15. September 2018

Another Deadly Weekend

Es gibt zwei Wörter, die Another Deadly Weekend treffend beschreiben: egal und another. Umschreibt letzteres zuerst einmal doppeldeutig, dass es sich um ein weiteres tödliches Wochenende handelt, womit der deutsche Verleih wahrscheinlich zusätzlich auch eine zuvor nicht vorhandene Verbindung zum Indie-Horror Deadly Weekend aufbauen möchte, beschreibt es gleichzeitig auch das größte Problem des Films. Es ist eben ein weiterer Horrorfilm unter vielen. Bei dem großen Angebot an kleinen Low- und No Budget-Produktionen einfach noch einer. Aus der Masse herauszustechen ist eine Hürde, die es zu überwinden gilt. Steve Wolsh, Autor und Regisseur, kann man bei seinem Debüt beobachten, wie er in Zeitlupe und kurzen Anlauf nehmend frontal in diese Hürde prescht und sich formidabel auf die Schnauze legt. Sein Start verspricht auf den ersten Metern zuerst interessant und rasant zu sein. Wo andere Slasher Handlungsminimalismus zelebrieren und mit wenigen Szenen einen schwammigen Aufbau kreieren, Figuren grob skizziert, den Mördern unscharf gezeichnete Hintergründe schenkt, pfeift der im Original schlicht Muck betitelte Film darauf.

Wolsh lässt seine gesichtslosen Männer und Frauen jüngeren Alters in schwarzer Nacht panisch durch ein Moor stolpern, welche sich eilig zusammensuchen und dabei menschliche Verluste verzeichnen. Wie es der erste fade Einfall des Filmemachers will, findet man alsbald ein einsames Gebäude mitten in der Pampa aufragen, in welches sich die Gruppe rettet. Es gilt sich zu sortieren, eine Inventur unter den Freunden vorzunehmen und Notfallpläne zu schmieden. Der verletzte Sprücheklopfer der Freunde lässt zwar minütlich Blut, doch die Libido ist so stark wie eine Herde Jungbullen. Auch unter größten Schmerzen will er die gut gebauten Frauen des Trupps begatten, den Schmerz mit vorgefundenem Fusel wegsaufen und den Beschützer raushängen lassen. Man teilt sich und während irgendein Sonnyboy seine Angebetete zurücklässt um Hilfe zu holen, erkundet der weniger mitgenommene Rest das Haus. An dieser Handlungsweggabelung lernen wir, dass die im Gebäude verbliebenen von einem kalkweisen Kane Hodder mit schlechter Maske und seinen ebenfalls dürftig geschminkten Kreaturenfreunde verfolgt werden und dass St. Patricks Day ist.

Ob die namenlosen Dämonen schlechtgelaunte Handlanger irgendeines Leprechauns sind, bleibt unklar wie unwichtig. Wolshs Drehbuch schert sich bei der Ankunft des auserkorenen Retters in einem Pub um Ernsthaftigkeit und präsentiert häufiger wie zuvor die weiblichen Castmitglieder als halbnackte Babes und "wichtige" Szenen wie z. B. dem Klamottentausch zweier Freundinnen auf der Damentoilette, um den hilfesuchenden Strahlemannanwärter besser anzubaggern zu können. Die Szene im Pub wird absurd in die Länge gezogen, birgt unfreiwillige Komik und lässt einen wieder bemerken, dass ältere Filme das Ablenken von der kaum vorhandenen Handlung mit nackter Haut und/oder matschigem Gekröse viel charmanter hinbekommen. Irgendwann kommen noch drei weitere Menschen dazu, deren genaue Rolle man während ihrer spärlichen Einführung schon wieder vergisst und die in schrecklich lang gezogenen Kneipenszenen während eines Dates vorgestellt werden. Der nervige Typ ist, soweit es die Erinnerung zulässt, ein Verwandter des im Pub eingekehrten Pseudohelden und wie seine zwei Begleiterinnen einfach nur Kanonenfutter. Ab einem gewissen Zeitpunkt ist bis auf das stetige Erhoffen des Endes alles andere Egal. Another Deadly Weekend ist ein Low Budget-Slasher, der - recherchiert man hinterher im Internet - ein gewagtes Konzept gekonnt in den Sand setzt.

Es ist der Anfang einer Trilogie und unkonventionell wie sich Steve Wolsh wohl selbst einschätzt, beginnt man eben einfach mit dem Mittelteil. Another Deadly Weekend schafft es nicht, das man als Zuschauer auch nur im geringsten Interesse daran bekommt, was überhaupt mit den durchs Moor hetzenden Kids geschehen ist. Im Hintergrund grüßt ständig das schwache Grundkonzept mit zwanghaftem Betteln dem grobschlächtigen Fandom gegenüber, das ganze jetzt bitte geil zu finden, weil manchmal Blut und noch viel öfter knapp beschürzte Damen noch knapper oder gar nicht mehr Textilien am Leib tragen. Stilecht feierte der über eine Kickstarter-Kampagne finanzierte Film im Playboy Mansion seine Premiere und in der Tat: mit diesem Wissen fühlt sich das noch mehr als verkappter Versuch eines Horrorfilms der Softsex-Kabel-TV-Abteilung des Männermagazins an. Die bescheuerte Idee Wolshs ein schwaches, theoretisch nettes Konzept pausenlos mit ärgerlichen Blödsinn an die Wand zu donnern, bedarf kurzes, respektvolles Nicken, das schnell wieder von fassungslosem Kopfschütteln darüber, wie schlecht alles umgesetzt wurde, abgelöst wird. Another Dealdy Weekend wird von einem weiteren Wort äußerst gut beschrieben, besser noch: zusammengefasst: schal.