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Montag, 7. November 2016

Dead Silence

Nach James Wans Überraschungshit Saw entstanden, lastete auf Dead Silence sicher damals schon eine gewisse Erwartungshaltung. Schaut man sich den Film mittlerweile an, nachdem Wan die durchaus guten Conjuring-Filme und den fantastischen Insidious gemacht hat, ist diese Erwartungshaltung noch ein wenig größer. Der Regisseur hat mit diesen Filmen bewiesen, dass er durchaus ein gutes Händchen für atmosphärische Stoffe mit gut getimten Gruselmomenten ist. Allerdings stellt sich bei Dead Silence schnell die Ernüchterung ein. Trotz seines vorhandenen Potenzials ist der Film eher nur ein solides Spiel mit gängigen Versatzstücken, welches in der Entwicklung seiner Geschichte nicht richtig zu überzeugen vermag.

Gerade eben noch auf dem Weg, um für seine Liebste und sich Chinanudeln zu holen, schon wird Jamie bei der Rückkehr in die heimische Wohnung vom Schicksal stark gebeutelt. Seine Freundin liegt tot im Bett: mit weit aufgerissenen Augen, ebenso groß aufgerissenem Mund und fehlender Zunge. Kurz bevor er aufbrach um Essen zu holen, klingelte es an der Wohnungstür und ein geheimnisvolles Päckchen liegt vor der Tür: darin ist eine Bauchredner-Puppe, der Absender ist unbekannt. Diese Puppe und der Tod der Freundin führt Jamie zurück in seine langsam vor sich hingammelnde Heimatstadt, um Antworten zu finden. Wieso musste seine Freundin sterben? Was hat es mit der Puppe und der Legende um Mary Shaw auf sich, die Bauchrednerin die auch nach ihrem Tod laut dieser noch sehr umtriebig sein soll?

Wan verbindet hier zwei von mir geschätzte Subgenres, den Geister- und den Puppenhorror, zu einem nur gelinde befriedigendem Werk. So richtig möchte es mit der ganzen Story nicht wirklich klappen, obwohl diese sehr zielstrebig erzählt wird. Ohne unnötige Füllsel geht es voran, doch so richtig kann einen der Film auf dieser Ebene nicht abholen. Es scheint ein gewisser Druck auf James Wan gelastet haben, dass er an den Kassen der Kinos eben so viel Kohle scheffelt wie Saw. Dem Film merkt man an, dass er auf Nummer sicher geht und die Versatzstücke der beiden Genres solide ineinanderfließen lässt. Das geht okay, ist an manchen Stellen wirklich effektiv, aber hunderprozentig kann es nie überzeugen. Dead Silence ist viel zu konform, konservativ und vielbekannt in seiner Machart und möchte nicht aus seinem Genrekorsett ausbrechen.

Der Twist gegen Ende kann dies ein wenig auffangen, bevor der Eindruck eines absolut soliden aber mäßigen Werkes entsteht. Trotz aller Gleichförmigkeit punktet Dead Silence dafür in einer Sache: seinem Look und den Settings. Getaucht ist der Film in trübe, grau-braune Farben, in denen nur Rot stechend hervortritt. Dies verstärkt die Wirkung des Verfalls, der über der kleinen Heimatstadt des Protagonisten liegt. Hier streift Wan sogar öfter den Gothic Horror, wenn innerhalb des Filmes ein altes, heruntergekommenes Theater betreten wird. Ebenso wenn in des Nächtens auf den Friedhof geht. Dies sind mit die stärksten Momente eines Films, dessen Schocks selten sitzen und seine Atmosphäre bis auf die angesprochenen Szenen auch hätte etwas stärker ausfallen können. Man kann es als durchaus anschaubare Fingerübung Wans ansehen, bevor er sich an Conjuring und Insidious machte.
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Sonntag, 10. April 2016

Insidious

Eines kann man wirklich sagen: Für Genre-Filme hat der in Malaysia geborene Regisseur James Wan wirklich ein Händchen. Das hat er nicht nur bei seinem Durchbruch Saw bewiesen. Sein Talent blitzte auch in den darauf folgenden Filmen mehr als einmal auf. Auf dem Gebiet des Geisterfilms setzte er gleich zwei riesengroße Duftmarken: The Conjuring und Insidious. Beiden Filmen liegt anheim, dass sie die Bedrohung im Heim heraus zeigen, eine fremde Erscheinung dort ihr Unwesen treibt und die dort ansässigen Menschen terrorisiert.

