spannungs- und Unterhaltungsebene herrscht hier weit und breit Ebbe. Auch wenn das Wortspiel äußerst billig und zu offensichtlich zu sein scheint, es passt eben: Der Film versandet; das ihn verschlingende Monster ist unter dem Namen Langeweile bekannt. Kollege Oliver Nöding schreibt in seiner Besprechung sehr treffend, dass es sich

um einen recht verschnarchten, merkwürdig unengagiert hingeschlunzten Monsterfilm, der nur wenige der Reize aussendet, die man von einem Monsterfilm erwartet (...)

handelt. Nun sind Zitate aus Besprechungen von Bloggerkollegen sicherlich nicht gerade die Üblichkeit, aber Oliver trifft es hiermit sehr auf den Punkt. Der Unterschied ist, dass ihm der Film trotzdem noch einen gewissen Unterhaltungswert gebracht hat.

Geschmäcker sind verschieden und dem Rezensenten, der nun geplagt von so viel sandiger Langeweile diese Zeilen in die Tastatur hämmert, war Blood Beach eine Spur zu unaufgeregt. Die Atmosphäre ist teils sehr hübsch eingefangen, wird mit seinem stimmigen Soundtrack sogar noch recht aufgewertet, allerdings lässt es nichts an der Tatsache ändern, dass es eben ein unheimlich madiger Horrorstreifen ist. Die wenigen positiven Merkmale, die er mit sich bringt, stehen einsam den negativen gegenüber. Gerade auch weil die Auflösung, was denn nun da unter dem Strand haust, kaum erklärt wird und recht obskur anmutet. Es scheint - gerade durch das allseits bekannte Open End durch das gnadenlos der Abspann rauscht - gewollt zu sein, eine Fortsetzung mit mehr erklärenden Elementen hinterherzuschieben.

Blood Beach schien allerdings nicht gerade sehr erfolgreich gewesen zu sein (da er in den USA ohnehin mit recht wenigen Einsätzen lief) und somit lässt diese (Gott sei Dank?) auf sich warten. Verfilmte Langeweile, die 732. kann man da nur sagen mit einem durchweg versauten Finale, dass genauso unspektakulär an einem vorbeirauscht wie der restliche Film. Wenn man viel Sand sehen möchte, dann kann man diesem auch beim Durchrieseln in einer Sanduhr zuschauen. Spannung dürfte hier mehr wie hier vorhanden sein und auch die schon angesprochene durchaus stimmige Atmosphäre schafft es nicht mehr, dass der Film gerettet wird. Ein B-Film, der mit seinem Thema durchaus Potenzial für mehr mitbringt, allerdings dieses nicht nutzt. Es scheint wohl auch am Cast und dem Regisseur selbst zu liegen, dass das Niveau nicht über laue TV-Unterhaltung hinaus geht. Da wurde viel verschenkt.

Freitag, 3. Mai 2013

Peter Stults: Bekannte Filme in einer früheren Zeit

Der Künstler Peter Stults geht einer interessanten Frage nach: was wäre, wenn bekannte Streifen wie z. B. Blade Runner, Pulp Fiction oder Trainspotting viel früher gedreht worden wären. Aus einer anderen Zeit stammend, mit anderen großen Namen in den Hauptrollen? Kann man sich Warren Beaty als den dunklen Ritter in The Dark Knight Rises vorstellen? Oder Julie Andrews in einem The Sixth Sense von Nicolas Roeg? Jedenfalls visualisiert er diese Fragen in wunderbare, auf alt getrimmte Filmplakate. Die sind jedes für sich ein wahrer Augenschmaus und laden wirklich zum Träumen ein, wie die Filme - wie sie von den Plakaten schimmern - wohl so geworden wären.









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