13. März 2009

Sieben Jungfrauen für den Teufel

Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu und während einige Schülerinnen während dieser Zeit im St. Helena College, einem reinen Mädcheninternat, geblieben sind kommen die Lehrkörper - alte wie neue - zurück an die Schule. Doch mit den Lehrern hält auch der Tod Einzug im Internat, verschwindet doch zuerst die Schülerin Betty-Ann, nur um wenige Zeit später von Lucille, welche ein Verhältnis mit dem Reitlehrer Richard pflegt, aufgefunden zu werden. Doch als sie Richard ihren grausigen Fund zeigen möchte, ist die Leiche längst wieder verschwunden. Es geschehen weitere Morde und bald wird Lucille und der herbei gerufenen Polizei klar, das es der Mörder auf Lucille abgesehen hat.

In den ausgehenden 60ern war die italienische Giallo-Landschaft noch recht überschaubar, trotz das Mario Bava 1964 mit dem superben Blutige Seide nicht nur den Startschuß zu diesem äußerst ergiebigen Genre gab, sondern damit auch einen Blueprint für alle folgende Werke vorlegte. Während sich die Gialli gerade in den Boomjahren 1970 - 1974 mehr in Richtung des Thrillers bewegten, so waren die Filme in den 60ern noch eher mit dem literarischen Vorbild verbunden: Pulp-Krimis. Groschenromane. Für viele einfach nur "billiger Schund" auf ebenso billigem Papier niedergekritzelt. Doch schon Bava zeigte, wie man angeblichen "Schund" (was Blutige Seide natürlich in keinster Weise ist) in edle Bilder kleidet. Diesen Weg geht auch Tausendsassa Anthony Dawson mit seinem Giallo Sieben Jungfrauen für den Teufel.

Nicht ganz so pompös mit Licht, Farben und Einstellungen spielend wie dies eben Bava in seinem Film tat, aber dafür in wunderbarem 60er Jahre-Hochglanz verpackt erzählt Dawson reichlich verschmitzt eine spannende Geschichte, die sich erst nach und nach entfaltet um dann - wie der Täter - zuzuschlagen. Das selbst die vielleicht etwas behäbig erscheinende Handlung in der ersten Hälfte nicht langweilig wird, verdankt man den schnell sympathischen Figuren der verschiedenen Mädchen, wobei Protagonisten Lucille sogar noch von der Mitschülerin Jill ausgestochen wird. Diese ständig plappernde und sich in Fantastereien ergehende Hobbyautorin von eben jenen "Schundromanen" wächst mit laufender Zeit des Films zur leicht nervig erscheinden Göre zum heimlichen Star des Films heran. Voll und ganz nach Stoff für ihr Buch suchend, mausert sie sich zu einer kecken und recht süß erscheinenden Hobby-Detektiven heran, die die ganze Handlung über schön auflockert.

Wobei dies allerdings nicht heißen soll, das der Rest der schauspielernden Belegschaft negativ auffällt. Im Gegenteil. Dawson versteht es gut sein Ensemble so ins Licht zu rücken, das während der Geschichte man immer wieder hin und her gerissen ist, ob betreffende Figur nun Dreck am Stecken hat oder doch nicht in das Raster des Mörders fällt. Die eigentlich recht simple Kriminalgeschichte ergeht sich dabei nicht wie in späteren Gialli in tausenden Verstrickungen bzw. Storytwists, wird aber unter der Führung von Margheriti zu einem trotzdem spannenden Whodunit, welches selbst über die leichte Vorhersehbarkeit des Stoffs hinwegsehen läßt. Hierbei läßt sich streiten, ob dem Film die zum Ende hin gelegte falsche Fährte für das Endergebnis nicht sogar besser gewesen wäre. Hier wäre ohne weiteres ein etwas größerer Überraschungseffekt drin gewesen.

Trotzdem ist Sieben Jungfrauen für den Teufel ein wahrlicher leckerer Augen- als auch Ohrenschmaus. Sowohl die herrlichen Dekors und Ausstattungen versprühen wundervollen 60er Jahre-Charme, das nur noch vom Soundtrack getoppt wird, welcher ebenso voll und ganz den Zeitgeist des Jahrzehnts spüren läßt. Und gerade die mit den Jahren gereifte klassische bzw. altmodische Art des Films läßt einen atmosphärischen Giallo entstehen, welcher ausspart, sowohl was die Darstellung der Morde als auch die leichte Erotik angeht. Richtig in die Vollen gegriffen haben die Italiener erst in den 70er Jahren. Neben seinem Gothic-Horrorfilm Schloss des Grauens kann man Sieben Jungfrauen für den Teufel zu Margheritis besten Filmen zählen. Dieser Giallo ist in der Tat ein höchst vergnügliches Stück Eurocult-Kino.