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Mittwoch, 14. Februar 2018

The Cloverfield Paradox

Stell' dir vor, du willst endlich mal einen Film drehen, aber hast keinen Plan, worüber. Du überlegst hin, überlegst her, schreibst ein paar Ideen auf, findest einige gut, andere wieder nicht. Leider kommen wenig Einfälle zusammen, da ist es besser, die schlechteren auf dem Zettel zu lassen. Dann ist dieser nach einiger Zeit total chaotisch vollgekritzelt, Notizen überschneiden sich und du blickst nicht mehr durch. Um dem Chaos Einhalt zu gebieten, schreibst du alle Notizen ins Reine. Dabei fallen dir einige doofe Dialoge ein, die gleich mit aufgeschrieben werden, bevor sie ins Reich der Vergesslichkeit abdampfen. Zwischendrin blitzen Vorstellungen für deine Figuren auf. Schnell noch mit dazu kritzeln und merken, dass alles noch ziemlich wirr ist. Beim neuerlichen ordnen der Textfetzen werden diese mit weiteren kleinen Gedankenspielen verbunden bis irgendwann, ohne es zu wollen, ein Drehbuch daraus wird.

Das ist dann Science-Fiction, ein bisschen Horror und Mystery. Das könnte vielleicht bald wieder angesagt sein, einige andere Studios haben bald Filme mit dieser Mische am Start. Beim Durchlesen der Seiten fällt dir zwar auf, dass da einige Logikbrüche drin sind, die allerdings nur gleichgültiges Schulterzucken erzeugen. Wer achtet da schon drauf? Einige übergenaue Nerds vielleicht. Der Rest der Menschen die ins Kino kommen, ist doch mehr mit dem Fressen überteuerten Junkfoods, Süßigkeiten oder dem lauten Schlürfen von Getränken, dem Glotzen auf das Smartphone und dem Plappern mit den Sitznachbarn beschäftigt. Dazwischen knallen diese tolle Szenen rein, für die du dir selbst öfter gerne auf die Schulter klopfst. Da muss ich dir sagen: die gibt es wirklich. Der Arm, der in der Wand feststeckt und dann ein Eigenleben entwickelt. Das macht Spaß. Hast du nicht eben einige Zuschauer lachen gehört? Das geht runter wie Öl. Scheißegal, dass die lachen, weil das ganze so irrsinnig und trashig ist.

Nix gegen Trash. Den magst du ja auch. Aber du verortest deinen Film schon eher im Premium-Segment. Immerhin ist doch dieser eine Deutsche mit an Bord, der es wie viele seiner Kollegen hier in Hollywood versucht und dabei halb im Sumpf der B-Filme versinkt. Oh, jetzt kam das böse Wort. B-Film vergessen wir schnell mal wieder. Das ist kein B! Das Budget ist jetzt nicht ganz so hoch, aber die Darsteller, die man jetzt gecastet hat, die lesen sich doch ganz gut. Sicher, von denen ist dieser Deutsche, Brühl oder so, der bekannteste. Aber egal. Wenn die alle aus dem Kino draußen sind, können sich nur wenige an die Namen der Chargen oder die Geschichte erinnern. Wegen deinem kritzeligen Anfangsdurcheinander bekommst du die auch kaum noch richtig zusammen. Irgendwas mit knapper Elektrizität auf der Erde, Experimente im All mit einem Teilchenbeschleuniger um dieser Knappheit Herr zu werden und einem Fehlschlag. Dann sind die internationalen Astronauten schon so verwirrt wie die Leute, die richtig beim Film aufpassen. Wo ist die Erde hin? Ist sie zerstört worden? Ist man nur in einer anderen Dimension? Kreuzen sich verschiedene Dimensionen und sorgen so - wie auf dem Papier - für unerklärliche Dinge? Oder hat man einen Spion eingeschleust, der vielleicht dafür Sorgen soll, die Arbeit zu sabotieren? Sind da Außerirdische im Spiel? Am Besten ist es, wenn vielleicht eine der Figuren, die du nie über ihre ersten Entwürfe auf der alten Wendys-Serviette hinaus entwickelt hast, gar nicht ins All wollte und nun mit ihrem Ehemann auf der Erde in Kontakt ist. Emotionaliät sollte man nicht vergessen! Die haben also noch ein bitteres Schicksal in der Vergangenheit gehabt. Das zieht! Keine Ahnung, warum das alles beim Studio nicht zieht und das immer noch auf einen Kinostart wartet.

