14. Januar 2009

Body


Der Student Chom ist gerade frisch in die Wohnung seiner Schwester gezogen und scheint ein völlig harmloses, wenn auch leicht chaotisches Leben zu führen. Doch der junge Mann wird in der Nacht von wiederkehrenden Albträumen geplagt, in denen er die Zerstücklung einer Frauenleiche durch einen unbekannten Mann sieht. Die Träume zuerst auf die leichte Schulter nehmend, mehren sich bei ihm auch bald am Tage unheimliche Halluzinationen, die von einer ihm unbekannten Frau namens Dararai handeln und welche ihn auffordert, sie zu suchen. Ob ein Zusammenhand mit seinen Albträumen besteht? Erst als seine besorgte Schwester auf ihn einredet, besucht er eine Psychologin und versucht hinter das Geheimnis der geheimnisvollen Dararai zu kommen.

Bei diesem thailändischen Horrorschocker handelt es sich um den Debütfilm des jungen Regisseurs Paween Purikitwanya und damit landet der werte Herr gleich einen schönen Start in seiner Karriere ein. Dabei kann er die Zuschauer ja schon mit einer ellenlangen und schönen Kamerafahrt bezaubern, in die auch der Vorspann eingebettet ist. Dabei läßt sich Purikitwanya mit der Einführung seiner Charaktere Zeit und erzählt seine Geschichte in ruhigen und unheimlich stimmigen Bildern. Man fühlt sich bei so manchen Kamerafahrten sogar an die italienischen Altmeister Bava (wohlgemerkt Mario) oder Argento erinnert, welche ebenfalls mit ihren Kameraarbeiten furiose Bilder schaffen konnten. Verbunden mit einigen schönen Einstellungen kann hier Body schon mal restlos überzeugen. Dabei erschafft man schnell eine Art Hochglanzgrusler, der allerdings auch gleichzeitig einige Probleme mit seinem Stil bekommt.

Vielleicht geht der Regisseur einfach ein wenig zu gestalterisch zu Werke, überfrachtet ihn mit durchgestylten Bildern, die den Film und die Geschichte selten richtig greifbar werden läßt. Kurz bevor man zu einhundert Prozent mitfiebern kann, baut sich eine unsichtbare Barriere auf, die der Film erst in den letzten Minuten aus dem Weg räumt. Schade, denn so kann manche Schockerszene trotz wirklich guten Umsetzungen nicht wirklich ihre Wirkung entfalten. Bestes Beispiel ist hier der Auftritt Dararais in der Universität, wenn sie eine Hilfsprofessorin bedroht. Als diese vor ihr zurückschreckt und an eine Wand mit unzähligen, eigentlich toten Schmetterlingen stößt und diese trotzdem quicklebendig um sie her flattern und durch die Halle fliegen ist wirklich toll anzuschauen und trotz des weiteren Verlaufs der Szene und der guten Maskenarbeit, die das F/X-Team bei Dararai geleistet hat, so bleibt der Horror doch ein wenig auf der Strecke.

Die mysteriösen Elemente, ja selbst die Spannung vermögen es leider nicht vollends aus der schönen Hülle auszubrechen und sich zu entfalten. Hinzu kommt, das man beim Erzählen der Story auf bekannten Pfaden bleibt so das der Zuschauer schnell meint, den Braten gerochen zu haben. Das doch alles ganz anders ist, auch wenn man mit manchen Vermutungen noch recht behält, hat Body abermals seinem Ende und dem damit verbundenen Twist zu verdanken. Damit katapultiert er sich gleich in eine völlig andere Liga und läßt unter der Fassade noch einige andere Schichten der Geschichte aufblitzen, die mit dem Verlauf der Geschichte größtenteils Sinn ergeben. Allzu sehr sollte man zwar nicht nach der Logik aller vorherigen Begebenheiten fragen, doch die Auflösung läßt wirklich aufhorchen und so manches kleinere Defizit vergessen machen. So wird der Film zu einem astreinen Horror-Drama, den man weit entfernt sogar mit modernen Klassikern á la A Tale of Two Sisters oder Cello vergleichen lassen kann. Von deren Klasse ist er zwar auch noch etwas entfernt, kann aber wirklich mit einigen eindrücklichen Szenen seine Klasse beweisen.

Auch mimisch ist alles im grünen Bereich, wobei man hier allerdings anmerken sollte, das die deutsche Synchronisation an einigen Stellen verunglückt ist und teils etwas seltsam und peinlich anmutende Dialoge durch die Boxen jagt, was glücklicherweise nicht dauerhaft der Fall ist. Die meiste Zeit hat man es hier mit einem ruhig erzählten Stück Horrorfilm zu tun, der erst spät voll aufdreht und dann aber auch restlos begeistern kann. Denn kurz bevor man meint, das doch mehr die eleganten Bilder wichtiger als die zu erzählende Geschichte ist, wird genau das Gegenteil bewiesen. Kein "Style over substance", auch wenn es das ein oder andere Mal in die Richtung schwenkt. Allerdings bekommt Body immer wieder die Kurve und fährt am Ende als glücklicher Sieger über die Ziellinie.
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