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Donnerstag, 23. April 2009

A Blade in the Dark

Der Musiker Bruno zieht sich in das Haus seines Freundes Toni zurück, um dort in Ruhe am Soundtrack zu einem Horrorfilm, den seine Bekannte Sandra dreht, zu arbeiten. Kurz nach seiner Ankunft mehren sich aber mysteriöse Vorgänge im Haus. Irgendjemand hat ihm bei Aufnahmen was auf das Tonband geflüstert und aus einem Schrank springt ihm bei einem Rundgang im Haus die offensiv mit ihm flirtende Katia an und verschwindet genau so schnell wieder, wie sie gekommen ist. Als er in Katias Tagebuch, welches sie sich wieder holen wollte, etwas über die vorherige Bewohnerin Linda und ihr Geheimnis liest, ist seine Neugier geweckt. Dabei ahnt er nur vage, das ein Mörder am und auch im Haus sein Unwesen treibt und Bruno auf seine Liste gesetzt hat.

Nach seinem unter alleiniger Regie entstandenen Debütfilm Macabro - Die Küsse der Jane Baxter, am ein Jahr zuvor entstandenen Venus of Ille half noch sein Vater mit, widmete er sich einem Genre, das eben dieser mit dem Kultfilm Blutige Seide Anfang der 60er begründete: dem Giallo. Das Lamberto auch hier wie so oft in seiner Karriere nicht in die übergroßen Fußstapfen des werten Herrn Papa treten konnte, ist irgendwie schon zu ahnen. Nicht, das Lamberto Bava kein talentierter Regisseur ist. Gerade mit dem durch Hilfe von Dario Argento entstandenen Dämonen hat er einen seiner besten Filme abgeliefert, doch selbst hier blitzen neben all dem Potential auch Defizite auf.

A Blade in the Dark stellt den ersten Versuch Bavas dar, sich eines Giallos anzunehmen und ist, trotz aller Schwachpunkte, ein ganzes Stück besser als der ebenfalls hier im Blog besprochene und drei Jahre später entstandene Midnight Ripper. Dabei scheint es im Fall diesen Filmes irgendwo so, als hätte das Autoren-Duo Dardano Sacchetti und Elisa Briganti beim Aufräumen des Büros das Script aus dem Altpapierhaufen gefischt und es Bava untergeschoben. Immerhin waren beide zusammen für einige Fulci-Filme wie Woodoo - Schreckensinsel der Zombies, Der New York Ripper oder Das Haus an der Friedhofsmauer zuständig. Und Sacchetti selbst hatte schon seit den frühen 70er Jahren die Drehbücher zu vielen Genreproduktionen verfaßt. Nur hier hatte das Duo wohl keinen all zu guten Tag.

So musste sich Bava mit einem schwachen Drehbuch rumschlagen und kann dem Stoff nicht wirklich irgendwelche gute Momente verleihen. Sacchetti und Briganti erschufen ein nettes Grundszenario, spulen dies aber mit altbekannten Genreversatzstücken ab und zitieren zusammen mit dem Regisseur eiligst in manchen Szenen und Einstellungen Dario Argento. Nur das dessen Klasse zu keinem Zeitpunkt erreicht wird. Auffällig wird dies vor allem beim ersten Mord, als die junge Katia sich vor dem Mörder in einer ungeschickt gewählten Ecke des Hauses versteckt und dann von ihm mit dem Mordinstrument, einem herkömmlichen Bastelmesser (!), durch eine Art kleinmaschigem Netz bedroht, angegriffen und letztendlich über den Jordan geschickt wird. Argento hätte nun aus dieser Konstellation noch ewas rausholen können, bei Bava erscheint die Szene schlicht und ergreifend obskur.

Wobei obskur ohnehin ein gut gewähltes Wort ist, um einige Elemente des Werks zu beschreiben. Dies trifft auch für einige Figuren zu, wie bei der angesprochenen Katia. Da springt das Mädchen, aufgeschreckt durch eine Spinne, aus dem Schrank und wirft sich einen Schnitt später auch durch die nicht zu unterschätzende, unterdurchschnittliche deutsche Übersetzung und Synchronisation mit einem Dialog zum Schießen an Brunos Hals. Man möchte wohl fast jede im Film auftauchenden Person, egal ob dem wortkargen Gärtner, der euphorischen Regisseurin oder der zickigen Freundin Brunos so darstellen, das jeder dieser Figuren dem Zuschauer nicht ganz geheuer ist. Hier überrascht A Blade in the Dark dadurch, das Bava das Whodunit-Element relativ gut ausgearbeitet hat. Auch wenn es für erfahrene Kenner des Genres ein leichtes ist, schon früh klare Anhaltspunkte für die Identität des geheimnisvollen Mörders zu entdecken. Zumal man sich auch hier für ein altbekanntes, klassisches Motiv entschieden hat.