Im Falle von Insidious sind das Josh und Renai Lambert, die mit ihren drei Kindern in ein neues Haus ziehen. Mit der Familie scheint auch das Unglück mit ins neue Heim gezogen zu sein. Das neue Zimmer ist dem Sohn Dalton zu unheimlich, Dinge scheinen sich von alleine zu bewegen. Bei einem unglücklichen Sturz von einer Leiter fällt Dalton am nächsten Tag ins Koma. Keiner der behandelten Ärzte kann sich allerdings diesen Zustand des Jungen erklären. Alle Behandlungsmethoden greifen nicht. Dalton kehrt zur Dauerpflege wieder nach Hause zurück und von da an geht der Spuk erst richtig los. Unheimliche Gestalten scheinen im Heim der Familie umherzuwandeln, was nach Drängen von Renai die Familie dazu bewegt, in ein anderes Haus zu ziehen. Doch die Ruhe möchte nicht einkehren.

Über Insidious wie auch The Conjuring ist zu sagen, dass beide Filme das Rad nicht neu erfinden. Die Geschichte(n) sind ein gängiges Thema im Horrorfilm, welches schon oft bemührt wurde. Während der drei Jahre spätere The Conjuring seine anfänglich sehr angenehm zurückhaltende Gruselmomente leider immer mehr für einen grellen, effektbeladenen Höhepunkt aufgibt, so bleibt Insidious auf einem angenehm altmodischen Niveau. Diese Floskel, dass Filme mit Geisterthema in der Tradition altmodischer Grusler stehen, wurde in den letzten Jahren oft benutzt und mag mittlerweile auch schon abgenutzt wirken. Für Insidious passt es sehr gut, spielt der Film doch so gut mit den Ängsten seiner Protagonisten und des Zuschauers.

Dem Buch des Films gelingt es, eine fantasievolle Erklärung bzw. Auflösung für das Problem mit Daltons Koma zu bringen. Bis dorthin packt Insidious all das aus, was man an Geisterfilmen mag und kennt. Schemenhafte Gestalten, die durch Gänge wandeln oder in Ecken stehen, plötzlich auftauchende Personen, Dinge die an anderen Stellen sind als vermutet etc. Regisseur James Wan besticht zusammen mit dem Drehbuch, das seine Geschichte schnell, stimmig und mit Sinn für Atmosphäre aufbaut, ein unglaublich gutes Timing. Der Film konzentriert sich auf die Wesentlichkeiten der klassischen Horrorfilme, an die man sich anlehnt: eine Atmosphäre, die zu jeder Zeit eine unheimliche Stimmung heraufbeschwört.

Zusammen mit der nie wirklich ruhenden Kamera, die immer stark an den Figuren des Filmes dran ist und das bzw. die Häuser perfekt einfängt und einem ebenfalls reduzierten Soundtrack entsteht eine intensive Melange, die dem Zuschauer keine Pause gewähren lässt. Man kann sich an einige Filme aus der asiatischen Geisterwelle á la Ju-On oder Ringu oder Poltergeist erinnert fühlen: Insidious bleibt eigenständig und versucht nicht munter, sich durch bisherige Genre-Glanztaten zu zitieren. Das der Film es schafft, bis zum Ende immer punktgenau seine Schocks zu landen, muss man dem Team um Autor Leigh Wannell und Regisseur James Wan zu Gute kommen lassen. Sie lassen von dieser Art Genrefilm das Grundgerüst übrig, lassen jeden übrigen Ballast und Schnickschnack außen vor. Da sind selbst die selbstironisch gezeichneten Figuren der beiden Geisterjäger kein Zugeständnis an heute geltende Gesetze moderner Horrorfilm-Schreibung. Auch sie passen in diese gut hundertminüte Schockarie sehr gut hinein.

Diesen straighten Weg geht man bis zum Schluss. Das Ende des Films schielt natürlich auf weiteres Cash, dass man an der Kinokasse verdienen kann - man verzeiht es ihm. Dafür hat Insidious vorher sehr intensiv, ohne auf irgendwelchen Splatter (der hier ohnehin sehr unpassend gewesen wäre) zu setzen, seine Zuschauer und die Protagonisten durch eine sehr tolle Schockertour gezogen. Hätte Wan The Conjuring auch so inszeniert, oder in eine ähnliche Richtung getrieben, wäre dieser (gesamt doch recht ordentliche) Film ebenfalls ein kleines Highlight - ähnlich wie Insidious - der letzten Jahre geworden.
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