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Samstag, 9. November 2019

Tanz der Dämonen

Als selbst ernannter Filmkritiker oder sowas, der angeblich kluge Dinge über große und kleine Filme in den Äther hinaus bläst und seine Gedanken dazu mit anderen Menschen teilt, hat man es manchmal schwer, bei manchen Filmen den eigens gesetzten Anspruch an seine Besprechungen einzuhalten. Die Credits rollen noch über den Bildschirm und im Kopf formt sich bereits die Frage, was man nun eigentlich genau über den eben gesehenen Film überhaupt schreiben soll. Einige stellen einen vor die Herausforderung, gefühlt nicht immer das gleiche zu schreiben und dies - hier gelangt man wieder an den eigenen Anspruch - in nicht nur einem oder zwei Sätzen abzuhandeln. Charles Philip Moores Demon Wind gehört wahrlich dazu, wird hier doch schon sein deutscher Titel zu einer überaus generischen Sache. Diesmal sind es keine Teufel sondern dem dünnen Plot des Films folgend Dämonen, die damals sogar im Kino und später in der Videothek ihren Balztanz um die Aufmerksamkeit der Zuschauer vollführten.

Das Plakat teasert mit seinem minimalistischen Motiv an, dass der Schauplatz der Sause hier wie in Sam Raimis Kultklassiker wieder eine Blockhütte ist, an dessen Fenster sich zwei klauenbewehrte Hände unter diesem durchschieben, während eine dämonische Fratze angsteinflößend auf den Betrachter blickt. Die blutroten Lettern des Titels legen sich aufdringlich nieder während die simple Tagline uns in der Hölle willkommen heißt. Weniger durch eine wahrhaft infernalische Sause sondern eher durch sein schleppendes Plotgerüst wähnt man sich einige Minuten nach Filmstart tatsächlich im Höllenfeuer. Tanz der Dämonen schleppt sich wie ein angeschlagener Athlet Meter für Meter auf seiner Plotstrecke dem zu erwartenden Höllenritt entgegen um dann verwirrt im undurchsichtigen Nebel seines Storygewirrs stecken zu bleiben. Mit dem Auftritt der Dämonen wird das Script zu einem lauen Evil Dead-Rip Off mit Zombiefilm-Anleihen und leiert das Einmaleins des Horrors herunter und subtrahiert gleichzeitig wahrscheinlich unnötig empfundene Spannungsbögen.

Es liegt an der seltsamen Stimmung in seiner ersten Hälfte, dass ich letzten Endes beinahe milde Töne für Tanz der Dämonen anstimmen kann. Nicht, dass man in dieser einen tatsächlich bzw. ansatzweise guten Horrorfilm erwarten sollte. In der schleppend verlaufenden Geschichte um Cory, der nach vielen Albträumen zur darin vorkommenden Ruine des alten Farmhauses seiner Großeltern pilgert um herauszufinden, welche dunklen Geheimnisse die Vergangenheit seiner Familie birgt, tauchen einige kleine Einfälle so plötzlich auf wie Corys Freunde auf dessen Weg zum ehemaligen Hof der Familie. Beginnend mit der Rast an einer alten Tankstelle mitsamt Imbiss, die - wie sollte es anders sein - von einem um die dort lauernden Gefahren wissenden älteren Herrn betrieben wird, wabert eine alptraumhafte Atmosphäre durch den Film, in der die wenigen netten Ideen wie Moorlichter aufblitzen um sich langsam im Nebel der Einfaltigkeit aufzulösen. Der beginnende Dämonentanz wird zu einem Ballett der Dämlichkeit, in dem sinnentleerte Dialoge, stark bemühte Mimen und mit Traumlogik versehene Gruselelemente aufeinander treffen.

Aufkeimendes Amüsement über Ideen wie der Verwandlung einer jungen Frau in eine Puppe wird zugunsten einfach getrickster Gore-Eskapaden aufgegeben, die in ihrem mühsamen Aufbau leider mehr dem Ende des Films als dem mit nicht vorhandener Spannung erwarteten Finale entgegenfiebern lässt. Die dunklen Erinnerungen an Tanz der Dämonen, von dem ich nur noch wusste, dass ich ihn vor einigen Jahren beim ersten Sehen sehr dürftig fand, wurden leider doch bestätigt. Wäre der Film einen Mittelweg zwischen Splatter und surrealem Horror gegangen, wäre er ein vielleicht ebenfalls anstrengender, aber leidlich interessanter Film geworden. Lieber verschenkten die Schöpfer das zu Gunsten einer Dauerberieselung mit Bluteffekten, die hinter dem oft angesprochenen Ofen nicht richtig hervorlocken können. So verklärt kann man auf den Film leider nicht blicken wie man möchte, um da die wenigen Dinge, die man doch irgendwie gut findet, als gänzlich positives Gesamtergebnis dastehen zu lassen.

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