Stell' dir vor, du hast ein Film-Franchise und keinen Plan, was du damit anfangen sollst. Du hast einen famosen Erstling hingelegt, der alteingessene Genrefans wegen des Gewackels auf der Leinwand immer noch das Hirn auseinander springen, ansonsten das Found Footage-Genre aufleben ließ und wohlwollende Stimmen mit sich brachte. Der zweite Teil war ganz was anderes, der gut Anfing, bei der Verbindung mit deinem Franchise ziemlich versagte aber von dem guten, alten Schauspieler zusammengehalten wurde. Der Rest war ja schon ziemlicher Standard. Was könntest du jetzt als dritten Streifen machen? Vielleicht betätigst du dich wieder als dieses smarte Marketing-Genie, der damit seine Filme manchmal interessanter erscheinen lässt, als sie sind. Das kann sicher funktionieren. Dieser komische God Komplex den du letztens im Giftschrank von Paramount gefunden hast, der könnte doch funktionieren. Da werden ein paar Szenen dazu gewürfelt, die Leute aus der CGI-Abteilung können bei dieser einen Szene auf der Erde einen Schatten in den Hintergrund bauen, der an das Monster aus dem ersten Film erinnert. Das hat man ja nie komplett gesehen. Das passt doch super!

Dann wirst du das alles zusammenknüppeln lassen, immerhin musst du ja noch bei dieser tollen Science-Fiction-Saga mitmachen, die mit jeder weiteren Fortsetzung noch mehr Richtung Bedeutungslosigkeit (als sie sowieso schon ist) driftet. Aber die Nerds kaufen es ja (wortwörtlich) ohnehin. Und bei so einem kultigen Franchise mitzuwirken ist weitaus cooler. Naja. Wenigstens wichtiger für deinen Geldbeutel. Vielleicht kannst du ja noch einige coole Ideen aus dem Hut für den Franchise zaubern. Mit der dünnen Verknüpfung mit den zwei Vorgängern und der Erklärung, woher die Monster aus dem Ursprungswerk kommen, halten dich zwar viele für bekloppt, weil das so alles so abwegig und konstruiert wirkt. Aber egal. In der Werbepause beim Superbowl fickst du die ganze Internetgemeinde und Filmfreaks weg. Gut, dass Reed mit dir und Paramount den Deal fertig gemacht hast. Die Allesbinger von Netflix und deine Fanboys oder die paar, die Cloverfield und 10 Cloverfield Lane wirklich gut fanden, werden sicher auch den Neuen beklatschen. Du musst zugeben: manches ist an dem echt nicht verkehrt. Der kann sich nur nicht entscheiden. Das ist willkürlich und wirkt, als hätte man dutzende einzelner Fragmente mit einem hauchdünnen roten Faden verknüpft. Das wäre wohl eigentlich ein Wegwerf-DTV-Film geworden. Leicht trashig, ziemlich beliebig und irgendwann nur noch eine Fußnote in der Geschichte des Genrefilms. Jetzt hast du den The Cloverfield Paradox genannt. Einerseits weil du das noch schnell als Namen des Phänomens des fehlgeschlagenen Versuchs in die Geschichte eingebaut hast, andererseits weil der Name Programm ist. Paradox ist das Buch wirklich. Dir ist mal kurz The Cloverfield Mix Up durch den Kopf gegangen.

Das beschreibt den Film besser, wäre als Titel aber zu ehrlich. Später, zwischen dem Meeting mit George und dem Stuhlgang, machst du dir mal Gedanken über den vierten Teil. Der spielt dann plötzlich im Zweiten Weltkrieg. Egal, ob einige Fans das jetzt schon kritisch beäugen. Die nervigen Internetheinis wissen alles besser... Egal, das einige sagen, mit dem dritten Film hast du das ganze Franchise an die Wand gefahren. Mit dieser Erklärung kannst du so locker irgendwelche gescheiterten Filme oder zuvor eigenständige Filme in dieses planlose Universum einfügen, dass da sicher auch noch Fortsetzungen drin sind, die im wilden Westen oder zur Zeit der Renaissance spielen. Für die paar Fans mit der Aufmerksamkeitsspanne einer Filzpantoffel könnte dieses Ding schon ein Hit sein. Hoffst du. Insgeheim. Wenn du mal ganz tief in dich gehst und ehrlich bist, dann musst du ja auch eingestehen, dass die Entscheidung, dieses Ding ins Cloverfield-Universum zu packen nicht die beste Entscheidung war. Dafür ist der Film totaler Mumpitz. Leider hast du an zwei Stellen zu oft geschmunzelt und dich entschieden, dass so zu machen. Einem J. J. Abrams gelingt immerhin alles. Scheißegal, dass viele schon geschrieben und gesagt haben, dass du hier etwas weniger gutes abgeliefert hast.

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