Weiters zieht sich die Vermischung des banal-altbekannten mit dem obskuren durch den Film, wenn im späteren Verlauf der ehemaligen Bewohnerin des Hauses, für den Zuschauer zu diesem Zeitpunkt auch auf der Liste der Verdächtigen, durch einen Fund im Keller eine wahrhafte Obsession für Tennisbälle (!), gut untermauert durch das Intro des Films, attestiert wird. Wäre dies ein sleaziger Giallo, es wäre ein schräger und vielleicht auch netter Einfall. Hier erscheint es nur als Irritation, da A Blade in the Dark so bieder und konventionell geschaffen wurde, das er durch den gesamten Look auch als eine billige TV-Produktion der 80er Jahre durchgehen könnte. Dem fast schon konservativen Inszenierungsstil stehen die überaus harten Morde gegenüber, die durch ihre brutale Darstellung, so makaber es klingen mag, eine der wenigen Höhepunkte des Films sind. Gerade der zweite Mord ist ein wahres Massaker, das in seiner letzten Szene wahre Schauer bereitet. Der Killer spült hier seelenruhig die blutverschmierte Badewanne aus, während sein Opfer mit aufgeschnittener Kehle an der Wanne sitzt und mit aufgerissenen Augen in Richtung des Zuschauers blickt. Eine überaus intensive Szene, die Bava hier geglückt ist.

Wobei dies wirklich zu wenig für den weiteren Verlauf des Films ist. Wenn auch ohne Längen, so kommt A Blade in the Dark ansonsten eher unspannend daher. Der Funke möchte beim Zuschauer einfach nicht überspringen. Zu ausgelutscht ist das, was hier auf der Mattscheibe präsentiert wird. Wenige Szenen und Kamerafahrten, ebenfalls am Werk des Vaters und Argentos angelehnt, sind geglückt. Und selbst das Titelstück des vom Duo Guido und Maurizio de Angelis, auch unter dem Pseudonym Oliver Onions und den darunter entstandenen Soundtracks für viele Bud Spencer- und Terence Hill-Filme bekannt, wird dadurch, das es zu oft im Verlauf des Films bemüht wird, eine eher nervige Sache. Wobei das Brüderpaar im großen und ganzen einen gelungenen Soundtrack abgeliefert haben. Selbst dieser kann aber nichts mehr bei A Blade in the Dark herausreißen.

Es ist einfach ein mittelmäßiger Spätgiallo, der trotzdem mehr befriedigende Momente bietet als der schon angesprochene zweite Giallo Bavas, Midnight Ripper. Eine weitere Schwäche des Films dürfte hierbei auch die unglückliche Wahl der Darsteller sein. Weder Andrea Occhipinti als Bruno noch seine mimischen Mitstreiter überzeugen durch wirklich gute Leistungen. Apathisch sind sie, im schlimmsten Falle - wie bei Lara Naszinsky - sogar noch etwas hölzern dazu. Wenn sie sich am Schluss des Films im Schrank versteckt und die Klinge eines Messers durch den Türschlitz stößt und stochert, so schmachtet sie schon beinahe das Messer an, anstatt angsterfüllt zu bibbern. Wenigstens eine Nebenrolle erscheint interessant: Als Freund Brunos, Toni, tritt ein gewisser Michele Soavi auf. Dieser hat eine wahrlich interessante Karriere aufzuweisen. So darf er in Fulcis Ein Zombie hing am Glockenseil seine eigenen Gedärme erbrechen, findet in Joe D'Amatos Absurd durch einen Bohrer in den Kopf den schnellen Rollentod und hat auch hier eine eher kleinere Rolle. Dafür blühte Soavi einige Jahre später als einer der interessantesten Regisseure des späten Genrekinos Italiens auf. Gerade der als Schmuddelfilmer und auch bei Fans sehr polarisierende Joe D'Amato erkannte Soavis Talent als Regisseur und produzierte mit seiner Firma Filmirage dessen Debüt Aquarius - Theater des Todes, welcher auch als Stagefright bekannt ist und einen wirklich guten Spätgiallo darstellt. Neben den sehenswerten Filmen The Church und The Sect ist Soavi zudem für einen der letzten großen Horrorfilme Italiens verantwortlich: dem poetischen Meisterwerk DellaMorte DellAmore.

Man hätte es vielleicht schon früher mit Soavi und seinem Regietalent versuchen sollen. Wobei selbst dieser bei A Blade in the Dark nicht viel aus der konstruierten Geschichte hätte herausholen können. So bleibt es wieder an Lamberto Bava hängen, dem man auch hier attestieren können: das Talent und Potential ist sichtbar, wird aber leider wieder verschenkt, um sich einen mittelmäßigen Spätgiallo in die Filmographie zu schreiben.

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