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Donnerstag, 15. Juli 2021

A Man Called Magnum

Als sich die 70er Jahre ihrem Ende zuneigten, taten es ihnen im italienischen Kino der Giallo und der Poliziottesco gleich. Wenige Jahre zuvor spülten beide Strömungen noch einige Großtaten größeren und kleineren Kalibers in die Kinos. Doch mit den Jahren bröckelte beim Giallo die hübsche Fassade in großen Stücken ab und durch sichtbar noch geringeres Budget wirkte manch gelber Schlitzerfilm übersichtlicher, dreckiger und trostloser. Beim Poliziottesco wog das ganze durch seine gestalterisch geerdetere Bildsprache nicht so schwer. Richtig sollte sich bis zu Lucio Fulcis Syndikat des Grauens, dessen ultimativem Stoß gegen den offenen Sargdeckel des Genres, nicht mehr tun. Die Luft war ziemlich raus und eher wurden sattsam bekannte Geschichten geringfügig variiert und wiedergekäut. 

Michele Massimo Tarantinis 1977 entstandener A Man Called Magnum reiht sich gut in diese Art spät entstandener Poliziottesci ein. Es stimmt traurig, diesen Satz über den Film zu schreiben, der zu wenig aus seinen Genrevariationen macht und mit jeder weiteren Minute die er verstreicht, beliebiger erscheint. Mit Luc Merenda als  Kommissar Dario Mauri bietet er obendrein einen charismatischen Hauptdarsteller, der zwar mit auf Anschlag gedrehter Maskulinität das verkörpert, was man im Jahrzehnt als cool empfand, aber zeitgleich aalglattes Abziehbild anderer Figuren des Genres bleibt. Als frisch in Neapel angekommener Cop aus Mailand, wird ihm mit dem von Enzo Cannavale dargestellten Nicola Capece das komplette Gegenteil seiner selbst als Partner zur Seite gestellt. 

Der bei beiden hochkochende Konflikt zwischen Norden und Süden Italiens, ein in manchen Werken des Genres wichtiger Punkt der Handlung, wird von Michele Massimo Tarantini lieber dazu genutzt, dass launige Sprüche über die Lippen beider Mimen gehen. So schnell sich hier die Gräben zwischen Norden und Süden auftun, schließen sie sich wieder und A Man Called Magnum wird zum Italian Buddy-Movie, bei dem Mauri und Capece bald eine innige Freundschaft pflegen und dabei versuchen, Drogenboss Domenico Laurenzi dingfest zu machen. Im Versuch, eine ihm entwendete Ladung Rauschgift wieder ausfindig zu machen, bemerkt dieser nicht, dass seine kleine Tochter die Unterredungen mit seinen Handlangern über das Rohr des in ihrem Zimmer befindlichen Heizofens belauscht und der Polizei mit von ihr gemalten Bildern Hinweise schickt.

Ist einmal die Spur Laurenzis aufgenommen, lassen Tarantini und sein Co-Autor Dardano Sacchetti diese Idee ebenso fallen. Lieber ergeben sich die beiden in ihrem Script der Kausalität der genutzten Genre- und Story-Elementen. What you expect is what you get. Das A Man Called Magnum nicht zu aufgewärmter, fader Soße wird, verdankt der Film ironischerweise seinem auf Autorenseite auf Nummer zu sicher gehenden Regisseur. Die aufgezeigten Gegensätze zwischen Mauri und Capece bringen gewissen Spaß; der häufig im Komödienfach arbeitende Tarantini beweist damit sein Händchen für humorige Momente und legt ein hohes Tempo an den Tag, bietet einige nette Verfolgungsjagden und andere Actionsequenzen. A Man Called Magnum legt eine auf den Gesamteindruck positiv auswirkende Kurzweiligkeit an den Tag. Auf der anderen Seite, wenn der Unterhaltungswert des Films abklingt, bleibt die Erkenntnis, dass er ein Film unter vielen bleibt und dieser sich wie seine Schöpfer dem langsamen dahinsiechen seines Genres längst ergeben hat.

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